mini|Regionale Verteilung der ukrainischen Staatsbürger 2022 Die Ukrainer in Deutschland stellten im Oktober 2023 mit rund 1,15 Millionen ukrainischen Staatsbürgern die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland. 2022 hatte sich die Zahl der Ukrainer in Deutschland in Folge des russischen Angriffskriegs auf 1,02 Millionen Menschen mehr als versiebenfacht.1,1 Millionen Zuzüge von Menschen aus der Ukraine im Jahr 2022. Statistisches Bundesamt, 16. Februar 2023. Sie haben seit Jahrzehnten zahlreiche Institutionen und Organisationen gebildet, wie die Zentralvereinigung von Ukrainern in Deutschland und die Vereinigung der Ukrainischen Diaspora in Deutschland.

mini|hochkant|Schild der Ukrainischen Freien Universität München Die meisten Ukrainer leben in Berlin, München, der Region Hannover, Nürnberg und Hamburg. Weitere bedeutende Gemeinden finden sich in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Frankfurt am Main und Leipzig.REGIONALSTRUKTUR UKRAINISCHER COMMUNITIES IN DEUTSCHLAND - Tabelle A1: Anzahl der ukrainischen Staatsangehörigen, 2020 (S.7) [PDF] auf doku.iab.de, vom 4. März 2022, abgerufen am 6. März 2023 Die Ukrainer sind prozentual besonders in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Bayern sowie in Großstädten mit bedeutenden Diaspora-Gemeinden vertreten.

Neben Deutsch beherrschen die meisten in Deutschland lebenden Ukrainer Ukrainisch und Russisch. Viele von ihnen gehören der 2018 wiederhergestellten Orthodoxe Kirche der Ukraine an, daneben gibt es russisch-orthodoxe und römisch-katholische ukrainische Christen sowie jüdische Ukrainer in Deutschland.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 sind zahlreiche Ukrainer aus ihrem Heimatland geflohen. Mehr als 1,1 Millionen ukrainische Staatsbürger suchten in Deutschland Schutz und damit mehr als in jedem anderen Land. Die Ukrainer in Deutschland wurden infolge des Krieges zur zweitgrößten ausländischen Bevölkerungsgruppe nach den Türken in Deutschland.Ausländische Bevölkerung nach Geschlecht und ausgewählten Staatsangehörigkeiten, Statistisches Bundesamt, abgerufen am 16. August 2023. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag im Oktober 2023 bei 1,4 %. Unter allen in Deutschland lebenden Ausländern machten die Ukrainer zum Ende des Jahres 2023 einen Anteil von 8,9 % aus.

Geschichte mini|hochkant|Gedenktafel an der Zeppelinstraße 67 in München für Jaroslaw und Jaroslawa Stezko. Hier befand sich auch das Verlagshaus der OUN. Die erste nennenswerte Migrationswelle von Ukrainern nach Deutschland fand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts statt und ist auf die sozialen und ökonomischen Missstände zurückzuführen. Während der beiden Weltkriege standen ebenfalls wirtschaftliche sowie politische Gründe im Vordergrund. Im Zweiten Weltkrieg, sowie in der Nachkriegszeit, waren die Migrationsmotive fast ausschließlich politisch bedingt.Ukrainische Gemeinde, Botschaft der Ukraine in Deutschland Insbesondere Personen, welche vor Repressionen in der Sowjetunion flohen, wurden in Deutschland aufgenommen. Dazu gehören ebenfalls Angehörige der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).

Die ausländischen Einheiten der OUN (; ) begannen ab 1945, ihr Zentrum in München aufzubauen. Zunächst zogen die Einheiten der OUN in das Gebäude Dachauer Straße 9, später in die Lindwurmstraße 205. 1954 wurde im Haus Zeppelinstraße 67 das neue Büro eröffnet, wo ein Verlagshaus im Untergeschoss gegründet wurde, in dem unter anderem die Zeitung Schljach Peramohi gedruckt wurde.Grzegorz Rossoliński-Liebe: Stepan Bandera. The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist. Fascism, Genocide, and Cult. ibidem-Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8382-0604-2. S. 317/318 Im selben Haus wohnten die Exilpolitiker Jaroslaw und Jaroslawa Stezko. Im Jahr 2010 wurde auf Veranlassung des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko eine Gedenktafel am Haus angebracht.Gedenktafel für Nazi-Kollaborateur und Antisemiten – wer ist verantwortlich? In dem Gebäude residiert das Ukrainische Institut für Bildungspolitik e.V.Ukrainisches Institut für Bildungspolitik e.V. auf dach-ukraine.de

Weitere Zentren der ukrainischen Emigration in München sind die Ukrainische Freie Universität München, die Kathedrale Maria Schutz und St. Andreas oder die Orthodoxe St. Petrus und Pauluskirche. Zudem sind auf dem Waldfriedhof zahlreiche ukrainische historische Persönlichkeiten beigesetzt.

Seit Anfang der 1990er Jahre kam es zu einem Zustrom an Ukrainern, die in Europa oft unter prekären Verhältnissen arbeiteten, um ihre Familie in der Heimat zu versorgen. Anders als in Polen, Ungarn und Tschechien, wo sich die Lebensverhältnisse nach dem Ende des Kommunismus bald zu verbessern begannen, schrumpfte die Bevölkerung in der Ukraine deutlich und die Lebenserwartung nahm ab.Gerhard Gnauck: Ukrainer suchen ihr Glück im Ausland oft vergeblich. In: Die Welt, 6. Dezember 2011, abgerufen am 30. November 2021. Auch im Gefolge der Einwanderung deutschstämmiger Aussiedler und Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion kamen Ukrainer nach Deutschland, da einige Spätaussiedler ihre russischen, kasachischen oder auch ukrainischen Ehepartner mitbrachten. Außerdem kamen Ukrainer als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 trafen die Bundesländer Vorkehrungen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine. Die Deutsche Bahn ermöglichte ab dem 27. Februar 2022 Menschen mit ukrainischem Pass die kostenlose Reise aus Polen nach Deutschland und setzte Sonderzüge ein.

Durch die Aktivierung der Massenzustrom-Richtlinie wurde Flüchtlingen aus der Ukraine zunächst die Möglichkeit zugestanden, im Falle der Bedürftigkeit Bürgergeld zu beziehen. Im Koalitionsvertrag von 2025 wurde jedoch die Übereinkunft festgeschrieben, nach dem 1. April 2025 neu angekommenen Flüchtlingen mit Aufenthaltsrecht nach dieser Richtlinie nur noch einen Anspruch auf Asylbewerberleistungen (und somit nicht mehr auf Bürgergeld) zu gewähren. S. 96. Kritiker weisen darauf hin, dass dies zu einer Zuständigkeit verschiedener Behörden für die Arbeitssuche und für die Leistungsauszahlung führen würde, welche keine digitale Schnittstellen zueinander hätten. Außerdem fiele dadurch die Verpflichtung zur Erwerbsarbeit weg.

Persönlichkeiten mini|Grabstätte von Iwan Bahrjanyj in Neu-Ulm mini|Gedenktafel für Andrij Wojnarowskyj in Hamburg, Große Johannisstraße 13 Iwan Bahrjanyj (1907–1963), Schriftsteller und Exilpolitiker, lebte ab 1945 in der Bundesrepublik Stepan Bandera (1909–1959), ukrainischer Nationalist, lebte ab 1946 in Deutschland Xenia Desni (1897–1962), Schauspielerin Dmytro Doroschenko (1882–1951), Historiker und Politiker Anna-Halja Horbatsch (1924–2011), Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin, Bürgerrechtsaktivistin und Verlegerin, lebte ab 1940 in Deutschland Mykola Kapustjanskyj (1879–1969), General Jurij Klen (1891–1947), Schriftstellers, Übersetzers, Literaturwissenschaftlers Platon Kornyljak (1920–2000), Priester Ihor Kostezkyj (1913–1983), Schriftsteller, Dramatiker, Übersetzer, Literaturkritiker und Verleger Andrij Melnyk (1890–1964), Offizier und Politiker Wsewolod Petriw (1883–1948), Militärführer und Politiker Jewhen Petruschewytsch (1863–1940), Rechtsanwalt und Politiker Natalija Polonska-Wassylenko (1884–1973), Historikerin Mykola Porsch (1879–1944), Ökonom, Jurist, Publizist, Diplomat und Politiker Jelisaweta Skoropadska (1899–1976), Bildhauerin und Politikerin Pawlo Skoropadskyj (1873–1945), General und Politiker, lebte ab 1919 in Deutschland Jaroslaw Stezko (1912–1986), Exilpolitiker, lebte ab seiner Verhaftung 1942 in Deutschland Jaroslawa Stezko (1920–2003), Politikerin, lebte bis 1991 in Deutschland Dmitrij Tschižewskij (1894–1977), Slawist, Philosoph und Kulturwissenschaftler russisch-ukrainischer Herkunft Marina Weisband (* 1987, vor der Emigration Marina Onufriyenko), Politikerin und Publizistin, lebt seit 1994 in Deutschland Andrij Wojnarowskyj (1689–1740), Jessaul der Saporoger Kosakenarmee, ein Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine

Siehe auch Apostolisches Exarchat Deutschland und Skandinavien Dachverband der ukrainischen Organisationen in Deutschland

Weblinks Deutsch-Ukrainisches Zentrum e.V. Deutsch-Ukrainisches Informations und Kulturzentrum e.V. Dachverband der ukrainischen Organisationen in Deutschland e.v. Deutsch-Ukrainisches Forum e.V. Daten vom Statistischen Bundesamt zu Ukrainern in Deutschland Daten vom Rat für Migration zu Ukrainern in Deutschland

Einzelnachweise

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