mini|Rathaus aus Flonheimer Sandstein neben der evangelischen Kirche

Bornheim () ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an.

Geographie Bornheim gilt in Rheinhessen als das „Tor zur Rheinhessischen Schweiz“. Der Ort schmiegt sich in eine Talmulde unterhalb der Oswaldshöhe. Das Gebiet gehört zur Weingroßlage Adelberg.

Geschichte Mittelalter mini|hochkant|Um 1200 erbauter Chorturm der evangelischen Martinskirche

Die älteste erhaltene Erwähnung von Bornheim findet sich für 767/768 im Lorscher Codex. Frühe Namensformen sind Bruniheim, Brunnenheim und Brunheim. Funde belegen, dass der Ort bereits früher existierte. So wurden im Ort Brandgräber und ein fränkischer Reihengräberfriedhof aus der Zeit um 500 n. Chr. gefunden. Die Oswaldshöhe diente vermutlich bereits den Germanen als Versammlungsstätte.

Die Kirche wurde 1241 erstmals erwähnt und 1690 von französischen Truppen teilweise zerstört. Insbesondere der Turm mit Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert blieb jedoch erhalten. Er beherbergt auch die älteste Glocke Rheinhessens.

Wie die umliegenden Gemeinden gehörte Bornheim im frühen Mittelalter den Wildgrafen und ab 1671 den ihnen verwandten Rheingrafen.

Neuzeit 1793 gehörte Bornheim zu der kurzlebigen Mainzer Republik. Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen im selben Jahr wurde die Region 1793 von Frankreich annektiert. Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Bornheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Département du Mont-Tonnerre. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174. (Digitalisat).

Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt), Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Bornheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey.

Am 31. Dezember 1871 wurde die Wiesbachtalbahn (Armsheim–Wendelsheim) bis Bornheim eröffnet. Der Personenverkehr wurde 1966 wieder eingestellt. Mittlerweile ist sie komplett stillgelegt.

Das Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.

Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten französische Truppen ein Munitionsdepot „Auf dem Kissel“ direkt neben der Bahnstrecke.

Bereits ein halbes Jahr vor der Machtergreifung verlieh die Gemeinde am 2. Juni 1932 die Ehrenbürgerrechte an Adolf Hitler. Diese Ehrenbürgerrechte sind nach geltendem Recht automatisch mit dem Tode erloschen. Des Weiteren hat sich der Gemeinderat ausdrücklich von der Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Hitler distanziert.Hitler als Ehrenbürger gestrichen in Allgemeine Zeitung Alzey vom 2. März 2012 Im Zweiten Weltkrieg fielen mehrere Bomben im Ortsbereich, die jedoch keine größeren Schäden anrichteten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Als Dorf der Rosen und des Weines wurde der Ort nach 1961 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt waren 5000 Kletterrosen gepflanzt worden. Dies war sicherlich mit ein Grund dafür, dass die Gemeinde im Jahr 1973 auf Bundesebene im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ Gold gewann und lange Zeit als schönste Gemeinde Rheinhessens galt.

Statistik zur Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bornheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 289 1835 408 1871 417 1905 440 1939 439 1950 569 Jahr Einwohner 1961 533 1970 552 1987 538 2005 740 2022 874 Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Bornheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. In der Wahlperiode 2014–2019 waren mit den beiden Wählergruppen Guckenbiehl und Matheis vorübergehend zwei Fraktionen im Rat vertreten.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen

Ortsbürgermeister Ralph Schraven wurde am 6. Mai 2025 Ortsbürgermeister von Bornheim. Für die Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde kein Wahlvorschlag eingereicht. Gemäß der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung obliegt die Neuwahl des Bürgermeisters dann dem Rat der Gemeinde. Auch auf der konstituierenden Sitzung am 24. September 2024 konnte kein Bewerber zur Wahl gestellt werden. Die geschäftsführende Ortsbürgermeisterin und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Steffen Unger, appellierten daher an die Ratsmitglieder, weiter nach geeigneten Kandidaten für die Nachfolge Ausschau zu halten. Da sich weiterhin kein Bewerber fand, musste Unger ab Dezember 2024 bis zur Neuwahl des Ortsbürgermeisters im Mai 2025 die Amtsgeschäfte als Beauftragter kommissarisch weiterführen.

Frühere Ortsbürgermeister: Bernhard Beck (2004 bis 2014) Renate Steingaß (2014 bis 2024)

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kuckucksturm auf der Oswaldshöhe

Evangelische Kirche, Chorturm um 1200, mit Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert und Stumm-Orgel von 1743 Kuckucksturm, Weinbergs- und Aussichtsturm auf der Oswaldshöhe an der Hiwweltour Aulheimer Tal südlich des Ortes Langer Stein, ein Menhir auf freiem Feld nördlich von Bornheim

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Bornheim Liste der Naturdenkmale in Bornheim

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Autobahnanschluss Bornheim A 61 Landesstraße 408

Weblinks

Offizielle Internetseite der Ortsgemeinde Bornheim Ortsgemeinde Bornheim auf den Seiten der Verbandsgemeinde Alzey-Land Geschichtliche Informationen zu Bornheim bei regionalgeschichte.net

Literatur Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20,1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 93–100.

Einzelnachweise

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