mini|Michael Stürzenberger (2018)
Michael Johannes Stürzenberger (* 28. September 1964 in Bad Kissingen) ist ein deutscher Journalist, Webvideoproduzent, Blogger und islamfeindlicher Extremist.
Stürzenberger war Pressesprecher der Münchner CSU und Bundesvorsitzender der 2016 selbstaufgelösten rechten Kleinpartei Die Freiheit. Von 2013 bis 2022 führte ihn der Verfassungsschutzbericht des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz in dem Kapitel „Verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit“ auf. Er ist Vorstandsmitglied der Bürgerbewegung Pax Europa (BPE), Aktivist der Bewegung Pegida und regelmäßiger Autor im rechtsextremistischen Blog Politically Incorrect (PI). Stürzenberger wurde mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt, wobei die meisten dieser Verurteilungen nicht rechtskräftig wurden.
Im Mai 2024 wurde er während einer Kundgebung in Mannheim bei einem islamistisch motivierten Messerangriff, bei dem ein Polizist ermordet wurde, schwer verletzt.
Leben Stürzenberger studierte von 1984 bis 1988 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Politologie und Geschichte ohne Abschluss und war anschließend als Journalist tätig, u. a. als Sportreporter beim Bayern Journal der Sender RTL und Sat1. 2003 bis 2004 war Stürzenberger zudem Pressesprecher der Münchner CSU unter Monika Hohlmeier.Bernd Kastner: Der Feind steht fest. In: Süddeutsche Zeitung, 2. März 2011.
Als prägendes Ereignis führt Stürzenberger den Tod seines damaligen Parteifreunds Ralph Burkei bei den islamistischen Terroranschlägen von Mumbai 2008 an. Im Jahr 2011 trat er aus der CSU aus, einem Parteiausschluss zuvorkommend. In: bayern.diefreiheit.org, abgerufen am 14. Februar 2014. Im selben Jahr wurde er zunächst als Beisitzer in den bayerischen Landesvorstand der Partei Die Freiheit gewählt. Ein Artikel in der taz von 2012 berichtet, Stürzenberger habe in einem Beitrag für PI-News gefordert, dass Muslime, die ihrem Glauben nicht abschwörten, zur Ausreise gezwungen werden müssten. Der bayerische Landesverband habe ihn daraufhin seines Amtes im Landesvorstand und als Pressesprecher enthoben, da er gegen den Parteigrundsatz der Glaubensfreiheit verstoßen habe. Er sei dann aber Landesvorsitzender der Partei in Bayern geworden.Andreas Speit: Anti-Islam-Partei ohne Personal. In: die tageszeitung, 16. April 2012. Nach der Wahl Stürzenbergers in den Bundesvorstand im Dezember 2011 kam es einerseits zu Rück- und Austritten mehrerer Landesvorstände und vieler Mitglieder. Andererseits gewann das Thema Anti-Islam unter seinem Vorsitz in der Partei noch zunehmende Bedeutung.Florian Hartleb: Die Freiheit. In: Frank Decker, Viola Neu (Hrsg.): Handbuch der deutschen Parteien. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 349–353. Im Jahr 2013 wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden und im Dezember 2013 als Nachfolger von René Stadtkewitz zum Bundesvorsitzenden der Partei gewählt. Stürzenberger gilt darüber hinaus als führender Kopf der Münchner Ortsgruppe von PI, die vom bayerischen Innenministerium 2013 als verfassungsfeindlich eingestuft wurde.Bernd Kastner: „Die Freiheit“ und PI gelten in Bayern als verfassungsfeindlich. In: Süddeutsche Zeitung, 12. April 2013.
Angriffe und Attentat auf Stürzenberger Bei einer Kundgebung der Partei Die Freiheit wurde Stürzenberger am 23. Oktober 2013 in München von einem 34-jährigen Münchner türkischer Herkunft tätlich angegriffen und leicht verletzt. Bei einer Kundgebung des Vereins Bürgerbewegung Pax Europa im Dezember 2022 wurden Stürzenberger sowie zwei Ordner der BPE in Bonn durch Faustschläge eines Angreifers verletzt. Das Verfahren gegen den Täter wurde am 2. November 2023 gegen Auflagen eingestellt.
Bei einer weiteren Kundgebung des Vereins Bürgerbewegung Pax Europa am 31. Mai 2024 fügte ein Attentäter Stürzenberger in Mannheim mit einem Messer schwere Verletzungen zu. Bevor er durch einen Schuss eines Polizisten gestoppt wurde, verletzte der Angreifer zudem fünf weitere Personen, darunter den Polizeihauptkommissar Rouven Laur, der am 2. Juni 2024 seinen schweren Verletzungen erlag.
Bei dem Täter handelt es sich um den 25-jährigen Sulaiman A. aus Afghanistan. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart legte er am 25. März 2025 ein Geständnis ab und erklärte, es als seine religiöse Pflicht angesehen zu haben, den Islamkritiker Michael Stürzenberger zu töten. Sulaiman A. wurde am 16. September 2025 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.
Einen Tag nach dem Angriff auf ihn gab Stürzenberger in der Klinik rechten Medien wie der Jungen Freiheit Interviews und betonte, er werde seine „Aufklärungsarbeit“ weiter betreiben. Zudem verglich er sich mit Salman Rushdie und dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh.Konrad Litschko: Im Dauerkampf gegen den Islam taz.de, 2. Juni 2024
Politische Aktivitäten Bürgerbegehren gegen das Zentrum für Islam in Europa mini|hochkant|Stürzenberger bei einer Unterschriftensammlung (2013)
Stürzenberger warb seit Oktober 2011 für einen Bürgerentscheid gegen das Zentrum für Islam in Europa (ZIE-M), eine von dem nordmazedonischen Imam Benjamin Idriz vorgeschlagene Moschee mit angeschlossenem Islamzentrum in München. Girokonten, über die Stürzenberger Spenden für das Bürgerbegehren sammelte, wurden ihm unter anderem von der Stadtsparkasse München und der Münchner Bank gekündigt. Die Münchner Bank begründete diesen Schritt damit, dass Stürzenbergers Vorgehen gegen die genossenschaftlichen Grundsätze des Institutes verstoße und sie nicht in einem Atemzug mit Aktionen genannt werden wolle, die die Menschenwürde verletzten und das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft bedrohten.
Im September 2014 reichte Stürzenberger nach eigenen Angaben über 60.000 Unterschriften für das Bürgerbegehren beim Kreisverwaltungsreferat München ein. Obwohl er mehr als die 32.736 nötigen Unterschriften gesammelt hatte, hielt das Direktorium der Landeshauptstadt München das Bürgerbegehren für unzulässig. Die vertretungsberechtigten Personen waren nach Ansicht der Stadt nicht hinreichend identifizierbar und der Bürgerwille würde aufgrund mehrerer unzutreffender Tatsachenbehauptungen in der Begründung verfälscht. Ferner sei die Fragestellung unbestimmt gewesen und habe die Glaubensfreiheit verletzt. Der Münchner Stadtrat erklärte das Bürgerbegehren aus diesen Gründen für unzulässig. Eine Klage Stürzenbergers gegen diese Entscheidung wies das Verwaltungsgericht München im November 2015 ab. Im Mai 2016 begann Stürzenberger erneut damit, Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen das von Idriz geplante Islamzentrum zu sammeln. Die Pläne für das Zentrum wurden Ende Juni des Jahres jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel ohnehin aufgegeben.Nina Bovensiepen: Pläne für Islamzentrum in München gescheitert. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Juni 2016.
Beteiligung an Wahlen Stürzenberger trat für Die Freiheit als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Bayern 2013 an. Seine Partei erhielt 6024 Zweitstimmen und erreichte 0,1 % der Stimmen. Als Direktkandidat im Stimmkreis München-Bogenhausen erhielt Stürzenberger 0,4 % der Erststimmen. Stürzenberger kandidierte erfolglos bei der Kommunalwahl in München 2014 für den Stadtrat und das Amt des Oberbürgermeisters, nachdem er die notwendigen Unterstützungsunterschriften gesammelt hatte.Felix Müller: „HUT“ auf Platz 1 im Zwergenrennen In: Münchner Merkur, 3. Februar 2014, abgerufen am 7. Februar 2014. Seine Kandidatur wurde von den Republikanern und der Bürgerbewegung pro München, die selbst keinen Kandidaten gestellt hatte, unterstützt.Christian Pfaffinger: Das sind die Rechtsaußen in München. In: Abendzeitung, 22. Januar 2014, aufgerufen am 17. Februar 2014. Die Freiheit verpasste mit 0,6 % den Einzug in den Münchner Stadtrat, während Stürzenberger bei der Wahl zum Oberbürgermeister 0,5 % der Stimmen erhielt.
Kundgebungen Stürzenberger trat Mitte November 2014 auf der zweiten Kundgebung der Gruppierung Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) in Hannover als Redner auf. Er warnte hierbei vor einer seiner Auffassung nach stattfindenden Islamisierung Deutschlands und hielt den Koran hoch, während Teilnehmer „Anzünden!“ skandierten. Politiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen werteten den Auftritt bei der Gruppierung, der Neonazismus vorgeworfen wird, als endgültigen Schritt Stürzenbergers in den Rechtsradikalismus.
Anfang 2015 gehörte Stürzenberger zu den Mitorganisatoren von Kundgebungen eines Münchner Ablegers der Dresdner Organisation Pegida. Am 12. Januar 2015 nahm er neben zahlreichen NPD-Funktionären und anderen bekannten Neonazis wie André Eminger, einem Angeklagten im NSU-Prozess, Philipp Hasselbach und zwei verurteilten Mittätern des 2003 geplanten Anschlags auf die Münchner Synagoge an einem von diesem Ableger veranstalteten Demonstrationszug teil. Im Oktober 2017 trat Stürzenberger bei der Dresdner Pegida-Kundgebung anlässlich des dreijährigen Bestehens der Bewegung als Redner auf und ließ Burka-Trägerinnen mit Koransuren auf die Bühne kommen. Die Welt bewertete diesen Auftritt als „islamfeindliches Kasperletheater“. Am 10. April 2022 war er Gastredner bei einer Pegida-Versammlung in Dresden. Er sprach am 7. November 2018 in Hamburg auf einer „Merkel-muss-weg“-Kundgebung mit 72 Teilnehmern. 2000 Gegendemonstranten protestierten gegen die Veranstaltung.Handgemenge vor Beginn der Demo „Merkel muss weg“. In: Hamburger Abendblatt, 7. November 2018.
Seit 2022 führt Stürzenberger Kundgebungen mit der Bürgerbewegung Pax Europa durch. Er tritt oft als Versammlungsleiter und Hauptredner auf. Auf der ersten Kundgebung am 10. September 2022 in München deutete Stürzenberger in einem Redebeitrag den Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München 1972 in den ersten Anschlag des „Politischen Islam“ um.Verfassungsschutzbericht Bayern 2022, S. 271. Auch 2024 ist der Politische Islam der Hauptinhalt der Kundgebungen, auf denen historische Sachverhalte dargestellt und aktuelle Ereignisse bewertet werden.Michael Stürzenberger und Umfeld – abgerufen am 28. Mai 2024
Vernetzung Der Religionswissenschaftler Oliver Wäckerlig führte in dem Kapitel Institutionalisierung und Internationalisierung der Islamgegnerschaft einen 2010 von Stürzenberger moderierten gemeinsamen Informationsabend der BPE und der internationalen christlichen Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) sowie ein 2013 durch den Geschäftsführer von CSI Deutschland, Gunnar Wiebalck, zu Stürzenbergers Unterstützung an die Münchner Stadtbehörden gesandtes und von Stürzenberger veröffentlichtes Protestschreiben an und wies auf Interviews Stürzenbergers von 2010 bis 2014 mit dem freikirchlichen Prediger und Konvertiten Nassim ben Iman hin.Oliver Wäckerlig: Vernetzte Islamfeindlichkeit. Die transatlantische Bewegung gegen „Islamisierung“. Events – Organisationen – Medien. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4973-4, S. 173, 198 f.
Positionen Bekämpfung des Islam Inhaltlich wendet sich Stürzenberger in seinen Texten und Reden „fast ausschließlich gegen den Islam, der für ihn keine Religion, sondern Ideologie ist“, summierte der Journalist Bernd Kastner 2014 in der Süddeutschen Zeitung.Bernd Kastner: Im Hass vereint. In: Süddeutsche Zeitung, 8. März 2014. Dies findet auch Ausdruck in Stürzenbergers parteipolitischer Arbeit und Zugehörigkeit.