mini|Buchcover von Walter Trier (1929), Beispielabbildung mini|Einfarbiger Pappeinband, 1931 mini|hochkant|„Erstens: Emil persönlich“ mini|Gustav, Emil und „die Detektive“ mini|Skulptur in Marburg
Emil und die Detektive (Untertitel Ein Roman für Kinder) ist ein Kinderbuch von Erich Kästner (Text) und Walter Trier (Illustrationen). Das Buch erschien im Herbst 1929 und wurde ein großer Erfolg, der bis heute anhält. Es wurde ab 1931 mehrmals verfilmt, zuletzt 2026.
Inhalt Der zwölfjährige Emil Tischbein reist aus der heimatlichen Kleinstadt Neustadt erstmals nach Berlin, um Verwandte zu besuchen. Seine Mutter hat ihm 140 Mark zur finanziellen Unterstützung seiner Großmutter mitgegeben. Dieses Geld wird ihm im Eisenbahnabteil von einem Mitreisenden, der sich Grundeis nennt, gestohlen. Da Emil selbst daheim etwas ausgefressen hat, wagt er nicht, sich an die Polizei zu wenden, und verfolgt den Dieb vom Bahnhof Zoo an auf eigene Faust.
mini|„Siebentens: Der Junge mit der Hupe“Emil und die Detektive. 3. Auflage. Atrium, Zürich 2018, S. 24. (Walter Trier, 1929)
Er wird von dem gleichaltrigen Berliner Jungen Gustav mit der Hupe angesprochen: „Du bist wohl nicht aus Wilmersdorf?“ Gustav trommelt einige Freunde zusammen, die eine Kriegskasse anlegen und einen Nachrichtendienst organisieren. Als Erkennungszeichen wählen sie „Parole Emil!“. Die Kinderdetektive beschatten den Dieb quer durch Berlin und sammeln Indizien. Dabei kommt es zum Streit, weil manche Jungen die ihnen übertragene Aufgabe nicht erfüllen wollen. Da Emil per Boten seine Verwandten informiert, gesellt sich auch seine Cousine Pony Hütchen zu den Detektiven.
Als der durch die Verfolgung nervös gemachte Dieb die gestohlenen Geldscheine in einer Bankfiliale umtauschen will, wird er von den Detektiven und einer großen Menge Kinder gestellt und der Polizei übergeben. Bei der Untersuchung kommen zunächst die falschen Namen des Diebes auf den Tisch (Grundeis – Müller – Kießling). Dann werden die bei ihm gefundenen Geldscheine dadurch identifiziert, dass sie feine Löcher aufweisen, weil Emil das Geld in seiner Jackentasche mit einer Nadel festgesteckt hatte. Weitere Ermittlungen ergeben, dass Grundeis ein gesuchter Bankräuber ist. Emil bekommt tausend Mark als Belohnung.
mini|„Zehntens: Die Setzerei der großen Zeitung“Emil und die Detektive. 3. Auflage. Atrium, Zürich 2018, S. 27. (Walter Trier, 1929)
Stellung in der Literaturgeschichte In dem Buch werden Humor, Abenteuer und Milieuschilderung von Kästner bunt gemischt. Der neuartige Ton der Geschichte regte die Kinderliteratur an. Zuvor waren Bücher für Kinder fast durchgehend märchenhaft oder moralisierend oder beides zugleich. Emil und die Detektive gilt in der Literaturgeschichte sogar als das erste moderne Kinderbuch, da erstmals in einem erfolgreichen Kinderbuch Kindern Subjektstatus zuerkannt wurde. Neu war auch, dass hier die soziale Wirklichkeit in einem Kinderbuch dargestellt wird, dass der Roman in einer realistisch beschriebenen Großstadt spielt und dass er in einer kindgerechten Sprache geschrieben ist, mit vielen umgangssprachlichen Wendungen in den Dialogen (und nicht in einer erzieherischen Hochsprache).Stefan Neuhaus: Märchen. 2. Auflage 2017. A. Franke Verlag, Tübingen 2005, S. 305.
Roman-Prolog
Im Prolog gehe es um das „spannungsreiche Spiel mit Fiktionalität und Realität“, schreibt Stefan Neuhaus. Das Kinderbuch werde „von Anfang an doppelt codiert, einerseits als authentisch und realitätsbezogen, andererseits als metafiktional und über seine eigene Schreibweise reflektierend.“ Er sei ein „metafiktionaler Kommentar im Modus der Komik mit Elementen des Witzes, etwa wenn sich der ratlose Erzähler überraschend auf den Boden legt und ihn, ebenso überraschend und als Pointe des einleitenden Texts, der Blick auf die Tischbeine an Emil erinnert.“Neuhaus, Stefan. 2023. Kästner-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. J.B. Metzler. S. 169ff „Kästners Prolog ermutigt die jungen Leser zur kreativen Arbeit“, meint Hartmut Vollmer.Vollmer, Hartmut. 2009. Das ‚Geheimnis‘, eine fesselnde Geschichte für Kinder zu schreiben und die didaktische Bedeutung des erzählten Lebens. Der Romanprolog von Erich Kästners Emil und die Detektive. 42(3), 171–79.
Entstehungsgeschichte Erich Kästner erzählte später, dass er von Edith Jacobsohn, Verlegerin der Weltbühne, angeregt wurde, für ihren Kinderbuchverlag Williams & Co. ein Buch zu schreiben. Diese Darstellung Kästners hält Sven Hanuschek für eine unglaubwürdige Anekdote, wie jener sie gelegentlich in Umlauf brachte. Denn Erich Kästner hatte schon für die Kinderseite „Beyers ‚Für alle‘“ geschrieben und an einem Weihnachtsstück für Kinder gearbeitet, das er nicht vollendet hatte: Klaus im Schrank oder Das verkehrte Weihnachtsfest. Er hatte zwar zu diesem Zeitpunkt Gedichte veröffentlicht (Herz auf Taille, 1928) und als Redakteur bei Tageszeitungen gearbeitet sowie zahllose Kritiken und Feuilletons verfasst. Jedoch kamen dort auffällig oft Kinder vor.Sven Hanuschek: Erich Kästner. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018, S. 48.
Innerhalb weniger Wochen entstand die Geschichte von Emil, dem Jungen, der erfolgreich einen gemeinen Dieb und Betrüger durch Berlin verfolgt, der als „Der Herr im steifen Hut“ in die Geschichte eingeführt wird.Erich Kästner: Emil und die Detektive. Atrium Verlag, Zürich 2018, S. 21. Kästner, der selbst mit erstem Vornamen Emil hieß, ließ sich bei den Figuren Emils und seiner Mutter von seiner Biographie inspirieren und taucht auch selbst in der Handlung auf – in seinem realen Beruf als Zeitungsjournalist. In der Geschichte griff Kästner auf ein Erlebnis aus seiner Kindheit in Dresden zurück: Dort verfolgte und stellte er eine Betrügerin, die seine Mutter, eine Friseurin, geschädigt hatte. Bei einem Bankeinbruch, der in dem Buch erwähnt wird, könnte er an den Diskonto-Einbruch der Brüder Sass gedacht haben. Im Nachnamen „Tischbein“ des Helden erkennt Stefan Neuhaus einen interkontextuellen Verweis auf die Erzählung von Pinocchio (1883), in der es zu Beginn heißt: „Ich will ein Tischbein daraus machen.“ Kästner deute hier schon an, dass er „mit Fiktion und Wirklichkeit“ spielt.Stefan Neuhaus: Märchen. 2. Auflage 2017. A. Franke Verlag, Tübingen 2005, S. 306.
Rezeption
Von 1933 bis 1945 Emil und die Detektive wurde als einziges Werk Kästners 1933 zunächst nicht indiziertVergleiche die erstmals am 16. Mai 1933 veröffentlichte so genannte „Schwarzen Liste“ mit 131 Autoren im Börsenblatt Nr. 112 vom 16. Mai 1915, S. 356 (SLUB Digitalisat).Dienstblatt III des Magistrats von Berlin, Nr. 176 (Neuordnung der Stadt-, Volks- und sonstigen städtischen Büchereien), darin: Schwarze Liste, unter K: „Kaestner, Erich: alles außer: Emil“. oder bei der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland verbrannt. Erich Kästner war als einziger der verfemten Schriftsteller bei der Verbrennung seiner eigenen Werke persönlich anwesend. Er wurde erkannt, aber ansonsten nicht behelligt. 1936 wurde allerdings auch Emil und die Detektive von den Nationalsozialisten verboten. Am 17. Februar 1936 beschlagnahmte die Gestapo im Verlag Williams & Co. die letzten zwei Bände von Emil und die Detektive.F. J. Görtz, H. Sarkowicz: Erich Kästner. Eine Biographie. Piper Verlag, München 1998, S. 201.
Fortsetzung Kästners Fortsetzung Emil und die drei Zwillinge erschien 1935 nur im Ausland; bis Jahresende wurden über 7000 Bücher verkauft.Görtz, Franz Josef und Hans Sarkowicz: Erich Kästner. Eine Biographie. Unter Mitarbeit von Anja Johann. München, Zürich 1998, S. 200 Die Geschichte spielt überwiegend an der Ostsee, etwa zwei Jahre nach den Abenteuern aus dem ersten Buch.Erich Kästner: Emil und die drei Zwillinge. Atrium Verlag, Basel/Wien/Mährisch-Ostrau 1935. Der Erzähler, Emil und seine Freunde schauen darin den Film Emil und die Detektive. Selbstreflexivität war damals für Kinderbücher etwas Neues.Sven Hanuschek: Erich Kästner. 4. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018, S. 75. Kästner hoffte vergeblich, dass das zweite Buch auch in Deutschland verkauft werden könne, weil Emil und die Detektive sein einziges von den Nazis ausdrücklich nicht verbotenes Buch war.
Verfilmung 1931: Emil und die Detektive, Deutschland, Regie: Gerhard Lamprecht 1935: Emil and the Detectives, Großbritannien, Regie: Milton Rosmer 1950: Toscanito y los detectives, Argentinien, Regie: Antonio Momplet 1954: Emil und die Detektive, Deutschland, Regie: Robert Adolf Stemmle 1956: Emil to tantei tachi, Japan, Regie: Mitsuo Wakasugi 1958: Pega Ladrão, Brasilien, Regie: Alberto Pieralisi 1964: Emil und die Detektive, USA, Regie: Peter Tewksbury 2001: Emil und die Detektive, Deutschland, Regie: Franziska Buch 2026: Emil und die Detektive, Deutschland, Regie: David Dietl
Hörspiele (Auswahl) 1946: Emil und die Detektive. Produktion: Redaktion Schulfunk des Hessischen Rundfunks. Sprecher: Maria Carstens, Joost Jürgen Siedhoff, Kurt Bucheler, Hannelore Hinkel, Heinz Stöwer, Gerd Martienzen, Willi Schneider, P. Jakobi, Peter Schmitz, Kurt Daumisch, Hans Otto Hilke und Paul Schuch 1946: Emil und die Detektive. Produktion: Radio Bremen. Hörspielbearbeitung: Heinz Schröter. Technische Realisierung: Stemmer. Regie: Hans Krüger 1946: Emil und die Detektive. Produktion: Südwestfunk. Regie: Fiebig. Sprecher: Horst Uhse (Emil), Peter Fitz (Gustav), Renée Lange (Professor), Klaus Kloska (Dienstag), Bobby Horn (Traugott), Anette Roland (Frau Tischbein), Ursula Zache (Frau Wirth / Frau Jacob), Ernst Sladeck (Grundeis), Arno Ebert (Vorsteher / Herr in der Straßenbahn), Ludwig Baschang (Kassierer / Schaffner), Karl Kempf (Wachtmeister) und Hans Goguel (Sprecher) 1952: Emil und die Detektive. Produktion: Südwestfunk. Hörspielbearbeitung: James Krüss. Technische Realisierung: Friedrich Wilhelm Schulz und Marlis Kranz. Regie: Gerd Beermann. Sprecher: Käthe Lindenberg, Rainer Hess, Olga von Togny, Wolfgang Golisch, Karl Georg Saebisch, Hanns Bernhardt, Bock, Stephanie Wiesand, Hans Timerding, Margot Müller, Taunert, Gudrun Gewecke, Klaus Friedrich, Doremarie Fritschler, Ernst Sladeck, Freddy Klaus, Erik Bader, Hans A. Hartmann, Tim Elstner, Erich Elstner, Erwin Klietsch, Hans Günther, Friedrich von Bülow, Helene Heift, Paul Dättel, Else Brückner und Herbert Mensching 1958: Emil und die Detektive. Produktion: Rundfunk der DDR. Hörspielbearbeitung: Helfried Schöbel. Dramaturgie: Renate Achterberg. Technische Realisierung: Martin Wassner und Frank Berlin. Regieassistenz: Maritta Hübner. Regie: Gerhard Jäckel. Sprecher: Herwart Grosse (Mann im steifen Hut) 1962: Emil und die Detektive. Vertrieb: Polydor (Erstveröffentlichung). Produktion, Hörspielbearbeitung und Regie: Gertrud Loos. Sprecher: Heinz Reincke (Erzähler), Charlotte Schellenberg (Frau Tischbein), Erna Nitter (Großmutter), Helmut Peine (Grundeis), Manfred Steffen (Kassierer), Friedrich Schütter (Wachtmeister), Klaus von Twadowski (Emil), Charlotte Binder (Pony Hütchen), Michael Wuschik (Gustav), Frank von dem Bottlemberg (Professor), Thomas Braun (Dienstag), Bernd Klopsch (Krummbiegel) und Andreas Mattishent (Mittenzwei) 1990: Emil und die Detektive. Produktion: Rundfunk der DDR 1989. Hörspielbearbeitung: Scarlett Kleint und Alfred Roesler. Komposition: Michael Schneider. Dramaturgie: Maraike Wittbrodt. Technische Realisierung: Ingeborg Kiepert. Regie: Norbert Speer. Sprecher: Peter Reusse (Erzähler), Ilja Schierbaum (Emil), Ingo Dittberner (Gustav), Dietrich Körner (Grundeis), Sebastian Oberschmidt, Maria Aulibauer, Timo Tolkmitt, Michael Schmiegel, Katharina Liepach, Gisa Stoll und Armin Mühlstädt
Des Weiteren wurde 1989 von Karussell eine Hörspielfassung des Filmes von 1954 auf den Markt gebracht. Die hinzugefügten Erzähltexte sprach Dietmar Mues, Georg Haentzschel komponierte die Musik und Gerd Henjes war für die Hörspielbearbeitung zuständig.
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