mini|hochkant|Das Stuttgarter Rathaus ist Treffpunkt des Arbeitskreises Stuttgarter Jugendrat.
Der Stuttgarter Jugendrat ist ein Angebot an die Jugendlichen mit Wohnsitz in Stuttgart, sich an kommunalen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die Jugendräte werden alle zwei Jahre in den Stadtbezirken gewählt und vertreten die Interessen der Jugendlichen gegenüber dem Gemeinderat, dem Oberbürgermeister, den Bezirksbeiräten und der Stadtverwaltung. Die Jugendräte unterstützen und initiieren Einrichtungen für Jugendliche. Sie planen und führen eigene Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen durch und sollen parteipolitisch neutral handeln.
In Stuttgart gibt es seit 2020 in 19 von 23 Stadtbezirken Jugendräte. In Stadtbezirken ohne Jugendrat können sich die Jugendlichen in Projektgruppen organisieren., Website der Landeshauptstadt Stuttgart, aufgerufen am 10. Dezember 2012.
Geschichte Bereits im Jahr 1988 gab es im Stuttgarter Gemeinderat eine Anfrage eines Stadtrats, ob die Stuttgarter Stadtverwaltung bereit sei, einen Jugendbezirksbeirat einzuführen. Dessen Vorbild sollte der Filderstädter Jugendgemeinderat sein, der damals als Musterjugendgemeinderat in Baden-Württemberg galt. Man kam jedoch zu dem Ergebnis, dass sich dieser Ansatz auf großstädtische Verhältnisse nicht übertragen lasse.
Im Jahr 1994 fand auf Einladung des Rings Politischer Jugend Stuttgart und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg eine Informationsveranstaltung unter dem Namen Braucht Stuttgart einen Jugendgemeinderat? statt. Daraufhin gab es eine Anfrage der FDP/DVP-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat, in welcher Art ein Jugendgemeinderat in Stuttgart geschaffen werden könnte. Zudem hatte sich der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost für die Bildung eines Jugendgemeinderats ausgesprochen. Im Anschluss daran forderten alle Gemeinderatsfraktionen die Stadtverwaltung dazu auf, mögliche Beteiligungsmodelle zu entwickeln.
Am 18. Mai 1995 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat mehrheitlich, das Modellprojekt Jugendbezirksbeirat zu gründen. Gestartet werden sollte mit drei bis vier Stadtbezirken, wobei mindestens ein Innenstadtbezirk, ein größerer Außenstadtbezirk und ein bezirksübergreifendes Modell für kleinere Stadtbezirke ins Leben gerufen werden sollten. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe namens Beteiligung Jugendlicher am kommunalen Geschehen gegründet werden. Diese sollte aus Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, dem Stadtjugendring Stuttgart, dem Ring politischer Jugend Stuttgart, dem Stuttgarter Jugendhausverein, der Initiative Jugendrat Stuttgart und der Initiative South Meeting bestehen. Die Ergebnisse aus zwei Treffen der Arbeitsgruppe flossen dann in die Gemeinderats Drucksache 395/1995 ein und wurden vom Gemeinderat am 20. Juli 1995 beschlossen. (PDF; 47 kB), Website Toolbox Bildung der Bertelsmann Stiftung, aufgerufen am 21. Dezember 2012.
1995: 1. Jugendratswahl
Im Dezember 1995 fand die erste Jugendratswahl in Stuttgart statt. Es wurden vier Jugendratsgremien gewählt, die sieben der insgesamt 23 Stadtbezirke abdeckten: Obere Neckarvororte (Hedelfingen, Obertürkheim, Untertürkheim und Wangen) Ost, Sillenbuch und Süd. Stuttgart war damit die erste deutsche Großstadt, der es gelang solche Gremien zu installieren. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 11,8 %.
1998: 2. Jugendratswahl
Im Februar fand die zweite Jugendratswahl in den Stadtbezirken Obere Neckarvororte, Ost, Sillenbuch, Süd und neu in Nord statt. Gewählt wurde in acht von 23 Stadtbezirken. Die Wahlbeteiligung lag bei 24,8 %.
1999: Sitz im Jugendhilfeausschuss
1999 erhielt der Stuttgarter Jugendrat auf seinen Wunsch hin einen beratenden Sitz im Jugendhilfeausschuss der Stadt Stuttgart.
2000: 3. Jugendratswahl
Im Februar 2000 wurde in den Stadtbezirken Nord, Obere Neckarvororte, Ost, Sillenbuch und Süd Jugendratsgremien gewählt, die sich über acht von 23 Stadtbezirken erstrecken. Die Wahlbeteiligung lag bei 22,1 %.
Erweiterung der Beteiligungsformen Eine Studie von Kurt Möller von der Hochschule für Sozialwesen Esslingen schlug die Ergänzung des in den Stadtbezirken verorteten Jugendratsmodell im Rahmen eines Partizipationsmixes vor. Jugendratswahlen sollten in den Stadtbezirken angeboten werden, wo Jugendliche es ausdrücklich fordern. Neben den Jugendratswahlen sollen über weitere Partizipationsformen, wie offene Jugendforen und Projektgruppen, möglichst viele Jugendliche verschiedener Altersgruppen, Jugendkulturen und Bildungsmilieus die Möglichkeit gegeben werden, sich zu beteiligen. Außerdem soll eine gesamtstädtische Jugendvertretung eingerichtet werden, der Arbeitskreis Stuttgarter Jugendräte. Er soll sich aus Vertretern der Bezirksjugendräte, Jugendforen und Projektgruppen zusammensetzten und die gesamtstädtischen Anliegen der Jugendlichen gegenüber dem Stuttgarter Gemeinderat vertreten. Für die Gesamtkoordination der kommunalen Jugendbeteiligung wurde beim Haupt- und Personalamt der Stadt Stuttgart eine neue Stelle geschaffen. Die Aufgaben sind: die Koordinierung und den Ausbau der Jugendbeteiligung in der Stadt die Vernetzung der Beteiligungsformen die Unterstützung der Betreuer der Bezirksjugendräte die Geschäftsführung des Arbeitskreises Stuttgarter Jugendräte die Vorbereitung und Durchführung von Jugendforen und Jugendratswahlen
2002: 4. Jugendratswahl
2002 fanden die 4. Jugendratswahlen in den Stadtbezirken Nord, Ost, Süd, Sillenbuch, Obere Neckarvororte und neu in Mühlhausen statt. Damit gab es in neun von 23 Stadtbezirken einen Jugendrat. Wahlbeteiligung: 27,4 %.
2004: 5. Jugendratswahl
2004 fanden die 5. Jugendratswahlen in den Stadtbezirken Nord, Süd, Sillenbuch, Mühlhausen und neu in Bad Cannstatt und Weilimdorf, somit in sechs von 23 Stadtbezirken, statt. In den Stadtbezirken Ost und Obere Neckarvororte wurden nicht genügend Kandidaten für die Jugendratswahl gefunden. Dort bildeten sich Projektgruppen, die in den Bezirken weiterhin eine Möglichkeit zur Beteiligung boten. Wahlbeteiligung: 24,7 %.
2006: 6. Jugendratswahl
2006 fanden die 6. Jugendratswahlen in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Mühlhausen, Nord, Ost, Sillenbuch, Süd, Weilimdorf und [Stuttgart-West|West] statt. Dabei gab es im, zuletzt 2002 entstandenen Jugendrat Ost, mit 37 Bewerbern die größte Kandidatenzahl. In Stuttgart-West wurde zum ersten Mal ein Jugendrat gewählt. Jugendräte gab es nun wieder in acht von 23 Stadtbezirken. Wahlbeteiligung: 25,1 %.
Beschluss zur gesamtstädtischen Jugendratswahl Als Ergebnis des 1. Stuttgarter Jugendhearings, eines für alle Jugendlichen offenen Beteiligungsevents, im März 2007 stand die Forderung der Jugendlichen im Raum, in der gesamten Stadt Jugendratswahlen stattfinden zu lassen. Diese wurde vom Gemeinderat aufgegriffen und erfüllt:
2008: 7. Jugendratswahl
2008 fand die 7. Stuttgarter Jugendratswahl statt, die zum ersten Mal in allen 23 Stadtbezirken von der Stadtverwaltung angeboten wurde. Gewählt wurde in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Mühlhausen, Nord, Ost, Sillenbuch, Süd, Weilimdorf und West. Zum ersten Mal wählen konnten die Jugendlichen in Botnang, Degerloch, Möhringen, Plieningen und Birkach, Stammheim (Stuttgart), Mitte und Zuffenhausen. In den drei Stadtbezirken Feuerbach, Münster und Vaihingen meldeten sich zu wenig Kandidaten um einen Jugendrat wählen zu lassen, daher wurden dort Projektgruppen gegründet. Jugendräte gab es somit in 20 von 23 Stadtbezirken. Mit den aktiven Projektgruppen in den Stadtbezirken ohne Jugendrat wurde zum ersten Mal eine flächendeckende Jugendbeteiligung im ganzen Stadtgebiet erreicht. Wahlbeteiligung: 28,6 %.
2010: 8. Jugendratswahl
2010 fand die 8. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Gewählt wurde in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Botnang, Degerloch, Feuerbach, Möhringen, Mühlhausen, Obere Neckarvororte, Plieningen und Birkach, Stammheim, Mitte, Nord, Ost, Süd, West, Weilimdorf, Vaihingen und Zuffenhausen. Zum ersten Mal konnten die Jugendlichen in Feuerbach und Vaihingen wählen. In den Stadtbezirken Münster und Sillenbuch wurden aufgrund mangelnder Kandidaten zur Durchführung einer Wahl Projektgruppen gegründet. Jugendräte gab es nun in 21 von 23 Stadtbezirken. Wahlbeteiligung: 28,8 %.
2012: 9. Jugendratswahl
2012 fand die 9. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Gewählt wurde in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Degerloch, Feuerbach, Möhringen, Mühlhausen, Münster, Obere Neckarvororte, Plieningen und Birkach, Sillenbuch, Nord, Ost, Süd, West, Weilimdorf, Vaihingen und Zuffenhausen. In den Stadtbezirken Botnang, Stammheim und Mitte wurden Projektgruppen gegründet. Jugendräte wurden gewählt in 20 von 23 Stadtbezirken. Wahlbeteiligung: 25,8 %.
2013: Jugendräte im Gemeinderat
Seit 2013 hat der Jugendrat zwei ständige Vertreter in den Gemeinderatssitzungen. Bei eigenen Anträgen erhalten diese das Rederecht im Gemeinderat. Ansonsten haben die Jugendräte noch das Anfrage- und Antragsrecht an den Oberbürgermeister.
2014: 10. Jugendratswahl
2014 fand die 10. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Gewählt wurde in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Feuerbach, Mühlhausen, Münster, Plieningen und Birkach, S-Nord, S-Ost, S-Süd, S-West, Weilimdorf und Zuffenhausen. In den Stadtbezirken Botnang, Degerloch, Möhringen, Sillenbuch, Stammheim, S-Mitte, Vaihingen sowie in den Stadtbezirken der Oberen Neckarvororte (Hedelfingen, Obertürkheim, Untertürkheim, Wangen) wurde die Gründung einer Projektgruppe angeboten. Jugendräte wurden gewählt in 11 von 23 Stadtbezirken. Die Wahlbeteiligung lag bei 31,5 %, welche bislang die größte in der Geschichte des Stuttgarter Jugendrats war.
2016: 11. Jugendratswahl
2016 fand die 11. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,0 %.
2018: 12. Jugendratswahl
2018 fand die 12. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Jugendräte wurden in 18 von 23 Stadtbezirken gewählt. Diese sind Bad Cannstatt, Botnang, Degerloch, Feuerbach, Möhringen, Mühlhausen, Obere Neckarvororte (Hedelfingen, Obertürkheim, Untertürkheim, Wangen), Sillenbuch, S-Mitte, S-Nord, S-Süd, S-Ost, S-West, Weilimdorf und Zuffenhausen. In den Stadtbezirken Stammheim, Münster, Plieningen Birkach und Vaihingen wurde die Gründung einer Projektgruppe angeboten. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,5 %.
2020: 13. Jugendratswahl
2020 fand die 13. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Jugendräte wurden in 19 von 23 Stadtbezirken gewählt. Diese sind Bad Cannstatt, Botnang, Feuerbach, Möhringen, Mühlhausen, Obere Neckarvororte (Hedelfingen, Obertürkheim, Untertürkheim, Wangen), Plieningen und Birkach, Sillenbuch, S-Nord, S-Süd, S-Ost, S-West, Vaihingen, Weilimdorf und Zuffenhausen. In den Stadtbezirken Stammheim, Münster, Degerloch und S-Mitte wurde die Gründung einer Projektgruppe angeboten. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,2 %.
2023: 14. Jugendratswahl
2023 fand die 14. Stuttgarter Jugendratswahl statt. Jugendräte wurden in 21 von 23 Stadtbezirken gewählt. Es gab 17 Wahlbezirke. Diese sind Bad Cannstatt, Degerloch, Feuerbach, Möhringen, Mühlhausen, Obere Neckarvororte (Hedelfingen, Obertürkheim, Untertürkheim, Wangen), Plieningen und Birkach, Sillenbuch, S-Nord, S-Süd, S-Ost, S-West, S-Mitte, Vaihingen, Weilimdorf und Zuffenhausen. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,5 %.
Struktur Bezirksjugendräte Die wahlberechtigten Jugendlichen eines Stadtbezirks, in dem es zur Wahl genügend Kandidaten gibt (zwei mehr als zu vergebende Sitze; siehe auch Wahlverfahren), wählen einen Jugendrat. Die Anzahl seiner Mitglieder hängt von der Einwohnerzahl ab und entspricht der Anzahl der Bezirksbeiräte im jeweiligen Bezirk. (PDF; 202 kB), Statistik und Informationsmanagement: Monatsheft 8/2010, aufgerufen am 12. Dezember 2012. Die Bezirksjugendräte beschließen Verbesserungsvorschläge und geben Anregungen für die Belange junger Menschen, die sie an den jeweiligen Bezirksbeirat, an den Gemeinderat bzw. an die Stadtverwaltung herantragen.