mini|Stammwappen des Adelsgeschlechtes Castiglioni
Die Castiglione sind ein altes italienisches Adelsgeschlecht aus der Lombardei, das in Zweigen nach Österreich gekommen ist.
Name und Ursprung mini|Castiglione Olona
Ursprung Spätestens seitdem Mattheus Castilloneus mit „De origine, rebus gentis, ac privilegiis gentis Castilioneae“ (1596) und Antonio Beffa Negrini mit „Elogi historici di alcuni membri della famiglia Castiliona“ (1606) glorifizierende Studien zur Geschichte dieses alten Uradelsgeschlechtes veröffentlicht hatten, ist über den Ursprung der Familie de Castiglione viel spekuliert worden.
Unklarheit herrscht darüber, ob es sich bei den Castiglione um direkte Nachfahren der Grafen von Seprio handelt, die mit Lehen in und bei Castiglione Olona und im Umland von Seprio, nordöstlich von Mailand, versehen wurden.
In der Forschung umstritten ist ebenfalls, ob schon Kaiser Otto der Große die Castiglione zu „capitanei“ (primi milites) ernannt und diese ausgestattet habe oder ob die Familie die in der Grafschaft Seprio auf einem kleinen Hügel oberhalb des Flusses Olona gelegene, dem Adelsgeschlecht den Namen gebende Burg in der Nähe von Varese von der Mailänder Kirche erhalten hatte. Die Capitanei waren in Oberitalien ursprünglich die unmittelbaren Vasallen des Königs (Markgraf und Graf), seit Ende des 11. Jahrhunderts auch die ursprünglichen „vavassores“, so dass seitdem die Capitanei den Freiherren entsprachen.
Im 7. Jahrhundert wurde im Langobardenreich eine autonome Grafschaft mit dem Sitz in Seprio (Castelseprio) gebildet. Sie hatte im 9. und 10. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung (in etwa die lombardischen Provinzen Varese und Como, sowie den Schweizer Kanton Tessin) und wurde ab 961 nach dem Salischen Gesetz vererbt. Ab 1044 stand die Grafschaft unter dem Einfluss des Erzbischofs von Mailand, der auch die weltliche Gewalt ausübte und die stärkste geistliche Stütze des Kaisers in Reichsitalien war. Die Residenz der Grafen von Seprio wurde von Castelseprio zunächst nach Venegono, dann nach Mailand und die Reggio Emilia verlegt. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts verlor die Grafschaft durch die Errichtung von Immunitäten Gebiete an die Erzbischöfe von Mailand und von Como. Ab dem 12. Jahrhundert erfolgte der Niedergang. Im Vertrag von Reggio (1158) verlor die Grafschaft Seprio ihre nördlichen Besitzungen. Im 13. Jahrhundert wurde das Land in den Machtkampf zwischen den Visconti und den Torriani hineingezogen. Die Castiglione standen zuerst auf der Seite der Torriani, dann unterstützten sie die siegreichen Visconti. 1287 gelangte schließlich die Grafschaft Seprio nach der Zerstörung von Castelseprio direkt unter die Herrschaft der Visconti und gehörte seitdem zum Herzogtum Mailand. 1339 usurpierte Lodviso Visconti den Titel eines „Signore del Seprio“.
Die Castiglione erklärten sich zu den Nachkommen der Grafen von Seprio. Tatsächlich war Guido de Castiglione 1284–1286 Graf von Seprio (Conte de Seprio).
Gesichert ist, dass die Castiglione schon um 1000, zumindest seit 1028, umfangreichen Besitz in und um Castiglione Olona unweit von Seprio besaßen. Schon damals war das kopfreiche Adelsgeschlecht im Raum zwischen Mailand und Piacenza verbreitet.
Im 11. Jahrhundert stellten die de Castiglione zwei Erzbischöfe von Mailand: Gotofredo 1072–1075 und Tebaldo 1076–1085. Diese Vertreter des Feudaladels waren geschworene Feinde der Gregorianischen Reform. Im Investiturstreit trat Tebaldo auf die Seite des Kaisers und des von ihm eingesetzten Gegenpapstes. Daher gilt er heute seitens der Amtskirche als „Usurpator“ und „Schismatiker“. Damals gab es in Mailand bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. Nachdem die Mailänder Erzbischöfe 1088 wieder in die römische Obödienz zurückgekehrt waren, gewannen sie zwar rasch ihre geistliche Autorität zurück, konnten jedoch nicht mehr ihre frühere politische Vorrangstellung in der Stadt erreichen.
Name Bezüglich des Entstehens des die Herkunft bezeichnenden Familiennamens gibt es in der Forschung verschiedene Theorien: Sie reichen von einfachen Ableitungen von castellio, -ionis (Kastell) bis zu einer Zusammenziehung aus „castrum legionis Stilicionis“, dem Lager des spätantiken Reichsfeldherrn Stilicho, der einer Überlieferung zufolge 401 an der Stelle oberhalb der Olona ein „castellum“ errichtet haben soll.
Nach einer anderen Theorie wurde castellum Leonis (castello del leone) vulgarisiert zu Castellioni und bedeutet „Löwenburg“.
Nicht nur die Schreibweisen wechselten (Castiliono, Castilliono, Castiglion, Castiglione, Castiglioni, Castiglion Morelli, Castiglione Morelli, Castiglioni Morelli, Morelli, Maurelli) mit den Präpositionen da / de / di oder auch ohne Präposition. Auch die Wappen variierten geringfügig.
Stammort mini|Standort der früheren Burg von Castiglione Olona
Castiglione Olona ist eine Gemeinde mit knapp 8.000 Einwohnern in der Provinz Varese, Lombardei. Sie liegt an dem kleinen Fluss Olona, der auch das 60 km entfernte Mailand durchquert und in den Po mündet.
Der Ursprung von Castiglione stammt gemäß der Legende aus dem Jahr 401 n. Chr., als der römische Generalfeldmarschall Stilicho an der Stelle des späteren Dorfes ein römisches Lager errichtete. Aus diesem Grund glauben viele, dass der Name Castiglione vom lateinischen „castrum legionis“ abgeleitet wird. Später wurde das Land von den Langobarden durchzogen, die im benachbarten Seprio eine Burg errichteten, die das Zentrum einer bedeutenden Grafschaft wurde.
Während des Überganges von der Langobarden- auf die Frankenherrschaft entstand 4 km nördlich von Castelseprio an einem hohen, allein stehenden Hügel der Ort Castiglione Olona: Die Stelle war ideal für die Errichtung einer Burg, die über Furt und Brücke wachen sollte, denn von hier aus konnte man einen beträchtlichen Abschnitt des Flusses Olona überblicken; die Sonnenseite am Fuß des Hügels war hingegen wie geschaffen für die Errichtung eines Dorfes.
Spätestens um 1000 war das Gebiet im Besitz des Adelsgeschlechtes Castiglione. 1028 wird die Ortschaft Castiglione erstmals erwähnt.
1071 wurde die Burg von Candia und Castiglione infolge des Investiturstreits von den Mailändern belagert. Denn Gotofredo da Candia e Castiglione, der Mailänder Erzbischof, war ein getreuer Gefolgsmann des Kaisers. Damals kam es in Mailand zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, wobei der konservative Feudaladel, der gegen die Kirchenreform eingestellt war, Gotofredo unterstützte, während der Papst ihn deswegen als „Usurpator“ bezeichnete. In diesem Jahr wurde ein großer Teil von Mailand von einem riesigen Brand zerstört. Man spricht dabei vom „Feuer von Castiglione“.
1161 wurde Castiglione erneut von den Mailändern belagert. Die Einwohner riefen Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Hilfe, der auch kam, worauf die Belagerung überstürzt abgebrochen wurde. Damals bekämpften die Grafschaft Seprio, Castiglione, Como und Lodi gemeinsam mit dem Kaiser die Hegemoniebestrebungen der Mailänder.
Das begehrte Lehen Castiglione war ein ständiges Streitobjekt der mächtigsten Familien jener Zeit – der Visconti und Torriani, die sich abwechselnd mit den Einwohnern von Castiglione verbündeten. Während der endlosen Kämpfe und Belagerungen im 13. und 14. Jahrhundert verlor die Burg Castiglione viel von ihrer strategischen und militärischen Bedeutung. Noch heute erinnern die Überreste der Festung und der alten Stadtmauer der Kleinstadt an die wechselvollen Ereignisse der damaligen Zeit, die von Gefechten und politischen Intrigen geprägt war.
Kardinal Branda Castiglione wandelte das Dorf, wo er ab 1423 seinen Lebensabend verbrachte, durch zahlreiche Bauten in eine nach humanistischen Prinzipien geplanten und umgestalteten Renaissance-Stadt um. Mit der Errichtung der Stiftskirche auf den Ruinen der Burg 1443 vollzog sich ein Wandel von gewaltsamen Auseinandersetzungen hin zur Spiritualität. Es sollte eine Art idealer Zitadelle errichtet werden, die auf künstlerische und innovative Weise dem Kanon der lombardischen Kultur jener Zeit entsprechen sollte und die dem Menschen eine soziale und kulturelle Aufwertung zuteilwerden lassen werden würde. Toskanische Meister, vor allem der berühmte Masolino da Panicale, unterstützt von Lorenzo di Pietro, genannt Il Vecchietta, und Paolo Schiavo, waren mit der Umsetzung betraut und persönlich von Kardinal Castiglione ausgesucht worden. Das ehrgeizige Projekt wurde in den 1440er Jahren fertiggestellt. Das Stadtbild wird noch heute durch seine Bautätigkeit maßgeblich geprägt.
Bereits im Jahr 1513 wurde die Residenz durch die Mailänder Sforza zerstört, nachdem die Castiglione Partei für König Ludwig XII. von Frankreich ergriffen hatten, als dieser in Mailand einfiel.
Der Palazzo Branda Castiglione im Ortszentrum war Sitz der Castiglione. Kardinal Branda ließ ihn im 15. Jahrhundert erweitern. Heute sind in dem Palazzo ein kleines Museum sowie ein Archiv eingerichtet. Sehenswert sind die früheren Kardinalsräume sowie eine Hauskapelle, die zum Teil mit Fresken von Masolino ausgestattet sind.
Auch die anderen adligen Abkömmlinge der Familie Castiglione, die bis zum Aussterben des Familienzweiges Castiglioni di Monteruzzo im 20. Jahrhundert in der Ortschaft lebten, trugen zum Erhalt dieses kostbaren Nachlasses bei.
Der Palazzo der Castiglioni di Monteruzzo aus dem 15. Jahrhundert wurde in den 1970er Jahren auf Initiative des Conde Lodovico Castiglioni Sitz eines Museums für Plastische Kunst (Museo Arte Plastica).
Familienlegenden Abstammung vom Hause Burgund-Ivrea ? Der Tradition nach war der Begründer des Adelsgeschlechtes Castiglione ein gewisser Corrado, Sohn des deutschstämmigen Grafen Berengar. Berengar II. (900–966) aus dem Haus Burgund-Ivrea war der Sohn des Markgrafen Adalbert I. von Ivrea und von Gisela, Tochter des Unruochingers Berengar I., und damit ein Nachkomme Karls des Großen in kognatischer Linie. Bis 1030 waren die Anskarier, Dynasten burgundischer Herkunft, Markgrafen von Ivrea, einem der vier piemontesischen Dukate der Langobarden.
Dem Haus Burgund-Ivrea gehören an: die Markgrafen von Ivrea 879–1030; die Grafen von Burgund (Franche-Comté) 995–1184 und (in der Linie Chalon) 1248–1330; die Könige von Kastilien und León 1126–1369 (darunter auch der deutsche König Alfons von Kastilien); (unter dem Namen Haus Chalon) die Fürsten von Orange 1417–1530; eine Bastardlinie der Familie setzte als Haus Trastámara die Linie der Könige von Kastilien und León, später dann auch von Aragonien, Sizilien und Neapel fort.
Der Stammliste des Hauses Burgund-Ivrea kann man die konkreten Verwandtschaftsverhältnisse entnehmen.
Stammvater des Hauses Burgund-Ivrea war Berengars Urgroßvater Amadeus († nach 827), ein salfränkischer Adliger mit Besitz bei Langres. Dessen Sohn Anskar (Anscherius) (I.), consaguineus von Markgraf Wido von Spoleto (Widonen), ging 888 von Burgund nach Italien, wo er 888/891 Markgraf von Ivrea im heutigen Piemont wurde.
898/902 folgte Anskars Sohn Adalbert I. als Markgraf.
925 folgte nach Adalberts Tod dessen Sohn Berengar als Markgraf von Ivrea nach. Von 950 bis 961 war er König von Italien. Sein dritter Sohn Corrado, Cono, Cunrad oder Konrad († 1001) war von 957 bis 961 Graf von Mailand, wurde 965 der siebte Markgraf von Ivrea und war von 996 bis zu seinem Tode auch Herzog von Spoleto und Camerino.
Aber diese überlieferte Abstammung des Adelsgeschlechtes von Candia und Castiglione vom Hause Burgund-Ivrea ist historisch nicht gesichert. Die Genealogie kennt offiziell keinen legitimen Sohn von Corrado, aber es kann durchaus sein, dass ein illegitimer Sohn existiert hätte und den Mannesstamm fortgesetzt haben könnte.