mini|Yin-Chang, Porträt aus The China Weekly Review (Shanghai), 1925, S. 938.|306x306px Yin-Chang oder In-ch'ang (vereinfachtes Chinesisch: 荫昌; traditionelles Chinesisch: 廕昌; Pinyin: Yìnchāng; 1859Xu (Haupt-Hrsg.) zufolge. 2007, S. 2209. Who’s Who in China 3rd edition,1925, S. 938. schrieb „1860“. -1928Erich Gütinger: „Yin Chang died on April 11, 1934 due to an illness age 76 years, Beijing“. www.gerenjianli.com. Nc 1084 & https://zhidao.baidu.com/question/358339017?bd_page_type_=0&pu=&init=middle) war ein Militärbeamter, Gesandter in Deutschland und Bildungsreformer in der Qing-Dynastie und der Republik China. Er wurde in der späten Qing-Dynastie zum ersten Kriegsminister des Landes ernannt und diente während der Republik allen nachfolgenden Präsidenten der Beiyang-Regierung als militärischer Stabschef. Yin-Chang gehörte der Ethnie der Mandschu an und seine Familie war Teil der Weißbannerdivision (滿洲正白旗), einem Klan des Manchu-Militärs; er trug den Titel des Prinzen dieses Klans und wurde am Hof Wu-lou (五/午楼) genannt.
Leben und Arbeit
In der Qing-Dynastie
Erster Deutschlandaufenthalt (1877–1884) Yin-Chang war zunächst Student an der Guozijian und studierte ab 1872 Deutsch an der Tongwen Guan in Peking. 1877 wurde er als Attaché an die kürzlich eingerichtete Chinesische Gesandtschaft in Berlin entsandt, die über Außenstellen in Wien und Amsterdam verfügte. Er war Mitglied der zweiten Gesandtschaft Chinas unter dem Gesandten Li Fengbao (1834–1887). links|mini|Yin-Chang, Leutnant im 84. österreichischen Infanterieregiment, 24. Mai 1883. Hauptmann Friedrich Heyer von Rosenfeld Archiv. Bei seiner Ankunft beherrschte er die deutsche Sprache noch nicht fließend und wurde daher vom Übersetzer der dritten in die vierte Klasse herabgestuft. Dieses Defizit glich er jedoch rasch aus. Schon bald beherrschte er Hochdeutsch und die Berliner Mundart sowie die Umgangssprache der kaiserlichen Grenadiere.China's Minister at Berlin. London Times; New York Times, 26. April 1902.Holger Afflerbach: Falkenhayn: Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich. Wissenschaftsverlag, Oldenburg, 1994. Georg von der Gabelentz, einer der Gründerväter der deutschen Sinologie, würdigte in der Einleitung seiner 1883 erschienenen Chinesischen Grammatik Yin-Changs Freundlichkeit und Bereitschaft zur Kooperation sowie dessen Arbeit bei der Durchsicht der Manuskripte und seine Beherrschung der deutschen Grammatik.Georg von der Gabelentz: Anfangsgründe der chinesischen Grammatik. 1883. Während seiner Zeit in Berlin heiratete Yin-Chang eine deutsche Frau, mit der er eine Tochter hatte.Who’s Who in China. 3. Auflage. 1925, S. 938.Erich Gütinger: Die Geschichte der Chinesen in Deutschland – Ein Überblick über die ersten 100 Jahre seit 1822. Waxmann Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8309-1457-1, S. 274 ff.
Yin-Chang war von 1877 bis 1883 an der Königlich Preußischen Militärakademie in Groß-Lichterfelde (Preußische Hauptkadettenanstalt) eingeschrieben, wo er, wie auch Kronprinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm II., Militärwissenschaften studierte. Yin-Chang entwickelte eine Freundschaft zur Familie Krupp, deren Unternehmen Munition und Rüstungsgüter herstellte. Um eine weiterführende militärische Ausbildung zu erhalten, wurde er 1883 als Leutnant zum 84. Österreichischen Infanterieregiment geschickt, das unter dem Kommando von Baron von Bauer in Wien stationiert war.Wolfgang Seuberlich: Yin-chàng - Aufzeichnungen über einen Mandschu-General und Diplomaten der Übergangszeit. In: Lydia Brüll, Ulrich Kemper (Hrsg.): Asia. Tradition und Fortschritt. Festschrift für Horst Hammitzsch zu seinem 60. Geburtstag. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1971, S. 569–583. Yin-Chang fand dort gefallen an der Wiener Lebensart.
Yin-Chang wurde 1884 nach China zurückbeordert und zunächst der Marineakademie in Tientsin zugeteilt;Yin Chang Minister in Deutschland. New York Times, 14. August 1901. im Dezember desselben Jahres wurde er jedoch nach Peking berufen, um als Übersetzer für den deutschen Militärgesandten beim Kaiser zu dienen.Xu (Haupt-Hrsg.), 2007, S. 2209. Übersetzung: Erich GütingerWho’s Who in China. 3. Auflage. 1925, S. 938.Gaimusyô Zyôhôbu, 1928, S. 4. links|mini|Yin-Chang, 15. August 1891, Beijing. Hauptmann Friedrich Heyer von Rosenfeld Archiv. Im Juni 1885 wurde Yin-Chang zum Ausbilder für Militärwissenschaft an der Militärakademie von Tientsin (天津武備學堂) ernannt und brachte deutsche Offiziere dorthin, damit diese das Studium und die Praxis deutscher Militärtechniken lehrten. Im folgenden Jahr wurde er zum Leiter der Akademie befördert. Unter seiner Leitung studierte auch Feng Guozhang, der spätere Präsident der Republik China.
Nach dem Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg (1884–1885) beteiligte sich Deutschland an den Verhandlungen über den Vertrag von Shimonoseki und instrumentalisierte die Ermordung zweier deutscher Missionare, um die Konzession der Kiautschou-Bucht (dem heutigen Jiaozhou) in der Provinz Shandong zu erwerben. Heinrich von Preußen segelte 1898 mit seinem ostasiatischen Marinegeschwader in Tianjin ein und lud Yin-Chang vor, um mit ihm über die deutschen Ansprüche auf das Gebiet der Kiautschou-Bucht und den Hafen von Tsingtau (Qingdao) zu verhandeln. Heinrich von Preußen erzielte eher einen diplomatischen anstelle eines militärischen Erfolgs. Er wurde im Mai 1898 der erste Ausländer, der im Sommerpalast Wan-shou shan sowohl vom Kaiser als auch der Kaiserin-Witwe empfangen wurde. Im Winter 1899 leitete Yin-Chang die Verhandlungen mit Deutschland über die Eisenbahn- und Bergbaurechte in der Provinz Shandong (山東路礦章程) und die Konzession in Tsingtau (Qingdao). Diese gingen in das Boxerprotokoll ein, das am 7. September 1901 in Peking unterzeichnet wurde,Treaties and Agreements with and Concerning China. Bd. 1: 1894–1919. Oxford University Press, New York 1921. und später auch in das Tianjiner Protokoll, das 1918 Teil des Friedensvertrags mit Deutschland wurde, der den Ersten Weltkrieg beendete,U.S. Kongress Senatsausschuss für auswärtige Beziehungen, 66. Kongress: Vertrag von Versailles, Teil 1. U.S. Govt. Printing Office, 1919, S. 1090.
Als die Truppen der Acht-Nationen-Allianz während des Boxeraufstands Peking stürmten, um die belagerten Botschaften zu befreien, sollen Yin-Chang und seine mit deutschen Waffen ausgerüsteten Soldaten den Kaiser Guangxu und die Kaiserin-Witwe Cixi durch die Hintertore der Verbotenen Stadt in die sichere Provinz Shaanxi geführt haben, wo die ausländischen Truppen sie nicht erreichen konnten.
Zweiter Deutschlandaufenthalt (1901–1905) 1901 wurde Yin-Chang zum Generalleutnant der Garnison der Weißbannerdivision (正白旗漢軍副都統) und im August desselben Jahres zum chinesischen Gesandten in Berlin, Deutschland, ernannt.Yin Chang Minister in Deutschland. London Times, 14. August 1901. Außerdem schickte die Kaiserinwitwe den 18-jährigen Zaifeng, auch bekannt als Prinz Chun II, mit einer Sondermission nach Deutschland, um Kaiser Wilhelm II. das Bedauern Chinas über die Ermordung des Barons Clemens von Ketteler während des Boxeraufstands zu übermitteln. In Deutschland wurde dies die „Sühnemission“ genannt. Die Mission erwies sich als unerwarteter Erfolg, und Prinz Chun II, das erste Mitglied der kaiserlichen Familie, das außerhalb Chinas reiste, wurde von einer neugierigen und begeisterten Menge empfangen.The Sketch: A Journal of the Arts. In: London Times. 4. September 1901. Nach einigen Verhandlungen mit dem KaiserChina and the Powers, Prince Chun's Mission. The Age. 4. September 1901.Prince Chun's Mission. In: The Guardian. London, 4. September 1901. bereitete dieser Prinz Chun II einen prächtigen Empfang und lud ihn ein, 50.000 Soldaten in Danzig bei ihren Militärübungen zu besuchen.Japan Daily Mail. Bd. 36, 18. September 1901, S. 303. Die internationale Presse berichtete über jeden seiner Schritte, was die Kaiserinwitwe beunruhigte und ihn in der Folge den Rest seiner Europareise verkürzen ließ.Pu-Yi Aisin-Gioro: Vom Kaiser zum Bürger: Die Autobiographie von Aisin-Gioro, Pu-Yi. Foreign Language Press, Peking 1989.Neues Wiener Tagblatt. 35 (198), 3–4/16, 22. Juli 1901.
Yin-Chang beherrschte als Gesandter einige Sprachen: Er war mit Mandschu und Chinesisch (Mandarin) aufgewachsen und sprach laut zeitgenössischen Berichten sehr gut Deutsch. Möglicherweise beherrschte er auch Französisch, die damalige Diplomaten-sprache, und Englisch. Der deutsche Kaiser und sein dessen Hof waren von Yin-Changs Kenntnis des Berliner Dialekts begeistert. Der gekonnte Einsatz der Berliner Schnauze trug dem chinesischen Gesandten große Beliebtheit ein.China's Minister at Berlin. In: London Times. und New York Times. 26. April 1902. Während seiner Arbeit als Gesandter in Deutschland, stand Yin-Chang in geselligem Austausch mit Kaiser Wilhelm II.,Yin Chang’s Chaotic Life (职业官迷荫昌的纷乱人生). Übersetzung: Erich Gütinger, abrufbar unter: https://www.wenmi.com/article/pxhex6006cw5.html der sich zu der Zeit mit Fragen der Modernisierung von Streitkräften und den damit verbundenen Herausforderungen befasste.Edmund S.K. Fung: The Military Dimension of the Chinese Revolution: The New Army and Its Role in the Revolution of 1911. University of British Columbia Press, Vancouver 1980, S. 47–53. Von ihm lernte Yin–Chang einiges über die Organisation, Ausbildung, disziplinarischen Maßnahmen und Ausrüstung einer modernen Armee. Während dieser Zeit wurde Yin-Chang gebeten, für eine Periode als Gesandter in den Niederlanden zu amtieren. Zurück in Deutschland bereitete er einen Staatsbesuch in China für Adalbert von Preußen vor, dem 3. Sohn Kaiser Wilhelms II.Oliver Simon: Kurzbeitrag. In: Zeitschrift für Chinesisches Recht. (Der Bericht der chinesischen Studienkommission aus dem Jahr 1906 über ihren Besuch in Deutschland berichtet über Yin Changs Kenntnisse deutscher Angelegenheiten und seine hervorragenden Sprachkenntnisse. Er ist an die Kaiserinwitwe Cixi und den Kaiser gerichtet. Der Bericht wurde am 9. April 1906 von Berlin nach China geschickt. 20 Tage später bestätigte der chinesische Kaiser, ihn gelesen zu haben). 13, Nr. 1, 2006, S. 77–85.
1905 wurde Yin-Chang nach China zurückberufen und zum Director of the Nobles’ College (貴冑學堂總辦) in Peking ernannt.Yin Chang Interview: The Defiant Chinese. In: The Christian Register, The Christian Register Association, Boston, MA, 22. März 1906. Da Yin-Chang sich die Haare abgeschnitten hatte, befestigte er an seinem Amtshut, den er bei seinen häufigen Vorladungen am Hof trug, einen Perückenzopf – sehr zum Missfallen der alteingesessenen Bürokraten.Chinese biography of Yin Chang, Übersetzung: Erich Gütinger, www.gerenjianli.com. (Es gibt keine Aufzeichnungen über die Namen seiner deutschen oder chinesischen Ehefrau(en) oder seiner Kinder mit Ausnahme seines Sohnes Yin Tie Ge, auch bekannt als Yin-Chang.)
Yin-Chang leitete wichtige Veränderungen zur Modernisierung Chinas sowohl im Militär als auch im nationalen Bildungssystem ein. Er begann seine Kampagne damit, dass er die traditionellen Uniformen der chinesischen Armee durch Uniformen nach deutschem Vorbild ersetzte.Ralph Reilley: Wartime Changes to the German Field Uniform. 1912. Waffen und Munition bestellte er bei Krupp.G. E. Morrison: The Correspondence of G. E. Morrison, 1895–1912. S. 615.
Yin-Chang war einer der führenden Reformer, die die Abschaffung der chinesischen Beamtenprüfung in der Qing-Dynastie auf den Weg brachten; diesen Schritt erachtete er als unerlässlich für die Modernisierung Chinas.Yin Chang: The Awakening of China. In: The Dresden Daily. (English Language Daily), Nr. 88, Samstag, 19. Mai 1906. Er hatte weitreichende Folgen: Die Abschaffung der konfuzianischen Klassiker öffnete den Lehrplan für alle modernen Disziplinen der Natur- und Geisteswissenschaften. Anstatt einem sozialen Aufstieg durch die Ernennung in den Staatsdienst entgegenzustreben, konnten die Studierenden nun ihren eigenen Interessen nachgehen und sich auf einen Beruf ihrer Wahl, einschließlich des Militärdienstes, vorbereiten.