Kleinregionen (KR) sind bzw. waren freiwillige Kooperationen von Gemeinden im Bundesland Steiermark in den Bereichen Daseinsvorsorge, Bürgerservice und kommunaler und regionaler Raumentwicklung. Es wurden 88 Kleinregionen gegründet, von denen aber 2014 nur 36 als tatsächlich eingerichtet (konstituiert) geschildert wurden. Raumplanung Steiermark, abgerufen am 29. November 2014.

Insgesamt gab es Bestrebungen, über 100 Kleinregionen zu gründen (s. #Liste der Kleinregionen in der Steiermark). Die Erfahrungen mit den Kleinregionen flossen in die Steiermärkische Gemeindestrukturreform ein. Diese bewirkte, dass mit Wirkung ab 1. Jänner 2015 viele Teilnehmergemeinden der früheren Kleinregionen zu größeren Gemeinden vereinigt wurden. Obwohl sich viele Gemeinden zu Kleinregionen zusammengeschlossen hatten, waren die erwünschten Effekte dieser Maßnahme weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. zur Regierungsvorlage des Steiermärkischen Gemeindestrukturreformgesetzes, S. 9.

Grundlagen, Aufgaben und Ziele der Kleinregionen Schon in den frühen 1970er Jahren wurde von der Steirischen Volkspartei ein Reformmodell der Strukturen der Regionalpolitik entwickelt (Modell Steiermark). Dieses wurde im Frühjahr 2007 als Modell:Zukunft:Steiermark wieder aufgegriffen („Schützenhofer-Modell“, nach dem LH-Stv. und Parteiobmann Hermann Schützenhöfer)., stvp.at - Steirische Volkspartei, Themen., stvp.at – Steirische Volkspartei, Archiv. Es wurde dann im Konzept Regionext von der Steiermärkischen Landesregierung festgelegt. Raumplanung Steiermark.

Gesetzliche Grundlage von Kleinregionen ist die Steiermärkische Gemeindeordnung 1967 StF: LGBl. 115/1967, V. Abschnitt, Verwaltungsgemeinschaften, öffentlich-rechtliche Vereinbarungen, Gemeindeverbände und Kleinregionen. (GemO), in der Fassung der Novelle 2008 und der Änderung 2014, mit der Vereinfachungen und Anpassungen an die Gemeindestrukturreform erfolgten.Antrag im Landtag, .

Eine Kleinregion muss seit 2015 mindestens aus zwei Gemeinden bestehen, die bisher genehmigten Kleinregionen bleiben bestehen, solange diese Bedingung erfüllt ist (§ 106c GemO). Bis Ende 2014 war Bedingung für die Konstitution einer Kleinregion eine Mindestzahl von vier teilnehmenden Gemeinden oder eine Gesamtzahl der Wohnbevölkerung von mindestens 3000 Personen (§ 38a Absatz 1 GemO). Entstanden sind einige der Regionen aus Kleinregionen im Sinne der Lokalen Agenda 21, dem UNO-Nachhaltigkeitprogramm, ab 1992,, landentwicklung.steiermark.at oder EU-Strukturförderungsmaßnahmen nach dem EU-Beitritt Österreichs 1995.

Die erste Kleinregion im Sinne der Gemeindeordnung wurde April 2009 mit der Kleinregion Straden in der Südoststeiermark gebildet.Erste Kleinregion des Landes, kleinezeitung.at, 25. April 2009.Straden erste Kleinregion, Roman Schmidt, woche.at, 29. April 2009; vulkanland.at (PDF; 172 kB).

Kleinregionen stellen eine Form des Gemeindeverbands dar (§ 38a Abs. 3 GemO). Organe sind die Kleinregionsversammlung, die aus allen Gemeinderatsmitgliedern der beteiligten Gemeinden besteht, der Kleinregionsvorstand, bestehend aus allen Bürgermeistern, und dem Verbandsobmann, der unter diesen gewählt wird (§ 38a Abs. 4 ff GemO). Raumplanung Steiermark.

Die Finanzierung der Kleinregionen erfolgt über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie aus Mitteln des Landes Steiermark, Abt. A16 Landes und Gemeindeentwicklung.Ewald Verhounig, Robert Steinegger, Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung: Regionalpolitische Player im Murtal. Mai 2011, 5.3 Kleinregionen, S. 10 ff , portal.wko.at.

Innerhalb der Verbände sollen Kleinregionale Entwicklungskonzepte (KEK) erstellt werden, die die Basis der Gemeindekooperationen und kleinregionalen Entwicklungsplanung bilden. Inhalte dieser KEK sind:Handbuch Gemeindestrukturreform. (Download unter Handbuch Gemeindestrukturreform, gemeindestrukturreform.steiermark.at). eine Bestandsanalyse (Beschreibung der strukturellen Ausgangssituation der Kleinregion, Kooperationsprofil, Infrastrukturprofil, Finanzanalyse, Überblick über bereits bestehende Gemeindekooperationen) eine Stärken/Schwächen-Chancen/Risiken (SWOT-)Analyse die Festlegung einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung und von Zielsetzungen die Festlegung gemeinsamer kommunaler Aufgaben Das erste Entwicklungskonzept erstellte die Kleinregion Reitingblick in der Obersteimark im Juni 2011. Raumplanung Steiermark | News.

Ergebnisse, Erfahrungen und Auswirkungen der Einführung von Kleinregionen Vorteil der Kleinregionen war, dass sie den Gemeinden (neben der ohnedies bestehenden Möglichkeit der Gründen von Gesellschaften, z. B. GmbH, oder von Vereinen nach den einschlägigen Rechtsvorschriften) eine zusätzliche Möglichkeit zur Zusammenarbeit boten. Diese Möglichkeiten wurden aber nicht im erwarteten Umfang genützt – als Nachteil der Kleinregionen erwies sich nämlich, dass die daran teilnehmenden Gemeinden nach wie vor selbstständig blieben, so dass bei allen Änderungen nach wie vor die Gemeinderäte aller beteiligten Gemeinden zu befassen waren und deren Interessen Einfluss auf die geplanten Vorhaben nahmen bzw. diese verhindern konnten. Es wurde im Landtag beispielsweise berichtet, dass es auch nach einem zehnjährigen Versuch nicht gelungen war, ein Projekt auf die Füße zu stellen, weil es immer wieder einen anderen Bürgermeister, Amtsleiter usw. gegeben habe. Diese Situation wurde mit den Worten „… in Wirklichkeit führt das zu kleinen Erfolgen bis zu keinen Erfolgen.“ umschrieben.Landtagsabgeordneter Peter Tschernko im der 39. Sitzung des Landtages Steiermark, XVI. Gesetzgebungsperiode, 17. Dezember 2014, S. 7020.

Die Kleinregionen und die Erfahrungen, die damit gemacht wurden, bildeten eine wichtige Basis für die Gemeindezusammenlegungen im Rahmen der Gemeindestrukturreform der Steiermark 2010–2015.Kriterien, Land Steiermark, „Gemeindestrukturreform“ (gemeindestrukturreform.steiermark.at).

In der Kleinregion Reitingblick fand per 1. Jänner 2013 auch die erste Gemeindefusion auf Basis des Regionext-Programms statt (Hafning und Gai mit Trofaiach).

In den Erläuterungen zur Regierungsvorlage zum Steiermärkischen Gemeindestrukturreformgesetz, die von der Steiermärkischen Landesregierung ausgearbeitet wurden, waren die Erfahrungen mit den Kleinregionen folgendermaßen zusammengefasst. Diese Erläuterungen gehörten zu den Unterlagen, welche Grundlage des Beschlusses über die Gemeindestrukturreform im Steiermärkischen Landtag waren:

In einer Stellungnahme im Verfahren vor dem Verfassungsgerichtshof gegen Gemeindezusammenlegungen im Rahmen der Gemeindestrukturreform wies die Stmk. Landesregierung auch auf eine rechtswissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2012 hin, die zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen war.Michael Holoubek, Michael Potacs, Sebastian Scholz: Art. 120 B-VG als Instrument der Gemeindekooperation? In: Kommunalwissenschaftliche Gesellschaft – KWG (Hrsg.): Gemeindekooperationen – vom Kirchturmdenken zur vernetzten Region. Tagungsband eines Symposions 2012. Verlag Manz, Wien 2013, ISBN 978-3-214-00726-3, S. 45–73. Das fand in der Entscheidung des VfGH seinen Niederschlag mit dem Zitat:

Änderungen Seit 2015 kommt es im Rahmen der Gemeindestrukturreform dazu, dass manche Gemeinden in mehreren Kleinregionen aufscheinen, weil sie frühere Gemeinden aus mehreren Kleinregionen aufgenommen haben (z. B. Deutschlandsberg, Gnas). Weiters gibt es Kleinregionen, die seither nur mehr aus einer Gemeinde bestehen und daher nicht mehr den Regeln für Kleinregionen entsprechen (z. B. Stainz), auch hat sich das Gebiet einiger Kleinregionen durch die Gemeindezusammenlegungen (wenn nur ein Teil der neuen Gemeinde Mitglied der Kleinregion war) verändert (z. B. Schwarzautal). Es ist daher mit weiteren Veränderungen bzw. dem Ende mancher Kleinregionen in der bisherigen Form (die einen Teil der Verwaltungsorganisation des Landes Steiermark bilden, nicht nur regionale Tourismusverbände begründen sollte) zu rechnen.

Liste der Kleinregionen in der Steiermark ± = Sortiermöglichkeit nach aktuellen bzw. aufgelösten Kleinregionen Nr. = Laufnummer der Kleinregion Region = Raumplanungsregion PB = politischer Bezirk heute (Kürzel: Kfz-Kennbuchstaben) Gründung = Datum der konstituierenden Sitzung Aufgelöste Kleinregionen sind dunkelgrau hinterlegt, die in Zeilen abwechselnde hellgraue Unterlegung dient nur der besseren Lesbarkeit. ± # Name Region PB Gemeinden (ab 2015, amtlicher Name) Gemeinden (bis 2014) GründungAuflösung 001 Gesäuse Eisenwurzen Liezen LI Admont, Altenmarkt bei Sankt Gallen, Ardning, Landl, Sankt Gallen, Wildalpen Admont, Altenmarkt bei Sankt Gallen, Ardning, Gams bei Hieflau, Hall, Johnsbach, Landl, Palfau, Sankt Gallen, Weißenbach an der Enns, Weng im Gesäuse, Wildalpen Raumplanung Steiermark | News.–002 Bezirk Mürzzuschlag Ober­stmk. Ost BM Kindberg, Krieglach, Langenwang, Mürzzuschlag, Neuberg an der Mürz, Sankt Barbara im Mürztal, Spital am Semmering, Stanz im Mürztal Allerheiligen im Mürztal, Altenberg an der Rax, Ganz, Kapellen, Kindberg, Krieglach, Langenwang, Mitterdorf im Mürztal, Mürzhofen, Mürzsteg, Mürzzuschlag, Neuberg an der Mürz, Spital am Semmering, Stanz im Mürztal, Veitsch, Wartberg im Mürztal (ehem. Bez. MZ komplett) . Raumplanung Steiermark | News.Aufgelöst mit 19. August 2017.10. August 2017 über die Auflösung des Gemeindeverbandes „Kleinregion Bezirk Mürzzuschlag“ …Nr. 191, 18. August 2017, 213. Jahrgang, Stück 333, S. 389–390; mit Aufhebung der Gründungskundmachung vom 10. Mai 2010.–003 Bezirk Knittelfeld Ober­stmk. West MT Gaal, Knittelfeld, Kobenz, Lobmingtal, Sankt Marein-Feistritz, Sankt Margarethen bei Knittelfeld, Seckau, Spielberg Apfelberg, Feistritz bei Knittelfeld, Flatschach, Gaal, Großlobming, Kleinlobming, Knittelfeld, Kobenz, Rachau, Sankt Lorenzen bei Knittelfeld, Sankt Marein bei Knittelfeld, Sankt Margarethen bei Knittelfeld, Seckau, Spielberg (ehem. Bez. KF komplett) . Raumplanung Steiermark | News.Aufgelöst mit 1. Juli 2017.22. Juni 2017 über die Auflösung des Gemeindeverbandes „Kleinregion Bezirk Knittelfeld“ …Nr. 143, 30. Juni 2017, 213. Jahrgang, Stück 26, S. 316–317; mit Aufhebung der Gründungskundmachung vom 14. Dezember 2009.–004 Pölstal Ober­stmk. West MT Hohentauern, Pöls-Oberkurzheim, Pölstal, Pusterwald Bretstein, Hohentauern, Oberkurzheim, Oberzeiring, Pöls, Pusterwald, Sankt Johann am Tauern, Sankt Oswald-Möderbrugg (alle ehem. JU) . Raumplanung Steiermark | News.(vorher AGENDA 21 Kleinregion). Landentwicklung Steiermark | AGENDA 21 Kleinregionen.Aufgelöst mit 7. Dezember 2019.28. November 2019 über die Auflösung des Gemeindeverbandes „Pölstal“ …Nr. 261, 6. Dezember 2019, 215. Jahrgang, Stück 49, S. 607; mit Aufhebung der Gründungsverordnung vom 5. Oktober 2009.–005 Gröbming Liezen LI Gröbming, Michaelerberg-Pruggern, Mitterberg-Sankt Martin, Öblarn, Sölk Gröbming, Großsölk, Kleinsölk, Michaelerberg, Mitterberg, Niederöblarn, Öblarn, Pruggern, Sankt Martin am Grimming, Sankt Nikolai im Sölktal Schlag auf Schlag: Konstituierung des dritten Kleinregions – Gemeindeverbandes des Bezirkes Liezen. Bezirk Liezen online, 5. April 2010.