Der Küsnachter Dorfbach ist ein etwa 8 Kilometer langer Bach im schweizerischen Kanton Zürich, der in Küsnacht in den Zürichsee mündet.
Geographie Verlauf Der Küsnachter Dorfbach entspringt am Sumpfgebiet der Hinteren Guldenen an der Westflanke des Pfannenstiels südlich der Forch und westlich von Egg, wo er sich im Wald- und Wiesengebiet aus mehreren kleinen namenlosen Bächen bildet.
Im Bereich von Limberg am Küsnachter Berg heisst der Bach noch Rüsselbach, benannt nach einem Flurnamen. Im Oberlauf fliesst der Bach zuerst auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern nach Nordwesten. An der Tobelmühle, wo der Bach sich schon einen tieferen Einschnitt gegraben hat, wurde mit dem Wasser des Dorfbachs eine Mühle betrieben, der Name Mülitobel (Mühletobel) für diesen Teil des Bachlaufes erinnert daran. Südlich von Zumikon biegt der Bach nach Südwesten ab und fliesst durch das stark eingekerbte und bewaldete Küsnachter Tobel. Bei der Oberen Mühle verlässt der Bach das Tobel, durchquert das Dorf Küsnacht und mündet am Küsnachter Horn in den Zürichsee.
Einzugsgebiet mini|320px|Karte des Einzugsgebiets
Das 12,57 km² grosse Einzugsgebiet des Küsnachter Dorfbachs liegt im Schweizer Mittelland und wird durch ihn über die Limmat und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Das Einzugsgebiet besteht zu 37,1 % aus bestockter Fläche, zu 37,9 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 24,1 % aus Siedlungsfläche und zu 0,9 % aus unproduktiven Flächen.
Die Flächenverteilung
Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt , die minimale Höhe liegt bei und die maximale Höhe bei Topographische Einzugsgebiete Schweizer Gewässer: Küsnachter Dorfbach
Zuflüsse Pflanzschuelbach (rechts), 0,2 km Weidholzbach (links), 0,2 km Schönbüelbach (rechts), 0,4 km Rüsselbach (links), 1,2 km Rütelibach (links), 0,3 km Würzbrunnenbach (links), 1,0 km, 0,8 km² Schüracherbach (links), 0,1 km Bunzenhaldenbach (rechts), 0,2 km Langmattbach (links), 1,0 km Wiserholzbach (rechts), 0,6 km Wangnerbach (rechts), 2,3 km, 2,75 km² Hinterer Mülitobelbach (rechts), 0,1 km Vorderer Mülitobelbach (rechts), 0,1 km Schmalzgruebbach (links), 0,4 km Tobelhusbach (rechts), 0,6 km Zälglibach (links), 0,1 km Chliweidlibach (rechts), 0,5 km (mit Geissacher-Dorfbach 1,2 km), 1,12 km² Lättenbach (rechts), 0,4 km Cholenrainbach (links), 0,2 km Spitzacherbächli (rechts), 0,3 km Wulpwisbach (links), 0,3 km Johannisburgbach (rechts), 0,2 km Hofstetterbach (links), 1,4 km, 1,14 km² Palmenraintobelbach (links), 0,1 km Aegertenbach (links), 1,1 km Schübelbach (rechts), 0,2 km
Küsnachter Tobel Entstehung mini|Aufschluss mit Sediment-Schichtungen|alternativtext=
Das Küsnachter Tobel ist Teil der Pfannenstiel-Kette, d. h. des westlichen Asts der Hörnli-Schüttung, einer von St. Gallen bis Zürich reichenden Ebene, bestehend aus Molasse. Diese war im mittleren Miozän aus dem abgelagerten Schutt der wachsenden Alpen – insbesondere der Nagelfluh, Sandstein und Mergel – entstanden. An die kalkhaltige Hörnli-Schüttung schliesst im mittleren Tobelbereich sandiges Material aus der Napfschüttung an. Das Tobel formte sich aus, als sich am Ende der letzten Eiszeit vor rund 16'000 Jahren der Linthgletscher aus dem Zürichseebecken zurückzog. Als der Eisrand noch vom Weiler Limberg im Küsnachter Berg über Gössikon zum Zollikerberg verlief, verhinderte das Eis den Abfluss des Wassers nach Westen, es floss über den Zollikerberg in den Werenbach. Erst als sich der Gletscher endgültig zurückgezogen hatte, floss der Bach direkt dem neu entstandenen Zürichsee zu.
In seinem Oberlauf bestehen die Tobelflanken im Bereich der Tobelmühle aus der vor ca. 20'000 Jahren während der Würmeiszeit entstandenen Moränendecke, mit der auch weite Teile der Forch und des Pfannenstiels bedeckt sind. Im unteren Teil durchschnitt der Bach die Sedimente der Oberen Süsswassermolasse, aus denen hier der Untergrund besteht. Das erodierte Material lagerte der Bach am Küsnachter Horn ab. Die in der ehemaligen Fröschgasse (heute Rosenstrasse) noch vorhandene Grundmoräne weist darauf hin, dass Teile des weit in den See hinausragenden Deltas bereits vor der letzten Eiszeit existierten. links|mini|In der hellen Molasse zeichnet sich ein Schwarzhorizont ab
Die Entstehungsgeschichte des Tobels lässt sich zunächst an zahlreichen fossilen Funden ablesen: Muscheln, Schnecken, versteinerte Blätter von Zimt- und Lorbeergewächsen, ein als Palmast interpretiertes Fossil sowie die zwischen 1961 und 1993 entdeckten fossilen Nashornknochen (Brachypotherium) erinnern dabei an die reiche Auenlandschaft des Miozäns. Geologische Hinweise ergeben sich vor allem aber auch bei der Beobachtung der durch Erosion von Bächen, Rüfen und Rutschen freigelegten Stellen. Sie werden durch die Erkenntnisse einer 1960 durchgeführten Erdölprospektion auf dem Limberg gestützt, welche die ganze Schichtreihe der total 2'500 m mächtigen Molasse dokumentierte. Als Indikator für den Zeitpunkt der Entstehung des Tobels wurde die in dessen oberen Bereich ausgemachte, charakteristische Wulpschotter untersucht. Im mittleren Abschnitt sind Schichtungen, wie Mergel, Silt und Sandstein aufgeschlossen. An tertiäre Vulkanausbrüche, etwa im Hegau und in Ungarn, erinnert der im Küsnachter Tobel entdeckte Bentonit, das heisst abgelagerte Schichten mit vulkanischer Asche. Der in der Molasse erkennbare Schwarzhorizont (Kohleflöze) zeigt eine frühere Vegetationsschicht an. Darauf abgelagerter härterer Silt- und Sandstein lässt auf eine Überschwemmung schliessen: Ein Flusshochwasser soll dabei die hier als dichter Urwald wachsenden Pflanzen vernichtet und mit Sedimenten überschüttet haben.
Heute mini|Von umgestürzten Bäumen beschädigte Brücke im Küsnachter Tobel
Das Küsnachter Tobel ist im kantonalen Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte als geologisches und geomorphologisches Objekt von regionaler Bedeutung ausgewiesen. Die Formung des Küsnachter Tobels ist nicht abgeschlossen, so dass sich aus den steilen Talflanken "immer wieder Hangmuren, Rutschungen und Steinschläge" lösen, "welche bis in den Küsnachter Bach oder auf den Wanderweg gelangen." Bekannte Gefahrenzonen sind in der kantonalen Gefahrenkarte ausgewiesen, bis zur Sicherung bleiben beschädigte Brücken oder abgerutsche Fusswege von Amts wegen gesperrt.
Das beliebte Naherholungsgebiet und Ausflugsziel ist durch einen Fussweg erschlossen, der vom Ausgang des Tobels bis zum Quellgebiet des Dorfbachs führt. In den Hauptweg münden verschiedene Seitenwege aus den umliegenden Schutzgebieten (z. B. Schübelweiher) und Ortsteilen. Der zeitgenössisch als Resultat eines modernen Umgangs mit der Natur gepriesene Tobelweg war 1895 als Zugang zu den heute zwischen Dorfplatz und See renaturierten Verbauungen erstellt worden:mini|Der Fussweg führt dem Dorfbach entlang durch den Wald
Am 21. Juni 1971 wiesen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit wuchtigem Mehr einen Antrag des Küsnachter Gemeinderats für den Bau einer Brücke über das Küsnachter Tobel im Trassee der rechtsufrigen Höhenstrasse ab. Die im Zeichen des Baubooms am Zürichsee als vierspurige Hochleistungs-Autobahn geplante Höhenstrasse sollte den Verkehr aus Zürich über Zollikon, durch Küsnacht Goldbach, über die vom Gemeinderat vorgeschlagene Tobelbrücke zur Küsnachter Allmend, nach Erlenbach sowie bis nach Rapperswil-Jona leiten. Unter Anführung unterschiedlicher Argumente wurde das Projekt Tobelbrücke in einer Gemeindeversammlung vom zahlreich versammelten Stimmvolk verworfen:
1974 richtete der Verschönerungsverein Küsnacht im unteren Teil des Tobels einen 2007 erneuerten Waldlehrpfad mit 60 Informationstafeln über Bäume und Sträucher ein. 2011 wurde dieser um einen geologischen Lehrpfad ergänzt, mit Tafeln unter anderem zur Sedimentationsgeschichte der Molasse, zur Entstehung des Tobels, zu Murgängen, Rutschungen und den Bachverbauungen, zum Findlingsgarten, zum Alexanderstein sowie zur Burgruine Wulp und zur Drachenhöhle. Auch Sitzbänke und eine Schutzhütte werden vom Verschönerungsverein unterhalten.
1981 wurde das Projekt rechtsufrige Höhenstrasse endgültig aus dem Gesamtplan gestrichen.
Brückenprojekt Ab 2014 verfolgte der Küsnachter Gemeinderat Projekt einer Freizeit- und Hängebrücke auf Höhe Schübelweiher über das Küsnachter Tobel. Die Brücke sollte 180 Meter Spannweite haben, das Tobel mit 10 % Steigung auf 45 Meter Höhe überqueren und auch mit Kinderwagen und Rollstühlen befahrbar sein. Zu ihrer Erschliessung sollten die bestehenden Wanderwege im Gelände vom Schübelweiher bis zur Allmend rollstuhlgängig ausgebaut sowie eine zusätzliche Wegverbindung neu erstellt werden. Zur Finanzierung wurde 2018 eine private Spende von 1,1 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz reichte 2018 eine Einsprache ein. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass sich kein genügendes öffentliches Interesse am Bau einer weiteren Brücke im bereits gut erschlossenen Tobel feststellen lasse und es sich zudem um eine geschützte Landschaft mit einem der reizvollsten Schluchtwege am Zürichsee handle. Das Zürcher Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde gut, unter anderem, da weder ein Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission noch eine Rodungsbewilligung beantragt worden seien. Bei der Erstellung der geplanten «grossen Baute» müsste mit irreversiblen Folgen für die einmalige Tobel-Landschaft gerechnet werden.
In einem schliesslich doch noch bestellten Gutachten (08-2020) beurteilte die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission das Projekt negativ. Eine weitere Version, die der Küsnachter Gemeinderat daraufhin ausarbeiten liess, sieht den Bau der Freizeit- und Hängebrücke 150 Meter weiter östlich vor. Besitzer des Waldes ist die Holzkorporation Küsnacht. Geplant ist eine 130 Meter lange Spannbandbrücke mit Blechprofilrost (Blech mit linsenförmig hineingestanzten Löchern), die das Küsnachter Tobel auf einer Höhe von 44 Metern überquert. Auf Seite Itschnach soll sie über einen neuen, Rollstuhl- und Kinderwagen-gängigen – das heisst mit Asphalt oder Beton fixierten – Weg durch den Wald erschlossen werden. Dafür seien insgesamt 15 Waldbäume sowie Unterholz zu roden. Die massiven Widerlager mit ihren Stahlankern und Betonsockeln würden sich auf Seite Allmend auf , auf Seite Itschnach auf im Abstand von 20 Metern neben den Wald- und Wanderwegen befinden. Die neue Brückenvariante und der Betrieb darauf wären ausser im Sommer im Tobel (Palmenrain) gut zu sehen (vgl. Visualisierung Zürichsee-Zeitung vom 13. April 2024). Auf Empfehlungen der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission, die die Höhenlage der Tragseile und die Materialisierung des Gehwegs betreffen, geht das neue Projekt des Küsnachter Gemeinderats nicht ein.
Ein zweites Gutachten (06-2023) der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission betreffend diese neue Version der geplanten Freizeit- und Hängebrücke bezieht sich auf das kantonale Inventar der Landschaftsschutzobjekte. Es beschreibt das Küsnachter Tobel als . Dabei handle es sich um eine einmalige Geländekammer, die durch querverbindende Wanderwege bereits sei: Gemäss regionalem Richtplan gelte das Küsnachter Tobel damit als besonders schützenswertes Landschaftsschutzgebiet, in welchem .
Abschliessend hält das zweite Gutachten fest, dass die geplante Brücke auch in der neuen Version fast alle, das heisst tangiere. Im Vordergrund sähen die Antragsteller jedoch die über die Schlucht zu ermöglichen. Es handle sich um einen sowie die Möglichkeit eines weiteren könne.
Als nötige Massnahmen werden empfohlen:
Eine professionelle, vorgängige ökologische Ausgleichsmassnahmen, um Zielarten, wie Gartenrotschwanz oder Waldkauz, im Gebiet zu fördern Stufung von Waldrändern und Hecken Pflanzung und Pflege von Hochstammobstbäumen entlang des Höhenwegs zur Verbesserung der ökologischen Vernetzung in der Landschaft