Karl-Heinz Thiemann (* 11. August 1933Stadtarchiv Nürnberg: A 81/I Nr. 879 - Theaterbilder / Porträts « A 81 - Theaterbilder; Bildsammlung zu Aufführungen der Städtischen Bühnen bzw. des Opernhauses. Eingesehen am 28. April 2021.Siegfried Augustin: Karl-Heinz Thiemann. Ein Porträt des Künstlers in einigen seiner großen Rollen (CD-Booklet; 2008). in Herbern bei Münster, Westfalen) ist ein deutscher Opernsänger (Tenor).

Leben Herkunft und Ausbildung Thiemann wurde im Münsterland geboren. Er stammt aus einer musikalischen Familie. Er war als Eisenbahnbeamter tätig und trat zunächst als Solist bei verschiedenen Gesangsvereinen auf. Er studierte dann, nach einem erfolgreichen Vorsingen, von 1956 bis 1961 im Hauptfach Gesang am Konservatorium Dortmund bei Ks. Rudolf Watzke und an der Musikhochschule Köln bei Dietger Jakob.Wir stellen vor: Karl-Heinz Thiemann. In: Programmheft und Besetzungszettel zur Oper Lohengrin; Aufführung vom 5. Juli 1980 (Opernhaus Nürnberg)Programmheft Neujahrskonzert der Nürnberger Symphoniker 1996 vom 5./6. Januar 1996, S. 5.Programmheft Hans-Sachs-Chor Nürnberg vom 10. April 1998 Während des Studiums sang er bereits in Dortmund die Tenor-Partie im Verdi-Requiem in einer Aufführung von Studierenden des Konservatoriums.

Anfangsjahre Sein erstes Festengagement hatte er (als „Lyrischer Tenor und Zwischenfachtenor“) am Stadttheater Koblenz. Dort debütierte er 1961 als Florestan in Fidelio. In seiner ersten Spielzeit sang er dort insgesamt sechs verschiedene Fachpartien: unter anderen Alvaro in Die Macht des Schicksals, Turiddu in Cavalleria rusticana, Rinuccio in Gianni Schicchi und Ernesto in Don Pasquale. In seiner zweiten Spielzeit 1962/63 übernahm er dort unter anderem Belmonte in Die Entführung aus dem Serail (1963), erstmals Max in Der Freischütz (1963) und erstmals die Titelrolle in Lohengrin (neben Edeltraud Blanke als Elsa von Brabant). Als Max gastierte er in seiner Koblenzer Zeit auch bei den Eutiner Festspielen.

Es folgte ein weiteres Festengagement von 1965 bis 1968 als „Jugendlicher Heldentenor“ am Opernhaus Essen. Dort übernahm er jugendlich-dramatische Rollen wie die Titelrolle in Andrea Chénier und Hugo von Ringstetten in Undine.

Festengagement am Opernhaus Nürnberg In der Spielzeit 1965/66 gastierte Thiemann in zwei Vorstellungen (November 1965/März 1966) kurzfristig als Einspringer erstmals am Opernhaus Nürnberg, als Hoffmann in der Oper Hoffmanns Erzählungen. Daraufhin wurde er von GMD Hans Gierster als Gast für die Titelrolle in Don Carlos (Premiere: April 1966, mit Elizabeth Kingdon als Elisabeth von Valois und Janis Martin als Prinzessin Eboli) an das Opernhaus Nürnberg verpflichtet. Den Don Carlos sang er bis Mai 1967 als Gast in zahlreichen weiteren Vorstellungen dieser Produktion. Im November 1966 gastierte er am Opernhaus Nürnberg auch als Manrico in Der Troubadour.

Ab der Spielzeit 1968/69 gehörte Thiemann dem Opernhaus Nürnberg als festes Ensemblemitglied bis zu seinem Ruhestand zum Ende der Spielzeit 1997/98 an.Staatstheater Nürnberg. Nürnberg 2005, S. 52. ISBN 3-924773-12-2 Er gehörte dort über Jahrzehnte zu den „Stützen des Hauses“.Staatstheater Nürnberg. Nürnberg 2005, S. 66. ISBN 3-924773-12-2 Thiemanns Antrittsrolle in Nürnberg war die Titelrolle in Othello (Premiere: Dezember 1968, mit Catarina Ligendza als Desdemona).Von der Unerträglichkeit des Glücks. Premierenkritik. In: Nürnberger Zeitung vom 26. Dezember 1968. Wiederveröffentlicht auf Nordbayern.de am 26. Dezember 2018. Den Othello sang er später nochmals in einer weiteren Nürnberger Othello-Neuinszenierung (Premiere: April 1978; Regie: Hansjörg Utzerath; mit Johanna-Lotte Fecht als Desdemona) und auch in der Wiederaufnahme der Produktion im Dezember 1978.

Thiemann sang in Nürnberg sämtliche Fachpartien im Rollenfach des Jugendlichen Heldentenors, später nahm er zahlreiche große Heldentenor-Rollen sukzessive in sein Repertoire auf. Auch das Rollenfach des schweren Charaktertenors sang Thiemann am Nürnberger Opernhaus.

In der Spielzeit 1969/70 trat er in Nürnberg erstmals in der Rolle des Max in Der Freischütz auf (Regie: Hans-Peter Lehmann). In einer Inszenierung von Peter Beauvais übernahm er am Opernhaus Nürnberg 1980 nochmals die Rolle des Max in einer Neuinszenierung (Premiere: April 1980; Dirigent: Hans Gierster). Thiemann sang diese Rolle durchgehend bis 1986, außerdem in der Wiederaufnahme weiterhin von November 1988 bis Juni 1989. Im September 1971 sang er in Nürnberg erstmals Herodes in Salome (unter anderem mit Claudia Hellmann und Astrid Varnay als Herodias).

Weitere Rollen Thiemanns in den 1970er Jahren waren Kaiser in Die Frau ohne Schatten (Spielzeit 1973/74; Regie: Hans-Peter Lehmann, Dirigent: Hans Gierster, mit Astrid Varnay als Amme), Dimitri in Boris Godunow (Spielzeit 1974/75; mit Dunja Vejzovic als Marina und Astrid Varnay als Schenkwirtin), Hermann in Pique Dame (Premiere: Oktober 1975; Regie: Werner Düggelin; musikalische Leitung: Hans Gierster), Prinz in Rusalka (Premiere: Dezember 1975; Regie: Bohumil Herlischka, Dirigent: Wolfgang Gayler), Tichon in Katja Kabanowa (Premiere: April 1977; Regie: Ulrich Brecht) und Wladimir in Fürst Igor (Premiere: September 1978; Regie: Giancarlo Del Monaco).

In der Spielzeit 1978/79 sang er den Bacchus in einer Ariadne auf Naxos-Neuinszenierung. Ab Anfang 1979 sang er den Canio in mehreren Repertoirevorstellungen von Der Bajazzo, im Juni 1981 auch an der Seite von seiner langjährigen Nürnberger Bühnenpartnerin Ursula Wendt-Walther (als Nedda). In der Spielzeit 1979/80 sang er die Titelpartie in einer Don Carlos-Neuinszenierung.

Wagner-Rollen am Opernhaus Nürnberg Thiemann wurde am Opernhaus Nürnberg, insbesondere nach dem Ausscheiden von Sebastian Feiersinger (1975), häufig als Wagner-Tenor eingesetzt. Am Opernhaus Nürnberg galt er Jahrzehnte als „Inbegriff des Wagner-Sängers“.Jens Voskamp: Abschied von der Bühne in: Nürnberger Nachrichten vom 22. Juli 1998

In der Spielzeit 1969/70 sang er erstmals am Opernhaus Nürnberg den Lohengrin, in einer Inszenierung von Hans-Peter Lehmann; diese Rolle übernahm er später auch in der Wiederaufnahme der Produktion im Juni und Juli 1980. In der Spielzeit 1989/90 sang er nochmals den Lohengrin in einer Neuinszenierung von Ernst A. Klusen, als Hausbesetzung neben Thomas Sunnegardh, wo er im Mai 1991 auch letztmals als Lohengrin auftrat. Im Mai 1971 war Thiemann am Opernhaus Nürnberg erstmals als Walter von Stolzing in der Oper Die Meistersinger von Nürnberg (Regie: Hans-Peter Lehmann; Wiederaufnahme 1981) zu hören. Von 1986 bis 1989 übernahm er dann nochmals den Stolzing (als Hausbesetzung neben Wolfgang Fassler in einer Meistersinger-Neuinszenierung von Heinz Lukas-Kindermann; Premiere: November 1986). Seinen letzten Stolzing sang er im Mai 1989.

Im Dezember 1977 sang er erstmals Erik in Der Fliegende Holländer (Dirigent: Hans Gierster; Regie: Luca Ronconi; bei dessen ersten Regie-Debüt in Deutschland). Die Rolle des Erik übernahm er später nochmals in der Spielzeit 1992/93 in einer weiteren Holländer-Neuproduktion, ab April 1993 neben Bent Norup in der Titelrolle; ebenso in den Wiederaufnahmen in den Jahren 1994 und 1996. Im April 1994 sang er den Erik auch in der Abschiedsvorstellung der Nürnberger Sopranistin Ursula Wendt-Walther. Im Juli 1996 trat er zuletzt als Erik auf.

1978 übernahm er den Loge in Das Rheingold (Premiere: Juli 1978; Regie: Hansgünther Heyme, Dirigent: Hans Gierster) im danach aus Kostengründen abgebrochenen Nürnberger Ring-Zyklus. Im Februar 1983 sang er erstmals die Titelrolle in Parsifal (Regie: Gert Westphal; musikalische Leitung: Hans Gierster). Im Oktober 1983 debütierte er als Siegmund in Die Walküre (Premiere: Oktober 1983; Regie: Gerhard Klingenberg; musikalische Leitung: Hans Gierster).

Die großen Heldentenor-Rollen im Wagner-Fach erarbeitete Thiemann im späteren Verlauf seiner Karriere am Opernhaus Nürnberg unter dem Dirigenten Christian Thielemann: die Titelrollen in Tannhäuser (Premiere: Oktober 1990; bis Dezember 1991) und Tristan und Isolde (Premiere: März 1992; zuletzt im Juni 1993). Thielemann setzte in seiner Zeit als GMD in Nürnberg Thiemann in zahlreichen großen Hauptpartien ein, insbesondere in Opern von Richard Wagner, Richard Strauss und Hans Pfitzner.

Einsatz für die Moderne Thiemann übernahm während seiner Karriere immer wieder auch Partien aus dem Bereich der Moderne. Der Musik des 20. Jahrhunderts galt dabei sein besonderes Interesse. Auch in seiner Wortdeutlichkeit und Gestaltungskraft zeigte sich Thiemanns starke Affinität zur Musik der Moderne.

In der Spielzeit 1970/71 (Premiere: Dezember 1970) sang Thiemann den Aron in Moses und Aron. In Kritiken wurde Thiemanns „ariose Eloquenz“ hervorgehoben."Moses und Aron" - Glanzstück der Nürnberger Oper (Aufführungskritik) in: Melos, Band 36, Heft 2, S. 70/71 Er wurde in seiner Interpretation des Aron als „sehr ausdrucksstark singender Tenor“ charakterisiert.Musica: Monatsschrift für alle Gebiete des Musiklebens; Band 25 (1971), Seite 40 In der Spielzeit 1970/71 sang er den Kardinal Albrecht von Brandenburg in Mathis der Maler (Regie: Hans-Peter Lehmann; Premiere: April 1971). Im April 1972 wirkte er in der Nürnberger Erstaufführung des szenischen Oratoriums Das Floß der Medusa von Hans Werner Henze mit. Im Juni 1975 gastierte er in dieser Produktion mit dem Ensemble der Nürnberger Oper im Rahmen des Maggio Musicale im Teatro Comunale in Florenz. In der Spielzeit 1973/74 sang er den Offizier in der Premierenproduktion der Cardillac-Urfassung. Im Juni 1974 gehörte er als Desportes zur Besetzung der Nürnberger Erstaufführung der Oper Die Soldaten (Dirigent: Hans Gierster, Regie: Hans-Peter Lehmann). In der Spielzeit 1974/75 sang er den Tambourmajor in einer Neuinszenierung von Wozzeck (Regie: Hansgünther Heyme). In der Spielzeit 1976/77 sang er den Alwa in einer Lulu-Neuniszenierung (Premiere: Juli 1977, Regie: Hansgünther Heyme).

Im Oktober 1980 übernahm er die umfangreiche, schwierige Partie des Görge in der Uraufführung der Oper Der Traumgörge von Alexander Zemlinsky."Traumgörge", Zemlinsky, DOBerlin Tamino Klassikforum; Eintrag vom 13. Juni 2007 1982 sang er in der Nürnberger Erstaufführung der Oper Lear (Premiere: März 1982) die Rolle des Edmund.Klaus Schultz (Hrsg.): Aribert Reimanns Lear. Weg einer neuen Oper. München 1984. S. 170 (Besetzung). ISBN 3-423-10152-0. Den Edmund „charakterisierte Thiemann mit zynisch schneidenden Tönen“.Walter Bronnenmeyer: Demontage eines Menschen; Aufführungskritik in: Opernwelt, Mai 1982, S. 32/33. Im Dezember 1982 folgte der Oedipus in Oedipus Rex (Premiere: Dezember 1982; mit Gail Gilmore als Iokaste). In der Nürnberger Erstaufführung der Oper Baal (Premiere: Juni 1984) von Friedrich Cerha war er als Fabrikant Mech zu hören. Baal (Besetzung 1984) 1985 sang er den Diener Jean in der Nürnberger Erstaufführung (Premiere: Januar 1985, Kammerspiele Nürnberg) der Oper Fräulein Julie von Antonio Bibalo.„Karl-Heinz Thiemann…schuf mit darstellerischer und vokaler Prägnanz eine faszinierend schillernde, unfaßliche Figur“. Aufführungskritik von Walter Bronnenmeyer: Ein kategorischer Harakiri in: Opernwelt, März 1985. S. 38/39 1986 übernahm er die Titelrolle in der Uraufführung der Oper Satyros von Andreas Nick (Premiere: Juni 1986; Nürnberg, Katharinenruine Nürnberg). 1988 war er der Hans (Gregors Bruder) in der Uraufführung der Oper Über die Dörfer von Walter Zimmermann, neben Martha Mödl (Premiere: Juni 1988).

Premierenrollen seit 1980