mini|hochkant|Oskar Bloch (ca. 1934) Oskar Bloch, auch Oscar Bloch, (* 4. März 1881 in Zürich; † 6. Januar 1937 in Stuttgart) war ein deutscher Architekt schweizerischer Herkunft.Alemannia Judaica: Stuttgart (Landeshauptstadt von Baden-Württemberg) Jüdische Beträume und neue Synagoge 1945 bis 1952 Er arbeitete selbständig in Bürogemeinschaft mit Ernst Guggenheimer in Stuttgart.
Leben Am 4. März 1881 wurde Oskar Bloch in Zürich geboren.Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933. Das Lexikon. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2005, S. 77. Ab 1883 lebte er mit seinen Eltern und seinen Schwestern in Stuttgart. Nach dem Abitur am Karls-Gymnasium Stuttgart studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und absolvierte 1909 das 2. Staatsexamen zum Regierungsbaumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung), zog aber die selbständige Berufsausübung einer Karriere als Baubeamter vor.Esther Walther, Dietrich W. Schmidt, Rolf Bohland (Hrsg.): Die Stuttgarter Architekten und Regierungsbaumeister Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer. (herausgegeben anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Wilhelmspflege in Esslingen) Faltblatt, Stuttgart / Zürich 2013. Ab 1910 arbeitete er in Bürogemeinschaft mit Ernst Guggenheimer, den er 1909 kennenlernte. Bloch war Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA) und in der jüdischen Organisation B’nai B’rith. 1919 heiratete er Alice geb. Rothschild. Bloch behielt bis zum Ende seines Lebens die Staatsbürgerschaft der Schweiz. Daher war er auch weniger Repressalien des nationalsozialistischen Regimes ausgesetzt als andere jüdische Architekten.
Oskar Bloch starb 55-jährig in Stuttgart. Die Urne mit seiner Asche wurde 1937 auf dem israelitischen Teil des Pragfriedhofs in Stuttgart beigesetzt (Urnengrab XXII, III, Nr. 148).
Werk Der erste Neubau von Oskar Bloch war ein Wohnhaus im Stuttgarter Westen. Ab 1909/1910 firmierten Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer 25 Jahre lang unter der Bezeichnung Bloch & Guggenheimer, ihr Architekturbüro befand sich im Haus Königstraße 25. Aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sind vor allem das jüdische Waisenhaus in Esslingen und ein Schwesternwohnheim in Stuttgart bemerkenswert.
Jüdisches Waisenhaus in Esslingen am Neckar mini|Theodor-Rothschild-Haus in Esslingen Der Neubau des jüdischen Waisenhauses in Esslingen am Neckar, Mülbergerstraße 146, entstand 1913 nach einem Architektenwettbewerb, den Bloch und Guggenheimer gewannen. Das Haus ist erhalten und heißt heute Theodor-Rothschild-Haus.Yvonne Weihrauch: Einblick in die jüdische Geschichte. Das Theodor-Rothschild-Haus wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Waisenheim erbaut. Fantasievolle Steinarbeiten und ein toller Blick. In: Eßlinger Zeitung vom 13. September 2008 (online) Die Allgemeine Zeitung des Judentums schrieb während der Bauzeit im Jahr 1913 hierzu:
Im November 1913 wurde das jüdische Waisenhaus durch den württembergischen König Wilhelm II. feierlich eingeweiht, es wurde Wilhelmspflege genannt.
1920er Jahre mini|hochkant|Haus an der Bopserwaldstraße in Stuttgart, 1929 Bloch und Guggenheimer entwarfen das 1925 auf dem Stuttgarter Pragfriedhof errichtete Ehrenmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs. 1926 bauten sie eine Gold- und Silberwarenfabrik in Schwäbisch Gmünd zur Synagoge der dortigen jüdischen Gemeinde um. Die Architektur des Neuen Bauens, insbesondere die Formensprache der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, beeinflusste auch den Baustil von Bloch und Guggenheimer.Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933. Das Lexikon. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2005, S. 33. In diesem Stil erweiterten Bloch und Guggenheimer 1928–1930 die Stuttgarter Arbeitersiedlung „Im Eiernest“. Für jüdische Bauherren führten sie eine Häusergruppe in moderner Formensprache aus. Die sieben Häuser erhielten vom Volksmund den Spitznamen „Klein Palästina“, was in der Zeit des Nationalsozialismus verspottend aufgeladen wurde. Myra Warhaftig benennt als ursprünglichen Grund für den Spitznamen, dass „sowohl die Architekten als auch die Bauherren Juden waren“. Weiter errichteten Bloch und Guggenheimer ein Chemielabor in Salzgitter und die Villa für Dr. Oppenheimer in Stuttgart (zerstört).
Zeit des Nationalsozialismus Nach 1933 erhielten Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer als Juden keine Zulassung zur Reichskammer der Bildenden Künste, was einem weitgehenden Verbot der selbständigen Architekten-Tätigkeit gleichkam. Sie durften nur noch für jüdische Bauherren arbeiten. Bis zu seinem Tod war Oskar Bloch diesen Einschränkungen bei seiner Berufsausübung unterworfen.
Durch Hans Oppenheimer ist überliefert, dass Oskar Bloch eine jüdische Schule im Hofe des israelitischen Gemeindehauses errichtete:
mini|Erweiterungsbau der Wilhelmsruhe in Heilbronn-Sontheim Das 1907 eingeweihte, von den Stuttgarter Architekten Heim und Früh entworfene Gebäude der Wilhelmsruhe, das zunächst als jüdisches Altersheim, dann als Frauenklinik und Nachsorgeklinik diente, wurde in den Jahren 1936 und 1937 um 28 Einzelzimmer erweitert, die später mehrfach belegt wurden. Offiziell war als Architekt zunächst nur Oskar Bloch genannt, da er die schweizerische Staatsbürgerschaft hatte. Nach dem Tod Blochs 1937 erlaubten die nationalsozialistischen Machthaber seinem Partner Ernst Guggenheimer, die Erweiterung zu beenden.Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963, ISBN 3-928990-04-7, S. 181, Anm. 11 (online als PDF-Dokument mit 1,2 MB)
Bauten und Entwürfe (Überblick) 1910: Doppelhaus Krieg / Kittler in Stuttgart-West, Hauptmannsreute 74 und 76 1910–1911: Umbau des Hauses Reichenberger in Cannstatt 1911: Wohnhaus in Stuttgart, Hauptmannsreute 78 1912–1913: Jüdisches Waisenhaus „Wilhelmspflege“ in Esslingen am Neckar, Mülbergerstraße 146 1913–1914: Jüdisches Schwesternwohnheim in Stuttgart-Nord, Dillmannstraße 19 1915–1917: Villa für den Unternehmer Albert Levi in Stuttgart, Lenzhalde 83 1924–1925: Villa für den Kaufmann Samuel Weil in Saarbrücken-St. Johann 1925: Jüdisches Gefallenenehrenmal in Stuttgart auf dem Pragfriedhof 1925: Gewerbebau für das Unternehmen Schaper & Brümmer in Salzgitter-Ringelheim 1925: Haus Guggenheimer in Stuttgart, Hauptmannsreute 115 1925: Haus Bloch in Stuttgart, Honoldweg 25 1927–1928: Villa für Edgar S. Oppenheimer in Stuttgart-Ost, Gerokstraße 45 (1972 abgerissen)Wolfgang Pfleiderer: Das Haus Dr. O. in Stuttgart. Architekten Bloch & Guggenheimer, Stuttgart. Aufnahmen von Adolf Lazi, Stuttgart. In: Moderne Bauformen, 28. Jahrgang 1929, S. 515–536. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg) 1928: Umbau der Synagoge in Ulm 1928: Erweiterung der Siedlung „Im Eiernest“ in Stuttgart-Heslach, Karl-Kloß-Straße und Kelterstraße 1928–1929: Haus für den Kaufmann Otto Frankenstein in Stuttgart-Ost, Bopserwaldstraße 55Hans Hildebrandt: Neue Wohnbauten in Stuttgart. Die Architekten O. Bloch und E. Guggenheimer, Stuttgart. In: Moderne Bauformen, 30. Jahrgang 1931, S. 7–15 (Abbildungen).Christine Breig: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830–1930. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 84). Hohenheim Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89850-964-8, S. 112f. 1929–1930 Haus Beifuß in Stuttgart, Gaußstraße 95 1929–1930: Haus für Alice Bloch-Tank in Stuttgart-West, Zeppelinstraße 32 1930–1933: Wohnbebauung „Klein Palästina“ in Stuttgart, unterhalb der Doggenburg, Cäsar-Flaischlen-Straße 3–9, Hauptmannsreute 88, Wilhelm-Busch-Weg 5–13 (sieben terrassierte Einfamilienhäuser) um 1931: Entwurf für ein Turnheim des MTV StuttgartZweifamilienhaus und Turnheim von Bloch & Guggenheimer, Stuttgart. In: Moderne Bauformen, 30. Jahrgang 1931, S. 325. 1931–1932: Villa Josef Guggenheim in Diessenhofen/Schweiz 1931: Mehrfamilienhaus für Daniel Guggenheim in Diessenhofen (Schweiz) 1931: Umbau und Erweiterung des Geschäftshauses Marx in Stuttgart-Bad CannstattH. H.: Neubau und Umbau einer Geschäftshaus-Anlage in Cannstatt. Architekten Bloch & Guggenheimer. In: Moderne Bauformen, 31. Jahrgang 1932, S. 602–604. (Digitalisat) 1931–1932: Haus Grünwald in Stuttgart, PayerstraßeH. W.: Wohnhaus am Hang. Architekten Bloch & Guggenheimer, Stuttgart. In: Moderne Bauformen, 31. Jahrgang 1932, S. 29–33. (Digitalisat) 1932: Villen für Ullmann und Heilbronn in Gailingen 1932–1933: Haus Schaper in Salzgitter-Ringelheim 1933: Doppelhaus in Stuttgart, Hauptmannsreute 86Moderne Bauformen, 33. Jahrgang 1934, S. 492. 1934: Dreifamilienhaus für Hoechheimer in Stuttgart 1934–1935: Jüdische Schule Stuttgart 1935–1936: Mehrfamilienwohnhaus für Weil & Ullmann in Stuttgart, Feuerleinstraße 2/4 1935–1937: Dreifamilienhaus für Ney in Stuttgart, Richard-Wagner-Straße 75 1936–1937: Erweiterungsbau des jüdischen Altersheims in Heilbronn-Sontheim, Hermann-Wolff-Straße 31
Haus Hauptmannsreute 88 Das Haus Hauptmannsreute 88 wurde 1930 als erstes der Siedlung „Klein Palästina“ für den jüdischen Unternehmer Simon Krautkopf (in Mechanische Strick- und Wirkwarenfabrik Krautkopf) gebaut. Er musste sein Haus nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verkaufen und in die USA emigrieren, erhielt das Haus jedoch nach dem Krieg zurück. Seine Fabrik stand unmittelbar neben dem Verlag Herold-Bücher der Brüder Erich und Richard Levy an der Rosenbergstraße in Stuttgart. Die Brüder Levy – seit 1929 amtlich Lenk – waren in der Siedlung „Klein Palästina“ unmittelbare Nachbarn Krautkopfs. Auch sie mussten emigrieren und ihre Häuser verkaufen. Die Tochter Olga Levy-Drucker hat ihre Erinnerungen an die Zeit in der Cäsar-Fleischlen-Straße und die Umstände des Verlusts literarisch in dem 1995 erschienenen Buch Kindertransport - Allein auf der Flucht festgehalten.
Literatur Joachim Hahn: Friedhöfe in Stuttgart, Band 3: Pragfriedhof, israelitischer Teil. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91618-0, S. 47. Olga Levy Drucker (Übersetzung von Klaus Sticker): Kindertransport. Allein auf der Flucht. Lamuv, Göttingen 1995, ISBN 3-88977-420-2. Dietrich W. Schmidt: The Bloch-Tank House in Stuttgart by Bloch & Guggenheimer. Modern Architecture Reshaped after 1933 into a Traditional „German Home“. In: Docomomo Journal, Jahrgang 1996, Conference Proceedings - 4th C, S. 245. Christine Breig: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830–1930 (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Band 84.) 2. Aufl. Stuttgart 2004, ISBN 3-89850-964-8, S. 221. Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933. Das Lexikon. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-496-01326-5. Gudrun Silberzahn-Jandt, Jürgen Knodel: 100 Jahre Theodor-Rothschild-Haus 1913–2013. Stiftung Jugendhilfe aktiv e. V., Esslingen 2013, ohne ISBN. Esther Walther, Dietrich W. Schmidt, Rolf Bohland (Hrsg.): Die Stuttgarter Architekten und Regierungsbaumeister Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer. (Faltblatt, herausgegeben anläßlich des 100-jährigen Bestehens der Wilhelmspflege in Esslingen) Stuttgart/Zürich 2013. Dietrich W. Schmidt, Ulrike Plate: Im Sog der Weißenhofsiedlung. Wohnhaus-Ensemble in Stuttgarter Halbhöhenlage „Klein-Palästina“ der jüdischen Architekten Bloch & Guggenheimer von 1930. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 46. Jahrgang 2017, Heft 3, S. 203–207. (online als PDF) Dietrich W. Schmidt: Bloch & Guggenheimer. Ein jüdisches Architekturbüro in Stuttgart (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Band 114). Verlag Regionalkultur, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-95505-249-2.
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