Rutger (III.) Raitz von Frentz († 1369), Ritter, berühmter Kriegsheld unter König Philipp von Valois, Graf Wilhelm III. von Holland, Herzog von Brabant, König Johann von Frankreich und König Karl V. von Frankreich. Er nahm an insgesamt 35 so genannten "Preussenreisen" (32 Winter und 3 Sommerreisen) teil. Kein anderer Ritter hat häufiger an Preussenreisen teilgenommen. Seine Heldentaten werden im Werk von Gelre beschrieben.
Rutger (III.) Rait von Frentz war mit Irmgard von Vischenich verheiratet. Sie hatten vier Kinder: 1. Rutger (IV.) Raitz von Frentz; 2. Johann (IV.) Raitz von Frentz; 3. Elisabeth Raitz von Frentz; 4. Irmgard Raitz von Frentz.
Rutger (III.) Raitz von Frentz übernahm 1347 von seinem Stiefvater, dem Grafen Ruprecht III. von Virneburg, Burg und Herrlichkeit Frentz a. d. Erft (heute Schloss Frens genannt). Als Ratsherr behielt Rutger sein Schöffenamt in Köln bei, brachte jedoch den größten Teil seines Lebens im Kriege zu. Nacheinander im Dienst verschiedener Kriegsherren stehend, kämpfte der kölnische Ritter mit Auszeichnung in zahlreichen Schlachten und Erstürmungen fester Plätze. So 1328 unter König Philipp Valois von Frankreich, dem Verbündeten des Grafen Wilhelm III. von Holland, gegen die Flamländer bei Mont-Tassel, nördlich Hazebruck; bald darauf unter letzterem gegen die Friesen. Bei Dolbenhofen am Zuidersee zeichnete sich Rutger durch Tapferkeit besonders aus. Unter Wilhelm III. von Holland und dem Deutschen Orden kämpfte er in Litauen bei heiligen Aa und Hasenpot bei Libau; ferner wieder im Westen in Frankreich unter König Philipp von Valois gegen die flandrischen Städte am 26. Juli 1346 bei Trech en Ponthieu; unter dem Herzog von Brabant am 21. August 1347 in der siegreichen Schlacht bei Tourinnes in der Nähe von Brüssel gegen die dem Bischof Engelbert von Lüttich Aufständischen.
Auf der Seefahrt nach Osten erlitt Rutger Schiffbruch und machte gerettet die viertägige Belagerung und Erstürmung des festen Schlosses Willum mit (nordöstlich Pirallen). Bald darauf kämpfte er wieder im Westen im Dienste des Königs Johann II von Frankreich bei St. Jean in der Normandie, Gasconne, Saintogne und führte sein – Raitz-Frentzer – Banner als Erstes in die erstürmte Festung Lamothe; er wird aber in der Schlacht von Poitiers 19. September 1356 verwundet und mit seinem König gefangen genommen, jedoch bald wieder befreit. 1369 stirbt Rutger in der Schlacht bei Aerden (das heutige Ardres südöstlich Calais) an der Seite seines Herren, dem König Karl V. von Frankreich.
Rutger Raitz wird in den berühmten Wappenbüchern zum Mittelalter prominent erwähnt, u. a. Gelre (ca. 1370–1395), Bellenville (Ende des 14. Jh.), Bergshammer (um 1450) und Grünenberg (1483).
WappenbuchDatierungHandschriftFundstelleEintragBlasonierungArmorial Gelreca. 1370–1395KBR Brüssel, Ms. 15652–56fol. 11vRuger Raitz (Nr. 1742)de sable à la croix d'argent (schwarz, silbernes Kreuz)Armorial Bellenvilleca. 1375–1395BnF, fr. 5230noch zu ermitteln (Nr. 1701, Segment 57)h. Rutger Raetsnoch zu prüfenBergshammar-Armorialca. 1440–1456Stockholm, Riksarkivet, Codex BergshammarTafel/Folio 21 (Eintrag Nr. 1359)h. Rutger RaesS O – cross = de sable à la croix d'or (schwarz, goldenes Kreuz)Grünenberg1483München, BSB Cgm 145 (Autornah) / Berlin (Autograph)noch zu ermittelnRutger RaesS O – cross = de sable à la croix d'or (nach Clemmensen)
Lobeshymne und Beschreibung von Rutger Raitz von Frentz bei Gelre:
"Rutger Raitz
Wenn ich ihn vergessen würde,
so würde ich mich selbst vergessen:
den guten und treuen Ritter,
der in mannhafter Tat
manchen Kriegszug mitgeritten ist,
wodurch sein Ruhm stets neu bleibt.
Obgleich nun die Würmer seinen Leib haben,
hört man rechtschaffene Männer und reine Frauen
bitter um ihn klagen.
Er war voll wahrer Tugend;
dafür hat er den Lohn der Ehre
von seiner Jugend an getragen.
Man nennt insbesondere drei Frauen (allegorische Personifikationen von Tugenden bzw. positiven Eigenschaften),
denen er stets ergeben blieb.
Sie werden, im Stillen wie öffentlich,
noch dreißig Jahre lang
um den ruhmreichen Ritter klagen.
Die erste Frau, die ich nenne,
widersteht Gewalt und Macht.
Sie heißt Demut.
Sie führte den Ritter am Zügel,
denn sie ist Wurzel und Baum
aller Tugend in reicher Fülle.
Ich glaube, er vergaß sie niemals,
in welchem Land er sich auch befand;
stets war er von Ehre umschlossen.
Das bezeugen Männer und Frauen,
die das Leben dieses
unermüdlichen Ritters kannten.
Die zweite Frau heißt Gunst [Wohlwollen].
Von ihr besaß er die rechte Kunst,
die Menschen gern zu ehren,
einen anderen voranzustellen
und dabei freundliche Worte zu sprechen.
Dadurch vermehrte er seinen eigenen Ruhm.
Seit meiner Kindheit habe ich oft sagen hören:
Wer einen anderen ehrt,
dem bleibt selbst Ehre;
die Wohltat haftet ihm an
und vermehrt seinen eigenen Ruhm.
Die dritte Frau heißt Tugend.
Sie hatte ihn von frühester Jugend an
wie eine Mutter erzogen.
Sie hielt ihn in ihrer Gewalt,
sodass er stets den rechten Weg ging.
Wie man ein Schiff mit dem Ruder lenkt,
wohin man auch fahren will,
so bewegte er sich im Strom der Tugend.
Darum trug er den Hut der Ehre
und besaß die Gunst der Menschen.
Seine Kriegszüge im Einzelnen zu erzählen
und seine guten Taten wieder lebendig zu machen,
ist mir leider aus eigener Anschauung nicht möglich.
Doch kann ich davon berichten,
wie ich es erzählen gehört habe.
Er war in vielen Ländern gewesen;
das habe ich öffentlich erzählen hören.
Dreiundvierzig Jahre lang
war er unter Waffen geritten.
Er hatte eifrig Abenteuer gesucht,
mit ganzem Herzen danach verlangt
und jede schlechte Tat vermieden.
Bei Cassel sah man den Helden in der Schlacht
an der Seite des Königs von Frankreich,
als mancher Flame
wegen seines großen Übermuts
sein Blut vergoss.
Dort sah man ihn ritterlich kämpfen.
Bei Vollenhove wurde er gesehen,
wie die Ritter bezeugen,
als mancher Friese sein Leben verlor.
Dort sah man ihn in der Schar der Tapferen,
und im harten Kampf
bemerkte man wohl seine Gegenwart.
Danach zog er mit großem Eifer
lange Zeit umher und suchte Abenteuer.
Preußen und Livland
wurden dem Ritter von gutem Ruf
wohlbekannt.
Zwischen Heiligen Aa und Hasenpoth
geriet der Ritter
durch die Heiden am Strande in große Not.
Menschen und Pferde
wurden damals schwer verwundet.
Sie mussten notgedrungen kämpfen;
das kann ich ohne Furcht sagen.
Innerhalb eines einzigen Jahres
war er auch zweimal am Heiligen Grab
und bei der heiligen Jungfrau Katharina.
Einmal löste er sich
aus eigenem Vermögen aus.
Beim zweiten Mal löste sein Pfand
der edle Graf von Holland,
der in Friesland erschlagen wurde.
Später sah man ihn vor Utrecht,
als dort ein Graf von Holland
mit einem großen Heer lag.
Danach kämpfte er bei Crécy,
wo viele edle Herren
aus wahrer Begierde nach Ehre
ihr Leben ließen.
Dort vergoss sein edles Blut
Johann, der gute König von Böhmen,
und mit ihm viele große Herren,
Herzöge, Grafen und Dienstmannen,
die ich nicht alle nennen kann.
Gott möge ihre Seelen ehren!
Bei Tournai, oberhalb des Haspengaus,
konnte man diesen würdigen Ritter sehen,
als Lüttich und Huy verloren gingen.
Dort wurde der Held selbst
an seinem würdigen Leib verwundet.
Das darf öffentlich verkündet werden.
Zwischen Preußen und Holland
widerfuhr ihm ein Abenteuer auf See.
Sein Schiff trieb in Gottes Gewalt;
es ließ sich nicht mehr halten,
und der Mast des Schiffes zerbrach.
So musste er dort
anderthalb Tage und eine Nacht
am Kastell festgebunden ausharren.
Doch Gottes Macht half ihm.
Schon anderthalb Tage später
sah man den Ritter, von Holland kommend,
wieder bewaffnet in Litauen,
vor der Burg Wieluń,
wo er damals
im Dienste Unserer Lieben Frau stand.
Später sah man ihn vor Nyenvelt,
wo Herzog Wilhelm
mit manchem stolzen Mann lagerte.
Danach ritt er weiter
zur Krone Frankreichs.
Drei Sommer lang
lag er bei der Belagerung von Saint-Jean,
wo sich viele Abenteuer ereigneten.
Er zog durch das weite Land
der Gascogne,
durch die Normandie
und die Saintonge.
Als La Mothe eingenommen wurde,
kämpfte er hart beim Sturmangriff
und bewies seine Mannhaftigkeit.
Das brachte ihm Ehre und Gewinn:
Sein Banner gelangte als erstes hinein.
Darüber wurde mancher Waffenmann zornig.
Der Ritter, frei von Schande,
war auch vor Miermande,
dort auf französischer Seite,
als man jederzeit bereit war,
gegen die Engländer zu kämpfen.
Drei Tage lang
standen die Heere in Schlachtordnung.
Danach kämpfte er mit männlichem Eifer
in der Schlacht von Poitiers,
als König Johann,
den man den König von Frankreich nennt,
besiegt wurde.
Dort sah man grimmig kämpfen
und hörte manchen schweren Schlag;
das wissen die tapferen Männer.
Der mutige Ritter
wurde verwundet und gefangen genommen.
Zu großem Leid vieler der Seinen
blieb er dort in Gefangenschaft
zusammen mit dem edlen Geblüt.
Der gute Ritter von höfischen Sitten
war zweiunddreißig Winter in Preußen
unterwegs und auf Kriegszügen gewesen
und drei Sommer in Livland.
Dort wurde der Held
durch schwere Heerfahrten bekannt.
So sollen Ritter handeln:
gegen die Feinde Gottes ziehen
und Witwen und Waisen beschützen.
Nun mögen Männer und Frauen beurteilen,
ob dieser Ritter seinen Leib
angestrengt hat oder nicht.
Noch immer findet man manchen Menschen,
der einem anderen das Gute missgönnt,
das diesem widerfährt.
Man spricht manches verleumderische Wort
und schießt gleichsam Pfeile auf die Menschen.
Es ist beklagenswert,
dass man dies aus Neid tut.
Der Ritter blieb aus freiem Herzen
der Krone Frankreichs verbunden
und ihr vollkommen treu.
Dort ließ er schließlich sein Leben.
Seine treue und tugendhafte Gemahlin
trauert um ihn
in Jammer und Leid.
Und ebenso trauert mancher Mann,
der ihm selbst den Tod missgönnte,
wegen seiner großen Demut,
seines Wohlwollens
und seiner vielen Tugenden,
die er von Jugend an
in reichem Maße besessen hatte.
Ich glaube, dass seit langer Zeit
auf beiden Seiten kein Ritter
so sehr beklagt worden ist
wie dieser tapfere und gute Ritter,
als er sein edles Blut vergoss.
Bei Aerden fiel er,
im Jahre unseres Herrn
1369. [Dann folgt eine bildliche Abbildung des Wappens und der heraldische Schluss:]
Edle schwarze Farbe,
wo soll ich dich nun erblicken?
Du bist meinen Augen weit entrückt.
In dir lag aus Gold
ein kostbares, durchgehendes Kreuz;
ich kenne kaum ein reicheres.
Wie sehr betrübt mich dies!
Oft wurde es mit Ehren gesehen.
Wenn es nun an der Wand hängend
seine Farbe verlieren soll,
so müsste man dies Gott klagen.
Es führte doch den guten Ritter,
der vor Schande bewahrt blieb.
Die Wahrheit soll man sagen.
O Büffelhaupt von Diamant,
wie oft hast du Mühsal ertragen
mit deinen goldenen Hörnern!
Du bist auf seinem Haupt angebracht.
Tot ist nun der kostbare Schatz,
der dich tragen sollte!
Bitten wir Gott um seiner Demut willen:
Rutgher Raets, der gute Ritter,
ist aus diesem Leben geschieden.
Möge seine Seele getröstet
und von allen Qualen erlöst werden.
Gott möge sie geleiten.
Er war ein überaus höfischer Mann;
das bezeugen Männer und Frauen
weithin an vielen Orten.
Darum gebe ihm Gott den ewigen Lohn
oben auf dem hohen Thron,
auf dass er dort Gnade finde. Amen."
Quelle: Wapenboek Gelre (Armorial Gelre), Brüssel, KBR – Koninklijke Bibliotheek/Bibliothèque royale de Belgique, Ms. 15652–56, Erenrede auf Rutgher Raets; Text nach: Gelre (Heraut), Wapenboeck ou armorial de 1334 à 1372, Bd. 1: Poésies héraldiques, hg. von Victor Bouton, Paris/Brüssel 1881, S. 41 ff.; deutsche Übersetzung nach dem mittelniederländischen Text unter ergänzender Heranziehung der französischen Übersetzung Boutons, S. 185 ff.
Quellen und Literatur Emmerich Leopold Freiherr Raitz von Frentz: Stammreihe, Stellung und Wappen eines tausendjährigen Reichsrittergeschlechts der ehemaligen freien Reichsstadt Cöln. In: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Band 5. Köln 1927, Spalte 145–188.