Das Musikerviertel ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Schweinfurt. Er wird für amtlich-statistische Zwecke als Bezirk 22 geführt. Als Musikerviertel im engeren Sinn wird das Viertel aus den 1950er Jahren in der Mitte des Bezirks bezeichnet. Im Westen wird derzeit der neue Ortsteil Bellevue aufgebaut.
Lage Das Musikerviertel zieht sich unmittelbar südlich der Bundesstraße 303 entlang. Diese ist identisch mit der Niederwerrner Straße.
Der Stadtteil liegt westlich der Innenstadt und wird von dieser durch die Moritz-Fischer-Straße abgetrennt. Im Norden wird das Musikerviertel von der Niederwerrner Straße mit dem Nordwestlichen Stadtteil, im Nordwesten von der Gemeinde Niederwerrn, im Westen von der Gemeinde Geldersheim und im Süden von der Grenze der Gemarkung Oberndorf mit dem Stadtteil Bergl begrenzt.
Etymologie Zunächst war Musikerviertel nur eine Bezeichnung des Volksmunds für den Kernbereich des Stadtteils, in dem fast alle Straßen nach deutschsprachigen Komponisten benannt wurden. Erstmals amtlich übernommen wurde der Begriff bei Einführung der neuen fünfstelligen Postleitzahlen im Postleitzahlenbuch von 1993.„Das Postleitzahlenbuch“, Stand Januar 1993, S. 984
Geschichte Wüstungen mini|Musikerviertel im Anfangsstadium 1927. Es liegt oberhalb der quer verlaufenden Friedrich-Ebert-Straße (an der Kilianskirche) und links der diagonal verlaufenden Niederwerrner Straße
Im Bereich des statistischen Bezirks 22 befinden sich zwei Wüstungen, die beide erstmals 951 urkundlich erwähnt wurden: Affeltrach und Hilpersdorf.
Stadtteil Das Musikerviertel wurde in den 1920er Jahren zusammen mit dem Nordwestlichen Stadtteil, von der Innenstadt ausgehend, entwickelt. Das große neue Wohngebiet war von Anfang an weit nach Westen in Richtung Niederwerrn im Stil der 1920er Jahre geplant. In Blockrandbebauung, mit mehreren großen Kirchen an Plätzen, die als Quartiermittelpunkte dienen sollten. Verwirklicht wurde jedoch nur ein Platz mit der großen Kirche St. Kilian (siehe: Innenstadt, Wilhelmstraße, Grüner Markt), da der Bau der Panzerkaserne in den Jahren 1935/36 die weitere Entwicklung im Nordwestlichen Stadtteil stoppte. In den 1950er Jahren wurde südlich der Niederwerrner Straße der westliche Teil des Musikerviertels aufgebaut.Jugendhilfeplan der Stadt Schweinfurt
2014 wurde die US-Heeresgarnison Schweinfurt aufgelöst, was große städtebauliche Möglichkeiten für den Westen des statistischen Bezirks 22 eröffnete (siehe: Bellevue).
Sozialstruktur und Einwohnerentwicklung Status31. Dez. 2022 Melderegisterbasierte Bevölkerung MusikerviertelStatistischer Bezirk 22 GesamtgebietSchweinfurt Deutsche 64,2 % 77,4 % Ausländer 35,8 % 22,6 % Anteil Doppelstaatleran der deutschen Bevölkerung 18,1 % 17,1 %
Der Anteil der Ausländer liegt weit über den Werten des gesamten Stadtgebietes, wobei zu berücksichtigen ist, dass Bürger mit Migrationshintergrund und deutschem Pass in der Statistik nicht als Ausländer aufgeführt werden.
Bis zur vollständigen Auflösung der US-Heeresgarnison Schweinfurt im Jahre 2014 kamen im Stadtteil noch US-Bürger hinzu, die in den deutschen Statistiken nicht enthalten waren. Die frei werdenden Wohnungen und Baupotenziale standen seitdem der Allgemeinheit zur Verfügung (siehe: Bellevue), wodurch die Einwohnerzahl des Stadtteils von 2014 bis 2022 um etwa 22 % wuchs.
Ortsteile Musikerviertel (im engeren Sinn) mini|Niederwerrner Straße in den 1950er Jahren. Hinten: Das neu errichtete Musikerviertel. Mitte rechts: Meister Nähmaschinenfabrik. Vorne: Ledward Barracks (Nordwestlicher Stadtteil)
Das Musikerviertel im engeren Sinn bildet im Osten ein geschlossenes Stadtbild mit dreigeschossigen Blocks mit Mansardedächern aus den 1920er Jahren, während an der Niederwerrnerstraße Blockrandbebauung aus den 1930er Jahren vorherrscht. Der Westen besteht aus Wohnblöcken aus den 1950er Jahren. In den vorherrschenden Wohngebäuden des Sozialen Wohnungsbaus mit einfachen Standards leben überwiegend Mitbürger mit Migrationshintergrund.JHP-Musikerviertel
Im Musikerviertel liegt der 2014 geschlossene US-amerikanische Abramsclub, vormals NCO-Club und einst Kasino der Wehrmacht. Unweit davon befinden sich die beiden Kinosäle des KuK (Kino und Kneipe), Ort der Schweinfurter Kurzfilmtage.
Bellevue
Das einstige US-amerikanische Wohnviertel Askren Manor stand nach Auflösung der US-Heeresgarnison Schweinfurt komplett leer. Es wird seit 2018 als neues Wohnquartier für rund 2000 Bewohner entwickelt. Der Name Bellevue wurde 2018 vom historischen Ortsteil im Norden auch auf das Gebiet des wesentlich größeren neuen Wohnquartiers übertragen.
Technische Hochschule
Der Schweinfurter Campus 1 der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt liegt am Südrand des Musikerviertels. Er wurde in den 1960er Jahren großzügig aufgebaut und später erweitert.
Schulzentrum West Das weitläufige Schulzentrum besteht aus mehreren, zum Teil weiterbildenden Schulen und einer Montessori-Grund- und Mittelschule. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war Ende der 1970er Jahre mit etwas über 2000 Schülern das größte Gymnasium Bayerns und befindet sich in einem großen, hochschulähnlichen Campus. Bekanntester Schüler war der berühmte Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus.
Industriegeschichte Meister Nähmaschinenfabrik Aus einem 1928 in der Schweinfurter Altstadt von Friedrich Meister gegründeten Fachhandelsgeschäft für Nähmaschinen ging eine Nähmaschinen-Produktion hervor (Marke: Meister Universal Zickzack-Nähmaschine). 1948 wurde an der Niederwerrner Straße ein Werksneubau eröffnet (siehe Bild: Niederwerrner Straße in den 1950er Jahren). Von 1953 bis 1957 bestand ein Zweigwerk in Hammelburg. 1973 erfolgte die Übernahme durch die Husqvarna AB. 1983 wurde das Schweinfurter Werk geschlossen. Heute befindet sich auf dem Areal eine Filiale von Mc Donalds der De Santo Gastro KG Schweinfurt und von Lidl.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Schweinfurter Volksfest mini|Schweinfurter Volksfest 2025
Auf dem Volksfestplatz am Sachs-Stadion findet eines der größten Volksfeste Frankens statt, das Schweinfurter Volksfest. Es beginnt am Tag nach Fronleichnam und dauert 11 Tage. 1958 wurde es vom Bleichrasen hierher verlegt (siehe: Maininseln in Schweinfurt, Festplatz Bleichrasen).
Weitere Feste und Veranstaltungen Kiliani Kirchweih Frühjahrsvolksfest Vogelschuss (Volksfestplatz) Einer der größten Flohmärkte Deutschlands (Volksfestplatz) Diverse Messen und Ausstellungen (Volksfestplatz) Weihnachtscircus (Volksfestplatz)
mini|Einstiges Offizierskasino, Carl-Orff-Straße (1937, unter Denkmalschutz) mini|Sparkassenfiliale, Carl-Orff-Straße (1972, unter Denkmalschutz)
Architektur Das Dach des Auditorium Maximum der Technischen Hochschule im Campus 1 hat die Form einer Hyperbolischen Paraboloidschale. Einstiges Offizierskasino der Wehrmacht (später NCO Club und schließlich Abrams Club der US-Army) in der Carl-Orff-Straße (1937, unter Denkmalschutz) Filiale der einstigen Städtischen Sparkasse (Fusion zur Sparkasse Schweinfurt-Haßberge) in der Carl-Orff-Straße, von 1972, unter Denkmalschutz. Von Pohl und Blenk, Fassadengestaltung mit abstrakten Reliefs von Gustl G. Kirchner (1920–1984) und Betonglasfenstern von Heinz Altschäffel.
Kirchen Dreieinigkeitskirche (evangelisch) St. Michael (katholisch) Evangelisch-Lutherische Studentengemeinde, Florian-Geyer-Straße
Infrastruktur Sternwarte Eine Sternwarte befindet sich auf dem Dach des Walter-Rathenau-Gymnasiums
mini|Technische Hochschule,Auditorium Maximum
Hochschulen
Campus 1 der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS)
Schulen mini|Bayernkolleg mit Wohnheimin der Florian-Geyer-Straße
Gymnasien: Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Olympia-Morata-Gymnasium Walter-Rathenau-Gymnasium
Fachoberschule: Friedrich-Fischer-Schule
Schulen des Zweiten Bildungsweges: Bayernkolleg Schweinfurt Telekolleg II
Realschulen: Walter-Rathenau-Realschule Wilhelm-Sattler-Realschule Hauptschule: Private Montessori Volksschule
Berufliche Schulen: Berufliches Schulzentrum Alfons Goppel Dr.-Georg-Schäfer-Schule Fachakademie für Sozialpädagogik Landwirtschaftsschule Ludwig-Erhard-Schule Staatliche Berufsfachschule für Hauswirtschaft Staatliche Berufsfachschule für Kinderpflege Staatliche Berufsfachschule für Sozialpflege Staatliche Berufsfachschule für Technische Assistenten und Informatik
Verkehr Stadtbuslinien 110, 140, 160 und der Campus Express (Direktverbindung vom Hauptbahnhof zur Technischen Hochschule). Bundesstraße 303 zur Bundesautobahn 7 Richtung Kassel und zur Bundesautobahn 71 Richtung Erfurt
Videos Schweinfurt von oben Episode 2 Musikerviertel Ledward Barracks 2018
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Schweinfurt