In der Cottbuser Innenstadt erstreckt sich die Wernerstraße (niedersorbisch: Wernerowa droga) in Nord-Süd-Richtung von der Berliner Straße bis zum Betriebsgelände der Deutschen Bahn AG. Parallel verlaufen die Schillerstraße und die Bahnhofstraße. Die Wernerstraße befindet sich innerhalb des Denkmalbereichs „Westliche Stadterweiterung“, ist geprägt durch die gründerzeitliche Blockrandbebauung und gilt als attraktiver Standort für innerstädtisches Wohnen.
Geschichte Um 1870 wurden im Norden beginnend in der damaligen Grünstraße auf der rechten Seite die ersten Wohnhäuser errichtet.
Weiter südlich ist die Korrektur der Baufluchtlinien auf Grund des 1875 verabschiedeten „Preußischen Fluchtliniengesetzes“ zu erkennen – die Verbreiterung der Straße auf Höhe der heutigen Kammerbühne.
Umbenannt wurde die einstige Grünstraße bzw. Neue Grünstraße im Jahre 1914 nach dem ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger Paul Werner (1848–1927) nach dessen Amtszeit. Der Abschnitt südlich der heutigen Wilhelm-Külz-Straße bis zum Bahngelände wurde in den Cottbuser Adressbüchern erst 1909 als Neue Grünstraße erwähnt. Vorher standen dort keine Häuser.
Im Laufe der Jahre hat es einige Umnummerierungen gegeben, sodass es in der heutigen Wernerstraße keine Hausnummern 1–7 gibt. Der Abschnitt zwischen Berliner Straße und August-Bebel-Straße ist heute auf der linken Seite (von Norden kommend) nicht bebaut. Hier standen noch bis 2005 die Produktionsgebäude der „Alten Teppichfabrik“ von Otto Pietsch bzw. der späteren „Vereinigten Smyrnaer Teppichfabrik AG“, diese sind inzwischen abgerissen.
Diesen Häusern gegenüber erstreckt sich zwischen der August-Bebel-Straße und der Karl-Liebknecht-Straße der Schillerplatz mit dem Staatstheater und der Parkanlage.
Karte
Baudenkmale in der Wernerstraße
Wernerstraße 8 Als 1907/08 für den Bauunternehmer Heinrich Schenker errichtet, wurden hier in den Cottbuser Adressbüchern 1909 erstmals Bewohner notiert. 1999 wurde die Sanierung und Rekonstruktion des Gebäudes abgeschlossen, wobei die Straßenfassade erhalten blieb. Dieser imposante Bau ist durch eine lebhaft strukturierte Fassade gekennzeichnet. Farbkontraste, Fenstervariationen und drei unterschiedlich gestaltete Loggien im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss wecken die Aufmerksamkeit ebenso wie der segmentbogenförmige Fassadenvorsprung in der Mitte der Hausfront. Auf dem Satteldach des viergeschossigen Gebäudes befindet sich ein Zwerchhaus inmitten zweier Dachgauben. Optisch ist das höher gelegene Kellergeschoss durch einen gequaderten Sockel und ein Sockelgesims von der Hochparterre abgesetzt. Weitere Akzente setzen Lisenen und Ornamente in den oberen Etagen, die Kammstruktur im Putz der Hochparterre sowie das Glasmosaik mit Frauenkopfmotiv über dem Torbogen des Eingangs.
Wernerstraße 9 Das im Kontext der Blockrandbebauung wurde 1904/05 im Auftrag des Schmiedemeisters Hermann Kiesche vom Architektur- und Baugeschäft Dümpert & Hauke erbaut. Als Firmen waren 1905 H. Kieschke als Hufbeschlagmeister und 1921/22 die Holzhandlung Boyde & Leske eingetragen. Mit der fast komplett erhaltenen Fassade ist das Gebäude eines der wenigen intakten Vertreter dieser Architekturära am Schillerplatz.
Wernerstraße 10 In dem Haus der (frühere Grünstr. 14) wurden in den Cottbuser Adressbüchern 1881 erstmals Bewohner genannt. Der Schmiedemeister A. Krautz ließ sich das Haus erbauen. Die erste Eintragung unter Hotels und Gasthöfe ist 1897 nachgewiesen. Schon 10 Jahre vorher findet man immer wieder sogenannte „Restaurateure“, frühere Gasthofbesitzer, als Bewohner eingetragen. Das Haus gehört aus städtebaulicher Sicht zum ältesten Teil der historischen Bebauung am Schillerplatz. Das Haus ist zweigeschossig mit sieben Fensterachsen und symmetrischer Fassadengestaltung gebaut. Die Symmetrie wird durch den Eingangsrisalit, der in einem Zwerchgiebel mündet, erreicht. Auf dem Dach wurden nachträglich 1993 vier Giebelgauben eingebaut. Die Fassade wird durch verschiedene Gestaltungselemente gegliedert. Die beiden Seiten schließt eine Eckquaderung ab, die vom Erdgeschoss bis zum Obergeschoss durchgängig ist. Ein Gurtgesims mit einer Verkröpfung am Mittelrisalit, durch zwei aufgesetzte Voluten akzentuiert, schließt das Erdgeschoss ab. Die Fenster haben eine Profilrahmung und sind an den Fensterstürzen durch eine Bandstruktur verbunden. Im Obergeschoss sind die Fenster durch eine Profilrahmung und eine Gesimsverdachung hervorgehoben. Das zentrale Fenster über der Eingangstür wird durch eine Gesimsverdachung mit aufgesetzten Voluten betont. Der Mittelrisalit endet in dem Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel und zwei Fenstern. In den Adressbüchern verzeichnet wird 1899 ein Fuhrwerks- und Droschkenbesitzer, 1905 ein Pferdehändler und ab 1921/22 eine Ross-Schlächterei.
Wernerstraße 11
Dieses dreigeschossige , für den Zimmermeister Otto Rost durch den Maurermeister Paul Broeßke im Stil der Neurenaissance erbaut, wurde in den Cottbuser Adressbüchern erstmals 1889 als Mietshaus erwähnt. Es ist Teil der Blockrandbebauung an der Ostseite des Schillerplatzes. Bei der Rekonstruktion des Wohnhauses 1976/77 ist laut den Bauakten die ursprünglich reiche Fassadengliederung durch Putzabschlag verloren gegangen. Nur die Grundgliederung mit Lisenen und wenigen Dekormotiven wurde beibehalten. Die beiden äußeren der insgesamt vier Fensterachsen sind seitlich von geschossübergreifenden Lisenen flankiert. Alle Fenster wie auch der Eingang sind mit eingetieften Faschen umrahmt. Ein Gurtgesims, ein Sockel und eine glatte Putzfassade gestalten das Erdgeschoss. Im ersten bzw. zweiten Obergeschoss befinden sich Gesimsverdachungen über den Fenstern, die in den Seitenachsen einzeln und in den Mittelachsen paarig angeordnet sind. Dort wiederum fassen sie mit Segmentbögen bzw. Dreiecken ein Kartuschenmotiv ein. Das flachere dritte Obergeschoss ist durch ein Sohlbankgesims abgesetzt, welches in der Mitte durch ein Putzfeld unterbrochen wird. Dieses Putzfeld besitzt eine separate Sohlbank sowie eine Segmentbogenverdachung mit Muschelmotiv. Ein Flachdach mit weit ausladender Traufzone schließt das Gebäude ab.
Wernerstraße 12 Dieses viergeschossige , durch den Maurermeister Paul Broeßke im Stil der Neurenaissance erbaut, wurde in den Cottbuser Adressbüchern erstmals 1891 als Mietshaus erwähnt. Es ist Teil der Blockrandbebauung an der Ostseite des Schillerplatzes. Eine Sanierung erfolgte 1999. Das Erdgeschoss wird durch Sockel und Gurtgesims gekennzeichnet. Fenster und Eingang sind mit eingetieften Faschen umrahmt und verfügen über Sturzfelder mit Schlussstein und seitlichen Knöpfen. Ein Sohlbankgesims, Brüstungs- und Segmentbogenfelder mit Schlussstein umgeben die Fenster im ersten Obergeschoss. Das Traufband im zweiten Obergeschoss wird an den Lisenenansätzen durch Kartuschen betont und weist ein zentrales Dekormotiv auf. Das flachere dritte Obergeschoss wird durch ein Sohlbankgesims abgesetzt. Das Haus besitzt ein Flachdach mit weit ausladender Traufzone. In den Adressbüchern ist hier Anfang der 1920er Jahre ein Malergeschäft aufgeführt, später eine Schuhmacherei.
Wernerstraße 13 Dieses wurde 1887/88 für den Zimmermeister Otto Rost durch den Bauunternehmer Paul Broeßke erbaut. Es ist Teil einer Blockrandbebauung an der Ostseite des Schillerplatzes. 1994 erfolgte eine Rekonstruktionsmaßnahme. Es ist viergeschossig mit vier Fensterachsen und schlichter Fassadengestaltung. Geputzte Brüstungsspiegel und Fensterbänke im ersten Obergeschoss dienen als Basis für die profilierte und farblich abgesetzte, über zwei Geschosse geführte senkrechte Fensterrahmung. Gurtgesims und Sockel prägen das Erdgeschoss. Kleinere Fenster und ein Kranzgesims gestalten das dritte Obergeschoss. Den Abschluss bildet ein Flachdach mit ausladender Traufzone. In den Adressbüchern 1921/22 ist für dieses Haus u. a. eine Fleischerei und 1926 ein Fuhrunternehmen eingetragen.
Wernerstraße 14 In den Cottbuser Adressbüchern werden für die im Jahr 1891 die ersten Mieter aufgeführt. Der Maurermeister Paul Broeßke war Bauherr und Ersteigentümer dieses Miethauses. Das viergeschossige und vier Fensterachsen breite Gebäude fällt durch eine aufwendige Gestaltung der Fenster auf. So sind die äußeren Fenster des ersten und zweiten Obergeschosses durch hervortretende Putzeinfassungen geschossübergreifend verbunden. Über den äußeren Fenstern im zweiten Obergeschoss befindet sich zusätzlich ein Rundbogengesims. Das dritte Obergeschoss, ein Zwischengeschoss, ist niedriger ausgebaut worden und die Fassade wird durch eine weit ausladende Traufzone unter dem Dach abgeschlossen. Laut Bauakten wurde im Jahr 1971 eine Generalinstandsetzung und Modernisierung des Wohnhauses durchgeführt. In den Jahren 1979/80 folgte die Rekonstruktion des Daches und der Fassade. Dabei ist die bauzeitliche Fassadenstruktur fast vollständig zerstört worden. Auf eine denkmalgeschützte Arbeit konnte man zu dieser Zeit nicht hoffen. Im Januar 2013 wurde erneut mit der Innensanierung des Hauses begonnen.
Wernerstraße 15
Nach den Cottbuser Adressbüchern wohnten im Jahr 1891 die ersten Mieter in diesem , das ebenfalls durch den Maurermeister Broeßke erbaut wurde. Das Erdgeschoss dieses viergeschossigen und vier Fensterachsen breiten Gebäudes ist durch einen breiten Sockel mit einem Gurtgesims geprägt. Im Erdgeschoss rechts befindet sich eine verzierte Kassetten-Eingangstür zu den Mietwohnungen, bei der es sich wohl um die Originaltür handelt. Links befinden sich die Ladentür und das Schaufenster für die Geschäftsräume. Die Obergeschossfenster werden durch eingetiefte Faschen geprägt. Im ersten Obergeschoss sind die Fenstergesimse über jedem Fenster gesondert angebracht. Das dritte Obergeschoss unter dem Dach ist niedriger ausgebaut. Die Fassade mündet in einer weit ausladenden Traufzone mit einem Konsolgesims. Im Jahr 1903 war hier ein Viktualien- und Vorkostgeschäft eingemietet, 1921/22 ein Kolonial- und Materialwarengeschäft.
Wernerstraße 16 Bei der handelt es sich um ein viergeschossiges, siebenachsiges Mietshaus aus dem Jahr 1888. Die beiden zweiachsigen Seiten treten leicht hervor und werden im Sockelgeschoss durch Diamantquader und in den Obergeschossen durch Pilaster mit Diamantquadern betont. Der zentrale Eingang und die Fenster des Erdgeschosses sind mit Schlusssteinen versehen. Das Sockelgeschoss wird mit einem Gesims von den Obergeschossen getrennt. Im ersten Obergeschoss werden die Fenster mit einer geohrter Rahmung, Gesimsverdachung auf Konsolen und in der Brüstungszone mit Diamantquadern betont. Die Fenster der beiden Seiten sind jeweils durch eine gemeinsame Gesimsverdachung zusammengefasst. Im zweiten Obergeschoss werden die Fenster jeweils von einer Gesimsverdachung mit Diamantquadern und einem schmalen Dekorfeld unterhalb der Fenster eingerahmt. Das flache dritte Obergeschoss zeigt schmale Zwillingsfenster unter gemeinsamer Gesimsverdachung und leicht dekorierter Brüstungszone. Die Pilaster finden mit Diamantquadern im Hochformat und Beschlagwerk ihren Abschluss unterhalb der ausladenden Traufzone. Das Gebäude ist ein Zweispänner. Bauherr war der Schornsteinfegermeister J. Kuhnt. In den Jahren 1977 bis 1979 fanden Renovierungsarbeiten statt.
Wernerstraße 17 ist ein viergeschossiges Mietshaus aus dem Jahr 1886. Die Fassade geht über sechs Fensterachsen, von denen jeweils zwei durch Diamantquader im Erdgeschoss bzw. Pilaster in den Obergeschossen eingefasst werden. Die Geschosse werden durch Sohlbankgesimse optisch voneinander getrennt. Die Pilaster laufen mit angedeuteten Kapitellen in den jeweiligen Gesimsen aus. Die Fenster werden durch Faschen und mit einzelnen Gesimsverdachungen eingerahmt. Das erste Obergeschoss prägen Dekorfelder mit Diamantquadern im Brüstungsbereich. Das dritte Obergeschoss ist flacher ausgeführt. Das Haus ist ein Zweispänner, der Eingang ist zentral. Bauherr war der Klempnermeister Ernst Schulz.