Popstars ist der Titel eines international produzierten Reality-TV-Programms. Die Sendung begleitet dokumentarisch die Zusammenstellung von Popbands, deren Mitglieder abhängig von Staffel und aktuellem Konzept Sänger und/oder Tänzer sind.

Durch die stetige Selektion des Kandidatenkreises fließen interaktive Elemente herkömmlicher Castingshows in das Konzept mit ein. Eine Jury trifft die meisten Entscheidungen über die Kandidaten. Anders als bei Formaten wie etwa Deutschland sucht den Superstar ist eine Abstimmung der Fernsehzuschauer per Televoting-Verfahren nur teilweise möglich.

Popstars in Deutschland 1. Staffel (2000) mini|Logo der No Angels mini|No Angels 2022, ohne Vanessa Petruo

Untertitel Du bist mein Traum Jury Simone Angel, Mario M. Mendryzcki, Rainer Moslener Entstandene Band No Angels Nebenprodukt(e) Curly, Fresh’n'Juicy, Verena Stanley Coaches Detlef Soost Moderation – Titelmusik M 2000 – Pop Muzik

Am 15. November 2000 begann der private Fernsehsender RTL II mit der Ausstrahlung einer deutschen Version von Popstars. Auf der Suche nach einer reinen Girlgroup – ähnlich den Spice Girls – bewarben sich über 4.500 junge Frauen ab 18 Jahren, aus denen nach einem bestandenen Vorsingen und erfolgreichem Recall wiederum insgesamt 32 Teilnehmerinnen zu einem Workshop nach Mallorca reisten. Während des einwöchigen Gesangs- und Tanztrainings unter der Leitung des Choreographen Detlef ‚D!‘ Soost verminderte sich die Anzahl der Teilnehmerinnen unter Urteil der Jurymitglieder Simone Angel, Rainer Moslener und Mario M. Mendryzcki auf elf. Die verbliebenen Finalistinnen kehrten daraufhin nach Deutschland zurück.

Im November des Jahres erfuhren Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls innerhalb einer Sonderausgabe des Formates, dass sie als Siegerinnen des Wettbewerbes hervorgehen und Teil der endgültigen Formation werden würden. Wenig später bezog die Band ein gemeinsames Domizil in München und begann mit den Vorbereitungen zu ihrem Debütalbum. In Vorbereitung auf die erste Single des Quintetts startete RTL 2 zu gleicher Zeit eine Umfrage, in welcher der Bandname ermittelt werden sollte; zur Auswahl standen der spätere Titel des ersten Albums, Elle’ments, sowie Champaign und No Angels. Letzterer gewann laut Umfrage, war jedoch, wie sich später herausstellte, schon vor der Umfrage festgelegt worden.

Im Durchschnitt verfolgten 1,7 Millionen Zuschauer die erste Staffel, welche aus 15 Sendungen bestand.Dunja M. Pechner, Michael Fuchs-Gamböck: Popstars backstage. Verlag Buhmann & Haeseler, ISBN 3-927638-27-7, S. 17

Nach Ende der ersten Staffel mit dem ersten Auftritt bei The Dome im Februar 2001 stiegen sowohl die Debütsingle Daylight in Your Eyes als auch das Album Elle’ments auf Platz 1 der deutschen, österreichischen und Schweizer Hitparaden ein.Informationen zu Chartplatzierungen. hitparade.ch Im Sommer 2002 verkündete Wahls ihre Schwangerschaft und verließ die Band im Dezember des gleichen Jahres. Nach Veröffentlichung von zwölf Singles, drei Studioalben, einem Live-Album, zwei erfolgreicher Tourneen und der Auszeichnung mit den wichtigsten Musikpreisen Deutschlands – darunter 1Live Krone, Bambi, Comet, Echo, Goldene Kamera und World Music Award – lösten sich die No Angels Ende des Jahres 2003 mit Erscheinen des Best-Of-Albums The Best of No Angels zugunsten einer längeren Pause und Solokarrieren auf.

Im Januar 2007 starteten Benaissa, Diakovska, Mölling und Wahls mit dem Album Destiny ein Comeback. Im Zuge dessen zeigte ProSieben im März 2007 die Dokumentation We love... No Angels – Das Comeback des Jahres. Petruo entschied sich zu Gunsten ihrer Solokarriere gegen eine Rückkehr in die Band. Ein Jahr darauf gewann die Band den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2008 und vertrat Deutschland beim Wettbewerb in Belgrad am 24. Mai 2008. Dort belegte die Gruppe mit 14 Punkten Platz 23. Im September 2009 erschien das fünfte Studioalbum Welcome To The Dance. Nachdem die Band nach dem Ausstieg von Benaissa im Herbst 2010 nur noch als Trio bestand, konzentrierten sich die drei übrigen Bandmitglieder wieder verstärkt auf ihre Solokarrieren. Im Jahr 2014 wurde die Trennung der die No Angels verkündet.Lucy Diakowska: Kein Kontakt mehr zu Nadja! Zum 20-jährigen Bandjubiläum veröffentlichten die No Angels im Juni 2021 ihr sechstes Studioalbum 20, das aus Neuinterpretationen einiger ihrer alten Songs sowie neuen Songs besteht. Mit 20 erreichten die No Angels nach 18 Jahren zum vierten Mal Platz eins der Deutschen Albumcharts.

Die No Angels sind mit insgesamt über fünf Millionen verkauften Tonträgern, vier Nummer-eins-Hits in den Deutschen Singlecharts und vier Nummer-eins-Alben in den Deutschen Albumcharts bis heute die meistverkaufte deutsche Girlgroup aller Zeiten und erfolgreichste Girlgroup Kontinentaleuropas.

2. Staffel (2001) mini|Logo von Bro’Sis mini|Bro’Sis 2003, ohne Indira Weis

Untertitel Du bist mein Traum Jury Detlef Soost, Alex Christensen, Noah Sow Entstandene Band Bro’Sis Nebenprodukt(e) Yasmin K., Senad, Johnny MC Coaches Detlef Soost, Artemis Gounaki, Salva Grillo Moderation – Titelmusik Missyna – Das Leben

Nach dem Erfolg der No Angels rief RTL II im Sommer 2001 erstmals sowohl Frauen als auch Männer gleichermaßen zur Teilnahme an der zweiten Staffel auf. Gesucht wurde in 26 Folgen eine Band, die musikalisch den Fugees ähnelte. Die Mitgliederzahl der Band blieb offen. Mehr als 11.000 Teilnehmer stellten sich in Köln, Berlin, Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Hamburg dem Urteil der neu besetzten Jury, darunter erneut Choreograf Detlef Soost, der Produzent und DJ Alex Christensen und die Radio-Moderatorin und Sängerin Noah Sow. Das Mindestalter lag wieder bei 18 Jahren. 53 Personen schafften nach einem erfolgreich bestrittenen Recall und Re-Recall den Sprung zur sogenannten Flughafen-Show in Düsseldorf; 33 flogen anschließend nach Ibiza, um an einem zweiwöchigen Gesangs- und Tanztraining teilzunehmen.

Während den Bandanwärtern mit Sängerin und Texterin Artemis Gounaki erstmals ein Vocalcoach beiseite gestellt wurde, verließ Sow im Laufe des Workshops die Jury aufgrund von Differenzen. Soost und Christensen verminderten die Anzahl der Teilnehmer indessen auf sechs Männer und vier Frauen, von denen wiederum acht in ein in München eingerichtetes Loft zogen. Nach weiteren Wochen des Trainings erfuhren am 11. November 2001 schließlich Ross Antony, Hila Bronstein, Giovanni Zarrella, Shaham Joyce, Faiz Mangat und Verena ‚Indira‘ Weis, dass sie als Sieger des Wettbewerbes hervorgehen und Teil der Formation Brothers & Sisters, kurz Bro’Sis, werden würden.

Durchschnittlich verfolgten 1,71 Millionen Zuschauer die zweite Popstars-Staffel, welche aus 26 Folgen bestand.Dunja M. Pechner, Michael Fuchs-Gamböck: Popstars backstage. Verlag Buhmann & Haeseler, ISBN 3-927638-27-7, S. 21

Die erste Singleveröffentlichung der Band, I Believe, verkaufte allein in ihrer Veröffentlichungswoche über 800.000 Kopien und übertraf den Start der No Angels bei Weitem. Obwohl das dazugehörige Album Never Forget (Where You Come From) ebenfalls Platz 1 der deutschen, österreichischen und Schweizer Albumcharts belegte und drei weitere Top-10-Hits hervorbrachte, gelang es Bro’Sis nicht, mit ihren nachfolgenden Alben an den konstanten Erfolg der No Angels anzuknüpfen. Die verbliebenen fünf Bandmitglieder trennten sich Anfang 2006 zu Gunsten von Solokarrieren.

3. Staffel (2003) mini|Logo von Overground

Untertitel Das Duell! Jury Detlef Soost, Uwe Fahrenkrog-Petersen, Sabrina Setlur Entstandene Bands Overground und Preluders Nebenprodukt(e) Fabrizio Coaches Detlef Soost, Artemis Gounaki Moderation Arabella Kiesbauer (Finalshow) Titelmusik Jasmin Wagner – Leb’ deinen Traum

Nach zwei Jahren Pause begannen die Münchner Produktionsfirma Tresor TV und ProSieben im August 2003 mit der Ausstrahlung der dritten Staffel von Popstars. Hierbei ließ man nach britischem Vorbild erstmals das Konzept eines Duells, einem Wettstreit zwischen einer Boygroup und einer Girlgroup, in die Reihe einfließen. Im Zuge der Umstrukturierung nahmen mit der Rapperin Sabrina Setlur und dem Produzenten Uwe Fahrenkrog-Petersen zwei neue Mitglieder neben Detlef Soost in der Jury ihre Plätze ein. Gounaki blieb dem Ensemble als Gesangslehrerin erhalten.

Innerhalb fünf großer Städtecastings bewarben sich erneut über 12.000 junge Frauen und Männer um einen Platz in den beiden Bands. Insgesamt 46 Kandidaten sangen und tanzten sich zur Teilnahme an der Entscheidungsshow am Düsseldorfer Flughafen; 27 reisten daraufhin unmittelbar nach Orlando (Florida), wo die Teilnehmer in vier Wochen Choreografie und Gesang einstudierten. Durch Juryentscheid bildeten nach Ende des Workshops schließlich Ahmet „Akay“ Kayed, Ken Miyao, Marq Porciuncula und Meiko Reißmann die Boyband Overground; Tertia Botha, Miriam Cani, Anh-Thu Doan und Rebecca Miro formten die Girlgroup Preluders. Nach für die Produzenten unbefriedigend verlaufenen Studioaufnahmen stießen mit Anne Ross und Fabrizio Levita später weitere Mitglieder zu den Bands hinzu; letzterer verließ Overground jedoch nur wenig später zu Gunsten einer Solokarriere.

Die beiden Gruppen versuchten anschließend innerhalb einer dreiwöchigen Club-Tour durch Deutschland, für sich und die vorab in Mc-Donald’s-Restaurants veröffentlichten Promosingles zu werben. Am 3. November 2003 gingen die Preluders in dem von Arabella Kiesbauer moderierten Finale mit ihrer verkaufsstarken Coverversion des R.E.M.-Hits Losing My Religion als Zwischensieger hervor, im finalen Entscheid jedoch konnten Overground nach dem Telefonvoting den Sieg für sich beanspruchen.

Die Auftaktfolge sahen knapp zwei Millionen Zuschauer (15,5 Prozent Marktanteil) der 14- bis 49-Jährigen. Durchschnittlich verfolgten 2,52 Millionen Zuschauer die dritte Popstars-Staffel, welche aus 15 Folgen bestand. Das Finale wurde von 4,55 Millionen Zuschauern verfolgt. Am Telefonvoting beteiligten sich 3,5 Millionen.Dunja M. Pechner, Michael Fuchs-Gamböck: Popstars backstage. Verlag Buhmann & Haeseler, ISBN 3-927638-27-7, S. 22

Wie schon die No Angels und Bro’Sis landeten auch Overground daraufhin mit ihrer anschließend veröffentlichten Debütsingle Schick mir ’nen Engel und dem dazugehörigen Album It’s Done! auf Platz 1 der deutschen, österreichischen und Schweizer Single- bzw. Albumcharts. Es gelang dem Quartett jedoch nicht, mit seinem zweiten Album an den Erfolg des Debüts anzuknüpfen. Seit Sommer 2006 pausierte die Band, verschiedene Mitglieder versuchten sich seither an Solokarrieren, bevor sich die Band endgültig 2008 auflöste.

Den Preluders erging es ähnlich. Mit dem Titel Everyday Girl des Albums Girls in the House erreichten sie nur in Deutschland ihre erste und einzige Spitzenposition. Weitere Veröffentlichungen der Preluders konnten sich nicht mehr in den Top 20 des deutschen Charts platzieren. Nachdem die Band auf ein Trio geschrumpft war, wurde im Herbst 2006 die Trennung bekannt gegeben.

4. Staffel (2004) mini|Logo von Nu Pagadi mini|Nu Pagadi 2004

Untertitel Jetzt oder nie! Jury Uwe Fahrenkrog-Petersen, Lukas Hilbert, Sandy Mölling Entstandene Band Nu Pagadi Nebenprodukt(e) Tryna Coaches Detlef Soost, Artemis Gounaki Moderation Oliver Pocher und Barbara Schöneberger Titelmusik Beverley Knight – Come As You Are

Von August bis Dezember 2004 wurde auf ProSieben eine vierte und als „definitiv letzte“ angekündigte Staffel mit dem entsprechenden Untertitel Jetzt oder nie! ausgestrahlt. Aus knapp 6500 Bewerbern ging die Band Nu Pagadi hervor. Zur vierten Staffel wurde von einem Duell abgesehen mit dem Ziel, eine gemischte Pop-Band zu finden.

In dieser Staffel wurde die Entscheidung, wer zur Band gehört, ohne Publikum entschieden. Stattdessen beurteilten und entschieden Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen, Sängerin und Mit-Gewinnerin der ersten Staffel Sandy Mölling und Texter Lukas Hilbert.