mini|hochkant=1.3|Abtei Königsmünster mit angeschlossenem Gymnasium (links) und dem Begegnungszentrum „Oase“ (vorne links) (2005) mini|hochkant=1.3|Luftbild der Abtei Königsmünster (2013) Die Abtei Königsmünster in Meschede (Nordrhein-Westfalen) ist ein Kloster der Benediktinerkongregation von St. Ottilien. Neben der Mission und der Seelsorge betreiben die Brüder eine Reihe handwerklicher oder landwirtschaftlicher Betriebe und ein Gymnasium.

Geschichte Gründung Die Abtei wurde 1928 von Mönchen aus drei bayerischen Klöstern gegründet. Der Vertrag vom 2. März 1928 zwischen der Stadt Meschede und der Benediktinerkongregation von St. Ottilien (Missionsbenediktiner) sah vor, dass die Mönche die städtische Rektoratsschule übernehmen und dafür von der Stadt materielle Unterstützung für den Aufbau des Klosters erhalten. Die Kongregation schrieb einen Wettbewerb für einen Gesamtbebauungsplan des Klosters aus, den der Architekt Franz Schneider 1930 gewann. Auch bei der Ausschreibung setzte sich Schneider durch, so dass er die Ausführung der symmetrisch um eine Kirchenfassade entwickelten Gesamtanlage übernahm. Das Kloster erhielt den Namen Königsmünster, also „Kloster (lateinisch monasterium, davon deutsch Münster) des Königs (Christus).“

Innerhalb der Region stellten sich die Mönche auch in die Tradition von Kloster Grafschaft. Aus dem Wappen der alten Benediktinerabtei übernahm man in Meschede das Hirschgeweih. Außerdem erarbeiteten die Mönche in den letzten Jahren ein Nekrologium der Grafschafter Mönche, um ihrer an deren Todestagen im Gebet zu gedenken.

Priorat 1932 wurde das Kloster zu einem selbstständigen Priorat mit Pater Linus Leberle (1880–1956) als erstem Prior.Sorge um das Wohlbefinden. Ein Porträt von „P. Linus“. In: Gruß aus der Abtei Königsmünster, Jg. 2017, Heft 3, S. 27–29, hier S. 29. Zwischen 1937 und 1956 war Alban Buckel aus Münsterschwarzach Konventualprior. Durch das nationalsozialistische Regime wurde das Kloster 1941 beschlagnahmt.

Abtei mini|Die Abtei (2003) Am 18. Oktober 1956 wurde das Kloster in den kirchenrechtlichen Rang einer Abtei erhoben und Pater Harduin Bießle wurde zum ersten Abt gewählt. In seine Amtszeit fiel der Bau der Abteikirche durch den Architekten Hans Schilling. Beim Kirchenbau wurden bewusst Formensprache und Symbolik für Menschen des 20. Jahrhunderts gewählt. Die Kirche wurde am 1. September 1964, also am 25. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, als „Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann“ (Jahresbericht von 1958) geweiht.

In der Amtszeit des zweiten Abtes, Stephan Schröer (1976–2001), traten zahlreiche junge Männer der Gemeinschaft bei, so dass der Konvent zwischenzeitlich auf über 80 Mitglieder anwuchs. Dazu trug vermutlich bei, dass die Abtei durch die Arbeit in der Schule inzwischen in der Region sehr bekannt geworden war und durch ein verstärktes Engagement in der Jugendarbeit (Jugendgästehaus Oase seit 1981) gerade junge Menschen anzog.

In das Jahr 2001 fielen die Einweihung des „Hauses der Stille“, dessen von Peter Kulka stammende Architektur in der Fachwelt Beachtung fand, die Resignation von Abt Stephan, die Begrenzung der Amtszeit des Abtes auf 12 Jahre durch Beschluss der Gemeinschaft und die Wahl von Pater Dominicus Meier zum dritten Abt.

Im März 2010 wurden im Zuge der bundesweiten Aufdeckung von Missbrauchsfällen auch Missbrauch durch einen Mönch der Abtei Königsmünster in mehreren Fällen öffentlich bekannt.

Die heute ungefähr 50 Mönche (2026) arbeiten in der Schule (Gymnasium der Benediktiner), in der Jugendarbeit, im „Haus der Stille“ (Haus für Einkehr und Exerzitien), in der Seelsorge und in verschiedenen Werkstätten. Einige Brüder sind als Missionare in Südkorea, Tansania und Kuba tätig, drei arbeiten in der Cella Sankt Benedikt in Hannover.

Zur Unterstützung des Klosters wurde am 11. Januar 1990 der Freundeskreis Königsmünster e. V. gegründet, dem über 1.000 Mitglieder deutschlandweit angehören.

Abteikirche mini|Abteikirche, Haupteingang von Südosten (2023)

Die Planungen für den Bau der Abteikirche fanden zeitlich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil statt. Vor dem Hintergrund der Aufbruchstimmung der Erneuerungsbewegung stritten die Brüder mit dem Architekten um die Gestalt ihrer Kirche. Beim Kirchenbau wurden Formensprache und Symbolik für Menschen des 20. Jahrhunderts gewählt. Die Kirche wurde am 1. September 1964, also am 25. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, als „Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann“ (Jahresbericht von 1958) geweiht. Geprägt ist der Bau durch die Einfachheit des Grundrisses und eine für ein katholisches Gotteshaus bemerkenswerte Schlichtheit der Ausstattung. Nach außen hin wirkt die weithin sichtbare Kirche aus rotbraunen Klinkersteinen wie eine große Burg oder wie ein Schiff.

Orgel Die 1971 von der Werkstatt Orgelbau Kreienbrink gebaute Orgel (III+P/38) wurde nach Ausfall der Windlade des Hauptwerkes und wegen Materialverschleißes Anfang September 2008 außer Dienst gestellt.

Das Nachfolgeinstrument ist von der Orgelbauwerkstatt Klais aus Bonn ab April 2016 wiederum auf der Empore oberhalb der Marienkapelle errichtet worden. Die Orgel ist auf 58 Register auf drei Manualen und Pedal disponiert. Die Orgelweihe erfolgte im Pontifikalamt zum 52. Kirchweihfest am 1. September 2016 durch den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker.

I Hauptwerk C–c4 1. Großprincipal 16′ 2. Bourdon 16′ 3. Principal 8′ 4. Gambe 8′ 5. Vox angelica 8′ 6. Traversflöte 8′ 7. Gedeckt 8′ 8. Dulciana 8′ 9. Octave 4′ 10. Flöte 4′ 11. Quinte ′ 12. Superoctave 2′ 13. Terz ′ 14. Mixtur IV 15. Trompete 16′ 16. Trompete 8′ II Schwell-Positiv C–c4 17. Minorprincipal 8′ 18. Bordun 8′ 19. Echogambe 8′ 20. Flute céleste 8′ 21. Dolce 8′ 22. Octave 4′ 23. Nachthorn 4′ 24. Flautino 2′ 25. Progressio II-IV 26. Horn 16′ 27. Horn 8′ 28. Clarinette 8′ 29. Horn 4′ Tremulant III Schwellwerk C–c4 30. Salicional 16′ 31. Geigenprincipal 8′ 32. Harmonieflöte 8′ 33. Viola 8′ 34. Vox coelestis 8′ 35. Aeoline 8′ 36. Violine 4′ 37. Querflöte 4′ 38. Nasat ′ 39. Piccolo 2′ 40. Terz ′ 41. Harmonia aetheria IV 42. Fagott 16′ 43. Trompette 8′ 44. Oboe 8′ Tremulant Pedalwerk C–f1 45. Bordun 32′ 46. Principalbass 16′ 47. Violon 16′ 48. Subbass 16′ 49. Zartbass 16′ 50. Octavbass 8′ 51. Cello 8′ 52. Gedecktbass 8′ 53. Superoctave 4′ 54. Posaune 16′ 55. Horn 16′ 56. Tuba 8′ 57. Horn 8′ 58. Tuba clairon 4′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Suboktavkoppeln: I/I, II/I, II/II, III/I, III/III Superoktavkoppeln: I/I, II/I, II/II, III/I, III/III, II/P, III/P Melodiekoppeln: II/I, III/I, III/II Äquallage-Absteller: I, II, III

Glocken Das Glockengeläut besteht aus sieben Bronzeglocken. Die Kirchenglocken wurden 1964 von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock (Gescher) gegossen, mit Ausnahme von Glocke Nr. 5, die von derselben Glockengießerei im Jahre 2002 ergänzt wurde.Informationen zu den Glocken mit Klangprobe auf YouTube

Glocke Name Gussjahr Durchmesser Masse Nominal(16tel) Inschrift 1 Christus 1964 1680 mm 2900 kg h0 CHRISTUS KÖNIG DES WELTALLS 2 Michael 1400 mm 1700 kg d1 ST. MICHAEL BANNERTRÄGER DES FRIEDENS 3 Maria 1240 mm 1200 kg e1 + MARIA UNSERE LIEBE FRAU VOM BERGE 4 Benedikt 1090 mm 800 kg fis1 +1 ST. BENEDIKT VATER DER LOBPREISENDEN 5 Peter 2002 1000 mm 680 kg g1 ST. PETER HÜTER DER KIRCHE 6 Bonifatius 1964 915 mm 450 kg a1 +2 ST. BONIFATIUS KÜNDER DER FROHEN BOTSCHAFT 7 Antonius 810 mm 330 kg h1 +2 ST. ANTONIUS RUFER ZUR STILLE IN GOTT

Klosteranlage Wirtschaftsbetriebe Die Abtei hat verschiedene Handwerksbereiche. Dazu gehört eine Schmiede, in der einige Brüder, Mitarbeiter, Auszubildende und Praktikanten verschiedene Metallobjekte aus Stahl und Messing herstellen. Neben Kreuzen, Grabmälern und Geländern werden auch Skulpturen und Brunnen gestaltet. Während die Schmiede von einem Bruder geleitet wird, arbeiten in der klostereigenen Schreinerei zurzeit nur weltliche Beschäftigte. Sie diente lange Zeit überwiegend dem Eigenbedarf, nimmt jedoch jetzt auch Fremdaufträge an. Die Schreinerei fertigt unter anderem Möbel in Handarbeit.

Weitere Werkstätten sind die Schneiderei, in der die Habite der Brüder hergestellt werden, eine Handweberei, in der insbesondere liturgische Paramente gewebt und geschneidert werden und eine Hand-Töpferei, in der verschiedene Keramikgegenstände hergestellt werden.

mini|500px|Die Abtei oberhalb Meschedes (2009)

Früher gehörten zum Kloster auch eine Landwirtschaft und eine Gärtnerei. Die Gärtnerei produzierte fast ausschließlich Gemüse und Ähnliches für den Eigenbedarf der Einrichtung. Die Produkte der Landwirtschaft wurden unter anderem durch eine hauseigene Metzgerei weiterverarbeitet und vermarktet. Die Produkte des „Putenpaters“ Reinald Rickert waren weit über die Grenzen der Stadt Meschede hinaus von Restaurants und Privatpersonen geschätzt.

Klosterläden Zum Klosterbetrieb gehört eine Buch- und Kunsthandlung, die mehrfach als beste Klosterbuchhandlung Deutschlands ausgezeichnet wurde. Neben Literatur und Kunst werden dort im Klosterladen auch die weiteren Produkte der Abtei, insbesondere aus dem Lebensmittelbereich, angeboten.

Weitere Klosterläden werden im benachbarten Olsberg sowie in Rüthen-Meiste betrieben.

Abteigaststätte Direkt auf dem Klosterareal befindet sich die Abteigaststätte, die sowohl für Übernachtungsgäste als auch für Tagesbesucher geöffnet ist. In Teilen dient sie auch als Mensa für Schüler und Lehrer des Gymnasiums. Die angebotenen Gerichte und Produkte stammen überwiegend aus eigener Produktion und von im Kloster selbst erzeugten Zutaten.

Gymnasium Das Gymnasium der Benediktiner war der ursprüngliche Grund für die Errichtung des Klosters in Meschede. Es spielt noch immer eine wichtige Rolle für die Abtei.

Es ist heute ein staatlich anerkanntes Gymnasium und vergibt als Ersatzschule dieselben Abschlüsse wie staatliche Gymnasien. Die Schule hat etwa 680 Schülerinnen und Schüler. Das Kollegium umfasst neben einigen Mönchen vor allem Lehrkräfte, die als Planstelleninhaber und -inhaberinnen beamtengleiche Rechte und Pflichten haben. Bemerkenswert sind u. a. die zahlreichen Schulpartnerschaften mit anderen Benediktinerschulen. Eine weltweite Vernetzung mit Schulen in benediktinischer Tradition besteht ebenso auf Seiten der Lehrer und Eltern. Die Betonung des musischen Aspekts durch Schultheater, -chor, -orchester, Bläser- und Chorklassen sowie Kunstausstellungen sind Kennzeichen der Einrichtung. Im MINT-Bereich werden in der Sekundarstufe II Leistungskurse in allen Naturwissenschaften angeboten, das Fach Informatik kann regelmäßig auch als Abiturfach gewählt werden. Zahlreiche Angebote der Schulseelsorge, aber auch der Schulsozialarbeit und des Beratungslehrerteams sind wichtige Angebote des Schulprogramms.

Zudem wird Gymnasiasten aus dem eigenen sowie weiteren 42 Gymnasien sowie Studierenden die Möglichkeit zur Teilnahme an der Jungen Akademie der Abtei Königsmünster (ehemals Oberstufenakademie) angeboten.Oberstufenakademie Königsmünster In Wochenendseminaren und Abendveranstaltungen sollen Fähigkeiten auf personalem, sozialem und geistigen Gebiet erweitert werden.

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