mini|Gebäude des Naturhistorischen Museums Hamburg 1891 mini|Frontalansicht des Naturhistorischen Museums um 1910, links am Bildrand die Badeanstalt an der Steinstraße, rechts die neuerbaute Mönckebergstraße, davor die Gleise des 1906 eröffneten Hauptbahnhofes
Das Naturhistorische Museum Hamburg bestand von 1843 bis 1943. Die Sammlung wurde ab September 1891 in einem eigens dafür errichteten, repräsentativen Gebäude untergebracht und so erstmals einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieser Bau, der landläufig als das „Naturhistorische Museum“ bekannt war, lag in unmittelbaren Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs und wurde im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zerstört.
Geschichte Sammlung
Die naturkundliche Sammlung in der Stadtbibliothek,Christian Petersen: Geschichte der Hamburgischen Stadtbibliothek. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1838, erfuhr ihre Zuwendungen durch Spenden und Geschenke Hamburger Bürger. Sie wurde von den Rektoren des Johanneums in Personalunion geleitet. Vereinzelt dienten Exemplare in Unterrichtsstunden als Anschauungsmaterial. In den Räumlichkeiten des 1840 neuerrichteten Johanneums am Speersort standen für die Unterbringung dieser Sammlung drei Räume zur Verfügung.Johann Georg Christian Lehmann: Ansichten und Baurisse der neuen Gebäude für Hamburgs öffentliche Bildungsanstalten kurz beschreiben und in Verbindung mit dem Plan für die künftige Aufstellung der Stadtbibliothek herausgegeben von den Bibliothekaren J.G.C. Lehmann und C. Petersen zur Einweihung am 4. Mai 1840, Hamburg 1840, S. 2–4 Karl Kraepelin: Das Naturhistorische Museum. S. 125
Im November 1837 hatte sich der „Naturwissenschaftliche Verein in Hamburg“ konstituiert.Herbert Weidner, Otto Kraus: Aus der Geschichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg. S. 10. In der Sitzung der erbgesessenen Hamburger Bürgerschaft am 11. Mai 1843 wurde die „Verfassung des hamburgischen naturhistorischen Museums und seine Consoldierung mit der Sammlung des hamburgischen naturhistorischen Vereins“Die „Naturhistorische Gesellschaft.“ In: Herbert Weidner, Otto Kraus: Aus der Geschichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg. S. 29 angenommen.V. Die Verfassung des hamburgischen naturhistorischen Museums und seine Consolidierung mit den Sammlungen des hamburgischen naturhistorischen Vereins. E. E. Rathsanträge an Erbges. Bürgerschaft im Convente vom 11. Mai 1843, in Hamburger Nachrichten vom 15. Mai 1843, Seite 1, (Digitalisat) Der Vertrag zur Überlassung der Sammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg wurde am 17. Mai 1843 unterzeichnet und gilt als Gründungsdatum des städtischen Naturhistorischen Museums Hamburg. Eine sich stetig vergrößernde Sammlung und beengte Möglichkeiten der Unterbringung waren ursächlich für die Überlassung der Sammlung. Im Dezember 1844 wurde das Museum für das Publikum geöffnet.Christian Friedrich Wurm (Hrsg.): Verzeichniss der öffentlichen und Privat-Vorlesungen, welche am Hamburgischen Akademischen Gymnasium von Ostern 1845 bis Ostern 1846 gehalten werden. Johann August Meissner, Hamburg 1845, S. VI
Ab dem Jahr 1844 wurden Aufstellungen von Geschenken, Zuwendungen und Spenden für das naturhistorische Museum und die Namen der Geber unter Aufsicht der Museumskommission in den Hamburger Nachrichten vierteljährlich veröffentlicht. Unter diesen Spenden befanden sich auch zahlreiche Exemplare, die Kapitäne und Kaufleute von ihren Reisen mitbrachten.Bericht der Museums-Commission abgestattet am 24. September 1845. In Neue hamburgische Blätter. 1. Oktober 1845, S. 338 (Digitalisat. „Außerdem war seit der Eröffnung des Museums der Zuwachs an eingehenden Geschenken ein so erfreulicher, daß kaum irgend ein Zweig der Sammlungen unbedacht blieb und immer reichliche Arbeitsstoff für den Custos vorhanden war.“) Sammlungsstücke wurden zusätzlich angekauft, mit anderen Museen getauscht und/oder als Geschenke erhalten.
Die Sammlung enthielt „Hamburgische Altertümer“. Dieser Teil konnte 1848 an einem anderen Ort untergebracht werden. Im gleichen Jahr wurden die „werthvollsten naturhistorischen Gegenstände des Rödingschen Museums“ (Museum für Gegenstände der Natur und Kunst) erworben. 1847 war Wilhelm von Winthem gestorben. Er hatte die Insektensammlung begründet. Seine umfangreiche Sammlung gelangte 1852 zum Nachteil Hamburgs an die k.k. Hofnaturalien-Kabinette in Wien.
Ferdinand WorléeJohann Carl Ferdinand Worlée war seit März 1874 Teilhaber der Fa. E. H. Worlée & Co. Nach dem Tod seines Bruders Emil Heinrich Worlée Ende Mai 1899 war er alleiniger Inhaber. Ferdinand Worlée starb im Februar 1913 im Alter vn 82 Jahren. Nach seinem Tod wurden seine Mineraliensammlung vom Hamburger Senat angekauft. Andere Teile seiner Sammlungen wurden im Sommer 1913 versteigert.(Kleines Feuilleton. Die Sammlung Worlée. In: Hamburgischer Correspondent. 13. März 1913, Morgen-Ausgabe, Beilage, S. , (Digitalisat)) und Adolph Oberdörffer hatten den Teil der naturkundlichen Sammlung gesichtet, der ab 1867 als ethnografische Sammlung eigenständig wurde.Karl Wiebel (Hrsg.): IV. Ethnographische Sammlung. In: Verzeichniss der Vorlesungen, welche im Hamburgischen Akademischen Gymnasium und Real-Gymnasium von Ostern 1868 bis Ostern 1869 gehalten werden sollen. Jahresbericht. Johann August Meissner, Hamburg 1868, S. XVIII Die Sammlung wurde später im 1912 fertiggestellten „Museum für Völkerkunde“2018 in „Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, kurz: MARKK“ umbenannt präsentiert.
Frühzeitig erfolgten räumliche Verlegungen einzelner im Museum untergebrachter naturwissenschaftlicher Sammlungen: 1883 erhielt die Botanik ein eigenes Museum in Hamburg. 1907 wurden die mineralogischen Sammlungen in das Mineralogische Museum Hamburg ausgelagert.
1912 verfügte das Naturhistorische Museum über eine anthropologische, eine paläontologische sowie eine zoologische Sammlung. Mit bis zu 125.000 Besuchern pro Jahr war es das meistbesuchte Naturkundemuseum im Deutschen Kaiserreich.
Gebäude Die Museumskommission wies wiederholt auf die mangelhafte Unterbringung der Sammlungsgegenstände hin. Am 8. September 1875 stellte der Senat daher den Antrag: „die Bürgerschaft wolle den Bau eines Hauses für das naturhistorische Museum auf dem Schweinemarkte und die Verwendung von höchstens ℳ 1,200,000 aus dem Hamburgischen Antheile an den Französischen Kriegsentschädigungsgeldern mitgenehmigen.“Mittheilung des Senats an die Bürgerschaft, Nr. 90, vom 8. September 1875. Antrag betreffend den Bau eines naturhistorischen Museums. In: Verhandlungen zwischen Senat und Bürgerschaft im Jahr 1875. Th.G. Meissner, Hamburg 1876. S. 383–389, (, enthält eine ausführliche Darstellung zur Unterbringung der Sammlungsgegenstände). Unter Bedingungen stimmte die Bürgerschaft in ihrer Sitzung vom 24. November dem Antrag zu.Heinrich Bolau: III. Das Naturhistorische Museum. In: Verzeichniss der Vorlesungen, welche am Hamburgischen Akademischen und Real-Gymnasium von Ostern 1876 bis Ostern 1877 gehalten werden sollen. S. X, ().
Als Sieger eines Architektenwettbewerbs waren Manfred Semper und Carl Philipp Krutisch im Februar 1885 hervorgegangen.Semper & Krutisch: Das neue naturhistorische Museum in Hamburg. In: Deutsche Bauzeitung. 24. Jg. S. 238 Am 6. September 1886 fand das Richtfest statt, und am 1. März 1890 war der Bau abgeschlossen. Am 17. September 1891 fand die Eröffnung des Naturhistorischen Museums im eigenen Gebäude am Steintorwall statt.Erinnerungsblatt an die Wieder-Eröffnung des Naturhistorischen Museums zu Hamburg im neuen Gebäude am Steinthorwall Nach Fertigstellung hatte das Gebäude eine Front von 82,20 m und eine Breite von 35,20 m.Manfred Semper: Der Neubau des Naturhistorischen Museums. In: Eine Wanderung durch Hamburg den Mitgliedern der XVI. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine gewidmet vom Architekten- und Ingenieur-Verein in Hamburg. Meyer & Dieckmann, Hamburg 1887, S. 64 ff. Im Inneren waren vier Geschosse entstanden. Die für Ausstellungen nutzbare Fläche betrug 7100 m².Semper & Krutisch: Das neue naturhistorische Museum in Hamburg. In: Deutsche Bauzeitung. 24. Jg. S. 273 Das Gebäude stand lediglich durch die Gleise des Hauptbahnhofes getrennt in der Nähe des seit 1874 bestehenden Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude bei Luftangriffen im Rahmen der Operation Gomorrha in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 mit großen Teilen der vor Ort verbliebenen Sammlungen zerstört. Teile der Sammlungen waren ausgelagert worden. Eine 300.000 Gläser umfassende Sammlung in Alkohol konservierter Fische, Amphibien- und Reptiliensammlung war erst zwei Wochen zuvor in einen ungenutzten Tunnel der Hamburger Hochbahn untergebracht worden. Die Ruine wurde 1950 gesprengt und abgetragen. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Am Standort baute die Horten AG im Jahre 1968 an ein Kaufhaus, in dem seit Ende 2024 eine Mediamarkt- und eine Decathlon-Filiale untergebracht sind.
Museumskommission Der Vertrag von 1843 sah weiterhin vor, das einer Museumskommission die Verwaltung des Naturhistorischen Museums, die sich zur Hälfte aus Mitglieder der Behörde und des naturwissenschaftlichen Vereins zusammensetzte, oblag. Die vorgesetzte Behörde war die Gymnasial-Deputation.Im Staatskalender siehe: Verwaltungsabteilung für Unterrichtswesen. Die Namen der Mitglieder dieser Museumskommission wurden im Hamburgischen Staatskalender veröffentlicht.
Direktoren 1882 wurde der Arzt und Zoologe Alexander Pagenstecher zum Direktor des Museums bestellt. 1889 übernahm der Biologe Karl Kraepelin das Amt. Der Zoologe Hans Lohmann folgte 1914 Karl Kraepelin als Direktor des Museums. Das Amt hatte Lohmann bis zu seinem Tod im Jahr 1934 inne. Mit der Ernennung von Hans Lohmann zum Direktor veränderte sich die Bezeichnung des Museums. Aus dem Naturhistorischen wurde das Zoologische Museum.Christian Hünemörder: Biologie und Rassenbiologie in Hamburg 1933 bis 1945. In: Eckart Krause et al. (Hrsg.): Hochschulalltag im "Dritten Reich". Die Hamburger Universität 1933–1945, Band III, Dietrich Reimer Verlag, Berlin / Hamburg 1991, S. 1155–1196, hier: S. 1156.
Mitarbeiter Zu den Mitarbeitern des Naturhistorischen beziehungsweise Zoologischen Museums gehörten Jan Bohls, Ernst Ehrenbaum, Carl Christian Gottsche, Wilhelm Michaelsen, Erna Mohr, Georg Pfeffer, Hermann Wilhelm Strebel und Herbert Weidner.
Veröffentlichungen Mitteilungen aus dem Naturhistorischen Museum in Hamburg, (6.1888–10.1892 u. 13.1896–31.1914)Als eigenständige Veröffentlichung und als Beitrag in den Jahrbüchern der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten. Das naturhistorische Museum. In: Verzeichniss der Vorlesungen, welche am Hamburgischen Akademischen und Real-Gymnasium von Ostern ... bis Ostern ... gehalten werden sollen. Jahresberichte, (1855–1877)Das naturhistorische Museum war (zeitweilig) eine mit dem Akademischen Gymnasium verbundene Anstalt. Daher ist in nahezu jeder Ausgabe der „Verzeichnisse“ im Kapitel „Jahresbericht“ ein kurzer Artikel „Das naturhistorische Museum“ zu finden. Auch in den Ausgaben der „Verzeichnisse“ vor 1855 finden sich kurze Berichte innerhalb des Jahresberichtes. Diese Jahresberichte in toto zeigen die Entwicklung der Sammlung für einen Zeitraum von 30 Jahren.
Siehe auch
Nachfolge