Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist mit einer Körperlänge von bis zu zehn Metern und einer Masse von bis zu rund vier Tonnen nach dem Walhai der zweitgrößte bekannte Fisch der Erde. Wie der Walhai und der Riesenmaulhai ernährt sich auch der Riesenhai von Plankton. Im Gegensatz zum Walhai, der das Wasser einsaugt und durch seine Kiemenreusen filtriert, schwimmt der Riesenhai mit geöffnetem Maul und lässt so das Wasser durch die Kiemen strömen. Mit dieser Methode ist er in der Lage, rund 1800 Tonnen Wasser in der Stunde nach Nahrung zu filtern.
Er ist die einzige Art der gleichnamigen Familie innerhalb der Makrelenhaiartigen (Lamniformes), zu denen einige der größten und bekanntesten Arten räuberischer Haie wie etwa der Weiße Hai, die Makohaie und die Heringshaie gehören.
Medial und umgangssprachlich wird der Begriff Riesenhai oft für andere sehr große Arten und Individuen der Haie verwendet, etwa für den Megalodon.science.orf.at: Riesenhai starb durch Beutemangel
Merkmale Der Riesenhai erreicht als erwachsenes Tier normalerweise eine Körperlänge von 6,70 bis 8,80 Metern und kann maximal bis zu 10 Meter, nach anderen Quellen auch 12 Meter lang werden. Er ist damit nach dem Walhai (Rhincodon typus) die zweitgrößte Hai- und zugleich Fischart der Erde. Rund 25 Prozent des Körpergewichtes des Riesenhais macht die ölhaltige Leber aus, die den Tieren den Auftrieb im Wasser ermöglicht. Die Färbung ist fast einfarbig dunkelgrau, graubraun bis schwärzlich, wobei der Rücken dunkler als die Unterseite ist. Häufig besitzen die Tiere helle bzw. dunkle Flecken auf dem Rücken und den Körperseiten, außerdem unterhalb des Kopfes. Auch die Flossenunterseiten sind dunkelgrau gefärbt, bei Jungtieren sind sie allerdings weiß mit einer scharfen Abgrenzung gegenüber den dunklen Bereichen. In sehr seltenen Fällen kann Albinismus auftreten.
mini|Umrisszeichnung eines männlichen Riesenhais von 1896 Die Brustflossen sind sehr breit. Der Riesenhai hat zwei Rückenflossen, von denen die erste die zweite deutlich überragt und hinter dem freien hinteren Ende der Brustflossen ansetzt. Außerdem besitzt er ein Paar Bauchflossen, eine Analflosse, die fast ebenso groß ist wie die zweite Rückenflosse, und eine mondsichelartige Schwanzflosse mit breiten Seitenkielen auf dem Schwanzflossenstiel und einem sehr langen oberen Lobus, während der untere etwas kürzer ist (heterozerke Schwanzflosse). Die Flosse ist an der oberen Spitze deutlich eingekerbt.
Die Schnauze ist konisch-spitz und langgezogen und ragt weit über das Maul hinaus; die zahlreichen und mehrreihig stehenden einspitzigen Zähne des Ober- und des Unterkiefers sind sehr klein und gebogen. Sowohl die Augen als auch die Spritzlöcher sind sehr klein. Das auffälligste Merkmal des Riesenhais sind, neben seiner Größe, die fünf Paare riesiger Kiemenspalten, die seinen Körper hinter dem Kopf wie einen Kragen umgeben und sich an der Körperober- und -unterseite fast treffen. An der Innenseite sind die Kiemenbögen mit Reusen aus modifizierten Zähnen in einer Schleimhaut ausgestattet, die der Ernährung dienen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Hauptverbreitungsgebiete des Riesenhais Riesenhaie kommen in beiden Hemisphären vor. Sie bevorzugen kalte bis mäßig warme Gewässer, wo sie dem jeweiligen Planktonangebot folgen. Auf der Grundlage von Sichtungen, die in der Regel in Küstennähe erfolgten, wurde ihre Verbreitung bisher auf die küstennahen und pelagischen Bereiche des Atlantischen Ozeans (Neufundland bis Florida, südliches Brasilien und Argentinien, Südafrika, Mittelmeer, Nordsee, Norwegen und Island) und des Pazifiks (Japan, Korea, China, die Südküste Australiens, Neuseeland, Tasmanien, Chile, Peru, Ecuador und Golf von Kalifornien bis zum Golf von Alaska) eingeschränkt. Die Haie dringen bei ihrer Nahrungssuche auch in Buchten und Ästuare vor.
Lebensweise Die Lebensweise der Riesenhaie ist bisher nur sehr wenig erforscht, insbesondere über die Fortpflanzung, das Wanderverhalten und die sozialen Strukturen innerhalb der Haischulen liegen nur sehr wenige Beobachtungen vor. Sie sind tagaktiv und ausdauernde, langsame Schwimmer, die mitunter lange Wanderungen unternehmen. Sie kommen einzeln oder auch in Gruppen (Schulen) von bis über 100 Tieren vor. Gelegentlich teilen sich die Gruppen in gleichgeschlechtliche Gruppen mit Individuen etwa gleichen Alters auf.
Ernährung und Wanderungen miniatur|Kopf eines Riesenhais Der Riesenhai ernährt sich ebenso wie der Walhai von Zooplankton, also kleinen tierischen Organismen, die im freien Wasser treiben (vor allem Kleinkrebse, Flügelschnecken, Fischeier und -larven). Zur Nahrungsaufnahme schwimmt er häufig nahe der Wasseroberfläche und filtriert mit weit geöffnetem Maul und langsam schwimmend das Plankton aus dem Wasser, das sich an den Reusen der Kiemen verfängt und dann abgeschluckt wird. Die Kleinkrebse und anderen Planktonorganismen verfangen sich in den schleimbedeckten Reusenzähnen und werden beim Schließen des Mauls in den Schlund gespült. Mit dieser Methode ist der Riesenhai in der Lage, rund 1800 Tonnen Wasser in der Stunde nach Nahrung zu filtern, wobei ein ausgewachsener Riesenhai bis zu 500 Liter Zooplankton zur Ernährung am Tag braucht.
Die Reusen werden in regelmäßigen Abständen von etwa vier bis fünf Monaten abgeworfen und durch neue ersetzt. Unklar ist, ob dies mit einer Fastenzeit der Haie einhergeht, während der sich die Tiere in tiefere Wasserschichten zurückziehen. Die Vermutung, dass die Tiere eine Art von Winterschlaf in der Phase halten, in der sie ihre Kiemenreusen erneuern, konnte allerdings widerlegt werden. Dabei unterscheiden sich die Reusenzähne des Riesenhais in ihrem Aufbau grundlegend von jenen aller anderen planktonseihenden Knorpelfische, da ihnen ein knorpeliger Kern fehlt. Dieser ist nicht nur bei den zu siebähnlichen Strukturen umgewandelten Kiemenreusendornen des Walhais und der Mantarochen, sondern auch bei den Reusenzähnen des Riesenmaulhais vorhanden, welche äußerlich und funktionell mit jenen des Riesenhais vergleichbar sind. Dessen zwischen 10 und 15 cm langen Filterborsten bestehen jedoch im Inneren nur aus Keratin, weshalb sie wohl umgewandelte Plakoidschuppen darstellen, wozu auch die regelmäßige Erneuerung passt.
Eine auf drei Jahre angelegte Studie der Marine Biological Association in Plymouth im Jahr 2002, bei der insgesamt 21 Riesenhaie mit Satellitensendern ausgestattet wurden, zeigte, dass sie bei der Suche nach Nahrung große Strecken auch auf dem offenen Meer zurücklegen und dabei eine Wassertiefe von über 700 Metern erreichen. Gelegentlich überqueren sie bei den bis zu 9000 Kilometer langen Strecken sogar den Äquator und sind während der Wintermonate äußerst aktiv, wie eine Untersuchung der Massachusetts Division Of Marine Fisheries im Jahr 2009 ergab. Während sie im Sommer in Oberflächennähe nach Nahrung suchen, folgen sie den Planktonschwärmen auf der Nordhalbkugel in den Monaten vom November bis zum März in größere Tiefen unterhalb des Kontinentalschelfs, in denen sich zu dieser Zeit große Mengen Zooplankton aufhalten.
Energiehaushalt Einige Makrelenhaie sind in der Lage, ihre Körpertemperatur über längere Zeit konstant zu halten. Bekannt ist dieser Effekt vor allem von räuberisch lebenden Tieren wie dem Weißen Hai, die diese Fähigkeit für ihre Beutejagd einsetzen. Der Riesenhai besitzt einzelne Körpermerkmale, die von solchen partiell endothermen Fischen bekannt sind. Dazu gehört unter anderem tiefer im Körper sitzendes rotes Muskelfleisch, welches der schwimmenden Fortbewegung dient und das bei den meisten anderen, eher wechselwarmen Fischen näher zur Körperaußenseite sitzt. Ebenso ist das Herz deutlich muskulöser gebaut. Messungen an lebenden Riesenhaien ergaben, dass diese ihre Körpertemperatur um 1 bis 1,5 °C über der umgebenden Wassertemperatur halten können. Möglicherweise befähigt es die Tiere, auch in kälteren Meeresgegenden Nahrung zu suchen. Eine ebenfalls partielle Endothermie ist auch vom Walhai bekannt und wird zudem für Megalodon vermutet.
Fortpflanzung und Entwicklung Während der Balz folgen die Männchen den Weibchen, um sich mit ihnen zu paaren. Bei der Paarung platziert das Männchen seine Brustflossen über die erste Rückenflosse des Weibchens, während er die Klaspern in die Kloake einführt. Dabei reibt die raue Haut der Partner gegeneinander, was bei beiden Geschlechtern zu Abschürfungen der Hautpartien im Bereich der Kloake führt. Aufgrund der Untersuchung von Narbenbildungen in der Vagina der Weibchen wird angenommen, dass es in einer Paarungssaison zu Mehrfachpaarungen mit verschiedenen Männchen kommt. Die Spermien der Männchen liegen in Paketen, den Spermatophoren, mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimeter vor. Bei der Begattung werden etwa 15 Liter Sperma in das Weibchen übertragen. Die Weibchen besitzen zwei Eierstöcke, von denen jedoch nur der rechte ausgebildet ist, in dem dann die reifen Eier produziert werden. Nach der Befruchtung entwickeln sich die befruchteten Eier im Uterus des Weibchens.
Die trächtigen Weibchen sondern sich von den Haigruppen ab und entfernen sich von den Küstengewässern. Angenommen wird eine Tragzeit von mehr als einem Jahr. In der Regel werden noch nicht geschlechtsreife und nicht trächtige Weibchen deutlich häufiger gefangen und gesichtet als trächtige Weibchen, und auch das Verhältnis zwischen Männchen und Weibchen ist deutlich in Richtung der Weibchen verschoben.
Riesenhaie gebären lebende Junge, die aus Eiern schlüpfen, die im Mutterleib bebrütet worden sind und sich bereits vor der Geburt öffnen; sie sind somit ovovivipar. Vor der Geburt ernähren sich die Jungtiere wahrscheinlich oophag, also durch unbefruchtete Eier der Mutter. Ob es beim Riesenhai zu der von verwandten Haiarten bekannten Adelphophagie kommt, ist nicht bekannt. Der Wurf besteht aus wenigen Jungtieren, allerdings ist bislang nur ein Wurf mit 6 Jungtieren tatsächlich dokumentiert. Neugeborene Riesenhaie haben wahrscheinlich eine Körperlänge von 1,5 bis 1,8 Metern.
Die Geschlechtsreife erreichen die sehr langsam wachsenden Tiere wahrscheinlich bei einer Körperlänge von 5,70 Metern bei den Männchen und 8 Metern bei den Weibchen.
Fressfeinde und Parasiten Als Fressfeind der Riesenhaie ist nur der Schwertwal bekannt.Ingrid N. Visser: First Observations of Feeding on Thresher (Alopias vulpinus) and Hammerhead (Sphyrna zygaena) Sharks by Killer Whales (Orcinus orca) Specialising on Elasmobranch Prey. In: Aquatic Mammals. 31, 2005, S. 83–88, (). Es wird davon ausgegangen, dass nur sehr wenige Räuber Riesenhaie jagen und erbeuten. Von Weißen Haien wurde berichtet, dass sie das Aas der Haie fressen.
Unter den Parasiten sind bislang vor allem die Ektoparasiten erforscht, also diejenigen, die an der Außenhaut der Haie parasitieren. Dabei spielen vor allem Meerneunaugen (Petromyzon marinus) eine wichtige Rolle, die sich in der Haut der Haie verbeißen, ohne diese allerdings zu durchdringen. Auch der Zigarrenhai (Isistius brasiliensis), der dafür bekannt ist, dass er mit Hilfe seines Gebisses aus Großfischen und Meeressäugern Fleischstücke herausbeißt, attackiert den Riesenhai.
Evolution und Systematik