mini|Luftbild des Klosters
Das Kloster Amorbach (lat. Monasterium vel Abbatia Amerbacensis; Patrozinium: B.M.V.) im Odenwald ist eine ehemalige Benediktinerabtei und eine der frühesten Klostergründungen im mainfränkischen Raum. Amorbach liegt 9 km südlich von Miltenberg. Die Abtei lag in Amorbach und wurde 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgehoben. Seit 1803 gehören die Gebäude und Ländereien den Fürsten zu Leiningen. miniatur|hochkant|Abteikirche und Teile der Klosteranlage miniatur|hochkant|Die Türme der Klosterkirche Vier Benediktinerklöstern war von der fränkischen Zentralgewalt der Karolinger die Aufgabe zugewiesen, das unbesiedelte Waldgebiet des Odenwaldes zu erschließen: das Kloster Lorsch, gegründet 764, von Westen herVergl. Geschichte von Groß-Umstadt oder Lengfeld (Odenwald), das Kloster Fulda, gegründet 744, von Norden, das Kloster Amorbach von Osten und das Kloster Mosbach, 825 erstmals urkundlich erwähnt, von Süden. Das Kloster Amorbach hatte die größte Bedeutung für die kirchliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung im östlichen Odenwald.
Patrozinium: St. Maria; Nebenpatrone: Simplicius, Faustinus, Beatrix.
Geschichte
Die Ursprünge des Klosters liegen im Dunkeln. Als gesichert kann laut Heinrich Wagner nicht gelten, dass es sich bei Amorbach um eine vorbonifatianische Gründung handelt, die von dem Humanisten und Abt Johannes Trithemius dem heiligen Pirmin zugeschrieben wurde. Die jüngere Forschung geht eher davon aus, dass das Kloster durch iro-schottische oder iro-fränkische Mönche gegründet worden ist. Die klösterliche Haustradition, von Ignatius Gropp von 1736, datierte die Gründung auf das Jahr 734.Haus der Bayerischen Geschichte: Klöster in Bayern: Amorbach – Geschichte Werner Eichhorn hat 1969 ein Nekrologium (von 767 bis 1838) der Abtei Amorbach in den Würzburger Diözesangeschichtsblättern 31 veröffentlicht. Das lässt darauf schließen, dass das Kloster Amorbach 767 gegründet wurde. Heinrich Wagner datierte 1992 die Abtei Amorbach auf 747 bis 800. Im Jahr 1734 feierte man acht Tage lang das tausendjährige Bestehen. Das Kloster liegt an der Kreuzung des uralten Fernverkehrsweges vom Mainknie beim heutigen Miltenberg nach Bad Wimpfen am Neckar mit der Straße, die von Worms am Rhein durch den Odenwald nach Würzburg führt. Die Aufgabe der Mönche bestand über Jahrhunderte in der Rodung und Besiedlung eines riesigen Waldgebiets, der Vertiefung des Christentums im ostfränkischen Raum und der Förderung des fränkischen Reichsgedankens. Der durch Schenkung erworbene Grundbesitz und vielfältige Rechte in zahlreichen Dörfern im altbesiedelten Bauland sicherten zunächst die wirtschaftliche Grundlage.
Noch vor dem Jahr 800 begab sich Kloster Amorbach in den unmittelbaren Schutz Karls des Großen, es wurde Königskloster. Im 9. Jahrhundert war Amorbach an der karolingische Mission in Sachsen beteiligt und drei Äbte des Klosters wurden zugleich Bischöfe: So wurden die Äbte von Amorbach und der Benediktinerabtei Neustadt am Main in das erst 804 unterworfene und gewaltsam christianisierte Sachsen als Bischöfe in Verden an der Aller entsandt (bis um 831). Spatto war Bischof in Verden (Fest: 16. Dezember) und gleichzeitig in Personalunion Benediktinerabt der Klöster Amorbach und Neustadt am Main (Abt von 810 bis 823). Etwa 882 verlieh wohl Kaiser Karl dem Kloster Amorbach zudem die Immunität. Dennoch wurde es gut einhundert Jahre später Würzburgisches Eigenkloster.
Nach 950 nahm das Amorbacher Kloster, die ihm vom Kloster Lorsch vermittelte Gorzer Reform an. Dem Würzburger Bischof gelang es im Jahr 993 durch Vorlage gefälschter Urkunden, dass König Otto III. Amorbach (zusammen mit vier weiteren Klöstern in Franken) seiner Oberhoheit unterstellte. Das Amorbacher Kloster musste umfangreichen Besitz im Bauland an die Würzburger Bischöfe abtreten, die ihre Ministerialenfamilien mit dem Klostergut belehnten. Das Kloster Amorbach gründete die ersten selbständigen Pfarreien: Buchen, Walldürn und Bödigheim.
Um das Jahr 1000 erhielt das Kloster wahrscheinlich Grundbesitz vom Kloster Lorsch. Etwa 1010 wirkte der Mönch Theoderich von Fleury in Amorbach, dessen Schrift libelli de consuetudinibus et statutis monasterii Floriacensis den bedeutenden Abt Richard (1012–1039) inspirierte seinerseits den Ordo Amerbacensis zu schaffen, den er mit nach Fulda brachte und der als Vorbild des erneuerten mönchischen Lebens galt.siehe zu diesem Richard: Richard war ab 1018 gleichzeitig Abt im Kloster Fulda. Dem Kloster Amorbach wurde die königliche Waldmark, die spätere Zent Amorbach, verliehen. Die Amorbacher Abtei stellte auch die ersten Mönche für das 1015 gegründete Benediktinerkloster auf dem Bamberger Michaelsberg.
Abt Ezzelin (1039–1091) erwarb in seiner langen Amtszeit nach 1050Vgl. die abweichenden Angaben zur Amtszeit dieses Abtes in Max Wilbergs Regententabellen unter Liste der Äbte von Amorbach- s. u., den Mudauer Odenwald (ca. 100 km2) das Waldland zwischen dem Rande des besiedelten Landes im Osten und der Itter im Westen. Veräußert musste diesen silva Otinwalt der Inhaber der Burg Lohrbach haben, dessen Rechte auf das Reich zurückgingen. Der Wald wurde später (1271) zur Zent Mudau zusammengefasst. Unter Führung des Klosters in Zusammenarbeit – oft auch in Konkurrenz – mit dem benachbarten Adel wurde durch planmäßig angelegte Rodungen das menschenleere Gebiet besiedelt (Hufensiedlungen). miniatur|hochkant|Watterbacher Tragaltar, um 1020 Im 11. Jahrhundert entstand der Watterbacher Tragaltar, eine bedeutende Goldschmiedearbeit des frühen 11. Jahrhunderts, heute im Bayerischen Nationalmuseum, ursprünglich wohl für Amorbach geschaffen. Im 11.–12. Jahrhundert wurde der Klosterbesitz durch Schenkungen und Ankäufe erweitert. Die Amorbacher Traditionsnotizen entstanden um 1100. Sie sind eine der wichtigsten Quellen zur hochmittelalterlichen Geschichte des hinteren Odenwalds und das älteste Besitzverzeichnis des Klosters Amorbach. Güter in 52 Orten der Region sind hier aufgeführt.
Bereits im frühen 12. Jahrhundert wurde eine romanische Turmfront an die karolingische Amorbacher Basilika angebaut. Ab etwa 1130 schloss sich die Abtei dann der Hirsauer Reformbewegung an. Damals war der Würzburger Hochstiftsvogt Graf Gotebold II. von Henneberg Obervogt des Klosters. Sein Sohn war höchstwahrscheinlich jener Amorbacher Abt Gotebold, der 1138 eine dem Heiligen Godehard von Hildesheim gewidmete Kirche auf dem nahen Frankenberg/Gotthardsberg durch den Würzburger Bischof weihen ließ. 1144 besuchte König Konrad III. die Abtei, deren Obervogtei er von dem verstorbenen Henneberger Graf Gotebold übernahm. Wie weiter erschlossen werden konnte, ließ der Stauferkönig auf Klosterbesitz am nahen Main zur Verkehrsbeherrschung durch Angehörige der edelfreien Herren von Weinsberg zwei Burgen errichten. Ihre Namen Frohburg (Vorgängerin der Freudenburg) und Mildenburg bringen offensichtlich die Dankbarkeit der beiden Weinsberger gegenüber König Konrad zum Ausdruck und rühmen seine Milde, die sie 1140 bei der Kapitulation der Burg Weinsberg im Zusammenhang mit der weltberühmten Weibertreu-Begebenheit erfahren hatten.Wolfgang Hartmann: Das Burgenrätsel Miltenberg - Freudenberg und die Treuen Weiber von Weinsberg. Auf Spuren der Herren von Dürn vom Kloster Amorbach zum ersten Stauferkönig, passim.
Im Jahr 1168 übertrug Kaiser Friedrich Barbarossa die Klostervogtei Rupert II. von Frohburg, der sich ab 1171 nach seinem Amtssitz in Dürn (Walldürn) nannte und zum Stammvater der Herren von Dürn wurde, die für rund ein Jahrhundert über großen Besitz im Odenwald-Tauber-Neckar-Raum verfügten.
Die Pfarrei Bödigheim wurde 1256 dem Kloster Amorbach eingegliedert. 1272 verkaufte Ulrich von Dürn die Stadt Amorbach mit der Vogtei über das Kloster an den Erzbischof Werner von Mainz. Die weltliche Hoheit ging an das Erzstift Mainz über, die kirchliche Hoheit blieb beim Bischof von Würzburg. Bischof Bertold von Würzburg verleibte die Pfarrei Hollerbach 1277 mit all ihren Einkünften dem Kloster Amorbach ein.
Der Abt von Amorbach erlaubte 1286 dem Ritter Weiprecht Rüdt von Rüdenau, auf dem Kalkfelsen über dem Dorf Bödigheim eine Burg zu errichten. Bischof Wolfram von Würzburg unterstellte 1330 die neu gegründete Pfarrei Hausen (Waldhausen) mit den beiden Filialen Oberscheringen und Einbach dem Kloster Amorbach.
Abt Friedrich Feyser ließ 1395 das Urbar der Benediktinerabtei Amorbach (Güter- und Rechtsverzeichnis) anlegen. Das Klosterurbar gibt Einblick in die Rechte des Klosters und die Lasten und Pflichten der abhängigen Bauern.
Schon seit dem späteren 12. Jahrhundert hatte in Amorbach ein allmählicher Niedergang des klösterlichen Lebens eingesetzt, sodass der Mönchskonvent im Spätmittelalter zu einem ausschließlichen Adelskloster wurde. Dem im 14. Jahrhundert fortgeschrittenen Verfall des monastischen Lebens in Amorbach begegneten die Äbte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit wirkungsvollen Reformen, ohne dass sich Amorbach deswegen einer klösterlichen Reformkongregation anschloss. So stellte Abt Dietrich II. von Kuntich (1406–1428) die Klosterzucht wieder her mit einer Rückbesinnung auf die alten Benediktinerregeln. Von da an stand das Kloster nicht mehr nur Adligen, sondern auch für „arme lute kind“ offen. Abt Heinrich II. (1428–1456), ein Neffe von Dietrich, erreichte in seiner Amtszeit die wirtschaftliche Gesundung der Abtei, womit die Konsolidierung des Klosters erreicht war.
Abt Jakob Zweifel (1517–1532) ließ während seines Abbatiates Ausbesserungen an der Kirche vornehmen. Das Kloster bezog von über 100 Orten zwischen Main und Jagst Einkünfte und war dort in 19 Dörfern Vogteiherr. Zahlreiche Pfarreien in einem weiten Umkreis unterstanden dem Kloster und waren die Grundlage seiner reichen Zehnteinkünfte.
Während des 16. Jahrhunderts erstürmte dann 1525 die Bürgerschaft im Bauernkrieg an der Seite der aufständischen Bauern unter Götz von Berlichingen die Abtei und plünderte sie.
In einem für Benediktiner ungewöhnlichen Umfang widmete sich das Kloster neben seiner Grundherrschaft auch der Seelsorge. Zeitweilig betreuten die Patres bis zu 40 Pfarreien. Pfarreien im Einflussbereich des Adels schlossen sich der Reformation an.
Abt Theobald Gramlich von Scheringen (1556–1584) sorgte auch mit militärischem Druck dafür, dass Pfarreien in seinem Einflussbereich nach dem Augsburger Religionsfrieden beim katholischen Bekenntnis und der alten Kirche blieben (Gegenreformation).
Zwischen 1618 und 1648 (Dreißigjähriger Krieg) kam es (besonders 1631 durch die Schweden) zu Durchmärschen, Einquartierungen, Plünderungen und Erpressungen. 1632 bis 1634 wurde das Kloster sogar aufgehoben. Der Besitz wurde dem Grafen Ludwig I. von Erbach übertragen.
Der von 1639 bis 1674 amtierende Abt Placidius Fleck war nach dem Westfälischen Frieden um 1650 mit der Situation konfrontiert, dass viele Dörfer ausgestorben oder dezimiert waren. Durch das Wegbrechen der wirtschaftlichen Grundlage geriet das Kloster in einen desolaten Zustand. Anno 1651 gab es nur noch 11 Mönche.
1656 kam es zu einem Vertrag zwischen den Hochstiften Würzburg und Mainz über Gebietsbereinigungen. Amorbach das bereits weltlich zum Mainzer Kurstaat gehörte, geistlich aber dem Bistum Würzburg zuzählte, kam nun auch kirchlich zum Erzbistum Mainz. Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp von Schönborn schränkte die Rechte der Klöster Bronnbach und Amorbach zu Gunsten der fürstbischöflichen Gewalt ein (Absolutismus).
Um 1660 bis 1670 wurde der zum Schlossplatz hin liegende Gebäudetrakt mit Abtswohnung, Kellerei und Gästehaus gebaut. 1674 bis 1713 amtierte erfolgreich Abt Cölestin Mann. Bei seinem Tod anno 1713 gab es wieder 41 Mönche.
miniatur|Die Benediktinerabtei Amorbach 1735 mini|Amorbach von Südosten nach Nordwesten