mini|Mihály „Mike“ Csíkszentmihályi (2010) Mihály Csíkszentmihályi (* 29. September 1934 in Fiume; † 20. Oktober 2021 in Claremont) war ein ungarisch-US-amerikanischer Psychologe. Er war Professor für Psychologie an der University of Chicago.
Leben und Wirken Csíkszentmihályi wurde als Sohn des ungarischen Konsuls, Alfréd Csíkszentmihályi (1889–1962)Aki megtalálta a boldogság forrását: Csíkszentmihályi Mihály. 2023. szeptember 29, auf mult-kor.hu , geborener Hausenblasz, im italienischen Fiume – heute Rijeka in Kroatien – geboren. Seine Mutter war Edith Jankovich de Jeszenicze.Bob Rossman: A Tribute To The Father Of Flow., auf worldxo.org Der Vater des Wissenschaftlers, war von 1931 bis 1944 als ungarischer Konsul in Rijeka tätig. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte er jüdische Menschen aus Ungarn, die sich an das Konsulat wandten. Dort half er bei der Bearbeitung von Anträgen ungarischen Juden bei der Flucht aus dem Land, indem er ihnen Ausreisevisa besorgte und handelte dabei gegen die Anweisungen des ungarischen Innenministeriums. Nach dem Krieg ließ sich die Familie nach einem kurzen Aufenthalt in Ungarn – als die Kommunisten 1947 die ungarische Regierung übernahmen – in Rom nieder.WiRED Mourns the Loss of Mihaly Csikszentmihalyi. Psychologist and Friend. By Allison Kozicharow; Edited by Elizabeth Fine, November 6, 2021, auf wiredinternational.org Dort eröffnete Alfréd Csíkszentmihályi das Restaurant „Piccolo Budapest“, in der Nähe des Trevi-Brunnens, in dem sein Sohn zeitweise als Kellner arbeitete. Als Flüchtling im Nachkriegsrom besuchte er das Gymnasium „Liceo Torquato Tasso“, im historischen Stadtteil im Municipio I (Centro Storico). In dieser Zeit entwickelte er ein Interesse an der Psychologie. So begann er sich für die Frage zu interessieren, wie Menschen trotz der Erfahrungen des Krieges ein erfülltes und glückliches Leben führen können.
Im Jahr 1956 wanderte er schließlich in die Vereinigten Staaten aus. 1958 begann er ein Studium an der Chicago University, das er bis zur Promotion führte. Er promovierte dort bei Jacob W. Getzels über künstlerische Kreativität. Nach sechs Jahren Lehrtätigkeit am Lake Forest College kehrte er 1971 nach Chicago zurück, wo er bis 1987 als Dozent lehrte. Dann wechselte er 1999 zur Claremont Graduate UniversityUngarisch-amerikanischer Psychologe Csíkszentmihályi stirbt im Alter von 87 Jahren. MTI - Ungarn Heute, 21. Oktober 2021, auf ungarnheute.hu , wo er im Jahr 2000 das „Quality of Life Research Center“ gründete und bis zu seiner Pensionierung, im Jahre 2019, wirkte. Dort war er Hochschullehrer für Psychologie. Sein Interesse galt auch C. G. Jung. Ab 1999 lehrte er Unternehmensführung an der Claremont Graduate University in Kalifornien, wo er das Quality of Life Research Center gründete.
Csíkszentmihályi lernte Isabella Maria Selega Csikszentmihalyi (1938–2023)Isabella Maria Selega Csikszentmihalyi (1938–2023), auf csikszentmihalyi.org , eine Doktorandin der russischen Geschichte, kennen, beide heirateten 1961 in der Basilika Saint Hyacinth; das Paar hatte zwei Söhne.Mike Csikszentmihalyi's Obituary. Université de Lille, auf flow.univ-lille.fr
Lehre 1975 beschrieb er das Flow-Erleben. Er gilt als der herausragendste Wissenschaftler auf diesem Gebiet, ist jedoch nicht der Erste, der das Konzept entdeckte (vgl. zum Beispiel Kurt Hahn 1908 mit seiner weitgehend synonym zu sehenden „schöpferischen Leidenschaft“, Maria Montessori mit „Polarisation der Aufmerksamkeit“ und Abraham Maslow mit „peak experience“).
Zu den bedeutenden Werken zählt auch das Buch Kreativität (1996), für das er bereits 1991 „bahnbrechende“ Menschen im Alter von über 60 Jahren zu einem bilanzierenden Rückblick interviewte, darunter Persönlichkeiten wie Natalie Davis, Nadine Gordimer, Ernst Mayr. Kreative Durchbrüche beruhten demnach stets auf einer arbeitsreichen Expertise im Fach und ein wenig Glück des Tüchtigen. Kreative seien besonders neugierig und motiviert, aber auch oft etwas verschlossen-konzentriert. Unter ihnen waren viele Aufsteiger und Mutter-fixierte Halbwaisen; viele stammten aber auch aus etablierten Familien mit zahlreichen intellektuellen Anregern.
Flow Erleben In seinem Werk Flow: The Psychology of Optimal Experience, entwickelte Mihály Csíkszentmihályi die Theorie, dass Menschen besonders häufig dann „Glück und Zufriedenheit“ erleben, wenn sie sich in einem Flow-Zustand befinden.M. Csikszentmihalyi: Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper and Row, New York 1990, ISBN 0-06-092043-2, S. 15 Darunter versteht er einen Zustand intensiver Konzentration und vollständiger Vertiefung in eine Tätigkeit, bei dem andere Wahrnehmungen vorübergehend in den Hintergrund treten. Im Deutschen wird dieser Zustand gelegentlich umgangssprachlich auch als „im Flow sein“ bezeichnet.M. Csikszentmihalyi: Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper and Row, New York 1990, ISBN 0-06-092043-2, S. 27
Der Flow-Zustand gilt als Form optimaler intrinsischer Motivation, in der die Ausführung der Tätigkeit als selbstbelohnend erlebt wird. Er ist durch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Engagement und dem Erleben von Kompetenz gekennzeichnet. Während des Flow-Erlebens treten das Zeitgefühl, das Bewusstsein für die eigene Person sowie andere Bedürfnisse häufig in den Hintergrund.Frank H. Sauer: Flow. 5. Oktober 2024, auf values-academy.de mini|Mentaler Zustand in Bezug auf den Herausforderungsgrad und das Können gemäß Csikszentmihalyis Flow-Modells. Die zu den Klassen des mentalen Zustands zählenden Begriffen, z. B. Wahrnehmung, Schmerzerfahrung, Glaube, Begierde, Absicht, Emotion und Gedächtnis u. ä., sind in englischer Sprache wiedergegeben. In einem Interview mit dem Magazin „Wired“ beschrieb Csíkszentmihályi den Flow-Zustand als ein vollständiges Aufgehen in einer Tätigkeit um ihrer selbst willen. Das Selbstbewusstsein trete dabei in den Hintergrund, das Zeiterleben verändere sich, und Handlungen gingen fließend ineinander über, sodass jede Bewegung und jeder Gedanke unmittelbar aus dem vorhergehenden hervorgehe.John Geirland: Go With The Flow. Wired, September, Issue 4.09, auf wired.com
Csíkszentmihályi identifizierte mehrere Merkmale, die das Flow-Erleben kennzeichnen:
Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Aufgabe und den Fähigkeiten der handelnden Person Verschmelzung von Handlung und Bewusstsein Klarheit der Ziele unmittelbares und eindeutiges Feedback vollständige Konzentration auf die aktuelle Aufgabe Gefühl der Kontrolle über die Handlung verändertes Zeiterleben vermindertes Selbstbewusstsein die Tätigkeit wird als intrinsisch lohnend erlebt
Nach Csíkszentmihályi ist für das Entstehen von Flow insbesondere ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Anforderungen einer Aufgabe und den Fähigkeiten der ausführenden Person erforderlich. Übersteigt die Schwierigkeit die vorhandenen Fähigkeiten deutlich, entsteht eher Angst oder Überforderung; ist die Aufgabe dagegen zu einfach, treten Langeweile oder Unterforderung auf. Sind sowohl Anforderungen als auch Fähigkeiten gering ausgeprägt, kann dies zu Apathie führen. Flow entsteht demgegenüber vor allem dann, wenn beide Faktoren auf einem hohen Niveau miteinander im Gleichgewicht stehen.Cristina Peterson: The elasticity of time in 'flow state'. Bend Bulletin. 24. September 2021, auf bendbulletin.com
Mem von Richard Dawkins Csíkszentmihályi übernahm den von Richard Dawkins verwendeten Begriff des „Mems“ und verstand darunter kulturelle Informationseinheiten, die sich durch soziale Weitergabe verbreiten.Richard Dawkins: Meme, die neuen Replikatoren. In: Das egoistische Gen. (Original: „The Selfish Gene.“ Oxford University Press, 1976). Jubiläumsausgabe 2007, ISBN 3-499-19609-3, S. 316–334. In seiner Theorie wirken Gene und Meme gemeinsam auf das menschliche Handeln ein, wobei das Bewusstsein zwischen biologischen und kulturellen Einflüssen vermittelt. Im Rahmen seiner Kreativitätstheorie bezeichnete er neue Ideen, Verfahren oder symbolische Formen als Meme, die durch ihre Anerkennung innerhalb eines kulturellen Wissensbereichs zur kulturellen Entwicklung beitragen. Anders als Dawkins, der Meme vor allem als Replikatoren kultureller Evolution verstand, betonte Csíkszentmihályi die aktive Rolle des Menschen bei der Auswahl, Umgestaltung und Weitergabe kultureller Informationseinheiten. Er nutzte den Mem-Begriff als Bestandteil seiner Theorie von Kreativität und kultureller Evolution.Don Edward Beck, Christopher C. Cowan: Spiral Dynamics. Leadership, Wer und Wandel. J. Kamphausen, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-89901-107-4, S. 49 f.
Preise und Ehrungen 1997 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Anlässlich seines 89. Geburtstages im September 2023 wurde er von der Websuchmaschine Google mit einem Doodle geehrt.
2009: Clifton Strengths Prize 2011: Széchenyi-Preis 2014: Ungarischer Verdienstorden 2014: CREO-PreisDer CREO ist ein Ehrenpreis, der seit 2007 jedes Jahr in mindestens einer Kategorie vergeben wird; der Name leitet sich vom lateinischen Ausdruck „creo ergo sum“ ab, was „Ich schöpfe, also bin ich“ bedeutet. 2015: Prima Primissima Csíkszentmihályi wurde im Jahre 1998 zum externen Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften gewählt.Ungarisch-amerikanischer Psychologe Csíkszentmihályi stirbt im Alter von 87 Jahren. MTI - Ungarn Heute, 21. Oktober 2021, auf ungarnheute.hu
Veröffentlichungen (Auswahl) The Art of Seeing. An Interpretation of the Aesthetic Encounter. The Paul Getty Trust, 1990. mit Howard Gardner und William Damon: Good work: when excellence and ethics meet. Basic Books, New York 2001, ISBN 0-465-02607-9.
Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung Die aussergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Klett-Cotta, Stuttgart 1995, ISBN 3-608-91751-9. Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91018-2. Lebe gut! dtv Taschenbuch, München 2001, ISBN 3-423-08548-7. Flow im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-93532-0. Good Work! Für eine neue Ethik im Beruf. Zus. mit Howard Gardner und William Damon. Klett-Cotta, Stuttgart, 2005, ISBN 978-3-608-94070-1. Flow. Das Geheimnis des Glücks. Klett-Cotta, Stuttgart 1992; Neuausgabe ebenda 2008, ISBN 978-3-608-94555-3. (englisch 1975) Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden, Klett-Cotta, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-94656-7. (englisch 1996)
Weblinks
Mihály Csíkszentmihályi auf der Website der Claremont Graduate University The Construction of Happiness, Vortrag, gehalten am 2. Juli 2007 in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Gesundheitswissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (University of Chicago) Kategorie:Hochschullehrer (Claremont, Kalifornien) Kategorie:Széchenyi-Preisträger Kategorie:Träger des Verdienstordens der Republik Ungarn (Großkreuz) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ungarischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2021 Kategorie:Mann