mini|Villa Ephrussi de Rothschild Die Villa Ephrussi de Rothschild, auch bekannt als Villa Ile-de-France, ist eine Villa im Renaissance-Stil oberhalb der Côte d’Azur.

Geschichte Die Villa im Stil der Neorenaissance wurde zwischen 1905 und 1912 auf dem Cap Ferrat in der Gemeinde Saint-Jean-Cap-Ferrat für die Baronesse Béatrice de Rothschild (1864–1934) erbaut.

«Das Museum gibt eine besonders anschauliche Vorstellung davon, dass die Besitzer der Residenz große Liebhaber der Kunst der Belle Époque waren, die einen besonderen Anreiz im 18. Jahrhundert fand.» Corcuera (Vogue Décoration, 1985)Jean-Michel Charbonnier: La villa Ephrussi de Rothschild (= Connaissance des arts Hors série 532). Societe Française de Promotion Artistique, Paris 2012, ISBN 978-2-7580-0379-3, S. 10.

Die Baronin vermachte die Villa nach ihrem Tode der Académie des Beaux-Arts, die sie 1937 für die Öffentlichkeit zugänglich machte.

Die Baroness Ephrussi de Rothschild und die Kunst mini|100px|links|Baroness Béatrice Ephrussi de Rothschild

Béatrice de Rothschild wurde am 14. September 1864 geboren und entstammte der Ehe von Baron Alphonse de Rothschild und Leonora de Rothschild (1837–1911). Sie gehörte demnach dem Pariser Zweig der Rothschild-Familie an.

Sie heiratete im Alter von 19 Jahren am 5. Juni 1883 den russisch-jüdischen Bankier Maurice Ephrussi (1849–1916). Aufgrund der Spielsucht ihres Mannes trennte sich das Paar 1904.

Das Paar sammelte leidenschaftlich Gegenstände zur Architektur, der Natur und der Kunst sowie Unikate. Die Baronesse selbst führte einen aufwändigen Lebensstil.

Ebenso wie ihr Vater, Alphonse de Rothschild, Leiter der Banque de France sowie zugleich einer der Hauptaktionäre der damals größten französischen Privatbahn Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) und Mitglied der Académie des Beaux-Arts oder auch ihr Onkel Alfred in London, sammelte Béatrice Ephrussi de Rothschild Kunstgegenstände und errichtete sich mehrere Residenzen.

Im Laufe ihrer Karriere sammelte sie entsprechend der Sitte der großen Kunstsammler ihrer Zeit (u. a. Henri Cernuschi, Jacquemart-André, Richard Wallace, Henry Clay Frick) mit Vorliebe französische oder außereuropäische Kunst des 18. Jahrhunderts. Einige Familienmitglieder der Rothschilds, etwa Edmond de Rothschild und Ferdinand de Rothschild (Waddesdon Manor) taten es ihr gleich. Viele ihrer angekauften Sammelobjekte wurden mit dem Zug zum Bahnhof in Beaulieu-sur-Mer gebracht, und von dort weiter in die Villa Ephrussi de Rothschild transportiert. Ihre Sammelleidenschaft kannte diesbezüglich kaum Grenzen; um zum Beispiel an ein Wandbild zu kommen, kaufte sie die Kapelle, wo das Kunstwerk beherbergt war.

Die Villa Ephrussi de Rothschild Béatrice Ephrussi de Rothschild entdeckte nach dem Tod des Vaters 1905 Cap Ferrat, zu einem Zeitpunkt als sich die französische Riviera zu einem Ort der High Society entwickelte. Angezogen von der natürlichen Schönheit des Ortes, erwarb sie im selben Jahr sieben Hektar Grund bestehend aus felsigen und kargen Flächen an der schmalsten Stelle der Halbinsel, sowie ein Stück Land von König Leopold II. von Belgien, um so das terrassierte Grundstück zu erweitern.

Architektur Nach fünfjähriger Bauzeit (1907 bis 1912) entstand ein Bau im Stil der italienischen Renaissance. Beteiligte Architekten waren Jacques Marcel Auburtin (1872–1926) und Aaron Messiah (1858–1940), der auch den dazugehörigen Garten mit gestaltete. Das Bauwerk wurde im sogenannten Goût Rothschild bzw. „Rothschild-Geschmack“ errichtet, ein vor allem im Frankreich des 19. Jahrhunderts beliebter Stil.

Viele Architekten wie Jacques Marcel Auburtin waren an einer Mitwirkung am geplanten Bau der Villa sehr interessiert und sprachen wegen des umfangreichen Bauvorhabens bei Béatrice Ephrussi de Rothschild vor. Auburtins letztes Projekt gewann den Prix de Rome und genoss dadurch bei der Baronin großes Ansehen. Aaron Messias plante den Bau der „Villa Ile-de-France“, der wegen des Grundrisses des dazugehörigen Gartens so genannt wurde, der eine Form ähnlich einem Schiffsdeck hatte. Beatrice konnte sich gut vorstellen das Meer von zwei Seiten zu betrachten, wie an Bord des Dampfers Île de France der Société Générale de Transport Maritimes (S.G.T.M.) in Erinnerung an eine ihrer unvergesslichen Reisen. Ihre Gärtner mussten im Dienst eine Baskenmütze der Marine tragen, um so der Illusion näher zu sein, dass sie sich mit einer Besatzung auf einem Schiff auf hoher See befindet. Auf dem Plateau wurde das Felsgestein gesprengt und der Boden eingeebnet, damit die Bauarbeiten beginnen konnten. Die Bauherrin zögerte nicht, die entsprechenden Flächen für die Durchführung des Projektes zur Verfügung zu stellen. 1912 war das Gebäude endlich bewohnbar.

Edmond Rostand wollte die Fassaden des Gebäudes ursprünglich nur in einem weißen Farbton gestalten, wie die Villa Arnaga in Cambo-les-Bains (Département Pyrénées-Atlantiques), letztendlich wurde die Villa jedoch mit einem Farbanstrich in Rosa versehen, was zugleich auch seine Lieblingsfarbe war. Edmond Rostands Cousine Élisabeth de Gramont trug über mehrere Jahre auf Bällen ein rosafarbenes Kleid, was ihn zusätzlich dazu inspirierte.

Béatrice Ephrussi de Rothschild entwickelte nach ihrer Maßgabe Ideen und Pläne zur Gestaltung und Nutzung ihrer Villa. Gemäß ihren Vorstellungen wurde die Einrichtung vorwiegend in Ocker gehalten und die einzelnen Kabinette, Schlafzimmer und Boudoirs gestaltet sowie wurden Möglichkeiten für Ausstellungen und Galerien geschaffen.

Innenhof mit Laubengängen (Kunstsammlungen) In den Laubengängen des Innenhofes befindet sich ein Altarretabel aus der Schule von Valence aus dem 15. Jahrhundert. Das Werk zeigt in der Mitte die Hl. Brigitte aus Irland, flankiert von den Hl. Antonius und Hl. Rochus.

Die Säulen der Laubengänge bestehen aus rosafarbenem Marmor, der aus Verona stammte und die stützenden Arkaden sind im Stil der italienischen Renaissance gehalten. In deren oberen Etage befinden sich in den maurischen Arkadengängen weitere Kunstsammlungen. Der Innenhof erlangte durch seine gut erhaltenen Sammlungen eine größere Bekanntheit. Dabei befinden sich unter anderem eine Reihe von Werken aus dem Mittelalter und der Renaissance, darunter auch das Gemälde Condottiere, das dem Venezianer Vittore Carpaccio (1460–1525) zugeschrieben wird.

Großer Salon

Die Wände des großen Salons sind mit bemalten Holzvertäfelungen des 18. Jahrhunderts verziert, die teilweise noch aus dem Hôtel de Crillon in Paris stammen. Der Salon wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vervollständigt und zeigt heute eine Vielzahl von Originalstücken, die einst dem französischen König oder anderen Adligen gehört hatten. Darunter befinden sich auch die vergoldeten Bronzeplastiken, wie der Faune et bacchante von Pierre Gouthière und ein Armleuchter seines Schülers und Nachfolgers Pierre-Philippe Thomire. Der erste Teil des Salons zeigt eine Anzahl von Stühlen im Stil Louis-seize, die von Parmentier aus Lyon mit einem Stempel versehen wurden. Des Weiteren ist ein Trictrac-Spieltisch zu sehen, der dem Kunsttischler François Hache aus Grenoble zugeschrieben wird. Auf dem Fußboden befindet sich ein Teppich aus der Zeit Ludwigs XV., der in der Savonnerie-Manufaktur hergestellt und für die königliche Kapelle in Versailles bestimmt war. Das Parkett des zweiten Teiles ist bedeckt mit einem anderen Teppich, der ebenso aus der Savonnerie-Manufaktur stammt. Der Teppich ist der 87ste aus einer Serie von 104 Teppichen, die von Ludwig XIV. für die Grande Galerie du Palais du Louvre, in Auftrag gegeben wurden. Die Decke des Raumes ist mit einem Stoff aufgezogen, die von Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) bemalt wurde, sie zeigt ein Motiv, das „den Panzer der Liebe, der von Tauben gezogen wird“. Ringsumherum befinden sich andere Möbelstücke, die einst Marie-Antoinette gehörten, so der Whist-Spieltisch, bemalt mit Putten als Monochrome Malerei firmiert von René Dubois, dem ersten Tischler der Königin. Die Möbel sind bezogen mit Stoffen aus den Tapisserie-Manufakturen von Aubusson, und die Fabeln von Jean de La Fontaine zeigen.

Kleiner Salon Man gelangt zu dem kleinen Salon durch eine Tür, die von dem französischen Maler Étienne de La Vallée Poussin dekoriert wurde und ursprünglich aus der Folie Beaujon stammte, die Nicolas Beaujon und später Salomon Rothschild gehörte. Dort befinden sich ein Paar Sessel im Stile Ludwigs XV., die bezogen sind mit Tapisserien nach Entwürfen von François Boucher. Im Raum findet sich außerdem ein kleiner ovaler Tisch mit einer gemalten Miniatur von Thomas Compigné, tabletier privilégié du roi, den Palais-Royal darstellend. Des Weiteren befinden sich dort Statuen aus dem späten 18. Jahrhundert sowie Vasen der Porzellanmanufaktur von Sèvres. In den Nischen sind zwei Tapisserien aus der Histoire de Don Quichotte nach Entwürfen von Charles-Antoine Coypel aufgehängt.

An den Wänden finden sich Gemälde von Jean-Frédéric Schall, etwa L'Amour aux Colombes, außerdem Phaéton und Le Char du Soleil.

Wohnungen der Béatrice Boudoir Zu Beatrice de Rothschilds Zimmer gelangt man durch ein Boudoir, das mit Holzvertäfelungen im Neo-Pompejanischem Stil geschmückt ist. Es diente als Raum für einen Sekretär von dem Kunsttischler Jean-Henri Riesener. Zudem befindet sich dort ein kleiner achteckiger Tisch, der Adam Weisweiler zugeschrieben wird.

Schlaf- und Wohnzimmer Das Zimmer hat einen ovalen Vorsprung, der sich auf die Bucht von Villefranche hin öffnet. Die Decke ist geschmückt mit einem venezianischen Gemälde des 18. Jahrhunderts. Auf dem Boden befindet sich ein Teppich aus Aubusson aus einer späteren Zeit. An der Wand befindet sich eine Kommode im Übergangsstil von Louis XV. zu Louis XVI. mit einem Stempel von Nicolas Petit. Nebenan befindet sich ein kunstvoll gestaltetes Badezimmer.

Porzellanzimmer

Die Porzellansammlung besteht aus Stücken der Manufacture de Vincennes und der Manufacture royale de porcelaine de Sèvres. Ephrussi de Rothschild ließ besonders außergewöhnliche Exemplare in dem Zimmer aufstellen. In einer Vitrine finden sich seltene blaue Lapislazuli-Porzellane. Sie sind umgeben von Stücken einer der bekanntesten Produktionen aus Sèvres, genannt „aux partitions musicales“. Auf dem Kaminsims steht eine Uhr aus pinkfarbenem „à la du Barry“-Porzellan.

Im angrenzenden Nebenraum ist unter anderem eine Vase ausgestellt, die Madame de Pompadour gehörte.

Esszimmer/Teerestaurant – Café Das Esszimmer der Baronin ist heute ein Teerestaurant und Café.

Chambre bleu

La chambre Directoire Der Raum ist ausgestattet mit verschiedenen Wandbildern und Möbeln im Stil Directoire .

Chinesischer Salon Der chinesische Salon (salon Chinois) zeigt eine Sammlung verschiedener chinesischer Kunstwerke. Eine Wand ist dekoriert mit lackierten Türen, die alle aus dem Pekinger Kaiserpalast stammten und Vitrinen, die eine Sammlung mit Stücken aus Rosenquarz und weißer Jade zeigen.

Salon der Tapisserien aus Beauvais Die Möbel wurden von dem Kunsttischler Georges Jacob signiert und bezogen mit Stoffen aus den Tapisserie-Manufaktur Beauvais.

Affenkabinett Das Affenkabinett (Salon des Singes) zeigt Meißner Porzellanfiguren, die ein Orchester von Affen zeigen und bemalte Holzvertäfelungen, die Jean-Baptiste Huet zugeschrieben werden.

Florentiner Loggia Die Loggia ist mit ausgefallenen geschmiedeten Eisenstücken verziert und von dieser hat man einen Ausblick auf die Buchten der Umgebung sowie auf Villefranche-sur-Mer.

Salon Jean-Honoré Fragonard Im Salon sind Gemälde von Jean-Honoré Fragonard und seines Lehrers François Boucher ausgestellt.

Gärten mini|Blick auf die Villa Rothschild und den französischen Garten mini|Französischer Garten mini|Spanischer Garten mini| mini| Beatrice entschied, dass ihre Villa von einer parkähnlichen, großen grünen Fläche umgeben werden soll. So entstanden rund um das Bauwerk neun verschiedene Themengärten auf einer Fläche von über sieben Hektar.