St. Gertrud ist ein 1875 errichtetes und nach dem Zweiten Weltkrieg verändert wiederaufgebautes, katholisches Kirchengebäude im Norden der Essener Innenstadt. 2025 wurde die Kirche verkauft und darin ein Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung aufgebaut.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Kirche St. Gertrud um 1907 mini|hochkant=1.2|Ansicht von Südosten (2017) Durch den Bevölkerungszuwachs Essens aufgrund der industriellen Revolution war das Essener Münster, das sich seit der Aufhebung des Stifts die beiden katholischen Innenstadtgemeinden als Pfarrkirche teilten, zu klein geworden. Da die südliche Innenstadtgemeinde St. Johannis bis zur Aufhebung des Stifts die dem Münster vorgelagerte Kirche St. Johannis genutzt hatte, sollte diese im Münster verbleiben, während für die nördliche Innenstadtgemeinde ein Neubau entstehen musste, da diese ihre St. Gertrudiskirche aufgrund der Reformation verloren hatte. Die Trennung der Gemeinden St. Johannis und St. Gertrud wurde 1867 vereinbart.Gertrudiskirche, 25 Jahre. In: Essener Neueste Nachrichten vom 15. Dezember 1900 Die neue, ursprünglich dreischiffige Hallenkirche aus Sandstein wurde in den Jahren 1872 bis 1877 nach Plänen von August Rincklake in der Nähe des ehemaligen Viehofer Tores errichtet. Sie orientierte sich stilistisch an frühgotischen Vorbildern und untersteht, wie die durch die Reformation protestantisch gewordene Vorgängerkirche, dem Patrozinium der heiligen Gertrud von Nivelles. Die feierliche Grundsteinlegung des Hochaltars erfolgte am 18. Mai 1875.Essener Volkszeitung vom 21. Mai 1875

Die Einsegnung der noch nicht komplett fertiggestellten Kirche fand am 14. Dezember 1875 statt. Den Feierlichkeiten wohnten neben dem Architekten Rincklage unter anderem auch Oberbürgermeister Gustav Hache, der Verleger Anton Fredebeul, der Unternehmer Hermann Elting, Pfarrer Peter Beising und das Kirchenvorstandsmitglied Franz Arens bei.Artikel unter Provinzielles in der Essener Volkszeitung vom 16. Dezember 1875

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört und danach bis 1955 durch den Essener Architekten Emil Jung stark verändert wiederaufgebaut.Dohmen, Sons: Kirchen, Kapellen, Synagogen in Essen. Essen 1998, S. 83.

Turm und Glocken Der Turm der Kirche ist heute 59 Meter hoch.St. Gertrud Essen auf kirchbau.de Vor dem Zweiten Weltkrieg maß er 75 Meter. Er enthält ein fünfstimmiges Glockengeläut aus Bronze, das 1957 von Wolfgang Hausen in der Glockengießerei Mabilon gegossen wurde.Glockenbuch Stadtdekanat Essen: St. Gertrud, S. 29–33 Nr. Name Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Gertrud 1806 mm 3500 kg a°+4 2 Christus 1354 mm 1500 kg d′+2 3 Maria 1211 mm 1050 kg e′+2 4 Joseph 1070 mm 750 kg fis′+2 5 Michael 1009 mm 600 kg g′+3

Das erste Geläut wurde 1891 gegossen. Es besaß die 1249 Kilogramm schwere Petrusglocke, die an den Pfarrer Peter Beising erinnern sollte. Sie trug die Inschrift: Die Glocke de hl. Petrus verkündet durch den Weltenraum den Glauben Petri.Essener Volkszeitung vom 13. Mai 1923

Kirchenausstattung Monstranz Die Kirche beherbergt eine 91 cm hohe Monstranz aus vergoldetem Silber mit der Jahreszahl 1521. Über dem sechsseitigen Fuß folgt ein sechsseitiger Untersatz, auf dem ein Glaszylinder mit zwei seitlich hohen Streben mit den Statuetten der Heiligen Petrus, Paulus, Sebastian und Christian. Über dem Zylinder befindet sich der Aufbau der Hl. Gertrud, des Gottvaters, Jesu Christi und des Heiligen Geistes.Paul Clemen: Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Essen. (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 2/3.) Düsseldorf 1893, S. 114 f.

Orgel Die Orgel von St. Gertrud wurde 1955 von der Manufaktur Klais Orgelbau gebaut und in der Kirche aufgestellt. Sie verfügt über 20 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Vorgängerinstrument der Manufaktur Orgelbau Sauer aus dem Jahr 1884, das den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, hatte einen etwa den doppelten Umfang (41 Register auf drei Manualen und Pedal).

Pfarrei Vor der Strukturreform des Bistums Essen im Jahr 2008 war St. Gertrud unter anderem mit der heute aufgelösten Pfarrei des Essener Doms und der ebenfalls aufgelösten Gemeinde von St. Marien im Segeroth verbunden. Heute gehören zur Pfarrei St. Gertrud die Kirchen Heilig Kreuz im Südostviertel, St. Bonifatius in Huttrop, St. Ignatius in Holsterhausen und St. Michael am Wasserturm.

Zukunft als Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung Im Rahmen des Pfarreienentwicklungsprozesses wurde im Jahr 2018 entschieden, sich von der Kirche zu trennen, da die aktive Mitgliederzahl der Ortsgemeinde in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Im Frühjahr 2025 verkaufte das Bistum Essen das Kirchengebäude und das Pfarrhaus an die Gertrudis GmbH & Co. KG. Die letzte Heilige Messe wurde am 22. Juni 2025 mit Bischof Franz-Josef Overbeck gefeiert und die Kirche außer Dienst gestellt und somit profaniert. Die Pfarrei-Verwaltung und kirchliche Angebote werden in das Umfeld des Essener Doms verlegt. Ankermieter der Kirche St. Gertrud ist die private Hochschule der bildenden Künste Essen, die zum Wintersemester 2025/2026 hier den Betrieb aufnahm. In der Kirche selbst waren für die neue Nutzung nur geringfügige Umbauten notwendig.Von der Kirche St. Gertrud zur KreativKathedrale TRUDI: Neues Kreativ- und Kulturzentrum in Essen. In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 19. Mai 2025

Die Kirche ist im Jahr 2026 Spielort der Manifesta 16 Ruhr.

Weblinks

Homepage der Pfarrgemeinde St. Gertrud Glockengeläut von St. Gertrud als Tonaufnahme

Einzelnachweise

Essen, St. Gertrud Gertrud Gertrud Essen Essen, Gertrud Kategorie:Kunstkirche Kategorie:Erbaut 1875 Kategorie:Stadtkern (Essen) Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Essen Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in Essen Kategorie:August Rincklake