mini|300px|Marienkirche mini|300px|Merian-Stadtansicht von 1652 Die Marienkirche in Prenzlau ist die evangelische Hauptpfarrkirche der Stadt und gehört zu den an Bauschmuck reichsten Kirchen der Backsteingotik in Norddeutschland. Das Bauwerk steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz. Die Kirche gehört zum Kirchenkreis Uckermark der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Geschichte mini|hochkant|Kirchenruine nach 1950 mini|hochkant|Schaufassade im Osten, 2009 mini|Marienkirche hinter Mitteltorturm
Vorgängerbau Der Vorgängerbau wurde von 1235 bis 1250 als dreischiffige Feldsteinhallenkirche mit einem zweijochigen Langhaus, wenig breiterem Querhaus und einem eingezogenen geraden Chor erbaut. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde diesem Bauwerk der noch erhaltene zweitürmige Westbau vorgelegt.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 879.
Hochgotischer Neubau Von 1289 bis 1340 erfolgte der Kirchenneubau als dreischiffige gotische Hallenkirche im Stil der Backsteingotik unter Einbeziehung des Westteils des Vorgängerbaus aus Feldsteinmauerwerk. Die großräumige Kirche mit sieben Jochen ist 56 Meter lang, 26 Meter breit und 22 Meter hoch; der Dachfirst ist heute 43 Meter hoch. Sie wurde in zwei Abschnitten errichtet, deren Grenze bei den Treppentürmen verläuft. Sie hat je einen relativ flachen, apsidialen Ostabschluss für jedes Schiff.
Im 14. und 15. Jahrhundert kamen die Anbauten der Christophskapelle mit einem Schaugiebel und der zweischiffigen, dreijochigen Margaretenkapelle mit polygonalem Schluss an der Südseite hinzu. Das Kreuzrippengewölbe der Margaretenkapelle ist erhalten geblieben. Nach Westen schließt sich eine zweigeschossige Vorhalle an. Auf der Nordseite entstand eine von einem Maßwerkgiebel nach der Art des Hinrich Brunsberg bekrönte Vorhalle.
Zwischen Reformation und Neuzeit Der spätere Hof- und Domprediger in Berlin, Johannes Fleck (1559–1628), wirkte von 1596 bis 1601 als Inspektor (Superintendent) an der Marienkirche Prenzlau.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Leichnam des schwedischen Königs Gustav II. Adolf im Rahmen der Überführung nach Schweden vom 20. bis 22. Dezember 1632 im Nordturm der Marienkirche aufbewahrt.
Im Zeitraum 1818 bis 1829 wurden der Dachstuhl und der Glockenturm der Marienkirche werden für 13.691 Taler repariert.Stadtlexikon Prenzlau (PDF; 1,6 MB), Hrsg. Uckermärkischer Geschichtsverein
1833 und 1834 stellte die Stadtverwaltung der Marienkirchgemeinde je 1000 Reichstaler für den Innenausbau der Kirche zur Verfügung. Und es folgten noch einmal 3000 Reichstaler im Jahr 1843 „für den Ausbau“.
In den Jahren 1844/46 fand eine umfassende Umgestaltung im Innern der Kirche im neugotischen Stil durch Eduard Knoblauch statt. Zwischen 1878 und 1887 wurde das Äußere der Kirche restauriert.
Im Ersten Weltkrieg (EWK) wurden Teile des Kupferdaches der Kirche als Metallspende des deutschen Volkes abgenommen; die Glockern wurden wegen ihrer historischen Bedeutung verschont.
In der Kirche wurde 1921 ein kleines hölzernes Kriegerdenkmal für die im EWK Gefallenen aus der Gemeinde Prenzlau eingeweiht.
Zerstörung 1945 und Wiederaufbau mini|Innenansicht nach Wiederherstellung der Gewölbe (2022) Bei der Besetzung und Zerstörung Prenzlaus am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee am 27./28. April 1945 brannte die Kirche mit dem gewaltigen Dachstuhl des Kirchenschiffs aus und das Gewölbe stürzte ein; die Umfassungsmauern und Pfeilerarkaden blieben erhalten. Im Jahr 1947 stürzten die bis dahin erhaltenen Giebel des Nordturmabschlusses ein. In den Jahren 1949/50 wurde der Ostgiebel gegen Einsturz gesichert.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 1. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 128. Der Wiederaufbau begann 1970, 1972 die Montage des Dachstuhls, 1973/74 die Eindeckung des Satteldaches mit Kupferplatten sowie die Instandsetzung der Treppenanlage in den Türmen und die Eindeckung der Margaretenkapelle. Von 1972 bis 1988 erfolgte die Instandsetzung der Turmfassaden, der Innenausbau der Südkapellen sowie die Restaurierung des Ostgiebels und der östlichen Südfassade. 1982 war der Nordturm vollendet, 1984 das Dach des Südturms, 1988 die Eindeckung und die Einwölbung der Nordvorhalle und 1990/91 die Fassadensanierung; diese Maßnahmen wurden mit Hilfe eines Kirchenbauprogramms in der DDR finanziert.Valuta-Mark für Sonderbauprogramm. 1990 fand eine Feierstunde für das Erreichte statt. Das moderne Rosettenfenster mit dem Thema Zerstörung und Wiederaufbau wurde vom Glasbildner Johannes Schreiter realisiert und 1995 übergeben. 1997 wurde der Altar wieder aufgestellt.
Für den Wiederaufbau der Gewölbe und der Empore fand seit 2013 eine Spendensammlung statt. Zudem standen im Haushalt der Kulturstaatsministerin im Jahr 2014 dazu zusätzliche Mittel in Höhe von 3,24 Millionen Euro bereit. Seit August 2015 wurden die Ausschreibungen und Vorbereitungen zum Wiederaufbau der Gewölbe vorgenommen. Von Juni 2018 bis Ende 2020 war der Wiederaufbau der Gewölbe geplant. Nach anfänglichen Verzögerungen liefen die Bauarbeiten planmäßig., RBB24, abgerufen am 13. Februar 2019. Im April 2019 waren bereits drei, im August 2019 fünf der sieben Joche fertiggestellt. Der Wiederaufbau der Gewölbe wurde wie geplant 2020 vollendet. Am 14. Januar 2020 wurde der letzte Schlussstein der Gewölbe gesetzt. Am 17. Mai 2020 fand ein Gottesdienst anlässlich der Fertigstellung der Gewölbe in der benachbarten Kirche St. Jakobi statt. Seit dem Abschluss der Arbeiten an der Empore und der Orgel wird der wiederhergestellte Innenraum der Marienkirche wieder für Gottesdienste genutzt.
Architektur Das Kirchengebäude ist ein mittelalterlicher Bau im Stil der norddeutschen Backsteingotik, sie diente als architektonisches Vorbild für viele Kirchen im Ostseeraum. Der restaurierte Ostgiebel bildet einen besonderen Bauteil des Gotteshauses.
Schaufassade Die prächtige östliche Schaufassade gilt wegen ihrer anspruchsvollen Konstruktion als „einmalig“ in der Backsteingotik; sie ist in den Einzelformen an dem Vorbild des Fassadenrisses F des Kölner Doms orientiert. Der flache Giebel steht über dem Ostabschluss der drei Schiffe. Die Apsiden sind deshalb nur gering ausgebildet mit zwei Polygonseiten in den Seitenschiffen und dreien im Mittelschiff. Einmalig ist insbesondere, dass die im Inneren an den polygonalen Apsiden orientierten Fenster außen in die plane Schaufassade eingepasst wurden, so dass sich schräge Fensterlaibungen ergeben.
Der Giebel ist mit 22 Metern so hoch wie die senkrechte Chormauer. Die sechs Strebepfeiler enden in zierlichen Fialen. Eine fensterähnliche Gestaltung mit Stab- und Maßwerk aus rot- und schwarzglasierten Steinen, mit zusammenfassenden Wimpergen und mit Maßwerkfriesen ergänzt das Bild der Schaufassade.
Seitenwände Die äußeren Seitenwände werden gegliedert durch die vierteiligen Maßwerkfenster und die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler. Über die Traufe ragend befindet sich über einem Maßwerkfries und zwischen Fialpfeilern ein transparenter Kranz aus durchbrochenen Wimpergen. An den vier West-Jochen der Südseite läuft ein Plattenfries mit pflanzlichen Motiven.
Vorhalle und Portale Die nördliche Vorhalle vom Anfang des 15. Jahrhunderts hat einen dreiteiligen Wimperg-Giebel im Brunsberg-Stil. Das große fünffach abgetreppte Westportal hat Kehlen und Rundstäbe in den Abtreppungen. Darüber befindet sich in Richtung Mittelschiff ein Rundfenster. Ein reichhaltig gestaltetes Portal befindet sich an der Nordseite, ein weiteres an der Südseite.
Türme mini|hochkant|Blick vom Kirchturm Die unteren Geschosse des Westbaus aus Feldstein sind mit Ecklisenen und flachen Blenden gegliedert. Im 14. Jahrhundert wurden die Türme des ursprünglichen Westbaus um drei Geschosse aus Backstein aufgestockt, der Mittelteil erhielt zwei Backsteingeschosse. Den Abschluss des Nordturms mit 68 Metern Höhe bildet ein Satteldach in Ost-West-Richtung zwischen zwei Renaissancegiebeln. 234 Stufen führen zur Türmerstube.
Der Abschluss des Südturms mit 64 Metern Höhe besteht seit 1776. Auch er hat seit 1972 ein Satteldach wie der Nordturm, aber ohne den 4 Meter hohen Sockel. Im oberen Geschoss befinden sich zwei Kirchturmuhren.
Die oberen Geschosse der Türme sind reichhaltiger mit spitzbogigen Blenden aus dem 14. Jahrhundert gegliedert und haben hohe spitzbogige Schallöffnungen mit einfachem Maßwerk in den Glockengeschossen. Der Westbau zeigt trotz Einbeziehung der älteren Mauerteile des Vorgängerbaus und der fragmentarischen Turmabschlüsse eine ausgesprochen monumentale Wirkung, die mit den hoch- und spätgotischen Pfarrkirchen in Wismar und Stralsund vergleichbar ist.
Inneres Im großräumigen, streng gehaltenen Inneren wurde das Kreuzrippengewölbe mit zwischenliegenden Scheidbögen durch die zwölf reichgestalteten, kreuzförmigen Pfeiler getragen; die vier stirnseitigen Pfeilervorlagen besitzen kräftige Dreiviertelrunddienste (Vorlagen). Die Seitenwände weisen umlaufende Sockelzonen mit zwei spitzbogigen Blenden pro Joch auf. Darüber befindet sich ein Laufgang. Die schlanken Maßwerkfenster sind zumeist vierteilig. Das Fenstermaßwerk wurde bei den Restaurierungen verändert; als ursprünglich könnte das Maßwerk der drei östlichen Fenster auf der Südseite gelten. Der feinprofilierte hochgotische Innenraum der Kirche nimmt innerhalb der Backsteingotik auf Grund eben dieser Eigenschaften eine gewisse Ausnahmestellung ein.
Vor dem Hochaltar befand sich der Grabstein der Adelheid von der AsseburgAbbildung des Grabsteins der Adelheid von der Asseburg. († 1588), Gemahlin des Leonhard von Kotze, ihr Bildnis war im rechten Seitenschiff zu sehen. Von 1581 bis 1918 wurde auf Grund eines Legats täglich in ihrer Todesstunde gegen zwei Uhr nachmittags geläutet, bis in der Inflation ihre Stiftung verfiel; so blieb ihr Gedächtnis in der Gemeinde lebendig.Udo von Alvensleben (Kunsthistoriker), Besuche vor dem Untergang, Adelssitze zwischen Altmark und Masuren. Aus Tagebuchaufzeichnungen zusammengestellt und herausgegeben von Harald von Koenigswald, Frankfurt/M.-Berlin 1968, S. 241.
Das Rundfenster im Westen nach einem Entwurf von Johannes Schreiter aus dem Jahr 1995 verbindet das Kreuzmotiv mit Farben und abstrakten Formen, die an Leid, Zerstörung, Krieg und Wiederaufbau erinnern sollen.
Ausstattung mit Orgel und Glocken Hochaltar mini|Das Kircheninnere 1877 (gemalt von Eduard Gärtner) Der spätgotische Hochaltar wurde um 1512 vom Meister des Prenzlauer Hochaltars in Lübeck geschaffen. Er überstand die Zerstörung der Kirche, weil er eingemauert worden war und war bis 1991 in der Klosterkirche Prenzlau aufgestellt. Nach einem Diebstahl in diesem Jahr konnte ein großer Teil der entwendeten Figuren zurückgebracht werden, einige Figuren sind aber bis heute verschollen. Danach wurden die Figuren und Reliefs unter Freilegung der Originalfassung restauriert und in einem rekonstruierenden Aufbau angeordnet.Zur Werkgeschichte des Hochaltars siehe Burkhard Kunkel: Die Kunst der lutherischen Kirchen im 16. Jahrhundert. Medien, Mitteldinge, Monumente – eine Geschichte der materiellen Kultur. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7861-2848-9, S. 37 und 338.
Im Schrein ist eine Mondsichelmadonna dargestellt, die ursprünglich von vier Engeln umgeben war, von denen nur zwei erhalten sind. Seitlich davon sind vier kleinere, in zwei Reihen angeordnete Heilige dargestellt. In den Flügeln sind in zwei Reihen die Apostel dargestellt, von denen nur neun erhalten sind. In der Predella ist ein breites, lebendiges Relief der Anbetung der Könige zu sehen. Das einst sehr reiche Gesprenge zeigt die Darstellungen von Christus mit der Siegesfahne, die Heiligen Georg und Mauritius und eine bekrönende Madonna im Strahlenkranz.