Der Weiße See ist ein 5,8 Hektar großer See in Buckow im Brandenburger Landkreis Märkisch-Oderland. Das fast vollständig von Wald und Brüchen umgebene Gewässer liegt, von einem schmalen Landstreifen getrennt, direkt neben der Südostbucht des Schermützelsees, dem mit 137 Hektar größten Gewässer der Märkischen Schweiz im Zentrum des gleichnamigen Naturparks rund 50 Kilometer östlich von Berlin. Der Weiße See entwässert über einen Graben in den Schermützelsee und damit über den Stobber in die Oder. Am See besteht eine unbewachte, öffentliche Badestelle.

Lage, Umgebung und Wege Bei einer größten Breite von rund 210 Metern erstreckt sich der Weiße See über rund 450 Meter von Nordwest nach Südost. Auf einer Höhe von rund 27 Metern gelegen, steigt das bewaldete Gelände über dem Ostufer auf rund 50 Meter an. Am Nordufer geht das Gewässer in einen Bruchwald über. Auch das Südufer und den größten Teil des schmalen Werders zwischen dem Westufer und dem Schermützelsee prägen Brüche. Im nördlichen Teil erhebt sich zwischen den Seen eine kleine Anhöhe namens Liebesinsel, die auf der Höhe ein lichtes Plateau bildet und am Hang zum Westufer des Weißen Sees gleichfalls baumbestanden ist.

Das Gewässer ist nur zu Fuß oder per Fahrrad über einen Wanderweg zu erreichen. Der Weg führt am Ostufer entlang und hat einen kurzen Abzweig, der auf der Höhe der Liebesinsel endet. Der Weg ist Teil des Europäischen Fernwanderwegs E11, des Rundwegs um den Schermützelsee und des Terrainkurwegenetzes des Kneippkurorts Buckow. Für die Wanderung zum Weißen See bieten sich zwei Parkplätze direkt am Weg an: im Norden am Ende der Bertolt-Brecht-Straße am Brecht-Weigel-Haus kurz vor der Brücke des Werderfließes, das den Schermützelsee in den Buckowsee entwässert (rund 10 Gehminuten). Im Süden westlich des Abendrothsees an der Straße Fischerberg neben der Landesstraße 34, der Hauptstraße Buckows, die in diesem Abschnitt die Bezeichnung Berliner Straße trägt (rund 3 Gehminuten).Märkische Schweiz: Rundweg und Panoramaweg.outdooractive: Der Panoramaweg um den Schermützelsee bei Buckow.

Geologie, Geographie und Hydrologie Buckower Kessel und Entstehung Der Weiße See liegt im Buckower Kessel, einer beckenartigen Erweiterung des Stobbertals. Das Tal ist Teil einer glazialen Schmelzwasserrinne, die sich in den letzten beiden Phasen der Weichsel-Eiszeit zwischen dem von Toteis gefüllten Oderbruch und dem Berliner Urstromtal (heutiges Spreetal) herausgebildet hat und die Barnimplatte von der Lebuser Platte trennt. Diese rund 30 Kilometer lange und zwei bis sechs Kilometer breite Buckower Rinne (auch: Löcknitz-Stobber-Rinne) entwässert vom Niedermoor- und Quellgebiet Rotes Luch über den Stobber nach Nordosten zur Oder und über Stobberbach/Löcknitz nach Südwesten zur Spree.Claus Dalchow, Joachim Kiesel: . In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, Hrsg.: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Kleinmachnow Heft 1/2 2005, S. 81, .Naturraum Märkische Schweiz. LAG Märkische Schweiz e. V.

mini|links|Blick vom Südostufer nach Südwesten

Nach den gängigen Darstellungen hinterließen die Zerrungen und Spannungen der letzten Vereisung und die abtauenden Gletscher im Untergrund des Buckower Kessels zahlreiche kleinere Einbrüche. Die tiefer gelegenen Becken füllten sich mit allmählich emporsteigendem Grundwasser und bildeten mehrere Seen, darunter den Weißen See, Schermützelsee und Buckowsee.Gang durch die Jahrhunderte, S. 5. Andere Darstellungen führen die Bildung der Seen in der Buckower Rinne auf das Auftauen von Toteisblöcken zurück. Nach dem Abtauen seien in den vom Gletschereis abgetrennten und verschütteten Blöcken Hohlräume entstanden, die sich nach ihrem Einsturz mit Wasser gefüllt hätten. Auch eine gewässerökologische Untersuchung der Technischen Universität Cottbus, Lehrstuhl für Gewässerschutz, aus dem Jahr 2003 stufte den Schermützelsee als Toteiskesselsee (Toteisaustauhohlform) ein.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands (PDF; 1,9 MB). S. 112. Die Dokumentation bezieht sich dabei auf: Jürgen Marcinek u. a.: Zur Bildung und Entwicklung des Gewässernetzes in Brandenburg. In: Beiträge zur angewandten Gewässerökologie Norddeutschlands, Heft 2: Die Seen in Brandenburg. Verlag Natur + Text, Rangsdorf 1996, ISBN 3-9807627-2-6, S. 7–21. Friedrich Solger, in den 1920er-Jahren Professor für Geologie an der Berliner Friedrich-Wilhelms-UniversitätHumboldt-Universität Berlin: Biografie, Friedrich Solger. kam nach Analysen der zwischeneiszeitlichen Ablagerungen hingegen zu dem Schluss, das Becken des Weißen Sees müsse wie das des Schermützelsees schon vor der letzten Vereisung bestanden haben und sei auf eine Einbruchsform im Urstobbertal zurückzuführen.Friedrich Solger: Die Entstehung der Buckower Landschaft. S. 83, 86.

Speisung und Abfluss Zuflüsse zum Weißen See bestehen nicht. Damit dürfte das Gewässer wie der Schermützelsee hauptsächlich grundwassergespeist sein. Eine weitere Wasserzufuhr erhält der Weiße See von dem wahrscheinlich gleichfalls grundwassergespeisten nördlichen Bruchwald, der nahtlos in das Gewässer übergeht. Der schnurgerade Verlauf des rund 50 Meter langen Entwässerungsgrabens zum Schermützelsee legt nahe, dass der Graben künstlich angelegt wurde. Dafür spricht ferner, dass Friedrich Solger in seinen Diagrammen zur Herausbildung des Buckower Kessels keine Verbindung zwischen den beiden Seen eingezeichnet hat.Friedrich Solger: Die Entstehung der Buckower Landschaft. S. 82. Zudem lag der Wasserstand der Seen noch zur slawischen Zeit, also vor rund eintausend Jahren, ein bis anderthalb Meter niedriger als heute, sodass die Seen ursprünglich weiter auseinanderlagen.

Stadtbesitz und Angelgewässer Während andere Seen des Buckower Kessels wie der Griepensee, Abendrothsee und Schwarze See unter der Verwaltung der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, einem Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland für die Verwaltung, Verpachtung und den Verkauf von land- und forstwirtschaftlichen Flächen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, stehen,Landtag Brandenburg, Drucksache 5/3497 (PDF; 371 kB) 5. Wahlperiode. Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage Nr. 10 der Fraktion der FDP, Drucksache 5/2832, Fischerei und Fischzucht in Brandenburg. Juli 2011. Siehe Tabelle IV, Nr. 29 ist der Weiße See im Besitz der Stadt Buckow. Das Fischereirecht hat die Stadt an den Landesanglerverband Brandenburg vergeben, der für die Hege und Pflege, den Fischbesatz und für den Natur- und Umweltschutz auf und an dem See Verantwortung trägt. (PDF; 493 kB) Der See ist als Angelgewässer freigegeben und wird vom Kreisanglerverband Märkisch-Oderland e. V. (Bereich Strausberg) betreut.

Flora und Fauna Tiere mini|Bruchwald am Nordufer

Die Fischfauna bestimmen Barsche, Rotauge, Schleie und Rotfeder sowie weitere Weißfische. Vertreten sind ferner die laut Roter Liste Brandenburg im Bestand zurückgehenden Aale und, eher selten, Welse. An der Spitze der Nahrungskette des Sees räubern einige Hechte.Gesamtartenliste und Rote Liste der Fische und Neunaugen (Pisces et Cyclostomata) von Berlin: S. 87–S. 91 in Fische in Berlin - Bilanz der Artenvielfalt", herausgegeben vom Fischereiamt Berlin Auf dem See schwimmen Entenvögel und Rallen. Im teils ausgeprägten Schilfgürtel leben zahlreiche weitere Wasservögel.

Die Bruchwälder bieten Lebensraum für rund 150 Insektenarten, darunter 75 Schmetterlingsarten. Aus der Familie der Rüsselkäfer fällt aufgrund seines markanten Rüssels (Rostrum) der Erlenrüssler (auch Erlenwürger, Cryptorrhynchus lapathi) auf. In der kalten Jahreszeit dienen die verholzten Zapfen der weiblichen Blüten des Winterstehers Schwarzerle, die je Schuppe drei braune, abgeflachte, einsamige Nussfrüchte bilden, vielen Vogelarten als wichtigste Nahrungsquelle. Dazu zählen Erlenzeisig und Stieglitz.Informationstafeln am Gummiweg, Buckower See: Der Schwarzerlen-Bruch. Keine Urheberangabe, ohne Datum; nach Stand 2013. Durch die Wälder streifen Rehe, Schwarzwild und Füchse sowie seit den 2000er-Jahren zunehmend auch Marderhunde und die Neozoen Waschbären und Minks.Dierk Heerwagen: Unterwegs im Naturpark Märkische Schweiz. S. 11

Pflanzen Die Wälder sind in den trockenen Hangbereichen überwiegend kiefernbestanden. In den dauernassen Niedermoorböden der Brüche, die für eine mittlere bis gute Nährstoffversorgung sorgen, dominieren Schwarz-Erlen, die die hohe Feuchtigkeit und dank ihrer Adventivwurzeln auch schwankende Wasserstände gut verkraften können. In den üppig entfalteten Bodenpflanzen herrschen Großseggen wie Sauergräser und Wasserliesch vor. Dazu gesellen sich vereinzelt Nachtschattengewächse, Sumpf-Schwertlilien und Schildfarne. Während Moose nur selten zu finden sind, gibt es in den Feuchtgebieten verschiedene Großpilzarten – am beständigsten sind die Erlen-Schillerporlinge.

Geschichte Buckow war ursprünglich eine slawische Gründung – bis ungefähr zur Mitte des 13. Jahrhunderts bestand unmittelbar am Ostufer des Buckowsess eine slawische Siedlung. Nach der Deutschen Ostsiedlung entwickelte sich der erstmals 1249 schriftlich erwähnte Ort leicht nach Norden versetzt zwischen dem Buckowsee und dem Griepensee.Gang durch die Jahrhunderte, S. 9., siehe Karte.

Slawische Fluchtburg auf der Liebesinsel mini|Plateau der Liebesinsel

Auf der Liebesinsel, der Anhöhe zwischen dem Weißen See und Schermützelsee, soll eine slawische Fliehburg gestanden haben. Sie befand sich wahrscheinlich am Westhang der Höhe, denn im angrenzenden Wasser des – zur slawischen Zeit tiefergelegenen – Schermützelsees wurden Pfähle, Knochen und Tonscherben gefunden. 80 Pfähle, die zum Teil von Ruderboot aus zu sehen sind, stehen noch heute im Wasser. Im Jahr 2009 wurde die Burg im Maßstab 1:100 nachgebildet. Das Modell wurde in der Buckower Heimatstube ausgestellt.Buckower Nachrichten: (PDF; 1,0 MB). Ausgabe 4/2009, 2. Mai 2009. S. 1. Welchen Namen der See zu dieser Zeit führte und ob er auch von den Slawen Weißer See genannt wurde, ist nicht bekannt.

Ersterwähnungen und Namensgebung Der See ist unter der Bezeichnung Album stagnum (Weißer See) erstmals in einer Urkunde des Frauenklosters Friedland erwähnt. In dem Dokument vom 19. November 1300 bezeugten der Abt Johannes des Klosters Lehnin und Bruder Wilhelm, Prior des Dominikanerklosters Cölln, eine Urkunde, in der der askanische Markgraf Albrecht III. (Mitregent) den Besitz der Zisterzienserinnen beglaubigte. Adolph Friedrich Riedel überschrieb die Urkunde im Codex diplomaticus Brandenburgensis mit: Markgraf Albrecht bestätigt dem Nonnenkloster zu Friedland das Städtchen Friedland und all seine Besitzungen. Die Passage zu den Buckower Seen lautet:

Item stagnum apud Bucow, quod dicitur Gryben; Item stagnum Bucow dictum; Item stagnum apud Bucow, quod dicitur schermitzel; Item Album stagnum; […].Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Erster Hauptteil, Band XII, Berlin 1857, S. 413. (Übersetzung: Ebenso der See bei Buckow namens Griepensee; ebenso der Buckow genannte See [Buckowsee]; ebenso der See bei Buckow namens Schermützelsee; ebenso der Weiße See; […].)