Iphofen () ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Durch den Weinanbau wurde die Stadt auch überregional bekannt. Mit ihrem malerischen, vollständig erhaltenen mittelalterlichen und barocken Altstadtensemble bildet Iphofen gleichzeitig einen touristischen und historischen Anziehungspunkt.

Die Einwohner Iphofens heißen Iphöfer. Ebenso wird das Adjektiv zum Stadtnamen gebildet, beispielsweise in Iphöfer Stadtmauer oder den Bezeichnungen der Iphöfer Weinlagen.

Geografie mini|Luftaufnahme Iphofens mit dem Schwanberg im Hintergrund (2019)

Geografische Lage Die Stadt liegt am Fuße des Schwanbergs, eines der höchsten Berge des Steigerwalds. 10 km nordwestlich von Iphofen verläuft der Main. Iphofen liegt in der Planungsregion Würzburg (Bayerische Planungsregion 2) und gehört zur Hellmitzheimer Bucht. Diese schiebt sich tief in den Steigerwald hinein und öffnet sich westwärts zum Maintal.

Das Stadtgebiet wird vom Wehrbach und dem Siechhausbach durchflossen, die beide westlich des Stadtkerns in den Sickersbach münden. Im Osten der Iphöfer Gemarkung beginnt der Steigerwald. Hier ist der seit dem Spätmittelalter in den Händen der Einwohner der Stadt nachgewiesene Iphöfer Stadtwald zu finden.

Ausdehnung des Stadtgebiets Iphofen hat ein sternförmiges Stadtgebiet, das sich in die vier Himmelsrichtungen erstreckt. Es wird im Norden vom Schwanberg, im Osten vom Kalbberg und im Süden von der Bahnstrecke Fürth–Würzburg begrenzt.

Gemeindegliederung Es gibt 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Altmannshausen Nordwest, Birklingen, Dornheim, Hellmitzheim, Iphofen, Limpurgerforst, Mönchsondheim, Nenzenheim und Possenheim.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Castell, Oberscheinfeld, Markt Bibart, Markt Einersheim, Sugenheim, Willanzheim, Mainbernheim, Rödelsee und Wiesenbronn.

Naturräumliche Lage Naturräumlich liegen Iphofen und seine Gemeindeteile in drei verschiedenen Gebieten. Die Stadt selbst hat Anteil am Schwanbergvorland mit seinen flachen Hügeln. Weiter östlich schließt sich der Nördliche Steigerwald mit wesentlich höheren Lagen an, eine Untereinheit wurde nach dem Schwanberg benannt. Die meisten Ortsteile aber liegen in der Hellmitzheimer Bucht im Süden des Gemeindegebietes.

Klima Iphofen liegt am Rand der Maingauklimazone im vielleicht niederschlagsärmsten Teil Unterfrankens und Bayerns. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ungefähr 8 °C.

Geschichte mini|Marktplatz mit Stadtpfarrkirche St. Veit, Rathaus und Marienbrunnen Jüdische Gemeinde

Während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit existierte in Iphofen zeitweise eine Israelitische Kultusgemeinde. Während des Mittelalters war die Gemeinde häufiger Verfolgungen ausgesetzt, so tötete man im Jahr 1298 insgesamt 25 Personen jüdischen Glaubens im Zuge der sogenannten Rintfleisch-Pogrome. Wohl um die Gräueltaten zu rechtfertigen, etablierte sich eine Legende, wonach die Juden geweihte Hostien geschändet haben sollen.

Während die Juden zusammen mit den christlichen Nachbarn den Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg geleistet hatten, plante der Stadtrat im Jahr 1683 wiederum die Juden zu vertreiben. Diesmal kam es allerdings zum Widerstand der Stadtbevölkerung. Ein Brief an den Würzburger Bischof unterstrich die gute Zusammenarbeit zwischen den Religionen. Dennoch setzte sich der Stadtrat durch und die Juden wurden aus Iphofen verbannt. Nun etablierte sich in der Stadt keine eigene Gemeinde mehr.

Bis zum 19. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung Iphofens stammt aus dem Jahre 741 und lautet „Ippihaoba“, was Hube am Iffbach bedeutet. In einem Schriftstück, das die Übereignung von 25 Kirchen von Karlmann an den Bischof von Würzburg dokumentierte, findet sich die Iphöfer Kirche Johannes der Täufer. 1293 erhielt Iphofen die Stadtrechte durch Manegold von Neuenburg, Bischof von Würzburg. In dieser Zeit entstand auch die noch erhaltene Stadtbefestigung. Um 1421 wurde das Gräbenviertel in die Stadtbefestigung einbezogen. Der Bau der Stadtpfarrkirche St. Veit wurde 1414 begonnen. Die Pest suchte Iphofen viermal, 1524, 1582–1586, 1611 und 1632, heim. Iphofen war Sitz des Amtes Iphofen.

Die Stadt war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fast vollständig evangelisch. Die rigorose Konfessionspolitik des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter mit Androhung des Landesverweises führte 1586 durch zahlreiche erzwungene Konversionen jedoch einen Wendepunkt herbei. Ab diesem Zeitpunkt stieg der Anteil der Katholiken konstant an, zudem waren bereits bei der Pestepidemie von 1582 bis 1586 viele betuchte und einflussreiche Protestanten gestorben. Um 1650 war Iphofen schließlich ein rein katholischer Ort.

Bereits 1620 begannen für die Stadt durch den Einfall von Söldnern in die Iphöfer Flur die Plagen des Dreißigjährigen Krieges. Für die folgenden Jahre sind diese im Stadtarchiv in reichlich vorhandenen Urkunden und Ratsprotokollen belegt. Der Bau des barocken Rathauses wurde 1716 begonnen.

1803 ging die Gemeinde im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses vom Hochstift Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, an das Kurfürstentum Bayern über.

20. Jahrhundert Durch eine Reblaus-Epidemie ging der Weinbau 1905 nieder.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts fand ein wirtschaftlicher Wiederaufschwung statt, insbesondere 1932 durch die Gründung und das folgende Wachstum der Firma Knauf Gips. Außerdem wurde die Pfropfrebe eingeführt. Im ersten Reichstagswahlkampf 1932 führte der aus Lauf stammende Neustädter Kaufmann Richard Schwab mit dem Nürnberger Stadtrat und späteren SS-Sturmbannführer Hans Bäselsöder im Auftrag des Bezirks Scheinfeld der NSDAP einen Propagandamarsch von Hellmitzheim nach Iphofen an.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 240. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend von Zerstörungen verschont. Durch Initiative von Ruppert Schneider und Karlheinz Spielmann war Iphofen zur Lazarettstadt erklärt worden.

Eingemeindungen, Wüstungen und Verwaltungszugehörigkeit Auf dem Gebiet von Mönchsondheim war die Siedlung Bulach zu finden, die im 13. Jahrhundert aufgegeben wurde. Der sogenannte Poppenhof, der seit dem 17. Jahrhundert östlich der Stadt lag, wurde im Jahr 1847 niedergebrannt und liegt seitdem wüst. Ebenfalls im Osten ist die Wüstung Osthofen zu finden. Auf dem Gebiet des Ortsteils Possenheim ist die Wüstung Kirchheim zu finden; das Dorf wurde bereits im 13. Jahrhundert aufgegeben.

Eine ähnliche Lage wird auch bei der Wüstung Eckelsheim angenommen. Nahe Possenheim war auch die Mönchshütte zu finden. Im 14. Jahrhundert wurde dagegen Kleindornheim nahe dem Ortsteil Dornheim verlassen. Bei Dornheim sind außerdem die Wüstungen Kellerhaus und Sulzbach zu verorten. Das ehemalige Siechhaus lag außerhalb der Stadt an der Straße nach Markt Einersheim.

Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Birklingen, Dornheim, Hellmitzheim, Mönchsondheim, Nenzenheim und Possenheim im Zuge der Gemeindegebietsreform eingemeindet. Bis zur Kreisreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, gehörte Iphofen zum Landkreis Scheinfeld.

Das gemeindefreie Gebiet Limpurger Forst wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1984 in die Gemeinde Iphofen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4130 auf 4619 um 489 Einwohner bzw. um 11,8 %. Quelle: BayLfStat

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2020 Dieter Lenzer (Freie Wähler), der am 15. März 2020 mit 70,8 % der Stimmen gewählt wurde. Sein Vorgänger war vom 1. Mai 1990 bis 30. April 2020 Josef Mend von den Freien Wählern; er war zuletzt bei der Kommunalwahl 2014 mit 95,5 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt worden. Der Bürgermeister ist zusätzliches Mitglied des Stadtrats.

Stadtrat Der Stadtrat Iphofen setzt sich aus dem hauptamtlichen Bürgermeister und 16 Stadtratsmitgliedern zusammen. Die Kommunalwahl am 15. März 2020 ergab für die derzeitige Amtsperiode (1. Mai 2020 bis 30. April 2026) folgende Sitzverteilung:

Partei / ListeSitze CSU 5 Sitze Freie Wähler 8 Sitze + Bürgermeister SPD 2 Sitze Iphöfer Bürgerliste (IBL) 1 Sitz

Wappen

Städtepartnerschaften Iphofen unterhält keine Städtepartnerschaften.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das Knauf-Museum mit Originalabgüssen aus den großen Museen der Welt und verschiedenen Wanderausstellungen Das Kirchenburgmuseum im Stadtteil Mönchsondheim seit 2022 die Geschichtsscheune mit einigen Artefakten aus der Ortsgeschichte ein Geschichtsweinberg auf den Anhöhen des benachbarten Schwanbergs, mit einer Abfolge zum Weinbau im Mittelalter bis in die 1960er Jahre Galerie MAX21 Galerie Wilhelm J. Heckner

Musik In Iphofen gibt es mehrere Gesangvereine und Blaskapellen (Feuerwehrkapelle, Knauf-Bergmannskapelle etc.). In der Grundschule befindet sich eine Zweigstation der Musikschule Kitzingen.

Bauwerke

Der bis in die 2000er Jahre erkennbare Niedergang der historischen Bausubstanz innerhalb des Mauerrings wurde in den letzten Jahren erkennbar gestoppt bzw. in eine positive Entwicklung umgestaltet. In den letzten Jahren hat insbesondere der Marktplatz und die umgebenden Gassen durch Restaurierungen sowie die Ansiedlung von hochwertigen Handwerksbetrieben (Schuhmacher, Kunsthandwerk und Schmuck, Nahrungsmittelherstellung) und die Umwidmung eines aufgelassenen Kaufhauses in ein Genusslokal mit regionalen Lebens- und Genussmitteln deutlich gewonnen.

Kirchen

St. Vitus

Die Erwähnung einer Kirche des Hl. Veit findet sich in den Quellen erstmals 1297. Älteste Teile stammen aus der Zeit um 1360. Die Stadtpfarrkirche St. Vitus enthält viele Kunstschätze, wie eine gotische Madonna und eine Statue Johannes des Evangelisten von Tilman Riemenschneider.

St. Michael

Die Michaelskapelle (um 1381) dient als Beinhaus. Die Gebeine sind noch heute vorhanden und durch Glasfenster sichtbar.

Kirche zum Hl. Blut

Am Ort einer Hostienschändung 1294 soll die Kapelle errichtet worden sein. Sie entwickelte sich zur Wallfahrtskirche. Diese erhielt 1329 durch den Würzburger Bischof Wolfram eine eigene Pfarrstelle. Die ehemalige Wallfahrtskirche dient heute als Nebenkirche von St. Veit.

Spitalkirche

Die Spitalkirche St. Johann Baptist (1338) war ehemals eine katholische Kirche. Heute wird sie als evangelische Kirche genutzt.

Stadtbefestigung

Vollständig erhaltene Stadtmauer mit den Stadttoren Rödelseer Tor (1455–1466), Mainbernheimer Tor (1533–1548), Einersheimer Tor und dem seit 1596 zugemauerten Pesttor Mittelalterliche Stadttürme Mittagsturm, Bürgerturm, Eulenturm und Henkersturm Zehntkeller

Historische Stadtbauten Knauf-Museum (1688). Alte Schenkstatt, dann Rentamt. Heute als Museum genutzt. Marktplatz mit Marienbrunnen und einem reizvollen Ensemble alter Fachwerkhäuser Rathaus (1716–1718) Vinothek, ursprünglich Mesnerhaus der Stadtpfarrkirche St. Veit, heute Kultur- und Weinbau-Präsentationshaus der Stadt Spitalmühle, ehemalige Getreide- und Lohmühle vor der alten Stadt Wenkheimer Hof, ehemaliger Verwaltungsbau der Familie Wenkheim nahe der Pfarrkirche Ehemaliger Zehntkeller, ehemaliger Zehnthof und Weingut des Würzburger Juliusspitals

Baudenkmäler

Umland Nordöstlich von Hellmitzheim befindet sich die als Naturdenkmal ausgewiesene Karstquelle Grundlos Nördlich am Schwanberg das Geotop Schichtstufen am Schwanberg Im äußersten Nordosten in der Gemarkung von Birklingen liegt außerdem das Naturschutzgebiet Schloßbergsattel bei Markt Einersheim

Höttehött-Denkmal