Hermann Ludwig Traugott Albrecht Epenstein-Mauternburg (* 8. Jänner 1850 in Berlin; † 5. Juni 1934 in Mauterndorf), von 1910 bis zur Aufhebung des Adels in Österreich 1919 Hermann Epenstein Ritter von Mauternburg, war ein deutsch-österreichischer Arzt, Großkaufmann, Burgherr sowie Taufpate von Hermann Göring. mini|Hermann Epenstein (vor 1900)

Leben mini|Burg Mauterndorf Epenstein war der Sohn einer Katholikin und eines Katholiken, der zwecks Heirat vom Judentum konvertiert war, und galt daher im NS-Sprachgebrauch als „Halbjude“.Anthony Read: The Devil’s Disciples. The Lives and Times of Hitler’s Inner Circle. Pimlico, London 2004, ISBN 978-0-7126-6416-5, S. 28 (englisch). Sein Vater Ludwig Hermann Traugott Epenstein war königlicher Sanitätsrat in Berlin. Der Sohn Hermann Epenstein wurde königlich preußischer Stabsarzt. Durch Handel sehr wohlhabend geworden, war er politisch deutschnationaler Einstellung.Wolfgang Paul: Wer war Hermann Göring? Bechtle, Esslingen 1983, ISBN 3-7628-0427-3, S. 36.

Während eines Aufenthalts in Deutsch-Südwestafrika lernte er den dortigen kaiserlichen Kommissar Heinrich Ernst Göring und dessen Frau Franziska kennen, deren Kind er entband. Zurück in Deutschland wohnten die Görings in seinem Haus in Berlin-Friedenau (Fregestraße 19).Guido Knopp: Göring - eine Karriere. Gütersloh 2006, S. 15ff. Zum Haus Fregestraße 19 siehe Christian H. Freitag: Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer. Aus der Geschichte eines Berliner Landhauses. edition Friedenauer Brücke, Berlin 2015, ISBN 978-3-9816130-2-5. Franziska wurde Epensteins Geliebte. Sie führte das Verhältnis mit ihm offen, bei Besuchen wohnte sie bei ihm, während ihr Mann abseits untergebracht wurde.Arno Gruen: Der Fremde in uns. dtv, München 2002, ISBN 3-423-35161-6, S. 164. Epenstein wurde Taufpate aller fünf Kinder Görings aus zweiter Ehe, darunter Hermann und Albert.Dieter Wunderlich: Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie. Pustet, Regensburg 2002, ISBN 3-7917-1787-1, S. 12. Gerüchte, er wäre der Vater der beiden, werden von Historikern abgelehnt.

Im Jahr 1894 erwarb Epenstein die verfallene Burg Mauterndorf im Land Salzburg und ließ sie bis 1904 wieder aufbauen. 1897 kaufte er für 20.000 Mark auch die Burg Veldenstein nördlich von Nürnberg. Um der Burg ihr ehemaliges Aussehen wiederzugeben, investierte er bis 1914 über eine Million Mark. Epenstein stellte der Familie Göring die Burg als Wohnsitz zur Verfügung. Hermann Göring besuchte seinen „Ersatzvater“ Epenstein auch auf Burg Mauterndorf, die er später „die Burg seiner Jugend“ nannte. Epensteins Vorliebe für Burgen und mittelalterliches Gepränge prägten die Vorstellungswelt des jungen Hermann.Alfred Kube: Pour le mérite und Hakenkreuz. Hermann Göring im Dritten Reich. Oldenbourg Verlag, München 1987, ISBN 3-486-53122-0, S. 5.

1909 wurde Epenstein österreichischer Staatsbürger und lebte nach dem Ersten Weltkrieg in Mauterndorf.Österreichische Zeitschrift für Volkskunde. 111 (2008) Verein für Volkskunde in Wien, S. 202. In Würdigung des Wiederaufbaus von Burg Mauterndorf erhob ihn Kaiser Franz Joseph I. am 8. August 1910 in den Ritterstand.Götz Aly, Michael Sontheimer: Fromms. Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-000422-2, S. 102.

1913 kam es zum Bruch zwischen den Görings und Epenstein, nachdem er mit 62 Jahren erstmals geheiratet hatte: die viel jüngere Elisabeth „Lilly“ Schandrovich Edle von Kriegstreu (1887–1939).William Hastings Burke: Thirty Four. Wolfgeist Publishing, 2009, ISBN 978-0-9563712-0-1, S. 39.

Nach dem misslungenen Hitler-Putsch 1923 fand Göring bei Epenstein in Mauterndorf Zuflucht.Uwe Neumärker, Volker Knopf: Görings Revier. Jagd und Politik in der Rominter Heide. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-705-2, S. 99. Als Epenstein 1934 an Altersschwäche starb, vererbte er die Burgen seiner Frau, die wiederum Göring, dem Wunsch Epensteins folgend, als Erben einsetzte.Maria Rita Sagstetter: Der Reichsjägermeister auf der Pirsch. Hermann Göring auf Burg Veldenstein und in Sackdilling. In: Archivalische Zeitschrift. Band 88, 2006, Heft 2, S. 793–818. mini|Grabstätte Epensteins in Mauterndorf

Einzelnachweise

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