Der Begriff Assoziation (oder Vereinigung, Verein; Assoziation entstammt vom lat. socius, Genosse, Genossenschaft (as-sociation)) wurde in der frühen Arbeiterbewegung als unspezifischer Ausdruck der Gemeinschaft und Gesellschaft unter Arbeitern gebraucht. Karl Marx und Friedrich Engels verwenden das Wort Assoziation abseits des allgemeinen Gebrauchs einerseits um eine kommunistische Gesellschaft begrifflich zu bestimmen, nämlich als Assoziation freier Produzenten. Andererseits um die Entwicklung einer kommunistischen Gesellschaft aus der kapitalistischen Ordnung durch die Vereinigung der Arbeiter zur Klasse zu erfassen. Sie selbst prägten den Begriff für die Arbeiterbewegung weiter durch die Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation.

Marx und Engels Assoziation als kommunistisches Organisationsprinzip Die Assoziation als begriffliche Fassung einer kommunistischen Ordnung taucht schon in den marxschen ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844 in Bezug auf die assoziierte Nutzung von Grund und Boden auf. Die Vorteile der durch die industrielle Konkurrenz entstandenen Großbetriebe werden in der Assoziation beibehalten, jedoch sind Feudalismus, Herrschaft und die „alberne Eigentumsmystik“ verschwunden, und es wird auf vernünftige Weise „die gemütliche Beziehung des Menschen zur Erde her[ge]stellt, indem die Erde aufhört, ein Gegenstand des Schachers zu sein, und durch die freie Arbeit und den freien Genuß wieder ein wahres, persönliches Eigentum des Menschen wird.“Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW 40, S. 508.

In der deutschen Ideologie von 1845 erlangen in „der wirklichen Gemeinschaft … die Individuen in und durch ihre Assoziation zugleich ihre Freiheit.“ Die „Gemeinschaft der revolutionären Proletarier“ wäre „die Vereinigung der Individuen (innerhalb der Voraussetzung der jetzt entwickelten Produktivkräfte natürlich), die die Bedingungen der freien Entwicklung und Bewegung der Individuen unter ihre Kontrolle gibt, Bedingungen, die bisher dem Zufall überlassen waren und sich gegen die einzelnen Individuen eben durch ihre Trennung als Individuen, durch ihre notwendige Vereinigung, die mit der Teilung der Arbeit gegeben, und durch ihre Trennung zu einem ihnen fremden Bande geworden war, verselbständigt hatten.“Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 74f.

In den Grundsätzen des Kommunismus von Engels (1847) wird auf die Frage, welcher Art diese neue Gesellschaftsordnung sein werde, geantwortet: „Sie wird vor allen Dingen den Betrieb der Industrie und aller Produktionszweige überhaupt aus den Händen der einzelnen, einander Konkurrenz machenden Individuen nehmen und dafür alle diese Produktionszweige durch die ganze Gesellschaft, d. h. für gemeinschaftliche Rechnung, nach gemeinschaftlichem Plan und unter Beteiligung aller Mitglieder der Gesellschaft, betreiben lassen müssen. Sie wird also die Konkurrenz aufheben und die Assoziation an ihre Stelle setzen.“Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus, MEW 4, S. 370. Über die Folgen der Abschaffung des Privateigentums äußert sich Engels folgend: „Die allgemeine Assoziation aller Gesellschaftsmitglieder zur gemeinsamen und planmäßigen Ausbeutung der Produktionskräfte, die Ausdehnung der Produktion in einem Grade, daß sie die Bedürfnisse aller befriedigen wird, das Aufhören des Zustandes, in dem die Bedürfnisse der einen auf Kosten der andern befriedigt werden, die gänzliche Vernichtung der Klassen und ihrer Gegensätze, die allseitige Entwickelung der Fähigkeiten aller Gesellschaftsmitglieder durch die Beseitigung der bisherigen Teilung der Arbeit, durch die industrielle Erziehung, durch den Wechsel der Tätigkeit, durch die Teilnahme aller an den durch alle erzeugten Genüssen, durch die Verschmelzung von Stadt und Land – das sind die Hauptresultate der Abschaffung des Privateigentums.“Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus, MEW 4, S. 377.

Eine der bekanntesten Fassungen einer kommunistischen Gesellschaft findet sich im Manifest der kommunistischen Partei von 1848: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4, S. 482.

Im ersten Band des Kapitals von 1867 fordert Marx auf, sich, „zur Abwechslung, einen Verein freier Menschen vor[zustellen], die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewußt als eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. … Das Gesamtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Produkt. Ein Teil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Teil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Es muß daher unter sie verteilt werden. Die Art dieser Verteilung wird wechseln mit der besondren Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshöhe der Produzenten. Nur zur Parallele mit der Warenproduktion setzen wir voraus, der Anteil jedes Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit. Die Arbeitszeit würde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre gesellschaftlich planmäßige Verteilung regelt die richtige Proportion der verschiednen Arbeitsfunktionen zu den verschiednen Bedürfnissen. Andrerseits dient die Arbeitszeit zugleich als Maß des individuellen Anteils des Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuell verzehrbaren Teil des Gemeinprodukts. Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig einfach in der Produktion sowohl als in der Distribution.“Karl Marx: Das Kapital I, MEW 23, S. 92f.

Im Anti-Dühring von 1877 führt Engels aus, dass sich die gesellschaftlich wirksamen Kräfte solange „blindlings, gewaltsam, zerstörend“ wie Naturgesetze geltend machen, „solange wir sie nicht erkennen und nicht mit ihnen rechnen.“ Dies gilt insbesondere auch für die „heutigen gewaltigen [Produktivkräfte]. Solange wir uns hartnäckig weigern, ihre Natur und ihren Charakter zu verstehn – und gegen dieses Verständnis sträubt sich die kapitalistische Produktionsweise und ihre Verteidiger –, solange wirken diese Kräfte sich aus trotz uns, gegen uns, solange beherrschen sie uns, wie wir das ausführlich dargestellt haben. Aber einmal in ihrer Natur begriffen, können sie in den Händen der assoziierten Produzenten aus dämonischen Herrschern in willige Diener verwandelt werden. Es ist der Unterschied zwischen der zerstörenden Gewalt der Elektrizität im Blitze des Gewitters und der gebändigten Elektrizität des Telegraphen und des Lichtbogens; …“Friedrich Engels: Anti-Dühring, MEW 20, S. 260f.

In Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats (1884) definiert Engels die historische Wiedereroberung der Beherrschung des eigenen Produkts durch die Produzenten „auf Grundlage der jetzt errungenen gewaltigen Naturbeherrschung durch den Menschen und der jetzt möglichen freien Assoziation“ als „Aufgabe der nächsten Generationen“.Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, MEW 21, S. 110 Die Staatsmaschine werde „in einer Gesellschaft, die die Produktion auf Grundlage freier und gleicher Assoziation der Produzenten neu organisiert“, nur noch im „Museum der Altertümer“ zu finden sein.Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, MEW 21, S. 168

Im dritten Band des marxschen Kapitals (veröffentlicht 1894) wird in einer berühmten Stelle über die gesellschaftliche Produktion des Lebens formuliert: „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. … Die Freiheit in diesem Gebiet [dem Reich der Notwendigkeit] kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur am würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann.“Karl Marx: Das Kapital III, MEW 25, S. 828.

Assoziation als Weg zum Kommunismus Vereinigung der Arbeiter zur Klasse aufgrund der kapitalistischen Entwicklungstendenzen Engels beschreibt in Die Lage der arbeitenden Klasse in England von 1845 die Entstehung von Vereinen (trade unions), deren Zweck es war „den Lohn festzustellen und en masse, als Macht mit den Arbeitgebern zu unterhandeln.“Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2, S. 433. Wenngleich der Erfolg im Lohnkampf aufgrund der gesetzlichen Lage und der durch Not angeheizten Konkurrenz unter den Proletariern begrenzt war, lag „die eigentliche Wichtigkeit“ für den jungen Engels in dem „erste[n] Versuch der Arbeiter …, die Konkurrenz aufzuheben. Sie setzen die Einsicht voraus, daß die Herrschaft der Bourgeoisie nur auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich beruht, d. h. auf der Zersplitterung des Proletariats, aus der Entgegensetzung der einzelnen Arbeiter gegeneinander. Und gerade weil sie sich, wenn auch nur einseitig, nur auf beschränkte Weise gegen die Konkurrenz, gegen den Lebensnerv der jetzigen sozialen Ordnung richten, gerade deshalb sind sie dieser sozialen Ordnung so gefährlich. Der Arbeiter kann die Bourgeoisie und mit ihr die ganze bestehende Einrichtung der Gesellschaft an keinem wunderen Fleck angreifen als an diesem. Ist die Konkurrenz der Arbeiter unter sich gestört, sind alle Arbeiter entschlossen, sich nicht mehr durch die Bourgeoisie ausbeuten zu lassen, so ist das Reich des Besitzes am Ende.“Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2, S. 436. Engels bestimmt daher die „Konkurrenz der Arbeiter gegeneinander“ als „die schlimmste Seite der jetzigen Verhältnisse für den Arbeiter, die schärfste Waffe gegen das Proletariat in den Händen der Bourgeoisie. Daher das Streben der Arbeiter, diese Konkurrenz durch Assoziationen aufzuheben, daher die Wut der Bourgeoisie gegen diese Assoziationen und ihr Triumph über jede diesen beigebrachte Schlappe.“Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2, S. 307.

In Marxens Elend der Philosophie von 1847 wird die Assoziation der Arbeiter als entscheidendes Moment für die Entstehung einer Klasse für sich beschrieben: „Die ersten Versuche der Arbeiter, sich untereinander zu assoziieren, nehmen stets die Form von Koalitionen an. …so formieren sich die anfangs isolierten Koalitionen in dem Maß, wie die Kapitalisten ihrerseits sich behufs der Repression vereinigen zu Gruppen, und gegenüber dem stets vereinigten Kapital wird die Aufrechterhaltung der Assoziationen notwendiger für sie als die des Lohnes. … Einmal auf diesem Punkte angelangt, nimmt die Koalition einen politischen Charakter an. … Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf … findet sich diese Masse zusammen, konstituiert sich als Klasse für sich selbst.“Karl Marx: Das Elend der Philosophie, MEW 4, S. 180f.