Die Robbeninseln (, in Argentinien Nunataks Foca von ) sind eine Inselgruppe vor der Nordenskjöld-Küste am östlichen Rand der Antarktischen Halbinsel im Weddellmeer. Die Inseln werden auch als Nunataks beschrieben.Otto Nordenskjöld: Wissenschaftliche Ergebnisse der schwedischen Südpolar-Expedition 1901–1903. Bd. 1, Lieferung 1: Die schwedische Südpolar-Expedition und ihre geographische Tätigkeit, Lithographisches Institut des Generalstabs, Stockholm 1911 Im Gegensatz zu anderen Nunataks stellen sie jedoch keine aus Inlandeis oder Gletschern hinausragenden Berge dar, sondern sind tatsächlich Meeresinseln. Das ehemals umliegende Schelfeis (Larsen-A) ist 1995 zerfallen.Satellit beobachtet rapide schmelzendes Schelfeis in der Antarktis, Meldung vom 10. April 2012 auf der Website der Europäischen Weltraumorganisation, abgerufen am 10. Mai 2013 Wenige Kilometer südöstlich der Inselgruppe benachbart befindet sich die deutlich größere Robertson-Insel.
Die Robbeninseln wurden im Dezember 1893 durch Carl Anton Larsen entdeckt und benannt, dessen Antarktis-Expedition mit den Schiffen Jason, Hertha und Castor der norwegischen Reederei A/S Oceana maßgeblich durch die Hamburger Firma Woltereck & Robertson finanziert wurde.Reinhard A. Krause, Ursula Rack (Hrsg.): Journal, geführt am Bord des Dampfschiffes GROENLAND, Captain Ed. Dallmann, auf der Reise von Hamburg auf d. Walfisch u. Robbenfang an den Küsten von South Shetland Islds. Coronation Isld. Trinity Land & Palmerland, geführt von Rud. Küper, Hamburg, Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven 2006 (PDF-Datei; 4,91 MB). Im Oktober 1902 erkundete und beschrieb Otto Nordenskjöld als Leiter der schwedischen Antarktisexpedition die Robbeninseln intensiv. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und zwischen 200.000 (Donaldinsel und Grayinsel) und 1,5 Millionen Jahren alt (Larseninsel und Bruceinsel). Vulkanische Aktivitäten wurden aber nur in begrenztem Umfang auf vier der Inseln (einschließlich der Lindenberginsel) durch Larsen 1893 und wieder Anfang der 1980er Jahre beobachtet. Die Murdochinsel ist mit 368 m die höchste der Robbeninseln. Die Pedersen-Insel ist die westlichste und zugleich küstennächste der Inseln, nur etwa 6 Kilometer vom antarktischen Festland entfernt.
1961 errichtete Argentinien auf der Larseninsel die heute nur noch saisonal betriebene Polarstation Base Antártica Matienzo.John Stewart: Antarctica – An Encyclopedia. Bd. 2, McFarland & Co., Jefferson und London 2011, ISBN 978-0-7864-3590-6, S. 1551 f. (englisch)
Inseln Zu den Robbeninseln zählen:Ständiger Ausschuss für geographische Namen (StAGN): Verzeichnis deutschsprachiger geographischer Namen der Antarktis (inkl. Koordinatenangaben), abgerufen am 29. Januar 2018John Stewart: Antarctica – An Encyclopedia. McFarland & Co., Jefferson und London 2011, ISBN 978-0-7864-3590-6 (englisch)Seal Nunataks im Composite Gazetteer of Antarctica (englisch), abgerufen am 23. Mai 2013
Insel Fläche(km²)benannt nach…KoordinatenChristensen-Nunatak(Christensenvulkan)9,82Christen Fredrik Christensen (1845–1923), dem Direktor der Reederei der Larsen-ExpeditionCastorinsel3,16einem Schiff der Larsen-ExpeditionPollux-Nunatak0,10der griechischen Sagengestalt, dem Bruder von CastorLarseninsel0,67Carl Anton LarsenMurdoch-Nunatak8,92William Gordon Burn-Murdoch, einem schottischen Künstler und Teilnehmer an der Dundee Whaling Expedition 1892–1893Arctowski-Nunatak0,75Henryk Arctowski, einem polnischen Geologen und Teilnehmer an der Belgica-Expedition 1897–1899Herthainsel2,16einem Schiff der Larsen-Expedition Gray-Nunatak0,73Kapitän David Gray (1828–1896), der 1891 vergeblich versucht hatte, eine Walfangexpedition in die Antarktis zu organisieren Donald-Nunatak0,33Charles William Donald (1870–1932), einem schottischen Naturwissenschaftler und Teilnehmer an der Dundee Whaling Expedition 1892–1893 Åkerlundh-Nunatak0,05Gustaf Åkerlundh (* 1881), dem jüngsten Teilnehmer der schwedischen Antarktisexpedition 1901–1903 Bruce-Nunatak6,29William Speirs Bruce, einem schottischen Polarforscher und Teilnehmer an der Dundee Whaling Expedition 1892–1893 Jasoninsel Dallmann Nunatak3,17einem Schiff der Larsen-Expedition Evensen-Nunatak0,31Karl Julius Evensen (1851–1937), Kapitän der Hertha der Larsen-Expedition Bull-Nunatak1,94Henrik Johan Bull (1844–1930), dem Leiter der Antarctic-Expedition 1893–1895 Pedersen-Nunatak4,24Morten Pedersen, Kapitän der Castor der Larsen-Expedition Robbeninseln46,88
Manchmal wird auch eine etwa 15 Kilometer weiter nördlich gelegene Insel zu den Robbeninseln gezählt:O. Gonzales-Ferran: The Seal Nunataks: An Active Volcanic Group on the Larsen Ice Shelf, West Antarctica. In: R. L. Oliver, P. R. James, J. B. Jago (Hrsg.): Antarctic Earth Science, Cambridge University Press, 1983, ISBN 978-0-521-25836-4, S. 334–337 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche, englisch) Lindenberginsel (oder Lindenbergzuckerhut) – benannt nach Carl Lindenberg (1847–1921), einem Gesellschafter der Firma Woltereck & Robertson, die eine erhebliche Kapitalbeteiligung an der Reederei Oceana hielt ().
Daneben benannte Larsen eine Oceanainsel; diese Erhebung ist allerdings Teil der Robertson-Insel: Oceana-Nunatak, 0,90 km² – benannt nach der Reederei der Larsen-Expedition ().
Einzelnachweise
Kategorie:Inselgruppe (Antarktika) Kategorie:Inselgruppe (Weddellmeer)
Weblinks
Robbeninseln auf GeoNames Robbeninseln im SCAR-Ortsverzeichnis, abgerufen am 29. Januar 2018