Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) ist im deutschsprachigen Raum die größte und zugleich älteste medizinische Fachgesellschaft für Lungen- und Bronchialkrankheiten und versteht sich als ein Forum für alle auf dem Gebiet der Pneumologie tätigen Ärzte und Wissenschaftler. Von den über 5.000 Mitgliedern sind etwa 40 % Frauen. Publikationsorgan der Gesellschaft ist seit 1981 die Zeitschrift „Pneumologie“.

Aufgaben und Ziele Die Gesellschaft setzt sich ein für „die Förderung der Wissenschaft, Forschung und Lehre, der Fort- und Weiterbildung, Prävention, Krankenversorgung und Rehabilitation im Bereich der gesamten Pneumologie, einschließlich der Intensivmedizin mit Schwerpunkt Beatmungsmedizin“.Satzung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, als PDF, auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, aufgerufen am 3. Mai 2024 Sie fördert die „Kooperation von ärztlichen und assoziierten Berufsgruppen“ innerhalb des Fachgebiets, versteht sich als Interessensvertretung in der Öffentlichkeit und arbeitet eng mit „anderen Organen und Fachgesellschaften zusammen“.

Zentrale Aufgaben der Gesellschaft bestehen in der Organisation von Fachkongressen, der Erarbeitung von Leitlinien und Stellungnahmen sowie der Nachwuchsförderung. Wesentliche Anliegen sind neben der Verbesserung von Aus-, Weiter- und Fortbildung eine verstärkte Aufklärungsarbeit und Prävention hinsichtlich des gesamten Spektrums an Lungenkrankheiten. Außerdem ist die Thematik der Tabakentwöhnung und die Positionierung zu E-Zigaretten und weiteren neuartigen Tabak- und Nikotinprodukten ein zentrales Thema der DGP. Stärker in den Blick gerückt ist auch das Interesse an Qualität und Wirtschaftlichkeit in pneumologischen Kliniken.

Jahreskongresse Die mehrtägigen Kongresse der DGP werden unter Federführung von eigens gewählten Tagungspräsidenten und einer Programmkommission sowie unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Sektionen der Gesellschaft organisiert und finden an verschiedenen Orten in Deutschland statt. In den letzten Jahren lag die Teilnehmerzahl je nach Tagungsort im Durchschnitt bei 4.000. Die Programmhefte ab 2015 sind online einsehbar. Zudem werden zahlreiche Veranstaltungen live übertragen bzw. sind als Videos im Nachhinein abrufbar (DGP on demand). Neben Fachvorträgen und Fortbildungsveranstaltungen hat sich seit Jahren im „Beiprogramm“ der sogenannte Lungenlauf etabliert.

Preise Die DGP schreibt jährlich zwei Forschungspreise, einen Preis für Digitale Medizin in der Pneumologie sowie mehrere Poster- und Sektionspreise aus.

Im Rahmen des Kongresses finden außerdem Preisverleihungen der kooperierenden Institutionen Deutsche Lungenstiftung e. V. (Dissertationspreis Pneumologie, Schüler-Kreativwettbewerb, Medienpreis der Lungenstiftung) und der Deutschen Atemwegsliga e. V. (Forschungsstipendium für klinische Pneumologie) statt.Preise (Memento vom 18. März 2012 im Internet Archive) (abgerufen: 22. November 2024).

Kooperationen Der in der Satzung verankerten Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit dient die Zusammenarbeit mit verwandten Organisationen wie dem Bundesverband der Pneumologie (BdP), der Deutschen Atemwegsliga e. V. (DAL), der Deutschen Lungenstiftung e. V., dem Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose e. V. (DZK), dem Verband pneumologischer Kliniken (VPK), der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT), der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für die Therapie der Lungenkrankheiten (WATL) sowie den regionalen Gesellschaften für Pneumologie (nord-, mittel-, west-, süddeutsche Gesellschaft), die teilweise aus der DGP heraus entstanden sind.Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: 100 Jahre DGP – 100 Jahre deutsche Pneumologie. Springer, Heidelberg 2010, S. 150–157. Auch die Initiativen Deutscher Lungentag oder das Aktionsbündnis Nichtrauchen e. V. (ABNR) sind von der DGP mitbegründet worden. Enge Verbindungen bestehen außerdem zu Selbsthilfeorganisationen und zu internationalen Gesellschaften wie der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaften für Pneumologie oder der European Respiratory Society (ERS), bei letzter inzwischen im Rahmen einer Doppelmitgliedschaft. Auf der Basis gemeinsamer Interessen werden konzertierte Aktionen hinsichtlich pneumologischer Forschungsförderung, Stärkung des Fachgebietes in der medizinischen Ausbildung oder politischer Lobbyarbeit wie beispielsweise dem Nichtraucherschutz (Mitglied des Aktionsbündnis Nichtrauchen [ABNR]) entwickelt. Ein Erfolg der DGP ist auch die 2011 erfolgte Einrichtung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierter Verbund, der Wissenschaftler an fünf Standorten vernetzt, die wiederum mehrere universitäre und außeruniversitäre Partnerinstitutionen umfassen.W. Seeger, T. Welte, O. Eickelberg, M. Mall, K.-F. Rabe, B. Keller, S. Winkler, U. Koller: Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung – Translationale Forschung für Prävention, Diagnose und Therapie von Atemwegserkrankungen. In: Pneumologie. Band 66, 2012, , S. 464–469.

Zum Weltnichtrauchertag 2020 warnten große Ärzte-Fachverbände wie die DGB mit der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und weiteren Gesundheitsorganisationen erstmals gemeinsam davor, die E-Zigarette als Option für Menschen zu sehen, die mit dem Rauchen aufhören möchten“. E-Zigaretten seien keine Alternative zur Rauchentwöhnung, betonten die Verbände und forderten flächendeckend „professionelle Entwöhnungsprogramme, die Rauchern kostenfrei zur Verfügung stehen. Die Organisationen unterstützten die Werbeverbotsforderungen der Stiftung Deutsche Krebshilfe für Tabak und Zigaretten aller Art. Der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt forderte: „Angesichts von rund 120.000 Tabak-Toten jährlich brauchen wir umfassende gesetzliche Regelungen, die möglich schnell umgesetzt und kurzfristig wirksam werden.“

Stärkung der Ausbildung und des Nachwuchses Die Entwicklung der Pneumologie als ein eigenständiges Fach ist seit Gründung der DGP ein zentrales Anliegen, das auch in der Auseinandersetzung mit Fragen der Aus- und Weiterbildung und der universitären Verankerung des Fachs seinen Ausdruck findet. Um jungen Ärztinnen und Ärzten den Einstieg in die Pneumologie zu erleichtern, bietet die DGP mit der Akademie ein Forum an, das eigene Veranstaltungsreihen plant.Fortbildungsakademie der DGP auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, aufgerufen am 3. Mai 2024 Die DGP setzt sich für eine Stärkung der pneumologischen Ausbildung im Medizinstudium und die Einrichtung eigenständiger Professuren an den Universitäten ein, um das wissenschaftliche Niveau auch im internationalen Vergleich halten zu können.K.-F. Rabe: The Year of the Lung – Das Jubiläumsjahr der DGP. In: Pneumologie. Band 64, 2010, , S. 534.

In der YoungDGP sind Mitglieder unter 40 Jahren organisiert. Sie vertritt junge Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, junge Fachärztinnen und Fachärzte und Medizinstudentinnen und -studenten in der Pneumologie.

Frauen in der Pneumologie Schon seit 2008 besteht eine Arbeitsgruppe der Frauen in der Pneumologie, die sich explizit an Ärztinnen richtet. Sie ist fester Bestandteil der DGP-Kongresse. Die Gruppe organisiert spezielle Angebote und Seminare u. a. zu Gendermedizin und hat ein Mentorinnen-Programm. Ein Ziel der Gruppe besteht darin, sowohl für Pneumologinnen als auch für Pneumologen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das die optimale Vereinbarung von Beruf und Familie zulässt.

Geschichte Gründungsphase mini|links|Das erste deutsche Tuberkulose-Sanatorium in Görbersdorf von Hermann Brehmer (um 1870, heute in Polen) mini|links|Ansichtskarte von der Heilstätte Heidehaus, der Wirkstätte Otto Zieglers, um 1907 mini|Büste von Otto Ziegler beim KRH Klinikum Siloah; Bildhauer August Waterbeck

Die DGP hat ihren Ursprung in der 1910 u. a. von Ludolph Brauer (1865–1951) gegründeten Vereinigung der Lungenheilanstaltsärzte, die sich mit der seit 1920 bestehenden Deutschen Gesellschaft der Tuberkuloseärzte zunächst zu einer Arbeitsgemeinschaft und 1925 zur Deutschen Tuberkulose-Gesellschaft (DTG) zusammenschloss. Die Volkskrankheit Tuberkulose hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur zweithäufigsten Todesursache in Deutschland entwickelt, war aber bereits im 19. Jahrhundert viel diskutierter Gegenstand ärztlicher Diagnostik und Therapie. Faktoren wie die häufige Thematisierung der Tuberkulose auf Kongressen der Gesellschaft für Innere Medizin, die Entdeckung des Tuberkuloseerregers (Mykobakterien Mycobacterium tuberculosis) durch Robert Koch 1882, die Etablierung der Heilstättenbewegung in Deutschland durch Peter Dettweiler 1892 sowie die Gründung des Vorläufers des heutigen DZKs (1895) sprechen für sich. Leitende Gründungsidee war weniger eine Beförderung des „Organspezialistentums“ als vielmehr ein interdisziplinärer Ansatz, nämlich die „Zusammenfassung der in den verschiedensten Fächern zerstreuten und versteckten Wissenschaft von der Tuberkulose“.Julius-E. Kayser-Petersen: Vorwort. In: Verhandlungen der Deutschen Tuberkulose-Gesellschaft. Bericht über die 1. Tagung am 28. und 29. Mai 1926, S. 198.

Unter dem Vorsitz von Otto Ziegler (1879–1931), Chefarzt der Heilstätte Heidehaus, erfolgte die offizielle Gründung der DTG anlässlich einer gemeinsamen Tagung von Lungenheilanstalts- und Tuberkulosefürsorgeärzten 1925 in Danzig.

Explizit wurde darauf Wert gelegt, neben den praktisch tätigen Ärzten auch „Vertreter der ärztlichen Wissenschaften (vor allem Universitäten)“ einzubinden.O. Ziegler: Eröffnungsrede. In: Verhandlungen der Deutschen Tuberkulose-Gesellschaft. Bericht über die 1. Tagung am 28. und 29. Mai 1926, S. 217. Eine weitere Signalwirkung versprach man sich von verstärkten Kooperationen sowohl auf medizinischer Ebene – als „einmütige Zusammenarbeit der Fürsorgestellen, Heilstätten und Krankenhäuser“Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (Hrsg.): 100 Jahre DGP – 100 Jahre deutsche Pneumologie. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-11453-3, S. 21. – als auch auf politisch-organisatorischer Ebene gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit. Daneben wurde die Bedeutung und Eigenständigkeit des Faches Lungenheilkunde hervorgehoben. Neben den namhaften Tuberkulosespezialisten Ludolph Brauer, Otto Ziegler, Franz Redeker, Johannes Ritter, Oskar Pischinger oder Ernst von Romberg zählten auch Chirurgen wie Ferdinand Sauerbruch zu den Gründungsvätern der DTG. Im Zentrum der ersten Aktivitäten standen die Tagungen der DTG, deren ausführliche Protokolle („Verhandlungsberichte“) in den von Ludolph Brauer herausgegebenen „Beiträgen zur Klinik der Tuberkulose“ publiziert wurden.

Zeit des Nationalsozialismus Die NS-Geschichte der Gesellschaft und ihrer Vorgängerorganisationen ist im Rahmen eines von der DGP beauftragten Projekts näher untersucht und 2018 in der Publikation „Die Lungenheilkunde im Nationalsozialismus“R. Loddenkemper, N. Konietzko, V. Seehausen (Hrsg.): Die Lungenheilkunde im Nationalsozialismus. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V., Berlin, 2018. veröffentlicht worden (2019 als englischsprachige Kurzfassung „Pulmonary Medicine during National Socialism“R. Loddenkemper, A. Ley, N. Konietzko, V. Seehausen: Pulmonary Medicine during National Socialism. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V., Berlin, 2019.).