Parasaurolophus ist eine Gattung von Dinosauriern aus der Gruppe der Hadrosaurier, die zu den Ornithischia (Vogelbeckendinosaurier) gezählt wird. Funde dieser Tiere stammen aus Gesteinsschichten der Oberkreide (spätes Campanium) in Alberta (Kanada), Utah und New Mexico (USA). Wie alle Hadrosaurier konnten sich die Pflanzenfresser wahrscheinlich zweibeinig und vierbeinig fortbewegenJohn R. Horner, David B. Weishampel, Catherine A. Forster: Hadrosauridae. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 438–463. und besaßen den charakteristischen zahnlosen „Entenschnabel“ sowie Mahlzähne im Kiefer. Das auffälligste Merkmal ist der Kopfschmuck, ein langer, nach hinten gerichteter Knochenzapfen. Parasaurolophus gehört aufgrund seiner auffälligen Erscheinung zu den in der Öffentlichkeit bekannteren Vertretern der Dinosaurier.

Beschreibung mini|links|Parasaurolophus walkeri im Größenvergleich mit einem Menschen

Im Gegensatz zu einigen anderen populärwissenschaftlich oft rezipierten Hadrosauriern wurden relativ wenige Parasaurolophus-Exemplare gefunden, wodurch das Skelett nicht vollständig bekannt ist. Das Holotypusexemplar von Parasaurolophus walkeri wird auf 9,5 m Länge geschätzt, wobei der Schädel zusammen mit dem Knochenzapfen etwa 1,6 m ausmacht. Schädel und Knochenzapfen des Holotypusexemplars von Parasaurolophus tubicen messen 2 m.Richard S. Lull, Nelda E. Wright: Hadrosaurian Dinosaurs of North America (= Geological Society of America. Special Papers. Bd. 40, ). Geological Society of America, New York NY 1942, S. 229. Das Gewicht des lebenden Tieres lag bei etwa 2,5 Tonnen.Donald F. Glut: Parasaurolophus. In: Donald F. Glut: Dinosaurs. The Encyclopedia. McFarland & Co, Jefferson NC u. a. 1997, ISBN 0-89950-917-7, S. 678–684. Das einzige bekannte Vorderbein ist verglichen mit anderen Hadrosauriden relativ kurz, wobei die Schulterblätter kurz aber breit sind. Der Oberschenkelknochen (Femur) von Parasaurolophus walkeri ist 103 cm lang und für seine Länge ziemlich robust. Auch der Schulterbereich und die Beckenknochen waren recht schwer gebaut.Richard S. Lull, Nelda E. Wright: Hadrosaurian Dinosaurs of North America (= Geological Society of America. Special Papers. Bd. 40, ). Geological Society of America, New York NY 1942, S. 209–213.Michael K. Brett-Surman, Jonathan R. Wagner: Appendicular anatomy in Campanian and Maastrichtian North American hadrosaurids. In: Kenneth Carpenter (Hrsg.): Horns and Beaks. Ceratopsian and ornithopod Dinosaurs. Indiana University Press, Bloomington IN 2007, ISBN 978-0-253-34817-3, S. 135–169.

Wie andere Lambeosaurinen wies Parasaurolophus hohe Dornfortsätze auf, die den Rücken und den Schwanzansatz deutlich erhöhten. Ihren höchsten Punkt erreichten die Dornfortsätze über den Hüften. Von Parasaurolophus walkeri sind darüber hinaus Hautabdrücke bekannt, die gleichförmige tuberkelähnliche Schuppen, jedoch keine größeren Strukturen zeigen.William A. Parks: Parasaurolophus Walkeri. A new genus and species of crested Trachodont dinosaur (= University of Toronto Studies. Geology Series. Bd. 13, ). University of Toronto – University Library, Toronto 1922, Digitalisat.

mini|Zeichnerische Lebendrekonstruktion von Parasaurolophus walkeri

Das auffälligste Merkmal der Gattung war der Knochenzapfen am Schädel. Dabei handelt es sich um eine lange Röhre, die nach hinten über den Kopf hinausragte und aus dem Nasenbein und dem Zwischenkieferbein (Prämaxillare) gebildet wurde. Der Knochenzapfen war größtenteils hohl, allerdings führten Röhren von den Nasenlöchern bis zum Ende, machten eine Kurve und führten wieder in den Schädel zurück. Während diese Röhren bei Parasaurolophus walkeri vergleichsweise einfach gebaut waren, wurde der Aufbau bei Parasaurolophus tubicen komplizierter. Bei dieser Art zeigten die Röhren labyrinthförmige Aufspaltungen, Zusammenläufe und Sackgassen.Robert M. Sullivan, Thomas E. Williamson: A new skull of Parasaurolophus (Dinosauria: Hadrosauridae) from the Kirtland Formation of New Mexico and a revision of the genus (= New Mexico Museum of Natural History and Science. Bulletin. 15, ). New Mexico Museum of Natural History and Science, Albuquerque NM 1999, Digitalisat.

Bei dem Holotypus-Skelett von Parasaurolophus walkeri wurde eine Einkerbung in den Wirbelfortsätzen gefunden, die an der Stelle liegt, wo der Knochenzapfen den Rücken berührt hätte. Es gab Vermutungen, nachdem das Tier beim Laufen seinen Knochenzapfen in diese Kerbe gelegt hätte.Douglas Palmer (Hrsg.): Dinosaurier & prähistorische Tiere. Eine illustrierte Enzyklopädie. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-6113-7, S. 153. Wahrscheinlich ist dieses Merkmal jedoch pathologisch bedingt und eine Besonderheit dieses Individuums. William Parks, der Erstbeschreiber des Tieres, postulierte Ligamente oder Muskeln, die vom Ende des Knochenzapfens bis zu den Wirbeln im Bereich der Einkerbung verlaufen sollten, um den Kopf zu unterstützen. Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich – ein Überbleibsel dieser Idee ist jedoch ein Hautlappen, der in einigen Rekonstruktionen zwischen Knochenzapfen und Rücken aufgespannt ist. Nach der Vorstellung mancher Illustratoren war dieser hypothetische Hautlappen sowie der erhöhte Rücken für die Arterkennung oder für die Brautwerbung bunt gefärbt.

Systematik und Arten mini|Schädel von Parasaurolophus cyrtocristatus im Field Museum of Natural History

Innerhalb der Hadrosauridae wird Parasaurolophus zu den Lambeosaurinen gezählt, obwohl er anfangs als ein naher Verwandter des Hadrosaurinen Saurolophus galt.Charles W. Gilmore: On the genus Stephanosaurus, with a description of the type specimen of Lambeosaurus lambei, Parks. In: Canada, Department of Mines, Geological Survey. Bulletin. Bd. 38, Nr. 43, 1924, , S. 29–48. Der nächste Verwandte von Parasaurolophus war möglicherweise Charonosaurus aus der Amur-Region Nordostchinas. Charonosaurus besitzt einen ähnlichen Schädel wie Parasaurolophus, der Knochenzapfen ist jedoch nur unvollständig überliefert. Die nahe Verwandtschaft dieser Gattungen wird an gemeinsamen Merkmalen (Synapomorphien) an den Schädel- und Beinknochen festgemacht; so bildete beispielsweise das paarige Stirnbein eine Plattform zur Unterstützung des Knochenzapfens, die sich bis über Teile des Supratemporalfensters erstreckte. Im Unterschied zu Charonosaurus zeigte Parasaurolophus aber beispielsweise einen sagittalen Kamm am Scheitelbein (Parietale).Pascal Godefroit, Shuqin Zan, Liyong Jin: Charonosaurus jiayinensis n.g., n.sp.,a lambeosaurine dinosaur from the Late Maastrichtian of northeastern China. In: Comptes Rendus de l'Académie des Sciences. Série 2, Fascicule A: Sciences de la Terre et des Planètes. Bd. 330, Nr. 12, 2000, , S. 875–882, .David C. Evans, Robert R. Reisz, Kevin Dupuis: A juvenile Parasaurolophus (Ornithischia: Hadrosauridae) Braincase from Dinosaur Provincial Park, Alberta, with comments on crest ontogeny in the genus. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Bd. 27, Nr. 3, 2007, , S. 642–650, . Parasaurolophus und Charonosaurus werden innerhalb der Lambeosaurinae als Parasaurolophini zusammengefasst und der Schwestergruppe Lambeosaurini, die alle anderen Lambeosaurinen umfasst, gegenübergestellt.David B. Weishampel, Jack R. Horner: Hadrosauridae. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. University of California Press, Berkeley CA u. a. 1990, ISBN 0-520-06726-6, S. 534–561.David C. Evans, Robert R. Reisz: Anatomy and Relationships of Lambeosaurus magnicristatus, a crested hadrosaurid dinosaur (Ornithischia) from the Dinosaur Park Formation, Alberta. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Bd. 27, Nr. 2, 2007, S. 373–393, .

Bisher wurden drei Arten der Gattung Parasaurolophus beschrieben:

Von der Typusart Parasaurolophus walkeri (Parks, 1922) aus Alberta ist ein einziges Skelett mit einem kompletten Schädel bekannt. Diese Art unterschied sich von Parasaurolophus tubicen durch eine einfachere Röhrenstruktur des Knochenzapfens; im Gegensatz zu Parasaurolophus cyrtocristatus wies sie einen langen, nicht nach unten gebogenen Knochenzapfen auf. Im Unterschied zu allen anderen Lambeosaurinen, abgesehen von Parasaurolophus cyrtocristatus, zeigte Parasaurolophus walkeri außerdem einen tieferen Hals des Präpubis und längere Oberarmknochen (Humerus) als Unterarme.

Parasaurolophus tubicen (Wiman, 1931) aus der Kirtland-Formation in New Mexico ist durch Funde von mindestens drei Individuen bekannt. Sie war die größte Art, zeigte komplexere Röhren im Knochenzapfen als Parasaurolophus walkeri und besaß einen längeren und geraderen Knochenzapfen als Parasaurolophus cyrtocristatus.

Parasaurolophus cyrtocristatus (Ostrom, 1961) wurde ebenfalls in New Mexico (Fruitland-Formation) und der Kaiparowits-Formation in Utah gefunden. Drei mögliche Funde sind bekannt. Sie war die kleinste Art und zeichnete sich durch einen kurzen und abgerundeten Knochenzapfen aus. Dies führte zu der Hypothese, dass es sich um ein Weibchen oder Jungtier von Parasaurolophus tubicen handeln könnte.Thomas E. Williamson: Review of Hadrosauridae (Dinosauria, Ornithischia) from the San Juan Basin, New Mexico. In: Spencer G. Lucas, Andrew B. Heckert (Hrsg.): Dinosaurs of New Mexico (= New Mexico Museum of Natural History and Science. Bulletin. 17). New Mexico Museum of Natural History and Science, Albuquerque NM 2000, S. 191–213, online. Als letztes wurde diese Idee von Thomas Williamson vertreten, welcher anmerkt, dass Parasaurolophus cyrtocristatus ungefähr 72 % der Größe von Parasaurolophus tubicen aufweist, dem etwa gleichen Größenverhältnis, welches auch bei anderen Lambeosaurinae zwischen erwachsenen Tieren und Jungtieren, die anfangen, deutlichen Geschlechtsdimorphismus auszubilden, vermutet wird. In jüngeren Abhandlungen wurde diese Ansicht jedoch zurückgewiesen. Alternativ könnten die anderen beiden Arten näher miteinander verwandt gewesen sein als mit Parasaurolophus cyrtocristatus, was die Größenabweichung dieser Art bedingt.

Ein Hirnschädel eines Jungtiers aus dem Dinosaur Provincial Park von Alberta konnte keiner bestehenden Art zugeordnet werden. Drei weitere Funde aus Alberta können eventuell ebenfalls Parasaurolophus zugeschrieben werden.David A. Eberth: The Geology. In: Philip J. Currie, Eva B. Koppelhus (Hrsg.): Dinosaur Provincial Park. A spectacular ancient Ecosystem revealed. Indiana University Press, Bloomington IN u. a. 2005, ISBN 0-253-34595-2, S. 54–82.

Paläobiologie Habitat mini|links| Teratophoneus attackiert Parasaurolophus cyrtocristatus