Sanitz ist eine amtsfreie Gemeinde im Nordosten des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie bildet für ihre Umgebung ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 – Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, Stand 22. Februar 2024.
Geografie Geografische Lage Sanitz liegt 17 km östlich von Rostock.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Gemeinde Sanitz, § 1
Geschichte Sanitz Sanitz wurde als „Zaniz“ (= „Hasenort“, slawisch) im Jahr 1256 erstmals als Kirchdorf urkundlich erwähnt (als Nachweis der Zuweisung der Dorfkirche Dänschenburg als Sanitzer Tochterkirche).Eine erste urkundliche Erwähnung rührt aus dem Jahre 1248 als ein gewisser Bruder Henrykus de Seynitz (gemeint ist Heinrich aus Sanitz) als Zeuge in einer Urkunde des Fürsten Heinrich Borwin von Rostock namentlich erwähnt wird. Eine erste urkundliche Erwähnung fand die Kirche Sanitz im Zusammenhang mit einem Vertrag vom 2. Juni 1291, in dem Heinrich von Werle dem Bischof von Schwerin gegenüber seinem Mündel Nikolaus von Rostock das Patronatsrecht sicherte, das seitdem vom Landesherrn gehalten wurde. Als Vasallen waren im 14. Jahrhundert verschiedene Familien verzeichnet, so der Rostocker Bernhard Kopmann, Ritter Siegfried von Plön, Reimar von Wedel, der Rostocker Ratsherr Dietrich Horn, sein Sohn, der Bürgermeister Dippold Horn. Im Zuge der Christianisierung Mitte des 11. Jahrhunderts gelangte das Dorf in den Besitz des Klosters Doberan, zu dem es bis zur Reformation gehörte. Nach der Säkularisation wurde es 1552 als herzogliche Domäne dem Amt Ribnitz unterstellt und in den folgenden Jahrhunderten an verschiedene Familien verpachtet. Das Pfarrhaus – ein sanierter Fachwerkbau – stammt von 1780, die alte Schmiede wurde 1798 als alte Erbschmiede erwähnt. 1879 wurde das Dorf dem Amt Toitenwinkel unterstellt.1895 wurde Sanitz Eisenbahnknotenpunkt der Friedrich Franz Eisenbahn, die vom Rostocker Lloyd-Bahnhof über Sanitz nach Triebsees in Vorpommern und eine weitere Linie nach Tessin führte. Mit der verkehrstechnische Erschließung begann ab 1900 der wirtschaftliche Aufschwung des Ortes.
Von 1952 bis 1994 gehörte Sanitz zum Kreis Rostock-Land (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Gemeinde in den Landkreis Bad Doberan eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt Sanitz im Landkreis Rostock und ist eine amtsfreie Gemeinde, bestehend aus den Orten Groß Freienholz, Groß Lüsewitz, Gubkow, Hohen Gubkow, Horst, Klein Freienholz, Klein Wehnendorf, Neu Kokendorf, Neu Wendorf, Niekrenz, Oberhof, Reppelin, Sanitz, Teutendorf, Vietow, Wendfeld und Wendorf.
Herausragende Persönlichkeiten sind der in Teutendorf geborene Komponist Friedrich von Flotow und der Arzt, Ingenieur und Maschinenbau-Unternehmer Dr. Ernst Alban, der Anfang des 17. Jahrhunderts auf Gut Klein Wehnendorf die erste Mecklenburgische Maschinenbauanstalt eröffnete.
Ortsteile Groß Freienholz, war vormals mit einem staatlichen Forsthof, 22 ha groß, ausgestattet, deren Leitung ein Oberförster als Nutznießer innehatte. Hinzu kam auf dem Gemeindegebiet ein privater landwirtschaftlicher Betrieb mit 36 ha.
Groß Lüsewitz, war früher ein Gutsdorf,Historische Fotokarte, Hrsg. Kulturhistorischer Verein Groß Lüsewitz e. V. Sanitz, Stand 2023. bis in das 15. Jahrhundert in den Händen der alten Familie von Tulendorf. Über einen Vergleich nach 1513 u. a. mit Christina von Tulendorf gelangt der Ort an den Rat Dietrich von Bevernest. 1674 erwirbt es der Hauptmann Hans Rudolph von Grabow, es folgt der Landrat Bogislaw Ernst von Petersdorff, 1732 in Rechtsnachfolge ein Oberst und späteren Generalmajor von Zülow. Damals gehören Klein Lüsewitz und Groß Lüsewitz einem Gutsherrn.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, I. Band, Bärensprung Hofbuchdruckerei, Schwerin 1896, S. 307. Online Bis 1809 gehört ein Teil des Besitzes der briefadeligen Familie von BoeckmannGothaisches Genealogische Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1922, Sechzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 76. Online Internet Archive und es folgt die Familie Biermann,Gutshaus (Herrenhaus, Schloss) Groß Lüsewitz, Hrsg. Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, QM3 UG Rostock, Stand 2023. die 1889 den Homagial-Eid auf den Landesherrn ablegen.Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin, Amtliche Beilage, № 24, Jahrgang 1989, Ausgegeben Schwerin, Freitag, den 14. Junius 1889, S. 110. Online Ende 19. Jahrhundert wird auf dem Gut ein neues Schloss Groß Lüsewitz errichtet. Die letzten Eigentümer, Gutsgröße 943 ha, vor der Bodenreform 1945 stellt die Familie Thyssen, hier Nachfahren des Joseph Thyssen, den Sohn Hans Thyssen (1890–1943), respektive dem Enkel Hans Eberhard Thyssen (1919–2019). Heute steht das Ensemble unter Denkmalschutz.125 Jahre Schloss Groß Lüsewitz 10.09.2023; Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte, Sonntag, 8.9.2024., Hrsg. Deutsche Stiftung Denkmalschutz Bonn. Stand 2023.
Gubkow: Dorf mit vormaligem Lehngut, 953 ha, sowie Nebengut in Neu Kokendorf, gehörte in den 1920er Jahren der Mecklenburgischen Landgesellschaft GmbH mit Sitz in Schwerin.
Hohen-Gubkow: wird in alten Schriften als Ort mit einem Lehngut und einem dazugehörigen Torfmoor geführt, in bürgerlichen Besitz.Meklenburgische Vaterlandskunde 1857. Specielle Ortskunde beider Großherzogthümer Meklenburg, nebst Ortsregister und drei Städteplänen. Erster Theil, Hrsg. W. Raabe, (Zweite Ausgabe von Gustav Hempel`s Geographisch-statistisch-historisches Handbuch, Hinstorff, Wismar und Ludwigslust August 1856, S. 786 f. Online)
Horst: War 1804 eingepfarrt in Sanitz.Grosherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1804, Bärensprung, Schwerin 1804, S. 170. Online 1924 gehörte ein kleines Gut in Horst dem Landwirt Friedrich Fischer.Nachtrag, in: Adolf Freiherr Maltzahn: Handbuch des Grundbesitzes im Deutsche Reiche. Vollständiges Adressbuch: Mecklenburg. Schwerin. Strelitz. Oldenburgischer Landesteil Lübeck, Hansestädte, 4. Auflage, Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1924, Nachtrag, S. 8. Online 1988 fanden Untersuchungen im Horster Torfmoor statt.Archiv der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 2002, Hrsg. Universität Rostock, Logos-Verlag Berlin, Rostock 2002, S. 68 ff. und
mini|Grundmauer eines abgerissenen Gebäudes, Ecke L191/Niekrenzer Dorfstraße (Behrendhof)Wehnendorf: "1509 erteilten die Herzöge Heinrich und Albert von Mecklenburg dem Lorenz Preen zu Bandelstorf die Erlaubnis, seine Ehefrau Jutta mit den Dörfern Wehnendorf, Vietow, Niekrenz und dem halben Teil zu Gresenhorst zu bezüchtigen".Sanitzer Geschichte 1248 - 1998, Karl-Heinz Steinbruch, Schwerin, S. 27, Herausgeber Gemeinde Sanitz 1998MLHA, Gutsurkunde, Wehnendorf Nr. 1, 1509 März 13. Gutsbesitzer waren u. a. die Familien Otto von Preen (ab 1621), du Puits (ab 1695), von Hammerstein (ab 1798), von Qualen (ab 1800), von Lowtzow (ab 1801), Schütz (ab 1804) und Stever (1814–1936/38) (siehe u. a. auch bei Niekrenz und Vietow). Letztmalig wurde Wehnendorf 1958 in den Ortsverzeichnissen genannt. Das letzte Gebäude, heute Behrendhof, gehört mit der Hausnummer 1 an der Niekrenzer Dorfstraße (gem. Google Maps und als Behrendhof als Straße ausgeschildert) zu Niekrenz. Die anderen Gebäude nahe der Straße L191 wurden abgerissen.
Klein Wehnendorf: "1804 kaufte Johan Christian Janentzky aus Rostock eine Fläche des Guts Wenendorf für 9.000 Taler. Dieser errichtete auf seiner gekauften Fläche ein neues Gut, das den Namen Klein Wehnendorf erhielt und ab 1805 im Staatskalender neben dem bisherigen Gut Wehnendorf geführt wurde."Sanitzer Geschichte 1248 - 1998, Karl-Heinz Steinbruch, Schwerin, S. 30, Herausgeber Gemeinde Sanitz 1998
Neu Wendorf wurde offiziell (vorher Wendorf) seit 1810 so benannt. Das Gutshaus Neu Wendorf wurde 1805 gebaut.
Niekrenz:
mini|Gutsgebäude Niekrenz nach der Restaurierung Der Ortsname wird von KühnelKühnel Paul, Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. In Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 46. Schwerin 1881 auf das verneinte altslawische kur- (= Gesang) zurückgeführt und demzufolge als "Ort des Nekureta", also "Ort des Nichtsängers", übersetzt.
Bis zum 1. Januar 1339 gehörte mindestens die Hälfte des Ortes Heinrich und Dietrich Michelstorf. Diese verkauften diese Hälfte an die Witwe und die Söhne von Gottschalk Preen.MUB Nr. 5927
Nach längeren Streitigkeiten, Urkundenfälschungen, einem vermutlichen Totschlag und Streitigkeiten zwischen den v. Moltke und Jakob v. Lewezow werden 1703 letztmalig mehrere Grundherren in LHA, Lehnakten I Niekrenz aufgeführt. Danach wurde nur noch Oberst de Puits als Besitzer von Hof und Dorf Niekrenz genannt.Beichtkinderverzeichnis 1704 und 1751LHA, Direktorialvermessungskarte Wehnendorf
1798 verkaufte der de Puits an den Justizrat Hans Detloff v. Hammerstein, der es ein Jahr später an Heinrich Carl v. Lowtzow auf Thelkow verkaufte.
1813 ersteigerte der Rostocker Theodor Stever Niekrenz. mini|Ehemaliger Pferdestall Gut Niekrenz Am 29. Juli 1842 brach auf dem Hof Niekrenz ein Feuer aus, dem zahlreich Gebäude zum Opfer fielen. „Der Brand des Regierungsgebäudes in Schwerin am 1. Dezember 1865 sorgte für eine dritte Überlieferungslücke zur Geschichte von Niekrenz, denn die Lehnakten zu diesem Gut wurden durch das Feuer vernichtet und konnten nur teilweise durch die Akten der Gutsarchivs rekonstruiert werden.“Karl-Heinz Steinbruch, Schwerin, S. 61, Sanitzer Geschichte Teil 2, von Groß Lüsewitz bis Vietow, Herausgeber Gemeinde Sanitz 1998
1933 war Niekrenz völlig überschuldet und in einem Umschuldungsverfahren wurden größere Flächen für Siedlungszwecke herausgelöst. Die Mecklenburgische Landesgesellschaft gab diese 177 Hektar Flächen an insgesamt 24 Häuser und Büdner in Gubkow, Lieblingshof und Sanitz weiterLHA, Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Abteilung Siedlungsamt - Spezialakten - Nr. 1831 und 1832. Das Restgut hatte noch eine Größe von 418 Hektar (in etwa die Bewirtschaftungsfläche des heutigen landwirtschaftlichen Betriebes, wobei ein Teil der Flächen gepachtet sind) im Besitz von Friedrich Franz Stever.
1945 wurde diese Fläche während der Bodenreform enteignet. Nach der Wiedervereinigung erhielten, mit Ausnahme der Stevers, die ursprünglichen Eigentümer ihre Grundstücke zurück übertragen.
Oberhof: hier gab es einen großen landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Thormann, mit 93 ha. Des Weiteren bestanden mindestens drei Büdnereien, die in den 1930er Jahren Landflächen zum Bau der Eisenbahnstrecke von Sanitz nach Tessin abgeben mussten, ebenso galt dies für Teile des Gemeindelandes.Amtliche Beilage zum Regierungsblatt Mecklenburg-Schwerin, Nr. 13, Schwerin, den 23. März 1932, S. 126. Online