mini|Übersichtsplan der Liegenschaft
Die Stiftung Juliusspital Würzburg ist eine 1579 erfolgte Gründung des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. Kernstück der Stiftung ist das 1580 eröffnete Juliusspital, ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung, welches seit dem 1. Januar 2017 Teil des Klinikums Würzburg Mitte ist. Außerdem gehören zu ihr ein Seniorenstift, das Weingut Juliusspital (das zweitgrößte Weingut Deutschlands), das Kloster Vogelsburg (inklusive Restaurant, Hotel und Tagungszentrum) an der Volkacher Mainschleife, ein Forstbetrieb, ein Landwirtschaftsbetrieb mit Hauptzentrale am Gut Seligenstadt, ein stationäres Hospiz im Würzburger Stadtteil Sanderau, die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe und das staatlich anerkannte Weiterbildungsinstitut "HALMA e.V", eine Immobilienverwaltung für Mietwohnungen, Gewerbeobjekte, Stellplätze und das Parkhaus der Stiftung Juliusspital, sowie die Epilepsieberatung Unterfranken. Zudem ist die Stiftung Juliusspital seit dem 1. Januar 2011 Haupteigentümerin der Würzburger Firma Wellhöfer Treppen GmbH & Co. KG.
Gründungsgeschichte mini|Ehemaliges Portalrelief des Juliusspitals (heute im Mitteldurchgang des Fürstenbaus), die „Steinerne Stiftungsurkunde“, geschaffen von dem noch der mittelalterlichen Gotik nahestehenden Würzburger Meister Hans Rodlein 1576 bis 1578Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. 2004, S. 602.mini|hochkant=0.6|Eingang des Juliusspitals an der Juliuspromenade, 2008 mini|Historischer Gedenkpunkt, Skulptur von Kurt Grimm, 2013 mini|Hinweis auf Symbolik der Skulptur: Quader als Gebäude, Ring als Familienwappen, Stele als Grabstein des zerstörten jüdischen Friedhofs mini|hochkant=0.6|Statue des Julius Echter in Würzburg, gegenüber dem Juliusspital an der Juliuspromenade
Als Julius Echter 1573 zum Bischof von Würzburg gewählt wurde, war er vom Erzbistum Mainz dem Würzburger Domkapitel empfohlen und gezielt auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Das Bistum steckte in den religiösen Wirren der Reformation, und der fränkische Adel war überwiegend zum Protestantismus übergetreten. Damit nicht gemäß dem Spruch Cuius regio, eius religio auch ein Großteil der fränkischen Bevölkerung zum Protestantismus wechselte, wollte man einen durchsetzungsstarken Fürstbischof.
Julius Echter erkannte bald das Fehlen von ausreichend Armen- und Krankenhäusern und medizinischen Ausbildungsmöglichkeiten in seiner Residenzstadt Würzburg.Georg Sticker: Entwicklungsgeschichte der Medizinischen Fakultät an der Alma Mater Julia. In: Max Buchner (Hrsg.): Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. Festschrift zum 350jährigen Bestehen der Universität. Berlin 1932, S. 383–799, hier S. 441 f. Ein Hospital, das Bürgerspital zum Heiligen Geist, existiert seit 1316, gegründet durch Johann von Steren, einen Würzburger Patrizier. Zuvor gegründete Spitäler waren St. Margareth (das ehemals am südöstlichen Stadttor gelegene, 1120 dem benachbarten Kloster St. Stephan unterstellte, vermutlich auch ärztlich versorgte Spital)Markus Schütz: St. Stephan in Würzburg. (PDF) Haus der Bayerischen Geschichte; abgerufen am 25. Mai 2019. und das zunächst dem Ägidius geweihte und auch als KrankenhausIm 13. Jahrhundert war Ortolf von Baierland wahrscheinlich am Dietrichspital tätig. dienende Dietrichspital (1144).Georg Sticker: Entwicklungsgeschichte der Medizinischen Fakultät an der Alma Mater Julia. 1932, S. 439.Magdalena Frühinsfeld: Anton Müller. Erster Irrenarzt am Juliusspital zu Würzburg: Leben und Werk. Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie bis Anton Müller. Medizinische Dissertation Würzburg 1991, S. 9–80 (Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie) und 81–96 (Geschichte der Psychiatrie in Würzburg bis Anton Müller), S. 82.
Julius Echter, der auch die Wiedererrichtung der darniederliegenden Würzburger Universität betrieb, stiftete sein Spital aus seinem Privatvermögen. Er kaufte Gärten und Lagerplätze auf, ließ aber auch noch den Judenfriedhof der in den 1560er Jahren aus dem Hochstift Würzburg ausgewiesenen JudenschaftAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 4. dazu einebnen, den die Jüdische Gemeinde auf ewige Zeiten gekauft hatte. Der Grundstein für den Spitalbau wurde am 12. März 1576 durch den Fürstbischof gelegt. Damit begann die Spitalgeschichte. Im Stiftungsbrief vom 12. März 1579 sicherte der Fürstbischof den Unterhalt der Anlage durch Überschreibung von Grundbesitz wie Äcker, Weinberge und Wälder, die bis heute ihren Wert nicht verloren haben. Die Einweihung des Juliusspitals (früher auch Julius-Hospitals,Johann Nepomuk Buchinger: Das Julius-Hospital. In: Johann Nepomuk Buchinger: Julius Echter von Mespelbrunn, Bischof von Würzburg und Herzog von Franken. Nebst des Bischofs Portrait und Facsimile in Stahl und 4 radirten Steinzeichnungen. Voigt und Mocker, Würzburg 1843.Caspar Lutz: Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung des Julius-Hospitals in Würzburg. Festvortrag. Verlag der Stiftung Juliusspital, Würzburg 1876; Nachdruck ebenda 1985. Julier-Spital und Julier-Hospital genanntAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 706 (Literatur zur „Fundation“).) erfolgte am 10. Juli 1580 und es wurden die ersten 21 Kranken aufgenommen. Es wurde als „an Großartigkeit der Anlage alle anderen Hospitäler Deutschlands übertreffend“ beschrieben.Georg Sticker: Entwicklungsgeschichte der Medizinischen Fakultät an der Alma Mater Julia. 1932, S. 442. Etwa eineinhalb Jahre nach der Beurkundung der Stiftung erfolgte die Aufnahme von Kranken bzw. Pfründnern. Laut dem Stiftungsbrief sollte das Juliusspital „allerhandt Sorten Arme, Krancke, unvermögliche, auch schadthaffte Leuth, die Wundt- und anderer Arzzney nottdürfftig sein, dessgleichen verlassene Waysen und dann fürüberziehende Pilgram und dürfftige Personen“ aufnehmen.Caspar Lutz: Rückblick auf die Geschichte des Julius-Hospitals in Würzburg. Festvortrag zur Feier des 300jährigen Gedächtnistages der Grundsteinlegung dieser Wohlthätigkeitsanstalt. Stiftung Juliusspital, Würzburg 1876, S. 5.Günther Elbin: Das Juliusspital „Für allerhandt Sortten armen, Krancke, auch schatthafte Leute“. In: Cassella-Riedel-Archiv. Band 59, 1976, Nr. 4, S. 27–31; und: Georg Martin Hettiger: Julius als Vater der Armen. Wirken und Segen der Stiftung. In: Clemens Valentin Hessdörfer (Hrsg.): Julius Echter von Mespelbrunn. Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken (1573–1617). Eine Festschrift. Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1917, S. 190–220. Wilhelm Schefferlein, genannt Opilio, wurde 1581 leitender Spitalarzt. 1583 war das Gebäude der Krankenanstalt Juliusspital weitgehend fertiggestellt.Gundolf Keil: Juliusspital und Universität. Vortrag von Herrn Prof. Dr. Dr. Gundolf Keil zum 418. Stiftungstag 1994. Stiftung Juliusspital, Würzburg 1994, S. 2–3. Ab 1583/1584 wurden auch psychiatrische Patienten ins Juliusspital aufgenommen, die nur in Ausnahmefällen von den anderen Spitalinsassen isoliert wurden. Einen auf die Behandlung der psychisch Erkrankten spezialisierten Arzt erhielt das Juliusspital jedoch erst 1798 mit dem dort langjährigAnton Müller: Die Irren-Anstalt in dem königlichen Julius-Hospitale zu Würzburg und die sechsundzwanzigjährigen Dienstverrichtungen an derselben. Mit einem Anhange von Krankengeschichten und Sektions-Berichten. Stahel, Würzburg 1824. bis 1825 auch in der psychiatrischen AusbildungJoseph Oegg: Die Behandlung der Irren in dem königlichen Juliushospitale zu Würzburg; ein Beitrag zur Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten. Sulzbach 1829. – Oegg war Schüler von Müller. tätigenAnton Müller: Die Irrenanstalt in dem Königlichen Julius-Hospitale zu Würzburg und die sechs und zwanzigjährigen ärztlichen Dienstverrichtungen an derselben. Mit einem Anhange von Krankengeschichten und Sektions-Berichten. Stahel, Würzburg 1824. Mediziner und Zweiten Oberarzt (1807 bis 1826 Primärarzt) des JuliusspitalsAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 198, 292 und 305–326 (Anton Müller). Anton Müller (1755–1827).Magdalena Frühinsfeld: Anton Müller. Erster Irrenarzt am Juliusspital zu Würzburg: Leben und Werk. Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie bis Anton Müller. Medizinische Dissertation Würzburg 1991, S. 9–80 (Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie) und 81–96 (Geschichte der Psychiatrie in Würzburg bis Anton Müller), S. 86–90 und 96.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 220, 222, 834 und öfter.Konrad Rieger: Die Psychiatrie in Würzburg von 1583–1893. In: Verhandlungen der Physikalisch-medizinischen Gesellschaft zu Würzburg, Neue Folge. Band 27, 1893, S. 1–74. Heinrich von Kleist hielt es zu Beginn des 19. Jahrhunderts für erwähnenswert, dass im Juliusspital „auch ein Protestat oder ein Jude Hilfe finden“Martin Droschke: Hat Heinrich von Kleist gestern das Würzburger Juliusspital aufgesucht, weil […]? In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 14. September. konnte. Ein bedeutender Psychiater der Universitätsklinik ab den 1880er Jahren war der auch als Psychiatriehistoriker publizierende Konrad Rieger, der die Psychiatrische Klinik des Juliusspitals von ab 1887Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 292. leitete.
Stiftung Die Stiftung, deren Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert insbesondere auf Reformen und Baumaßnahmen des Fürstbischofs Franz Ludwig von ErthalHildegunde Flurschütz: Die Verwaltung des Hochstifts Würzburg unter Franz Ludwig von Erthal (1779–1795). Würzburg 1965 (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. Band 19). beruhte,Renate Schindler: Das Juliusspital. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände (Band I-III/2), Theiss, Stuttgart 2001–2007; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 786–789; hier: S. 786. ist Eigentümer von über 3300 Hektar Wald, rund 1100 Hektar landwirtschaftliche Güter und 177 Hektar Weinberge.Weingut Juliusspital. Sie ist gemeinnützig und unterhält aus ihren Erlösen ein Krankenhaus sowie ein Senioren-, Pflege- und Pfründenerstift.Das Juliusspital ist mit seiner Kirche St. Kilian eine eigenständige PfarreiNikolaus Alban Förtsch: Versuch einer Lebensgeschichte des geistlichen Raths, Pfarrers und geistlichen Vorstehers des Julius-Spitals Johann Baptist Deppisch. Göbhardt, Bamberg 1801Alfred Wendehorst: Die Juliusspitalpfarrei und ihre Bedeutung für die Gegenreformation. In: Friedrich Merzbacher (Hrsg.): Julius Echter und seine Zeit. Gedenkschrift zum Anlaß des 400. Jahrestages der Wahl des Stifters der Alma Julia zum Fürstbischof von Würzburg am 1. Dezember 1673 im Auftrag der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität. Echter, Würzburg 1973, S. 349–374. in Würzburg.
Die Stiftung Juliusspital Würzburg besteht heute aus folgenden Einrichtungen: Juliusspital Weinstuben Juliusspital Weinverkauf Juliusspital Altenheim / Seniorenstift (in moderner FormRudolf W. Kuhn: Das Würzburger Juliusspital. 375 Jahre Spital und Altersheim des Fränkischen Landes. In: Frankenspiegel. Band 2, 1951, Heft 5. seit 1967)Oberpflegeamt des Juliusspitals Würzburg (Hrsg.): Das Altenheim des Juliusspitals. Festschrift aus Anlaß der Einweihung durch S. Exzellenz den Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Josef Stangl am 1. Dezember 1967. Stiftung Juliusspital, Würzburg 1967. Restaurant Juliusspital Würzburg