mini|Luftaufnahme: links Grossteil, rechts Rudenz, dahinter Diechtersmatt und der Sarnersee Giswil ist eine politische Gemeinde des Kantons Obwalden in der Schweiz. mini|Giswil, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 1600 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

Geographie Die Ortschaft Giswil liegt im Süden der vom Sarnersee dominierten Talfläche des Kantons Obwalden auf einer Höhe von sowie vor allem westlich des Tals gelegenen Berggebieten. Der tiefste Punkt ist der Sarnersee auf , der höchste Punkt liegt auf Bundesamt für Statistik BFS: , abgerufen am 11. September 2012 auf dem Gipfel des Brienzer Rothorns. Dort findet sich ein Dreikantonseck zu den Kantonen Bern und Luzern ().

Das nordwestliche Berggebiet besteht aus einer instabilen Gesteinsschichtung (Flysch) aus Kalksandstein, Ton und Gips und wird vorwiegend forstwirtschaftlich genutzt. Die Berggebiete im Südwesten und im Osten bestehen aus stabilem felsigem Kalkstein und werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Bergfussregion im Westen besteht aus fluviatilen Geröllablagerungen und wird landwirtschaftlich, als Siedlungsfläche und durch Kiesabbau genutzt, und der Talboden besteht aus grösstenteils trockengelegten Feuchtgebieten und wird als Siedlungs-, Gewerbe- und Landwirtschaftsgebiet genutzt.

Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 8597 ha, davon sind 4541 ha (52,8 %) bestockte Flächen (mit Wald und Buschwerk), 3195 ha (37,2 %) Nutzflächen (wie Wiesen, Äcker, Alpen), 158 ha (1,8 %) Siedlungsflächen und der Rest (703 ha 8,2 %) unproduktiv (Gewässer, Gebirge vegetationslos).

Mit einer Fläche von knapp 86 km² ist Giswil gleich gross wie die Stadt Zürich. Im Grössenvergleich der etwa 2750 Schweizer Gemeinden liegt Giswil auf Platz 68.

Die Bebauung in der Gemeinde Giswil erstreckt sich über eine grosse Fläche, in weiten Teilen hat der Ort daher den Charakter einer Streusiedlung. Giswil hat keine verwaltungstechnisch oder politisch abgegrenzte Unterteilung, setzt sich jedoch aus den Siedlungsbereichen Grossteil, Kleinteil, Rudenz und Diechtersmatt zusammen, die somit als Ortsteile bezeichnet werden können. Die mittlerweile geschlossene Besiedlung um Diechtersmatt ist mit dem südlicher gelegenen älteren Ortsteil Rudenz zusammengewachsen. Dieser Bereich, in dem auch der Bahnhof liegt, bildet mittlerweile eine Art Dorfkern. Das südlich angrenzende Aaried entstand durch die Trockenlegung des «Rudenzersees» im 19. JahrhundertKulturlandschaft Obwalden: Die Trockenlegung des Aarieds in Giswil und wird vorwiegend als Weideland benutzt. Der Ortsteil Kleinteil liegt mehr als zwei Kilometer südwestlich des Dorfs zwischen den Bächen Altibach und Laui am Nordostfuss des Giswilerstocks. Näher am Dorf liegt die Hauptsiedlung Schribersmatt des Ortsteils Grossteil mit den Schul- und Sportanlagen. Zahlreiche Gehöfte und Alpwirtschaften, die sich über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern ausbreiten, gehören zum Ortsteil Grossteil zwischen Laui und Steinibach.

Gewässer Das Wasser vom Lungerersee wird nach einer Druckleitung mit 190 Meter Gefälle im Kraftwerk Unteraa (vormals Kraftwerk Lungerersee) zur Stromproduktion genutzt. Die Turbinen und Generatoren des Kraftwerks stehen in der unterirdischen Kavernenzentrale Unteraa, die auf dem Gebiet der Gemeinde Giswil liegt. Von dort fliesst das Wasser als Sarner Aa (in diesem Abschnitt auch einfach Aa, Aawasser oder Giswiler Aa genannt) in einem kanalisierten Bachbett, bis es sich mit der Laui und der Kleinen Melchaa zum Dreiwässerkanal vereinigt. Dieser mündet nach etwa 2 km in den Sarnersee. Die Gemeinde Giswil hat einen kleinen Anteil am Sarnersee und zwar im Bereich westlich der Mündung des Dreiwässerkanals. mini|Laui Die Gemeinde wird von der Laui geprägt. Diese hat der Gemeinde schon oft Unheil gebracht. So schwemmte sie 1629 die alte Pfarrkirche fort und zwang die Giswiler zur Aufgabe eines ganzen Dorfteils. Diese Katastrophe fiel in die Epoche der Hexenverfolgungen. Jemand musste für dieses Hochwasser und die Zerstörung der Kirche die Schuld tragen. Der Pfarrherr erkannte die Schuldigen in seiner Pfarrei, und so kam es in Giswil zur grössten Hexenjagd der Geschichte der Schweiz. Dreiundsechzig Personen, neben den «Hexen» sieben Männer und fünf Kinder (vier Knaben und ein Mädchen), wurden gefoltert, zum Tode durch das Schwert verurteilt, hingerichtet, gevierteilt und verbrannt. Nach der Überlieferung geschah die Exekution an der Stelle, an der heute die Alte Kirche steht, die auf den Fundamenten des Turmes der zerstörten Kirche errichtet wurde.Kapitel «Hexenverfolgung» in: Pirmin Meier: Schweiz. Geheimnisvolle Landschaft im Schatten der Alpen. Goldmann (Magisch Reisen), 1993, ISBN 978-3-442-12298-1.

Bei schweren Gewittern und langanhaltenden Niederschlägen in ihrer instabilen Quellregion kann die Laui auch heute noch eine Gefahr darstellen. Mit hohen Dämmen und anderen Massnahmen wurde die Gefährlichkeit des Baches vermindert. In seinem Bachbett wird ein Kieswerk betrieben.

Die Kleine Melchaa verlässt östlich des Ortsteils Diechtersmatt die zuletzt enge Schlucht des Kleinen Melchtals und fliesst dann mitten durch den Ortsteil. Zwischen 1936 und 1984 führten Unwetterereignisse in dem Kleinen Melchtal insgesamt fünfmal zu Überschwemmungen im Siedlungsgebiet von Diechtersmatt. Auch beim Alpenhochwasser 2005 war die Kleine Melchaa zu einem reissenden Strom geworden, und in weiten Teilen des Siedlungsgebietes entstanden grosse Schäden.Bericht Regierungsrat 2008 Daher wurde 2011 zur Verbesserung des Hochwasserschutzes das Wasserbauprojekt Kleine Melchaa gestartet. Die Bauarbeiten mit Kosten von rund 16 Millionen Franken enthalten den Bau des Geschiebesammlers Gorgen und eine Verlegung des Gerinnes ab dem Gebiet Gorgen in einer direkten Linienführung in den Sarnersee.Laufende Projekte, Kleine Melchaa Informationsseite auf dem Webangebot Hochwasserschutz des Kantons Obwalden, abgerufen am 15. September 2012 Der Geschiebesammler Gorgen hat eine rund 12 Meter hohe und über 100 lange Mauer mit Platz für 70'000 m³ Geschiebe und wurde zwischen 2011 und 2015 östlich des Ortsteils Diechtersmatt gebaut.3000 Kubikmeter Beton für eine Mauer Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 28. April 2012Projekt Hochwasserschutz Kleine Melchaa gehört nun Sachseln. In: Luzerner Zeitung online, 13. März 2020, abgerufen am 28. August 2021

Geschichte Die früheste erhaltene Nennung von Giswil erfolgt in einer Urkunde von 840, und zwar als «Kisewilare», was «beim Gehöft des Giso/Kiso» bedeutet.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, S. 389 mini|Turmruine Rosenberg, 13. Jh. Giswil war ein Meierhof des Klosters Murbach im Elsass. Für das Tal Obwalden war es auch Sitz der klösterlichen Verwaltungsbeamten.

Im 13. Jahrhundert gelang es den Freiherren von Wolhusen, Meieramt und Vogtei zu vereinigen und diese der Kontrolle des Abtes weitgehend zu entziehen. Murbach verkaufte daher 1291 alle seine Territorien in der heutigen Schweiz an die Habsburger.

Als Zentrum der Gemeinde galt bis zum Untergang der Kirche von 1629 der Ortsteil Kleinteil. 1607 wurde zwar im Grossteil eine erste Kapelle gebaut, aber nur, weil der Weg zur Pfarrkirche im Kleinteil gefährlich war. Schon 1429 bestanden Ansätze einer Selbständigkeit von Gross- und Kleinteil. Urkunden erwähnen zwei Korporationen «teil rütihalb» und «teil kilchehalb».

Als letzte Talstation der Brünigstrasse erlebte Giswil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen starken Aufschwung. Mit dem Bau der Brünigbahn (vollendet 1889) begann der wirtschaftliche Aufstieg. Auch die Trockenlegung des Aariedes, eines Sumpfgebietes, in welchem das Sumpffieber verbreitet wurde, trug dazu bei. Auch die Wasserkräfte des Lungerersees konnten verwertet werden. Dadurch ging die bis dahin übliche Auswanderung, die lange Zeit von der Gemeinde gar mit Reisegeld subventioniert wurde, deutlich zurück.

Während des Zweiten Weltkriegs war die Nachschubbasis Giswil ein wichtiger Logistikstandort des Reduits (Transport und Lagerung von Militärmaterial) auf der Durchgangsachse ins Berner Oberland. Die 8. Division der Schweizer Armee errichtete ab 1940 zusätzlich zur Brünigroute eine wintersichere Rochaderoute mit Militärseilbahnen von der Innerschweiz ins Berner Oberland. Zwei private Seilbahnen wurden von der Armee übernommen: Die 1927 gebaute Seilbahn Zimmerplatz () nach Talwald (MSB52) und die Seilbahn vom Talalpeli bis Schälf/Iwi (MSB53) ().

Von Schälf/Iwi bis zur Mörlialp wurde ein Pferdetransport eingerichtet. Von der Talstation Mörlialp (heute Berghaus Mörlialp) führte die vier Kilometer lange Militärseilbahn MSB50 über die Winkelstation in Glaubenbielen nach Habchegg (Mariental, Sörenberg). Von dort wurde die Strasse via Salwideli, Kemmeribodenbad nach Habchern (Habkern) benutzt. 1941 baute die Armee von Talwald bis zur Hohnegg (1227 m) eine Standseilbahn (MSB54).Hans Richard, Jürg Keller: Militärseilbahnen/Téléfériques militaires. Verein Historische Militäranlagen Freiburg/Bern VH+MA, Jahresheft 2016

Ab Herbst 1941 bauten polnische Internierte Verbindungsstrassen über die Höhen ins Entlebuch: Glaubenbielenstrasse, Weg zum Sattelpass, Höhenkarrweg Glaubenbielen–Sattelpass–Glaubenberg und den Kilchweg in Giswil.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Zwischen 1744 und 1799 stagnierte die Zahl der Bewohner. Dies wegen der geringen landwirtschaftlichen Flächen in der versumpften Ebene südlich des Sarnersees und Naturkatastrophen in Form von Überschwemmungen. Die Einwohnerzahl in der Gemeinde wuchs dann zwischen 1799 und 1850 stark an (1799–1850: +55,3 %). Grund hierfür war ein starker Geburtenüberschuss und die Trockenlegung versumpfter Gebiete. Zwischen 1850 und 1860 kam es zu einem kleinen Bevölkerungsrückgang, der jedoch in den 1860er-Jahren mehr als wettgemacht wurde. In den Jahren zwischen 1870 und 1888 erfolgte eine starke Auswanderungswelle in die industrialisierten Gebiete der Schweiz und nach Übersee (Brasilien und die Vereinigten Staaten). Diese stoppte dank des Anschlusses an die Brünigbahn 1888. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gab es dann eine Wachstumsphase (1888–1910: +22,5 %). Danach folgte ein Jahrzehnt mit Nullwachstum. In den nächsten achtzig Jahren des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung, abgesehen von einer Periode der Stagnation in den 1950er-Jahren und einem Rückgang in den 1970er-Jahren (1970–1980: −6,0 %). Insgesamt stieg die Zahl der Bewohner von 1920 bis 2000 um 1'585 Personen oder 80,9 %. Seit der Jahrtausendwende wächst sie jedoch nur noch langsam.

Grund für den Anstieg waren die Verbesserung des Angebots des Öffentlichen Verkehrs und vor allem der Bau der A8. Die Gemeinde wurde wegen ihrer Nähe zum Obwaldner Hauptort Sarnen und zur Stadt Luzern auch für Pendler attraktiv.

Jahr Einwohner 1744 1'040 1799 1'037 1850 1'610 1860 1'579 Jahr Einwohner 1870 1'782 1880 1'786 1888 1'579 1900 1'711 Jahr Einwohner 1910 1'934 1920 1'959 1930 2'382 1941 2'437 Jahr Einwohner 1950 2'653 1960 2'656 1970 2'760 1980 2'595 Jahr Einwohner 1990 3'085 2000 3'435 2010 3'613 2020 3'676

Sprachen Fast die gesamte Bevölkerung spricht Obwaldnerdeutsch, eine hochalemannische Mundart im Schweizerdeutschen. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,5 % Deutsch, 1,02 % Serbokroatisch und 0,82 % Portugiesisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen trotz Durchmischung immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 2'913 Personen waren katholisch (84,80 %). Daneben gab es 7,13 % protestantische und 0,87 % orthodoxe Christen, 1,57 % Muslime und 3,23 % Konfessionslose. 72 Personen (2,10 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis. Bis vor wenigen Jahrzehnten war fast die gesamte Einwohnerschaft katholisch. Die Entkirchlichung und die starke Zuwanderung aus anderen Gemeinden und dem Ausland hat in Giswil zu einem raschen Anstieg anderer Bekenntnisgruppen geführt.

Herkunft – Nationalität