mini|Ein australischer leichter Maschinengewehrtrupp während der Schlacht um Aitape-Wewak, 27. Juni 1945 Australien trat bereits am 3. September 1939, zwei Tage nachdem Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein, indem es dem nationalsozialistischen Deutschen Reich den Krieg erklärte. Bis Kriegsende 1945 dienten fast eine Million Australier in den australischen Streitkräften, deren Einheiten hauptsächlich auf dem europäischen Festland, während des Afrikafeldzugs und im Befehlsbereich der Southwest Pacific Area eingesetzt wurden.

Zusätzlich kam es erstmals seit der Entkolonialisierung Australiens zu äußeren Angriffen auf das Land. Während des Krieges verzeichneten die australischen Streitkräfte ca. 27.000 Tote und ca. 23.400 Verwundete.Diese Zahlen geben die im Gefecht durch den Feind zugefügten Verluste an. Werden andere Verluste hinzugezählt, hatten die Streitkräfte während des Krieges 39.767 Tote und 66.553 Verwundete zu beklagen. Siehe Australian War Casualties. Australian War Memorial, 15. Dezember 2005. Abgerufen am 12. Mai 2013.

Im Einzelnen betrachtet führte Australien zwischen 1939 und 1945 zwei KriegePaul Hasluck: The Government and the People 1942–1945. 1970, S. 2. – einen gegen das Deutsche Reich, Italien und seine Verbündeten in Europa als Teil des Britischen Commonwealth und einen an der Seite des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten und anderer Verbündeter gegen Japan und seine Verbündeten im Pazifikraum (Pazifikkrieg: Juli 1937 bis September 1945). Trotz des Rückzuges der meisten australischen Kräfte aus dem Mittelmeerraum nach Ausbruch des Pazifikkriegs beteiligte die Royal Australian Air Force sich intensiv am alliierten Luftkrieg gegen das Deutsche Reich. Zwischen 1942 und Anfang 1944 kam den australischen Streitkräften eine Schlüsselrolle im Pazifik zu, wo sie in dieser Zeit das größte alliierte Truppenkontingent stellten. Ab Mitte 1944 kämpften sie hauptsächlich an Nebenfronten; sie führten bis Kriegsende fortlaufende Offensivoperationen gegen die japanischen Truppen durch.

Der Zweite Weltkrieg führte zu umfassenden Veränderungen in Außenpolitik, Militär und Wirtschaft des Landes. Der Krieg beschleunigte die Industrialisierung, verankerte ein größeres Friedensheer in der australischen Gesellschaft und begann den außenpolitischen Kurswechsel eines starken Fokus auf die Beziehungen zum Vereinigten Königreich hin zu den Vereinigten Staaten. Als Langzeitfolge führte der Krieg auch zu einer facettenreicheren und kosmopolitischer orientierten australischen Gesellschaft.

Kriegsausbruch mini|Frauen winken dem auslaufenden Truppenschiff RMS Strathallan nach, das Teile der 6th Division an den Kriegsschauplatz in Übersee transportiert, 15. Dezember 1939. In den 1930er Jahren litt Australien stark unter der Weltwirtschaftskrise. Die Great Depression in den USA wirkte sich auch in Australien aus, das Überseehandel mit den USA und Kanada trieb. Infolge der Krise kam es zu Kürzungen des Verteidigungshaushalts, die zur Abnahme von Größe und Einsatzeffizienz der australischen Streitkräfte in den 1930er Jahren führten. Australien folgte in den 1930er Jahren der britischen Linie gegenüber dem Deutschen Reich bzw. dem NS-Regime: Es unterstützte zunächst die Appeasement-Politik (Chamberlain) und gehörte 1939 zu den Staaten, die die Unabhängigkeit Polens garantierten.Stuart MacIntyre: 1901–1942 The Succeeding Age. 1986, S. 325.

Australien erklärte dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. Es reagierte damit auf die Kriegserklärung des Vereinigten Königreichs, das nach Ablauf eines Ultimatums an das Deutsche Reich, sich aus Polen zurückzuziehen, diesem seinerseits den Kriegs erklärt hatte.Paul Hasluck: The Government and the People, 1939–1941. 1965, S. 151–156. Anders als in Kanada und Südafrika kam es in Australien zu keiner Parlamentsdebatte über die Kriegserklärung. Die australische Regierung betrachtete sich, wie Premierminister Robert Menzies es ausdrückte, als im Krieg befindlich, da sich Britannien im Krieg befinde, und bat die Regierung in London darum, Deutschland mitzuteilen, dass Australien ein Bundesgenosse des Vereinigten Königreichs sei.Paul Hasluck: The Government and the People, 1942–1945. 1970, S. 6–7. Australiens Unterstützung der Kriegsanstrengungen fußte hauptsächlich darauf, dass seine außenpolitischen Interessen eng mit denen des Vereinigten Königreichs vernetzt waren und eine Niederlage in Europa das System der imperialen Verteidigung der Gebiete des Empire zerstören würde. Dieses System wurde in Australien für den Fall eines Krieges mit dem international zunehmend aggressiver auftretenden japanischen Kaiserreichs als zwingend notwendig erachtet, um das eigene Territorium verteidigen zu können. Diese offiziellen Positionen der Regierung erhielten in der Bevölkerung eine breite Zustimmung; allgemeine Kriegseuphorie stellte sich nicht ein.Joan Beaumont: Australia's war. Europe and the Middle East. 1996, S. 1–3. Schon seit 1915 (siehe ANZAC Day) war der australischen Öffentlichkeit bewusst, wie mörderisch der Krieg sein konnte.

1939 waren die australischen Streitkräfte noch weniger auf einen Konflikt vorbereitet als bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914. Die Royal Australian Navy (RAN) war von den drei Teilstreitkräften am relativ besten bereit; sie hatte aber nur zwei Schwere Kreuzer, vier Leichte Kreuzer, zwei Sloops, fünf veraltete Zerstörer und eine Reihe kleinerer Hilfsschiffe.John Coates: An Atlas of Australia's Wars. 2006, S. 116. Die Australian Army verfügte über ein stehendes Heer von nur 3.000 Soldaten und 80.000 Teilzeitmilizen, die sich freiwillig für die Ausbildung in den Citizen Military Forces (Bürgerstreitkräfte, CMF) gemeldet hatten. Die Royal Australian Air Force (RAAF) war zahlenmäßig am schwächsten; nur wenige ihrer 246 Flugzeuge galten als modern.John Coates: An Atlas of Australia's Wars. 2006, S. 118. Die australische Regierung begann sofort nach Kriegsausbruch mit dem Ausbau der Streitkräfte, stellte einige Flugbesatzungen und Einheiten der RAAF unter britische Kontrolle und entsandte sie nach Europa; sie weigerte sich aber zunächst, eine Expeditionsstreitkraft aufzustellen und nach Übersee zu schicken, da sie die Gefahr eines japanischen Kriegseintritts auf deutscher Seite für realistisch hielt.Stuart MacIntyre: 1901–1942 The Succeeding Age. 1986, S. 326.

Den ersten Schuss des Krieges auf australischer Seite feuerte wenige Stunden nach Kriegseintritt eine Marinekanone in Fort Queenscliff in Melbourne ab. Es handelte sich dabei um einen Warnschuss gegen ein australisches Schiff, das den Hafen ohne die nötige Genehmigung zu verlassen versuchte.Michael McKernan: All In! Australia During the Second World War. 1983, S. 4. Am 10. Oktober 1939 flog eine Short Sunderland der für die Neuausrüstung in England stationierten No. 10 Squadron (10. Staffel) den ersten Einsatz mit Feindkontakt bei einem Einsatz in Richtung Tunesien.Alan Stephens: The Royal Australian Air Force. A History. 2006, S. 76–79.

mini|Rekrutierungsposter der AIF von 1940. Die Übersetzung der Aufschrift lautet „‚Wir kommen!‘ Trete jetzt in die A.I.F ein!“; die Überschrift des Zeitungsausrisses lautet sinngemäß „Geist der A.I.F gewinnt erneut“. Am 15. September 1939 kündigt Menzies die Aufstellung der Second Australian Imperial Force (Zweite Imperiale Australische Streitkraft, AIF) an. Diese war als Expeditionsstreitkraft konzipiert; sie bestand anfänglich aus der 6th Division und einigen Unterstützungseinheiten und hatte über 20.000 Mann. Die AIF war institutionell von der CMF abgegrenzt, da diese nur in Australien selbst und seinen Außengebieten zum Einsatz kommen durfte (analog zur Home Guard). Sie wurde daher komplett neu aufgestellt, anstatt sie aus bestehenden Einheiten der CMF zu formen. Am 15. November kündigte Menzies zum 1. Januar 1940 die Wiedereinführung der Wehrpflicht zum Zweck des Heimatschutzdienstes an.Gavin Long: To Benghazi. 1961, S. 39. Die Rekrutierungen für die AIF liefen zunächst schleppend an, steigerten sich jedoch zusehends, sodass sich bis März 1940 jeder sechste männliche Australier im wehrtauglichen Alter eingeschrieben hatte. Der Fall Frankreichs führte nochmal zu einem starken Anstieg der sich freiwillig Meldenden. Die Motivation der Männer, sich für die AIF zu melden, war dabei vielfältig, die meisten verspürten aber eine Art Pflicht, Australien und das Empire zu verteidigen.Joan Beaumont: Australia's war. Europe and the Middle East. 1996, S. 7–9. Alle drei Teilstreitkräfte führten Anfang 1940 Restriktionen ein, die den Dienst von Australiern nicht „wesentlich europäischer Abstammung“ verboten. Während die RAN und die Australian Army diese Regularien streng einhielten, bot die RAAF weiterhin Australiern nichteuropäischer Abstammung in geringer Anzahl die Möglichkeit, in ihren Dienst zu treten.Peter Dennis, Jeffrey Grey, Ewan Morris, Robin Prior und Jean Bou: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 4.

Die Hauptformationen der AIF wurden zwischen 1939 und 1941 aufgestellt. Die Formierung der 6th Division erfolgte im Oktober und November 1939. Nachdem die britische der australischen Regierung versichert hatte, dass Japan keine akute Bedrohung darstelle, wurde die Division Anfang 1940 in den Nahen Osten verschifft, wo sie ihre Ausbildung abschließen und moderne Ausrüstung erhalten sollte. Die Pläne sahen vor, dass die Division im Anschluss nach Frankreich transportiert und der British Expeditionary Force (Britische Expeditionsstreitkraft) unterstellt werden sollte. Der schnelle Fall Frankreichs im Westfeldzug verhinderte dies, da die Division noch nicht vollständig kampfbereit war.Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 139–140. Drei weitere Divisionen (die 7th, 8th und 9th Division) wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1940 ebenso aufgestellt wie das Hauptquartier des I Corps und diverse Unterstützungseinheiten. Alle Divisionen und die meisten Unterstützungseinheiten wurde im Verlauf der Jahre 1940 und 1941 nach Übersee verlegt. Anfang 1941 erfolgte noch die Aufstellung der 1st Armoured Division (Panzerdivision) zum Dienst in der AIF; diese Division verließ Australien nie.Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 144–146.