Markt Herrnsheim ist ein Gemeindeteil des Marktes Willanzheim im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Markt Herrnsheim hat eine Fläche von 4,832 km². Sie ist in 624 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7743,07 m² haben.
Geografische Lage Der Ort liegt auf freier Flur im Ochsenfurter Gau am Herrnsheimer Bach, einem rechten Zufluss des Neuwiesenbachs. Die Staatsstraße 2419 führt nach Willanzheim (2,4 km nördlich) bzw. nach Hüttenheim (1,6 km südöstlich). Die Kreisstraße KT 5 führt nach Tiefenstockheim (2,7 km westlich).
Geschichte Herrnsheim wurde wahrscheinlich im Zuge der Fränkischen Landnahme im 6. nachchristlichen Jahrhundert besiedelt. In den schriftlichen Quellen wurde der Ort allerdings erst im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Herno. Im Jahr 1155 übergab Eispertus de Sovvensheim (Seinsheim) seine Höfe in „Hernesheim“ und Seinsheim an das Bamberger Benediktinerkloster auf dem Michelsberg. Um 1300 soll der Ort als Reichsdorf und Teil der Reichsgüter „unter den Bergen“ nur dem Kaiser unterstellt gewesen sein. Heute geht man davon aus, dass das Reichsoberhaupt dort lediglich die Vogtei über Güter der Würzburger Bischöfe innehatte.R. Schmitt: 1200 Jahre Bullenheim, S. 42f.
Lange Zeit hatte Herrnsheim zusammen mit sieben anderen Dörfern Anteil am sogenannten Kunigundenwald, der als Markgenossenschaft verwaltet wurde. Erst 1458 löste man diese Form der Verwaltung auf.
In Geldnot verpfändete König Albrecht I. von Habsburg Herrnsheim im Jahr 1302 an Albert von Hohenlohe. Eine weitere Förderung erhielt das Dorf durch Erkinger I. von Seinsheim, Freiherr von Schwarzenberg. Er erwarb 1435 den Ort. Die alleinige Dorfherrschaft erhielten die späteren Fürsten zu Schwarzenberg allerdings erst 1485, als Graf Friedrich IV. zu Castell auf sein Wiederverkaufsrecht verzichtete.
Die Schwarzenberger förderten ihre Neuerwerbung. So erhielt Herrnsheim 1583 das Marktrecht mit einem Markt am Sonntag nach Jakobi. Gleichzeitig stattete man das Dorf mit einem eigenen Siegel aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Dorf bereits die evangelisch-lutherische Lehre angenommen. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zu oftmaligen Wechseln der Konfession. Erst 1664 konnte man sich im Kitzinger Rezess auf eine gemeinsame Nutzung der Ortskirche durch Katholiken und Lutheraner einigen.I. Reifenscheid-Eckert: Markt Herrnsheim, S. 52.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Markt Herrnsheim aus 19 Hofreiten. Hoch- und Niedergericht hatte das Schwarzenbergische Amt Wässerndorf inne. Grundherren waren das Amt Wässerndorf (7 Hofreiten), das schwarzenbergische Amt Seehaus (7 Hofreiten) und die Herrschaft Schwarzenberg direkt (5 Horeiten).H. Weber: Landkreis Kitzingen, S. 163.
Im Jahr 1806 kam Herrnsheim an das Königreich Bayern.H. Weber: Landkreis Kitzingen, S. 196. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde Herrnsheim dem Steuerdistrikt Hüttenheim zugewiesen. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Herrnsheim, zu der die Herrnsheimer Mühle gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Hohenlandsberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheinfeld, nach dessen Auflösung im Jahr 1818 dem Rentamt Iphofen. Mit der Auflösung des Herrschaftsgerichtes im Jahr 1850 kam Herrnsheim an das Landgericht Markt Bibart. Am 25. August 1857 wurde die Gemeinde an das Landgericht Marktbreit und an das Rentamt Ochsenfurt überwiesen (1919 in Finanzamt Ochsenfurt umbenannt).H. Weber: Landkreis Kitzingen, S. 218. Ab 1862 war das Bezirksamt Kitzingen (1939 in Landkreis Kitzingen umbenannt) für die Verwaltung der Gemeinde zuständig. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Marktbreit (1879 in Amtsgericht Marktbreit umbenannt), ab 1932 war das Amtsgericht Kitzingen zuständig. Die Finanzverwaltung wurde im gleichen Jahr vom Finanzamt Kitzingen übernommen.H. Weber: Landkreis Kitzingen, S. 224. 1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 4,836 km². Am 1. Mai 1978 wurde Markt Herrnsheim im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Willanzheim eingegliedert.
Noch 2004 bestand in Herrnsheim ein sogenannter Eichbrunnen. Er entstand bereits im Jahr 1524 und erfuhr in späteren Jahrhunderten häufige Veränderungen. Der Brunnen war der Ort, wo die Gefäße der Wirte auf ihre Größe überprüft wurden. Der Brunnen wurde 1674, 1774, 1802 und 1889 erneuert, später sogar versetzt. Auch brachte man hier Hochwassermarken an.I. Reifenscheid-Eckert: Markt Herrnsheim, S. 53.
Wappen
Baudenkmäler mini|hochkant|Die Kirche St. Martin in Herrnsheim In Markt Herrnsheim gibt es sechs Baudenkmäler: Größtes Gebäude des Ortes ist die Simultankirche St. Martin. Sie liegt inmitten einer gut erhaltenen Kirchenburg aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche selbst weist einen romanischen Turm auf, er wurde 1761 mit einer welschen Haube versehen. Um das Jahr 1400 kam das frühgotische Sakramentshäuschen in den Chor des Gotteshauses, der Taufstein hat die Form eines Kelches und entstammt dem Jahr 1607. Eine Glocke aus dem 13. Jahrhundert gilt als die älteste der Region. Daneben sind das Pfarrhaus, das Rathaus, die Herrnsheimer Mühle und ein Wappenrelief an einem Gebäude denkmalgeschützt.
Bodendenkmäler In der Gemarkung Markt Herrnsheim gibt es fünf Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2013Einwohner 324 364 387 395 375 373 377 380 393 375 364 351 320 315 309 309 322 286 275 451 386 330 292 286 246 231HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 79 75 84 78 80 79 72 63 64 66 Quelle Für die Gemeinde Herrnsheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Schwarzenmühl (S. 84).
Religion Markt Herrnsheim ist evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Martin.
Persönlichkeiten Gerhard Hildmann (1907–1992), Theologe und Politiker Ludwig Kelber (1824–1906), Pfarrer und Schriftsteller
Literatur Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. S. 53–70. Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.
Ingrid Reifenscheid-Eckert: Markt Herrnsheim. In: Jesko zu Dohna (Hg.): Kulturpfad. Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Münsterschwarzach 2004. S. 52–53. Richard Schmitt: 1200 Jahre Bullenheim. Ippesheim 2016.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Kitzingen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kitzingen) Kategorie:Ehemaliger Markt in Bayern Kategorie:Geographie (Willanzheim) Kategorie:Ersterwähnung 1155 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Reichsdorf Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kitzingen