mini|Bühnenbildentwurf von Oskar Schlemmer für die Krolloper 1930 Die glückliche Hand ist ein Drama mit Musik von Arnold Schönberg, op. 18, in einem Akt mit vier Bildern. Es wurde von 1910 bis 1913 komponiert. Das Libretto stammt vom Komponisten. Die Uraufführung des Dramas fand am 14. Oktober 1924 in Wien in der Volksoper statt.Plakat, Arnold Schönberg Center, Bildarchiv, ASC ID CP5586.

Entstehung Der Inhalt des Dramas wird häufig mit den persönlichen Erlebnissen Arnold Schönbergs im Zusammenhang mit dem Verhältnis seiner Frau Mathilde zu dem Maler Richard Gerstl in Verbindung gebracht. Schönberg entdeckte das Liebespaar 1908 in einer kompromittierenden Situation. Mathilde Schönberg kehrte anschließend zu ihrem Mann zurück, Richard Gerstl hingegen wählte den Freitod. Mathilde Schönberg selbst war ebenfalls an der Entstehung des Werkes beteiligt. Auf der Abschrift der Kompositionsvorlage zu Die glückliche Hand vermerkte Arnold Schönberg: „von Mathilde hergestellt“.

Das Libretto entstand 1910 und wurde von Schönberg selbst verfasst. Bereits 1911 veröffentlichte er den Text in einer frühen Fassung in Der Merker. In den darauffolgenden Jahren überarbeitete Schönberg den Text mehrfach, sodass verschiedene Textfassungen überliefert sind. Neben der frühen Veröffentlichung und mehreren Textquellen erschien 1917 ein eigenständiges Textbuch; eine weitere Fassung wurde 1926 veröffentlicht.

Schönberg arbeitete an Die glückliche Hand in mehreren Etappen. Die Komposition begann am 9. September 1910 und wurde am 18. November 1913 abgeschlossen. Anhand von Skizzen, Manuskripten und Korrespondenzen lassen sich mindestens fünf Arbeitsphasen rekonstruieren. Aus dem Jahr 1910 stammen neben dem Libretto einige Entwürfe zur szenischen Gestaltung und erste musikalische Skizzen. Ein größerer Teil der Partitur entstand im Sommer 1911. Der Hauptteil des Werkes, darunter die dritte und vierte Szene sowie Teile der ersten beiden Szenen, wurde jedoch erst 1912 und 1913 nach der Arbeit an Pierrot Lunaire komponiert.

Die mehrjährige Entstehungszeit spiegelt auch eine Veränderung in Schönbergs kompositorischer Arbeitsweise wider. Während die frühen Skizzen vorwiegend kurze, unmittelbar mit einzelnen Textstellen verbundene musikalische Einfälle festhalten, zeigen die späteren Arbeitsphasen eine stärkere Entwicklung von Motiven und Themen sowie die Verwendung von Kontrapunkt und klarer gegliederten Formen.

Handlung Die Handlung der Glücklichen Hand ist wegen der szenischen Effekte kombiniert mit dem Gebrauch der farbigen Lichtspiele sehr komplex. Das Drama repräsentiert den Zyklus über den ausweglosen Drang eines Mannes. Im ersten und vierten Akt ist der Mann allein auf der Bühne, nur die „Monster“ im Hintergrund (Unterbewusstsein) kämpfen mit ihm. Der Mann singt von seiner Liebe zu einer jungen Frau (Mime), doch trotz dieser Liebe verlässt sie ihn für einen gut gestylten Herrn (Mime). Sie kehrt zurück und bittet den Mann um Verzeihung. Seine Glückseligkeit kehrt zurück. „Nun besitze ich dich für immer!“ Der Mann stürmt eine Gebirgslandschaft hinauf, schaut Arbeitern bei komplizierten Tätigkeiten zu. Mit einem einzigen Hammerschlag zerschmettert er einen Goldklumpen: „So schafft man Schmuck.“ Dadurch wird ein „Crescendo des Lichtes und des Sturmes ausgelöst“, welches den Mann verängstigt. Er versucht die Grotte des Weibes zu erreichen, die sich dort dem Herrn hingegeben hat. Der Mann vermag nicht mehr weiter hinaufzuklettern und stürzt ab. Dann liegt er wieder am Boden wie im ersten Bild. Die inneren Stimmen kommen wieder: „Musstest du es wieder erleben, was du so oft schon erlebt?“

Das Libretto der Glücklichen Hand enthält mehr Regieanweisungen Schönbergs als gesungenen Text. Selbst die gesungenen Passagen sind begrenzt auf sehr knappe Ausrufe wie „Oh du Schöne!“ – „das Blühen“ – „die Sehnsucht“. Der Sänger benötigt neben seinem Gesang auch gute schauspielerische Fähigkeiten, um den inneren Zwist in seinem Verstand auf der Bühne glaubwürdig darstellen zu können. Die atonale Musik vollendet dieses Psychogramm.

Aufführungen In der Uraufführung 1924 traten unter der Regie von Josef Turnau und dem Dirigenten Fritz Stiedry der Bassbariton Alfred Jerger und die Mimikerin Hedy Pfundmayr auf. Die deutsche Erstaufführung vom 7. Juni 1930 in der Berliner Staatsoper inszenierte Arthur Maria Rabenalt in der musikalischen Leitung von Otto Klemperer mit Fritz Krenn und Jarmila Novotná und in Bühnenbildern von Oskar Schlemmer; zuvor wurde Schönbergs Monodram Erwartung (Musikalische Leitung: Alexander von Zemlinsky, Bühnenbilder: Teo Otto) erstaufgeführt.

Aufgrund der Komplexität des Stückes wird es sehr selten aufgeführt, zumeist in Verbindung mit anderen Werken Schönbergs. So z. B. 1963 in Hannover und 1965 in Wien mit den Werken Erwartung und Von heute auf morgen. Im Jahr 2012 wurde es in Stuttgart zusammen mit Leoš Janáčeks Osud/Schicksal aufgeführt.

Ausgaben Der Erstdruck einer frühen Textfassung erschien in Der Merker, Band 2, Nr. 17, 1911, S. 718–721. Eine letzte Fassung wurde 1926 erstpubliziert. Die Partitur erschien 1917 in der Universal Edition in Wien (UE Nr. 5670). 1923 erschien, herausgegeben von Eduard Steuermann, ein Klavierauszug in der Universal Edition. Eine textkritische Edition erschien 2005.

Tonträger Dirigent: Pierre Boulez, Siegmund Nimsgern (Bass), BBC Symphony Orchestra (Henry Wood Hall, London, 12. März 1981), Sony Classical, SMK 62020.

Literatur Arnold Schönberg: Die glückliche Hand, op. 18. Kritischer Bericht, Skizzen, Textgenese und Textvergleich, Entstehungs- und Werkgeschichte, Dokumente. Schott, Mainz; Universal-Edition, Wien 2005. Siegfried Mauser: Das expressionistische Musiktheater der Wiener Schule. Stilistische und entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen zu Arnold Schönbergs „Erwartung“ op. 17, „Die glückliche Hand“ op. 18 und Alban Bergs „Wozzeck“ op. 7. Bosse, Regensburg 1982, ISBN 3-7649-2264-8. Ralph Paland: „Die glückliche Hand“ von Arnold Schönberg. Formale Konzeption in der frühen Atonalität. Libreria Musicale Italiana, Lucca 2001, ISBN 88-7096-293-8. Barbara Kienscherf: „Das Auge hört mit.“ Die Idee der Farblichtmusik und ihre Problematik. Beispielhaft dargestellt an Werken von Alexander Skrjabin und Arnold Schönberg. Lang, Frankfurt am Main/Berlin 1996, ISBN 3-631-30288-6 (Zugl.: Münster (Westfalen), Univ., Diss., 1995) Ullrich Scheideler: „Arnold Schönbergs Text zum Drama mit Musik Die glückliche Hand. Probleme der Edition und der Darstellung der Textvarianten“, in: Krones, Hartmut (Hg.): Arnold Schönberg in seinen Schriften. Verzeichnis – Fragen – Editorisches, Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2011, S. 227–238. ISBN 978-3-205-78331-2

Weblinks

Libretto und Werkeinführung von Matthias Schmidt im Arnold Schönberg Center Wien

Einzelnachweise

Kategorie:Oper von Arnold Schönberg Kategorie:Operntitel Kategorie:Oper in deutscher Sprache Kategorie:Oper aus dem 20. Jahrhundert Kategorie:Musik 1913