Jeffrey Ivan Gordon (* 1947) ist ein US-amerikanischer Mikrobiologe an der Washington University in St. Louis.
Leben Gordon erwarb 1969 am Oberlin College einen Bachelor in Biologie und 1973 an der University of Chicago einen M.D. als Abschluss des Medizinstudiums. Anschließend arbeitete er als Assistenzarzt (Intern bzw. Junior Assistant Resident) am Barnes Hospital in St. Louis, Missouri, bevor er 1975 als Forschungsassistent an das Labor für Biochemie des National Cancer Institute (NCI) wechselte, einer Einrichtung der National Institutes of Health (NIH). 1978/1979 arbeitete Gordon als Assistenzarzt am Barnes Hospital (Senior Assistant Resident) und am John Cochran VA Hospital (Chief Medical Resident) in St. Louis, bevor er 1979 als Dozent (Fellow) an die medizinische Fakultät der Washington University ging.
1981 erhielt Gordon eine erste Professur (Assistant Professor) an der Washington University, 1985 wurde er Associate Professor, 1987 erhielt er eine ordentliche Professur. Von 1991 bis 2004 war er Leiter der Abteilung für Molekularbiologie und Pharmakologie, von 1994 bis 2003 Leiter des übergreifenden Fachbereichs für Biologie und biomedizinische Wissenschaften. Seit 2004 ist Gordon Direktor des Instituts für Genomwissenschaft und Systembiologie, seit 2008 hat er zusätzlich eine Professur für Pathologie und Immunologie inne.
Wirken Gordon gilt als Pionier interdisziplinärer Studien des menschlichen Mikrobioms, insbesondere des Darmes. Er konnte wichtige Beiträge zur Definition der genomischen und metabolischen Grundlagen des menschlichen Mikrobioms und zu seiner Bedeutung für Gesundheit und Krankheit leisten. Weitere Arbeiten Gordons befassen sich mit der N-Myristoylierung, einem Prozess der posttranslationalen Modifikation von Proteinen.
Er fand mit seinem Team Unterschiede in den Darm-Bakterienkulturen bei Übergewichtigen im Vergleich zu Normalgewichtigen, sowohl beim Menschen als auch bei Mäusen. Die Mikrobenkultur bei Übergewichtigen war besser darin, Energie aus der Nahrung zu gewinnen. Außerdem wurde bei Übertragung der Kultur von übergewichtigen auf normale Mäuse festgestellt, dass diese mehr Fett einlagerten.Peter Turnbaugh, Ruth E. Ley, Michael A. Mahowald, Vincent Magrini, Elaine Mardis, Jeffrey I. Gordon: An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harves. In: Nature, Band 444, 2006, S. 1027–1031, AbstractLey, Turnbaugh, Klein, Gordon: Microbial ecology: human gut microbes associated with obesity. Nature, Band 444, 2006, S. 1022, PMID 17183309R. Ley, F. Bäckhed, P. Turnbaugh, C. Lozupone, R. Knight, J. Gordon Obesity alters gut microbial ecology. In: Proc. Nat. Acad. Sci. USA, Band 102, 2005, S. 11070–11075, PMID 16033867 Bei übergewichtigen Menschen war insbesondere das Verhältnis von Bacteroidetes (zu ihnen gehören insbesondere die Bacteroides) zu Firmicutes zugunsten der Firmicutes verschoben. Bei Diät nahm der relative Anteil der Bacteroidetes zu. Gordon schlussfolgerte, dass Übergewicht eine bakterielle Komponente hätte (er spricht sogar von einer Übergewichts-Epidemie).
Seit 2015 zählt ihn Thomson Reuters zu den Favoriten auf einen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.Announcing the 2015 Citation Laureates, bei Thomson Reuters.
Auszeichnungen (Auswahl) 1992 Fellow der American Association for the Advancement of Science 2001 Mitglied der National Academy of Sciences 2004 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 2011 Ehrendoktorat der Universität Göteborg 2013 Selman A. Waksman Award in MicrobiologySelman A. Waksman Award in Microbiology bei der National Academy of Sciences (nasonline.org); abgerufen am 14. Januar 2016 2013 Robert-Koch-PreisJeffrey Gordon bei der Robert-Koch-Stiftung (robert-koch-stiftung.de); abgerufen am 9. Mai 2013 2014 Passano Award 2014 Mitglied der American Philosophical SocietyDr. Jeffrey I. Gordon bei der American Philosophical Society (amphilsoc.org); abgerufen am 16. Juli 2014 2014 Dickson Prize in Medicine2014 Dickson Prize Winner bei der University of Pittsburgh (pitt.edu); abgerufen am 16. Juli 2014 2014 Howard Taylor Ricketts Award und Ehrendoktorat der Universität Chicago 2015 König-Faisal-Preis für Medizin 2015 Keio Medical Science Prize 2016 Steven C. Beering Award, Indiana University 2017 Jacobaeus Prize, Novo Nordisk Foundation 2017 Massry-Preis 2017 Louisa-Gross-Horwitz-Preis 2018 Copley-Medaille 2018 BBVA Frontiers of Knowledge AwardBBVA Frontiers of Knowledge Award 2018 2021 George M. Kober Medal 2021 Balzan-Preis für das Mikrobiom: seine Rolle in Gesundheit und Krankheit 2022 Dr. Paul Janssen Award for Biomedical Research 2023 Prinzessin-von-Asturien-PreisPrinzessin-von-Asturien-Preis 2023 2023 Albany Medical Center Prize 2024 Nemmers-Preis für MedizinNemmers-Preis für Medizin 2024 2026 Gabbay Award
Weblinks Gordon Lab und Kurzlebenslauf bei der Washington University in St. Louis (wustl.edu)
Einzelnachweise
Kategorie:Mikrobiologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Washington University in St. Louis) Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der American Philosophical Society Kategorie:Ehrendoktor der Universität Göteborg Kategorie:Ehrendoktor der University of Chicago Kategorie:Robert-Koch-Preisträger Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Träger des Louisa-Gross-Horwitz-Preises Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1947 Kategorie:Mann