Die Polskie Linie Lotnicze LOT S.A. ( für „Polnische Luftfahrtlinien ‚Flug‘ AG“), kurz LOT, ist die größte polnische Fluggesellschaft mit Sitz in Warschau und Basis auf dem dortigen Frédéric-Chopin-Flughafen Warschau. Sie ist seit 2018 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der staatlichen Polska Grupa Lotnicza (PGL) und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance.
Geschichte Anfangszeit
mini|Fokker F.VIIa der LOT mini|Flugvorbereitung einer F 13 der LOT auf dem Flughafen Warschau, 1934 Im Jahr 1928 wurde durch die Entscheidung des polnischen Luftfahrtministeriums, dass alle privaten Flugunternehmen, insbesondere die aktiven Aero und Aerolot (vormals Aerolloyd) sowie weitere in der Gründungsphase befindliche Unternehmen in einer staatlichen Fluggesellschaft zusammenzufassen sind, der Grundstein zur Entstehung der Linje Lotnicze LOT Sp. z o. o.Ursprüngliche Schreibweise linje, siehe auch Über LOT, abgerufen am 1. November 2011. gelegt. Am 1. Januar 1929 nahm die Fluggesellschaft ihren Betrieb auf und im Mai desselben Jahres wurde Polskie dem Namen des Unternehmens hinzugefügt. Gestartet wurde mit 16 von der Aerolot übernommenen Junkers F 13 und sechs von Aero bestellten, aber nicht mehr übernommenen Fokker F.VIIa. Später kamen noch in Lizenz gebaute F.VIIb sowie das polnische Muster PWS-24 hinzu. Als Heimatbasis dienten die Warschauer Flughäfen Mokotów (von 1925 bis 1934) und von 1934 bis in die heutige Zeit Okęcie. Am 1. April 1930 eröffnete die LOT mit der Strecke Lemberg–Czerniowce–Bukarest die erste Auslandslinie. Es folgten Athen, Beirut und Helsinki. Im selben Jahr wurde die LOT in den internationalen Dachverband für Luftfahrtgesellschaften IATA aufgenommen.
Für den Geschäftsflugverkehr beschaffte die LOT 1931 eine Gipsy Moth, ersetzte sie aber später durch eine RWD-5 und schließlich eine RWD-13.
mini|Eine Douglas DC-2 der LOT in den 1930er-Jahren In den Jahren 1935 bis 1939 modernisierte man die Flotte. Die verbliebenen neun Junkers F 13 gab man in Verrechnung gegen eine Junkers Ju 52 nach Dessau ab. Darüber hinaus wurden als US-amerikanische Flugzeugmuster mit einziehbarem Fahrwerk Douglas DC-2 (3), Lockheed 10A Electra (10) und Lockheed 14 Super Electra (10) beschafft. Diese Flugzeuge verkürzten die Reisezeiten erheblich, außerdem konnte nun auch unter schwierigeren Wetterbedingungen geflogen werden. Die LOT setzte unter anderem ab Mitte der 1930er-Jahre zur Schlechtwetter-Landung das ZZ-Verfahren ein. Dieser im Deutschen Reich entwickelte Vorläufer eines Instrumentenlandesystems (ILS) setzte auf Funkpeilung und die Sendung von Morsecodes zur Kurskorrektur durch eine Bodenstation am Flughafen. Allerdings wurden – bedingt durch den riskanteren Allwetter-Flugbetrieb – insgesamt sechs moderne Flugzeuge bei verschiedenen Unfällen zerstört, wobei die ersten Todesopfer in der zivilen polnischen Verkehrsluftfahrt zu beklagen waren. Bis 1938 wurden die Fokker F.VII beider Versionen sowie die PWS-24 nach und nach aus dem Passagierverkehr zurückgezogen, einzelne Maschinen wurden jedoch für Luftbild-Photogrammetrieflüge umgerüstet. 1938 wurde eine erste Serie von vier polnischen PZL PZL.44 Wicher bestellt, die Bestellung jedoch kurz vor dem Ausbruch des Krieges im gegenseitigen Einvernehmen storniert.
Im Jahr 1938 wurde die Gesellschaft in Polskie Linie Lotnicze LOT umbenannt, da sich in Polen die Rechtschreibregeln in diesem Jahr geändert hatten.
Direkt vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die folgenden Linien betrieben: Inlandsverbindungen: Warschau – Gdingen Warschau – Krakau Warschau – Kattowitz Warschau – Lemberg Warschau – Posen
Auslandsverbindungen: Lemberg – Tschernowitz – Bukarest – Sofia – Saloniki – Athen – Lydda – Beirut Warschau – Bukarest Posen – Berlin Warschau – Budapest – Belgrad Warschau – Budapest – Venedig – Rom Gdingen – Kopenhagen Warschau – Kaunas – Riga – Tallinn – Helsinki Vilnius – Kaunas – Riga – Tallinn – Helsinki
Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkrieges stellte man den Flugbetrieb ein und löste das Unternehmen auf. Anfang September 1939 wurden die meisten flugtauglichen Flugzeuge der LOT nach Rumänien evakuiert. Durch Bombardements wurden sämtliche Flugzeughallen und Flughafengebäude sowie die in Reparatur oder Wartung befindlichen Flugzeuge zerstört. Die nach Rumänien evakuierten Flugzeuge wurden sämtlich fiktiv nach Großbritannien (an Imperial Airways) verkauft, um eine Internierung als polnisches Regierungseigentum zu vermeiden und die Flugzeuge gegebenenfalls zu militärischen Zwecken wie Truppentransporte weiternutzen zu können. Dennoch wurde ihr Weiterflug in Richtung Großbritannien über die Türkei durch die rumänischen Behörden verhindert, da Großbritannien inzwischen auch in den Krieg eingetreten war. In ähnlicher Weise wurde ein Flugzeug (Lockheed 14H SP-BPN) in Estland beschlagnahmt. Drei Lockheed 14H konnten rechtzeitig aus Polen über Schweden nach Großbritannien ausgeflogen werden, zwei davon wurden an BOAC ausgeliehen. Die Ausreise des LOT-Flugpersonals aus Rumänien nach Großbritannien und Frankreich gelang jedoch. Viele Piloten, darunter der erfahrene polnische Verkehrspilot Kazimierz Burzyński, schlossen sich der polnischen Luftwaffe in Großbritannien an und flogen Transportflugzeuge.
Reaktivierung nach dem Krieg mini|IL-18 der LOT auf dem Flughafen Frankfurt (1967) mini|Tupolew Tu-134 der LOT (1985) Nach dem Krieg beschloss der Staat Anfang 1945, das Unternehmen in Form eines Zwangsbetriebs als eine Sp. z o. o. (entspricht einer GmbH) unter der Führung des Generaldirektors Wojciech Zieliński (in der Vorkriegszeit Prokurist der LOT) zu reaktivieren. Am 18. Juli 1945 entschied der Ministerrat, die LOT in ein Staatsunternehmen umzustrukturieren. Folglich wurde die Sp. z o. o. am 30. September aus dem Handelsregister gestrichen und am Folgetag ein staatliches Unternehmen Polskie Linie Lotnicze LOT – Przedsiębiorstwo Państwowe (entspricht einem VEB) eingetragen. Nach dem Erhalt von Lissunow Li-2 (anfangs zehn Maschinen) und Douglas DC-3 (bis zu neun Maschinen) konnte der Betrieb zum 1. April national (mit Li-2) mit der Linie Warschau–Danzig und zum 11. Mai 1946 international (mit DC-3) von Warschau zu den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Paris, Stockholm und Prag wieder aufgenommen werden. In den folgenden Jahren erweiterte man die Luftflotte neben sowjetischen (Iljuschin Il-12, Iljuschin Il-14) um französische (Sud-Est SE.161), amerikanische (Convair CV-240) und britische (Vickers Viscount) Flugzeugmuster.
Im Jahr 1955 wurde der einmillionste Fluggast seit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs befördert.
Polens politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von der Sowjetunion zwang die LOT Mitte der 1960er-Jahre, alle noch verbliebenen Flugzeugtypen westlicher Hersteller auszumustern, da die Ersatzteilbeschaffung für die alternden Maschinen wegen des chronischen Mangels an Devisen immer schwieriger wurde. Es kamen nur noch Flugzeuge sowjetischer Hersteller wie Iljuschin Il-18, Iljuschin Il-62, Tupolew Tu-134 und Antonow An-24 zum Einsatz.
Im Jahr 1963 wurden zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg außereuropäische Ziele angeflogen, zuerst Kairo, danach Bagdad, Beirut, Bengasi, Damaskus und Tunis. Mit der Iljuschin Il-62 konnten erstmals transatlantische Ziele wie Montréal und New York (zunächst Charter, später Linie) bedient werden. 1967 beförderte die LOT auf dem zu diesem Zeitpunkt 38.000 km umfassenden Streckennetz 680.000 Passagiere.Aerosport Nr. 6/1968 (Rubrik Luftverkehr), S. 222.
Im Jahr 1976 flog LOT den Flughafen Bangkok (über Dubai und Mumbai) an, das erste Ziel im Fernen Osten.
Im Jahr 1978 entwarfen die Künstler Roman Duszek und Andrzej Zbrożek das noch bis 2012 genutzte Design der Flugzeuge: überwiegend weiß, vorne am Rumpf die Aufschrift LOT in kursiver Schrift, das Leitwerk ist in Blau gehalten und zeigt einen Kranich sowie die polnische Flagge.
Zwischen 1980 und 1981 brach der Flugbetrieb infolge der politischen Probleme in Polen völlig zusammen. Erst 1984 beruhigte sich die Lage und erste internationale Ziele wie New York konnten wieder angeflogen werden.
Ausflottung sowjetischer Flugzeugmuster mini|Boeing 767-200 der LOT Die Entscheidung, Iljuschin Il-18 und Tupolew Tu-134 auszuflotten, wurde 1986 getroffen. Gleichzeitig wurden Flugzeuge des Musters Tupolew Tu-154 angeschafft und nach und nach auf den europäischen Linien und in den Nahen Osten eingesetzt. Nach dem Unfall auf dem LOT-Flug 5055 wurde ab September 1987 eine geleaste Douglas DC-8 der Arrow Air auf der Strecke nach New York betrieben. Die Maschine wurde von US-amerikanischen Piloten geflogen, während LOT die Flugbegleiter stellte.
Im Jahr 1988 wurde die bisher längste Flugstrecke Warschau–Singapur in Betrieb genommen.
Ebenfalls 1988 wurde nach einem Vorstandsbeschluss damit begonnen, die bislang aus sowjetischer Produktion stammenden Flugzeuge durch modernere westliche Maschinen zu ersetzen. Grund war der Fall des Eisernen Vorhangs, weshalb die LOT sich dem internationalen Wettbewerb stellen musste. Begonnen wurde im April 1989 mit dem Kauf von Boeing 767-200ER (eine dritte Maschine kam 1990 zur Flotte). Des Weiteren kamen 1991 ATR 72-200, im Dezember 1992 Boeing 737-500 und im April 1993 Boeing 737-400 zur Flotte.
Nachwendezeit Im November 1992 wurden zum ersten Mal Anteile des Unternehmens auf dem Aktienmarkt veräußert. Im selben Jahr führte die LOT das Vielfliegerprogramm LOT Voyager ein. 1993 entstanden an einigen Flughäfen Polens neue Verbindungen in das europäische Ausland (wie etwa Katowice–Frankfurt). 1994 unterzeichnete American Airlines mit der LOT ein Codeshare-Abkommen. Laut einem IATA-Bericht verfügte die LOT in jenem Jahr über die jüngste Flotte aller IATA-Mitglieder weltweit.
Im Jahr 1999 unterzeichnete die LOT einen Vertrag zur Bestellung von Flugzeugen des Typs Embraer ERJ 145. Damit sollte gewährleistet werden, insgesamt mehr Flüge zu absolvieren und Warschau mehrmals täglich mit den größten Städten Europas zu verbinden. Im selben Jahr trat die LOT in den weltweiten Fluggesellschaftenverbund The Qualiflyer Group ein.
+ Geschäftsberichte der Jahre 2003–2005 im Vergleich200320042005Einnahmen aus der Basistätigkeit
(Netto aus dem Verkauf) (Mio. PLN)28572914,22771,7Ergebnis für die Basistätigkeit
(Netto aus dem Verkauf) (Mio. PLN)7,2 −14,391,9Ergebnis Netto (Mio. PLN) −1091888,6Anzahl der beförderten Passagiere:3 742 0754 022 5423 578 202davon Linienflüge:
-Ausland
-Inland3 372 298 2 553 134
819 1643 601 995 2 733 788
868 2073 553 681 2 749 453
804 221davon Charterflüge:369 777420 54724 521Gütertransport (Tsd. t):21,521,820,5
mini|Boeing 737-400 der LOT in früherer Bemalung
Expansion Der bisherige Heimatflughafen Warschau-Okęcie wurde im Jahr 2000 umstrukturiert und zum Hub der Fluggesellschaft ausgebaut. Somit war es möglich, aus dem Flughafen ein Drehkreuz herzustellen und nationale wie internationale Transitpassagiere zu transportieren. Neben weiteren neuen Zielen wie Zagreb und Tallinn wurden der Fluggesellschaft elf neue Flugzeuge (acht ERJ-145 und drei B737-500) geliefert. Dies war für die LOT ein neuer Rekord, niemals zuvor waren so viele neue Flugzeuge innerhalb eines Jahres in Dienst gestellt worden.
Im Jahr 2001 konnten auf den Flügen erstmals drei Millionen Passagiere empfangen werden. Auch in diesem Jahr wurde das Streckennetz erweitert (z. B. Odessa).
Im Jahr 2002 wurde die Allianz The Qualifier Group von den Fluggesellschaften aufgelöst. Deshalb versuchte die LOT, sich einer Allianz anzuschließen. Dies geschah in Form eines Codeshare-Abkommens mit der Lufthansa, was den Weg zur Star Alliance ebnete. Im selben Jahr wurde ein Vertrag zum Kauf von fünf ATR-42 (Serie 500) unterzeichnet.