mini|Rothenberger bei der Verleihung des Edison-Preises, 1969 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|180px|Unterschrift Anneliese Rothenberger (Autogramm) deutsche Opern- und Operettensängerin Anneliese Rothenberger, verehelichte Anneliese Dieberitz (* 19. Juni 1919 in Mannheim;Standesamt Mannheim, Geburtsurkunde Nr. 1272/1919, zitiert nach der Heiratsurkunde der Eltern: Heiratsregister Mannheim Stadt, Nr. 265 vom 15. März 1919 (Marchivum Stadtarchiv Mannheim); die abweichenden Geburtsjahre 1924, 1926 und 1927 sind somit unzutreffend † 24. Mai 2010 in Münsterlingen, Schweiz), war eine deutsche Opern- und Operettensängerin (lyrischer Sopran).

Leben mini|Besetzungszettel zu Lulu mit Autogramm von Anneliese Rothenberger Rothenberger war das älteste Kind des Kaufmanns Josef Rothenberger (* 1891 in Speyer; † 1930 in Mannheim) und der Sophie Rothenberger, geb. Häffner (* 1895 in Mannheim; † 1961 ebendort).Heiratsregister Mannheim Stadt, Nr. 265 vom 15. März 1919 Josef Rothenberger war u. a. mehrere Jahre Vorsitzender des Mannheimer Fußballclubs „Phönix“Traueranzeige in: Neue Mannheimer Zeitung vom 4. April 1930, S. 9 und Beisetzung von Josef Rothenberger. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 7. April 1930, S. 3 und starb bereits mit 38 Jahren an einer Herzkrankheit. Ihr einziger Bruder Heinz (1923–1928) wurde im Alter von knapp 5 Jahren beim Fangen spielen durch einen Postautobus so schwer verletzt, dass er an den Folgen starb.Standesamt Mannheim, Sterbeurkunde Nr. 72 für Ludwig Heinz Rothenberger vom 12. Januar 1928 (Marchivum Stadtarchiv Mannheim) und Anneliese Rothenberger bei Beckmann, Interview vom 20. November 2006. YouTube, abgerufen am 24. Juni 2026

Erste öffentliche Auftritte der Realschülerin Anneliese Rothenberger sind bereits im November 1934Liedvortrag auf dem Stiftungsfest der „Mannheimer Primanien“. Neue Mannheimer Zeitung vom 20. November 1934, S. 3 und April 1935Liedvortrag auf einer Feier ihrer Schule, der Hans-Thoma-Schule. Hakenkreuzbannner vom 5. April 1935, S. 5 (). nachgewiesen. Ihr professionelles Gesangsstudium absolvierte sie an der Hochschule für Musik und Theater Mannheim vor allem bei der Sopranistin Erika Müller (1901–1982, ab 1938: Müller-Seeger), die das Talent Rothenbergers sehr früh erkannte. Ihre Bühnenkarriere begann im Herbst 1942 am Theater Koblenz als Christel im Vogelhändler von Carl Zeller. Hier trat sie auch als Schauspielerin auf und sang bereits große Partien wie die Gilda im Rigoletto und die Titelrolle im Christelflein von Hans Pfitzner.K. J. Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. Saur, München 2003. ISBN 3-598-11598-9 Ihr Entdecker und Förderer war der dortige Musikdirektor Wilhelm Schmidt-Scherf (1904–1990).Anneliese Rothenberger: Melodie meines Lebens. München 1972, S. 86–95. Nach Schließung des Theaters musste sie während des Krieges in einer Weißblechdosenfabrik in Weißenthurm am Fließband arbeiten. Wegen einer schweren Anämie wurde sie zur Erholung aufs Land geschickt und kam in das Dorf Hassenberg bei Mitwitz in Oberfranken, wo sie bis Kriegsende blieb. Dort begann sie auch wieder mit dem Singen und gab in Neustadt bei Coburg Hauskonzerte.Anneliese Rothenberger: Melodie meines Lebens. S. 112–123. 1946 holte sie der Intendant Günther Rennert an die Hamburgische Staatsoper, wo sie 1947 als Oscar, Page, in Giuseppe Verdis Ein Maskenball debütierte.

1952/53 unternahm sie ihre ersten Auslandstourneen bis nach Nord- und Südamerika und trat zum ersten Mal im amerikanischen Fernsehen auf. 1954 debütierte Rothenberger bei den Salzburger Festspielen in Rolf Liebermanns Penelope unter dem Dirigenten George Szell und dem Regisseur Oscar Fritz Schuh (Ausstattung: Caspar Neher). 1956 folgte die Papagena in Mozarts Die Zauberflöte, 1957 Liebermanns Die Schule der Frauen (Szell, Schuh, Neher), 1958 die Zdenka in Strauss’ Arabella unter dem Dirigat von Joseph Keilberth und der Regie von Rudolf Hartmann. Zur Eröffnung des neuen Großen Festspielhauses war sie 1960 die Sophie in einer auch verfilmten Aufführung von Strauss’ Der Rosenkavalier unter Herbert von Karajan (Regie: Hartmann; Bühnenbild: Teo Otto). 1965 sang sie in Salzburg an der Seite von Fritz Wunderlich die Konstanze in der Inszenierung von Die Entführung aus dem Serail durch Giorgio Strehler (Regie) und Luciano Damiani (Ausstattung), die von Zubin Mehta dirigiert wurde. Rothenberger sang in Wiederaufnahmen dieser Produktion bis 1970. Ihre letzte Salzburger Partie war 1969 und 1970 die Fiordiligi in Mozarts Così fan tutte unter Seiji Ozawa und Jean-Pierre Ponnelle.Alle Auftritte Anneliese Rothenbergers bei den Salzburger Festspielen

In den fünfziger Jahren debütierte Rothenberger auch bei den Festspielen in Edinburgh, München, GlyndebourneAufführungen mit Anneliese Rothenberger beim Glyndebourne Festival 1959 und 1960 und den Berliner Festwochen; sie blieb lange Jahre mit all diesen Festspielen verbunden. 1956 wurde Rothenberger an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg engagiert und 1957 an die Wiener Staatsoper, deren Mitglied sie bis 1975 war.Auftritte mit Anneliese Rothenberger an der Wiener Staatsoper

Im November 1960 folgte ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York als Zdenka in Strauss’ Arabella. An der Metropolitan Opera zählte sie zu den Publikumslieblingen und sang neben der Zdenka die Partie des Oscar in einer Neuproduktion von Verdis Un ballo in maschera (mit Leonie Rysanek als Amelia und Carlo Bergonzi als Riccardo), Musetta in La Bohème (mit Renata Tebaldi als Mimi und Franco Corelli als Rodolfo), Susanna in Le nozze di Figaro (mit Lisa della Casa als Gräfin), Amor in Glucks Orfeo ed Euridice, Sophie in Der Rosenkavalier und Adele in Die Fledermaus. Nach 48 Auftritten an der Met verabschiedete sie sich im Dezember 1965 als Zdenka in Arabella.Anneliese Rothenberger in der MetOpera database

1961 gab sie ihre Debüts an der Mailänder Scala (als Sophie in Strauss’ Der Rosenkavalier), im Rosenkavalier an der Mailänder Scala 1961. In: teatroallascala.org. in Kopenhagen (als Susanna in Le nozze di Figaro) und am Teatro Colón in Buenos Aires (als Sophie, und auch als Konstanze in Mozarts Die Entführung aus dem Serail). Zu dieser Zeit sang sie auch in Montreal, Zürich, Dortmund, Mannheim und bei den Festspielen in Aix-en-Provence und Florenz (Maggio Musicale).

Auch als Interpretin klassischer Lieder gab Rothenberger Liederabende in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Schottland, Japan und in vielen Städten der USA und der Sowjetunion. Viele Jahre lang machte sie zweimal jährlich eine große Liedertournee.

Auf Grund ihrer Beliebtheit, derer sie sich vor allem in Deutschland und Österreich erfreute, ließ sie sich zur Mitwirkung in mehreren erfolgreichen Musikfilmen bewegen. Der bekannteste dieser Filme ist wohl die englische Verfilmung der Operette Die Fledermaus von Johann Strauss aus dem Jahr 1955.

Auch im Fernsehen war sie sehr viel tätig, wodurch sie einem breiten Publikum bekannt wurde. Sie erschien sehr oft im deutschen und auch im amerikanischen Fernsehen, bei der BBC und in Eurovisions-Sendungen. 1967 hatte sie ihre erste eigene Sendung in Deutschland (Heute Abend: Anneliese Rothenberger). 1970 moderierte sie das große Live-Konzert in der Berliner Philharmonie aus Anlass des 90. Geburtstages von Robert Stolz; das Konzert wurde über 200 Sender live übertragen. Kurz danach bekam sie ihre eigene Unterhaltungsreihe im ZDF, Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre.

mini|Funkausstellung in Düsseldorf, 1970

Später leistete sie mit ihrer ZDF-Sendung Anneliese Rothenberger präsentiert junge Künstler einen Beitrag zur Nachwuchsförderung. Das tat sie auch mit dem von ihr gestifteten Anneliese-Rothenberger-Preis im Rahmen des Europäischen KulturForums Mainau. Alle zwei Jahre werden vielversprechenden jungen Sängertalenten zwei Anneliese-Rothenberger-Preise verliehen.

Von 1954 bis zu seinem Tod im Jahre 1999 war sie mit dem Journalisten, Redakteur und Lyriker Gerd Wendelin Dieberitz (* 1922 in Schweinfurt) verheiratet, der auch ihr Manager war. Anfang der 1960er Jahre lebte Rothenberger in Hallgarten im Rheingau. Gegen Ende des Jahrzehnts verlegte sie ihren Wohnsitz nach Salenstein in der Schweiz, am Bodensee, offenbar auf Empfehlung von Lisa della Casa. Zunächst wohnte sie dort in einem kleineren Haus, später in einer größeren Villa.Wolf-Eberhard von Lewinski: Anneliese Rothenberger. Friedrich Verlag, Velber 1968, S. 68. Von der Opernbühne war sie 1983 zurückgetreten; Liederabende gab sie noch bis 1989. Wegen einer Krebserkrankung trat sie danach nicht mehr öffentlich auf.

Anneliese Rothenberger war auch als Malerin erfolgreich. In den frühen 1960er Jahren studierte sie in New York bei dem deutsch-amerikanischen Kunstmaler Alfred Zwiebel. 1963 war die erste Ausstellung ihrer Bilder in Frankfurt am Main. Seitdem richtete sie etliche Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz aus.

Einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte war am 26. Oktober 2003 im ZDF, als sie im Konzerthaus Dortmund den ECHO-Klassik-Preis für ihr Lebenswerk erhielt.ZDF trauert um Anneliese Rothenberger / Sie konnte Generationen begeistern. In: finanznachrichten.de, 25. Mai 2010, abgerufen am 10. Juli 2026 (Originaltext: ZDF Digitale Pressemappe). Das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm Das Erste und Reinhold Beckmann konnten sie 2006 noch einmal bewegen, in der Sendung Beckmann vor die Kamera zu treten.

Sie lebte bis zuletzt in Salenstein am Schweizer Ufer des Bodensees und war eng befreundet mit der Mainauer Grafenfamilie Bernadotte und Patentante von Björn Graf Bernadotte. Begraben wurde sie anonym im Familiengrab einer Freundin auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf.Adrienne Braun: Mozarts Missionarin aus Mannheim. In: Stuttgarter Zeitung. 19. Juni 2019, S. 28. Ihren künstlerischen Nachlass vermachte sie ihrer Geburtsstadt Mannheim.Marchivum.

Auszeichnungen/Ehrungen 1963: Bayerische Kammersängerin 1966: Bundesverdienstkreuz I. Klasse 1967: Österreichische Kammersängerin 1969: Edison-Preis der holländischen Musik-Kritik 1969: Silberner Bildschirm (Fernseh-Preis der Zeitschrift TV Hören und Sehen) 1971: Bloomaulorden 1971: Goldener Bildschirm 1971: Goldener Bambi 1974: Goldener Bambi 1976: Großes Bundesverdienstkreuz für „hervorragende Verdienste um das Ansehen des deutschen Kulturschaffens im Ausland“ 1977: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 1977: Goldene Kamera (Fernseh-Preise der Zeitschriften TV Hören und Sehen, BUNTE Illustrierte, und HÖR ZU) 2003: ECHO Klassik für ihr Lebenswerk 2021: Benennung der Anneliese-Rothenberger-Straße in Mannheim-Käfertal.Anneliese-Rothenberger-Straße bei Marchivum

Repertoire Anneliese Rothenberger hatte ein großes Repertoire. Unter anderen sang sie Partien in Opern von Claudio Monteverdi, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Ruggero Leoncavallo, Carl Maria von Weber, Albert Lortzing, Engelbert Humperdinck, Gioachino Rossini, Daniel Auber, Eugen d’Albert, Gaetano Donizetti, Georges Bizet, Jacques Offenbach, Maurice Ravel, Paul Hindemith, Benjamin Britten, Gian Carlo Menotti, Igor Strawinski, Carl Orff, Werner Egk, Gottfried von Einem, Wilhelm Kienzl, Norbert Schultze, Ermanno Wolf-Ferrari, Francis Poulenc und Alban Berg.

Sie sang die Titelpartie in Madama Butterfly und Mimi (zu Beginn in Hamburg auch Musette) in La Bohème von Puccini, die Titelpartie in Martha von Friedrich von Flotow, Gilda in Rigoletto und Violetta in La traviata von Verdi und die Titelpartie in Lulu von Alban Berg.