mini|Krankenhaus Groß-Sand Das Krankenhaus Groß-Sand war ein Krankenhaus in freigemeinnütziger Trägerschaft in Hamburg-Wilhelmsburg und ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg. Der Krankenhausbetrieb wurde 2026 eingestellt. Träger war zuletzt die katholische Pfarrei St. Maximilian Kolbe.
Geschichte Mit der Industrialisierung Hamburgs kamen viele Arbeiter auf die bis dahin ländliche Insel Wilhelmsburg. Sie wurden vor allem aus der preußischen Provinz Posen angeworben und waren vorwiegend katholisch und polnischsprachig. Eines der größten Unternehmen Wilhelmsburgs war die 1889 gegründete Wollkämmerei am Reiherstieg. Sie unterhielt ein Betriebskrankenhaus mit Geburtsklinik, das bei Luftangriffen 1944 völlig zerstört wurde.Ernst Reinstorf: Geschichte der Elbinsel Wilhelmsburg. 2003, ISBN 3-8334-0282-2, S. 331.
1948 stellte die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius ein Grundstück bereit und baute mit staatlicher Förderung ein neues 70-Betten-Krankenhaus. Es wurde das erste freigemeinnützige Krankenhaus in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Das neue Krankenhaus wurde im Januar 1950 eingeweiht. Die Pflege übernahmen Katharinenschwestern, die aus Ostpreußen geflüchtet waren.Wilhelmsburger Krankenhaus. In: Hamburger Abendblatt, 16. Januar 1950, S. 3. (Digitalisat)
Steigende Bevölkerungszahlen sowie eine sich ständig verbessernde medizinische Versorgung erforderten eine Erweiterung der Kapazitäten und so wurde die Bettenzahl im Jahr 1958 auf 159 erhöht.
Als 1993/1994 für ein „Bundesmodellprojekt für eine Geriatrie“ in Hamburg ein geeignetes Krankenhaus gesucht wurde, fiel die Wahl auf das Katholische Krankenhaus Groß-Sand. Dies war dem Einsatz von Heinz Lohmann (Unternehmer) und dem damaligen Gesundheitssenator Ortwin Runde zu verdanken. Der Neubau des Geriatriezetrums mit Verbindungsgang zum Altbau wurde 1995 eingeweiht.WIP Inselwelt v. 18. Juni 2019: „25 Jahre Geriatriezentrumn Wilhelmsburg“Für den Neubau musste einem alteingesessenen kleinen Schmiedebetrieb der Mietvertrag gekündigt werden. Nach dem erfolgreichen Gerichtsurteil gegen Handwerker, wurden die Glocken der St.Bonifatius-Kirche geläutet.
Seit 2017 wird das Zentrum für Notfall- und Akutmedizin in Kooperation mit dem Marienkrankenhaus in Hohenfelde betrieben. 2020 wurde die bis dahin an das Krankenhaus angeschlossene Krankenpflegeschule Groß-Sand geschlossen. Die praktischen Ausbildungsplätze im Krankenhaus blieben dabei erhalten, der Theorieteil wird an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Hamburg (SGKH) in Hammerbrook unterrichtet.Neuer Ausbildungspartner, Mitteilung des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand, 17. Juni 2020.
Bis 2022 war die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Träger des Krankenhauses. Mit der Zusammenlegung der katholischen Gemeinden südlich der Elbe (St. Bonifatius, St. Maria und St. Joseph in Harburg, sowie Heilig Kreuz in Neugraben) zu einer neuen Pfarrei St. Maximilian KolbeMatthias Schatz: Pfarreigründung im Pastoralen Raum Hamburg-Süd, Erzbistum Hamburg ohne Datum. (Abgerufen im Juli 2022) ging auch die Trägerschaft auf die neue Pfarrgemeinde über.
Im Mai 2025 wurde die Schließung des Krankenhauses bis 2026 aufgrund von Unwirtschaftlichkeit beschlossen. Das Gelände soll an die Stadt Hamburg verkauft werden, die hier ein verkleinertes medizinisches Versorgungsangebot für den Stadtteil entwickeln will. Der Krankenhausbetrieb wurde zum 30. Juni 2026 eingestellt.NDR: Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg wird endgültig geschlossen, Tagesschau, 30. Juni 2026. (Abgerufen am 2. Juli 2026)
Fachgebiete Das Krankenhaus Groß-Sand war mit 209 stationären und 20 tagesklinischen Betten im Hamburger Krankenhausplan aufgenommen. Es leistete die medizinische Grund- und Regelversorgung für mehrere Fachgebiete und bot 20 tagesklinische Behandlungsplätze und eine Intensivstation. Im Jahr 2010 wurden 5866 Patienten stationär und 11928 Patienten ambulant behandelt.
Das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand verfügte über acht Fachabteilungen: Klinik für Innere Medizin (Gastroenterologie, Kardiologie, Neurologie, Stoffwechsel) Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax, Unfall- und Gefäßchirurgie Klinik für Orthopädie Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Zentrum für Geriatrie Zentrum für Neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation Zentrum für Notfall- und Akutmedizin Außerdem standen im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand verschiedene ambulante Angebote, eine Tagesklinik, therapeutische Teams und eine Radiologie zur Verfügung.
Literatur
Weblinks
Website Krankenhaus Groß-Sand Strukturierter Qualitätsbericht 2010 (PDF; 762 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Krankenhaus in Hamburg Kategorie:Hamburg-Wilhelmsburg Kategorie:Unternehmensgründung 1948