Die Ducati Multistrada 1200 ist ein Motorrad des italienischen Fahrzeugherstellers Ducati. Die Reiseenduro wurde am 10. November 2009 auf der internationalen Motorradmesse EICMA in Mailand der Presse vorgestellt und wird in Borgo Panigale hergestellt. Die Verkaufsbezeichnung Multistrada [] ist ein Kunstwort aus Multi () und italienisch Strada ().

Zum Modelljahr 2015 wurde die Multistrada leicht modifiziert. 2016 kam die Variante Multistrada 1200 Enduro mit 19"-Vorderrad, überarbeitetem V2-Motor und zusätzlichen elektronischen Funktionen hinzu.

Technik Antrieb Der Motor wurde auf Basis des Antriebs des Superbikes Ducati 1198 entwickelt und heißt Testastretta 11°, wobei die Gradzahl die Ventilüberschneidung angibt. Der flüssigkeitsgekühlte Zweizylindermotor erzeugt aus 1198 cm³ Hubraum eine Nennleistung von und ein maximales Drehmoment von 124,5 Nm bei einer Drehzahl von 7500 min−1. Die zwei Zylinder des V-Motors haben einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Die vier Ventile je Zylinderkopf werden von zwei obenliegenden Nockenwellen über Kipphebel zwangsgesteuert (ohne Ventilfedern, Desmodromik). Die zwei Zylinder haben eine Bohrung von 106 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 67,9 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 11,5:1. Mit der Modifikation zum Modelljahr 2015 steigt die Motorleistung auf und das Drehmoment auf 136 Nm. Das Verdichtungsverhältnis ändert sich auf 12,5:1.

Das Motorrad beschleunigt in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 249 km/h. Der Viertaktmotor verbraucht durchschnittlich 6,2 Liter Kraftstoff auf 100 km und hat eine theoretische Reichweite von 323 km.

Die Leistungsabgabe wird komplett elektronisch geregelt (Ride-by-Wire) und umfasst sowohl eine mehrstufige Antriebsschlupfregelung als auch eine „Wheelie-Control“, die das durch starkes Beschleunigen ausgelöste Aufsteigen des Vorderrades verhindert. Über verschiedene „Riding Modes“, ein wählbare Programmierung, die über Lenkerschalter einstellbar ist, kann das Ansprechverhalten der elektronischen Unterstützung angewählt werden. Außerdem steht eine Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) zur Verfügung.

Fahrwerk Das Fahrwerk baut auf einem Gitterrohrrahmen aus Stahl auf und hat ein mittragende Motor-Getriebe-Einheit. Die vordere Upside-Down-Gabel von Marzocchi hat ⌀ 48 mm Standrohrdurchmesser und 170 mm Federweg. Die hintere Einarmschwinge aus Aluminium hat eine zentrale Feder-Dämpfer-Einheit (Zentralfederbein) von Sachs mit Hebelsystem und 170 mm Federweg. Die im S-Modell verfügbare „Ducati Skyhook Suspension“ (DSS) passt die Zug- und Druckstufendämpfung der Sachs-Federelemente in einer Reaktionszeit von 10 Millisekunden an die Straßenverhältnisse an.

Die Kraft überträgt eine hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung und ein klauengeschaltetes Sechsganggetriebe mit Schrägverzahnung. Eine Kette im Sekundärantrieb überträgt das Drehmoment vom Getriebeausgang auf die Hinterachse. Das Trockengewicht mit Antiblockiersystem ist 209 kg, fahrbereit wiegt das Motorrad 232 kg. Die maximale Zuladung beträgt 210 kg, die Zulässige Gesamtmasse 430 kg.

Bremsanlage Zwei Scheibenbremsen von Brembo mit einem 4-Kolben-Radial-Festsattel und schwimmend gelagerten Bremsscheiben mit ⌀ 320 mm Durchmesser verzögern das Vorderrad. Am Hinterrad arbeitet seit 2015 eine Scheibenbremse mit ⌀ 265 mm Durchmesser (vorher 245) und Doppel-Kolben-Schwimmsattel. Die Bremsanlage wird von einem abschaltbaren, teilintegralen Antiblockiersystem von Bosch (9ME) unterstützt. Seit 2015 ist auch die Weiterentwicklung des ABS verfügbar, das nun auch in Kurven aktiv ist. Das S-Modell hat ⌀ 330 mm große Bremsscheiben am Vorderrad. Die Felgengrößen betragen 3,50×17″ vorn und 6,00×17″ hinten. Die Bereifung hat vorne die Maße 120/70ZR17 und hinten 190/55ZR17.

Kraftstoffversorgung Eine elektronische Kraftstoffeinspritzung erzeugt das Gemisch. Die Zündung arbeitet mit zwei Zündkerzen je Zylinder, die von einem Digitalrechner gesteuert werden. Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Motorenbenzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan. Der Kraftstofftank hat ein Volumen von 20 Liter, davon sind 4 Liter Reserve.

Elektrik Die Starterbatterie hat eine Kapazität von 12 Amperestunden und versorgt den elektrischen Anlasser. Die Lichtmaschine erzeugt eine elektrische Leistung von 520 Watt. Das Motorrad hat zwei Steckdosen mit 12-Volt-Versorgung. Die Instrumentierung ist seit 2015 vollständig als Flüssigkristallanzeige ausgeführt. Bei der S-Ausführung ist es eine 5" (127 mm) große Farb-Flüssigkristallanzeige. Ferner hat das S-Modell LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht (Standard: Halogenscheinwerfer).

Abgasanlage Ein geregelter Drei-Wege-Katalysator mit zwei Lambdasonden behandelt das Abgas nach. Es unterschreitet die Grenzwerte der Schadstoffklasse EURO4. Die zwei Abgaskrümmer der 2-1-2-Auspuffanlage münden am Heck auf der rechten Fahrzeugseite in zwei Endschalldämpfer aus Aluminium.

Airbag-System am Fahrer Die Multistrada 1200 D-air Street (2014), „das erste Serienmotorrad mit innovativem Airbag-System am Fahrer“, hat Sensoren, die drahtlos mit einer Airbag-Jacke verbunden sind.

Marktpositionierung Die Multistrada war zum Zeitpunkt der Markteinführung in der Klasse der Reiseenduros das leistungsstärkste Motorrad. Mit der Einführung der KTM 1290 Super Adventure mit verlor Ducati diesen Status. Mit der Modifikation 2015 teilt sich Ducati zumindest wieder diesen Titel.

Hersteller Name Motor Hubraum kW PS Nm Ducati Multistrada 1200 V2 1198 117 160 136 KTM 1190 Adventure V2 1195 110 150 125 Triumph Tiger Explorer R3 1215 101 137 121 Honda VFR1200X Crosstourer V4 1237 95 129 126 Aprilia ETV 1200 Caponord V2 1197 94 128 116 Benelli TreK 1130 R3 1131 92 125 112 BMW R 1200 GS (K50) B2 1170 92 125 125 Kawasaki Versys 1000 R4 1043 87 118 102 Yamaha XT1200Z Super Ténéré R2 1199 81 110 114 BMW R 1200 GS Adventure (K51) B2 1170 92 125 125 Moto Guzzi Stelvio 1200 V2 1151 77 105 113

Mit der Fahrwerksgeometrie einer Reiseenduro, einem Superbike-Antrieb und breiter Straßenbereifung lässt sich die Multistrada keiner Fahrzeugkategorie eindeutig zuordnen. Walter Wille bezeichnet das Motorrad in der FAZ als , da es noch keine für die Kategorie gebe. Mit der S 1000 XR. In: bmw-motorrad.de, abgerufen am 15. März 2015. brachte BMW 2014 mit dem BMW S 1000 XR ein direktes Konkurrenzmodell mit vergleichbarer Spezifikation und Nennleistung auf den Markt.

Kritiken

Weblinks

Webauftritt von Ducati Deutschland Jochen Vorfelder: Mädchen für alles? Leider nein. In: Spiegel Online. 21. März 2015.

Einzelnachweise

Multistrada 1200