Die Evangelisch-lutherische Kirche Šilutė () ist eine Evangelisch-lutherische Kirche im Zentrum der Stadt Šilutė (Heydekrug) in Litauen.

Kirchengebäude Baugeschichte Im benachbarten Werden (litauisch: Verdainė) gab es schon im Mittelalter eine Kirche, an der seit 1588 evangelische Pastoren bezeugt sind. Die zweite Pfarrstelle in Werden war bis 1913 mit dem für Heydekrug zuständigen Pfarrer besetzt. Nach einer Zeit der Selbständigkeit der Kirchengemeinde Heydekrug wurden beide Gemeinden 1939 wieder zusammengelegt.

1913 wurde der Grundstein für die Kirche von Heydekrug gelegt, die ursprünglich als Kaiser-Wilhelm-Jubiläumskirche gedacht war. Nach einem Baustopp im Ersten Weltkrieg wurde der Bau 1924 fortgesetzt und 1926 vollendet. Das Grundstück für die Kirche stellte der Verleger und Mäzen Hugo Scheu () kostenlos zur Verfügung.

Baubeschreibung Der Architekt Curt Gutknecht errichtete die KircheWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 99, Abb. 419–427. im neugotischen Stil. Es handelt sich um einen massiven verputzten Bau mit halb eingezogenem Turm, der 50 Meter hoch ist.

Der Innenraum hat ein Tonnengewölbe, das auf acht Säulen ruht, mit denen auch die Emporen verbunden sind. Altar und Kanzel sind aus Ebenholz. Über dem Altar befindet sich ein überlebensgroßer geschnitzter Kruzifixus.

Die gesamte künstlerische Ausgestaltung des Kircheninnern stammt vom Königsberger Professor Richard Pfeiffer.

Fresko mini|links|Fresko von Richard Pfeiffer Der Kircheninnenraum wird beherrscht von dem die Altarnische umgebenden einzigartigen Fresko von Richard Pfeiffer. Auf einer Fläche von achtzig Quadratmeter sind 120 überlebensgroße Figuren abgebildet, darunter rund 80 Porträts von Persönlichkeiten der Kirchengeschichte, das die Gemeinschaft der Heiligen symbolisieren. In der Mitte über dem Altar knien Adam und Eva vor dem Lamm Gottes, rechts und links schließen sich biblische und historische Personen an, darunter die Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin sowie Paul Gerhardt, Lucas Cranach und Albrecht Dürer, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, August Hermann Francke, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Friedrich Bodelschwingh, Matthias Claudius, Amalie Sieveking und viele andere. auf memelland-adm.de Es ging dem Künstler um eine Darstellung der anbetenden Kirche.

Auch die übrige Kirche – so über der Orgel und den Eingängen – ist mit biblischen Gleichnissen und Symbolen vom selben Künstler ausgemalt.

Orgel mini|Orgel Die Orgel entstand zur Zeit des Kirchenbaus. Sie war eines der letzten Werke des Orgelbaumeisters Eduard Wittek (1857–1927) aus Elbing (heute polnisch: Elbląg), der dort die Orgelbauanstalt von August Terletzki übernommen hatte.

Das Instrument verfügt über eine pneumatische Traktur, wobei die üblichen Spielhilfen vorhanden sind. Bis vor 2002 befand sich die Orgel in unspielbarem Zustand. Danach wurde versucht, sie zu reparieren, wobei allerdings 2003 durch einen Wasserschaden die Hauptwerkswindlade total durchnässt wurde. Anlässlich einer Reparatur im gleichen Jahr wurde vom Gebläse zum Spieltisch ein Bypass angelegt.

Derzeit wird das Instrument nur für einfache Begleitung im Gottesdienst als geeignet befunden. Eine generelle Restaurierung steht noch aus.

Disposition der Orgel 1. Manual C–f3 Bordun 16′ Prinzipal 8′ Gambe 8′ Konzertflöte 8′ Oktave 4′ Rohrflöte 4′ Kornett 3-4fach 2. Manual C–f3 Schalmye 8′ Hohlflöte 8′ Vox coelestis 8′ Gemshorn 8′ Liebl. Gedackt 8′ Aeoline 8′ Flaut travers 4′ Pedal Subbass 16′ Echobass 16′ Prinzipalbass 16′ Oktavbass 8′

Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Superoktavkoppeln: II/I, I Suboktavkoppeln: II/I

Kirchengemeinde mini|180px|Innenschrift an der Kirche „Das Wort sie sollen lassen stahn“ Bis zum Jahr 1913 wurde Heydekrug mit seinen umliegenden Ortschaften von der 1621 gegründeten Kirche Werden (litauisch: Verdainė) aus versorgt, deren zweite Pfarrstelle für diese Aufgabe vorgesehen war.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 55. Im Jahr 1913 wurde Heydekrug selbständig, die KirchengemeindeWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 510. war patronatslos und es bestand Gemeindewahl. Im Jahr 1925 zählte die Kirchengemeinde insgesamt 5500 Gemeindeglieder, die in der Stadt und in acht umliegenden Kirchspielorten wohnten. Im Jahr 1939 wurden die Kirchengemeinden Heydekrug und Werden zur Pfarrei Heydekrug-Werden vereinigt.

Bis 1926 gehörte der Kirchenkreis Heydekrug zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (APU). Nach 1927 wurde für die Gemeinden im Memelgebiet ein eigener Landessynodalverband mit speziellem Konsistorium innerhalb der APU gebildet.

Heute gehört die Kirchengemeinde in Šilutė zur Evangelisch-lutherischen Kirche in Litauen.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel der Kirche Heydekrug neun Orte: Deutscher Name Litauischer Name Adlig Heydekrug Šilutė, dvaras *Bismarck (=Rupkalwer Moor) (anteilig) Žalgiriai Groß Augstumalmoor (anteilig) Aukštumalo Pelkė Heydekrug Šilutė Lapallen Lapaliai Rupkalwen Rupkalviai Szieszgirren/Schießgirren Šyšgiriai Szlaszen/Schlaßen Šlažai Trakseden Traksėdžiai

Pfarrer In der Zeit von 1913 bis 1945 amtierten an der Kirche Heydekrug als Geistliche: Ludwig Fr. Theodor Eicke, 1913–1943 Fritz Moser, 1928–1945 Ernst Daudert, 1943–1945

Kirchenbücher Die Kirchenbücher der Kirche Heydekrug haben sich größtenteils erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Berichtigungen und Ergänzungen zum Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der Union. Berlin (1992³) 2001 (Stand: 1. Oktober 2001) Taufen: 1913 bis 1926 Trauungen: 1913 bis 1944 Begräbnisse: 1913 bis 1944.

Kirchenkreis Heydekrug mini|180px|Denkmal in der Nähe der Kirche für den Schriftsteller Hermann Sudermann in Šilutė, Litauen Vor 1945 (zwischen 1920 und 1939 im Memelland gelegen) war Heydekrug Zentrum eines Kirchenkreises in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Zu ihm gehörten neun Kirchspiele: Deutscher Name Litauischer Name Heydekrug Šilutė Kinten Kintai Paleiten Paleičiai Paszieszen1939–45: Paßießen Pašyšiai Ramutten Ramučiai Ruß Rusnė Saugen Saugos Werden Verdainė Wieszen1939–45: Wießen Vyžiai

Literatur Ulrich Schoenborn: Das Überflüssigste ist das Allernotwendigste – Richard Pfeiffer und die Fresken in der Kirche von Heydekrug. Annaberger Annalen 2007 (PDF; 4,4 MB).

Weblinks

Heydekrug bei ostpreussen.net Die Evangelische Kirche in Heydekrug im Memelland. Denkschrift zu ihrer Einweihung am 10. November 1926

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Bauwerk in der Rajongemeinde Šilutė Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Litauen Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Disposition einer Orgel Silute Silute