mini|Johann Friedrich von Recke

Johann Friedrich von Recke (* 1. August 1764 in Mitau; † 13. September 1846 ebenda) war ein deutschbaltischer Altertumsforscher, Literaturhistoriker und Sammler.

Leben Herkunft und Familie Johann Friedrich von Recke war der Sohn des Mitauer Kaufmanns und Bürgermeisters Johann Reck und seiner dritten Ehefrau Sophia Elisabeth Schmidt. Er heiratete 1789 in Mitau Elisabeth Kupffer, Tochter des Diakon in Mitau Ferdinand (1728–1803) und der Sophie Barbara Dullo (1738–1776).

Seine sechzehn Jahre ältere Schwester Anna Sophie (1748–1820) heiratete am 23. Februar 1773 Friedrich Wilhelm Raison, der 1762 in Riga die Bekanntschaft mit dem nach seinem Sturz als Regent des Kaiserreiches Russland verbannten und nun aus der Verbannung zurückkehrenden Herzog Ernst Johann von Biron gemacht hatte und vom selbigen 1762 als Geheimer Kabinettssekretär in herzoglichen Dienst genommen und 1769, im Jahr der Amtsantritts des Herzogsohns Peter, durch selbigen zum Kanzleirat ernannt worden war.

Werdegang Recke besuchte die Große Stadtschule (1774–1779) und die Academia Petrina (1779–1781) in Mitau. 1781 begann er sein Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte, Altertumskunde und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen.Ingrid Bigler-Marschall: Art. Recke, Johann Friedrich von. In: Deutsches Literatur-Lexikon, 3. Aufl., Bd. 12: Plachetka – Rilke. de Gruyter, Berlin 1990. 1781 wurde er etwa zeitgleich mit Piter Poel Mitglied des einflussreichen Göttinger Studentenordens „ZN“; Piter Poel erwähnt ihn in seinen Erinnerungen.Gustav Poel (Hrsg.): Bilder aus vergangener Zeit. Theil 1: Bilder aus Piter Poels und seiner Freunde Leben. 1760–1787. 1884, S. 300 und 331: Recke. Nach einem Aufenthalt in Paris kehrte er 1785 nach Mitau zurück.

Durch Herzog Peter von Kurland gefördert, war Recke seit 1787 Mitarbeiter des Archiv- und Lehnsekretärs; im Jahr darauf übertrug ihm der Herzog dieses Amt. Anschließend, von 1796 bis 1801, war er Sekretär der kurländischen Gouvernementsverwaltung, danach, von 1801 bis 1826, Rat des kurländischen Kameralhofes, seit 1816 mit dem Titel eines Kollegienrates. 1823 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 197. 1824 erhielt er den TitelStaatsrat, dazu wurde ihm der Wladimir-Orden 4. Klasse verliehen. Die Russische Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg nahm ihn im Dezember 1829 als korrespondierendes Mitglied auf. 1824 und 1825 amtierte Recke als stellvertretender Vizegouverneur. 1826 wurde er wegen Veruntreuung eines unterstellten Mitarbeiters aus dem Staatsdienst entlassen, nach einigen Jahren aber rehabilitiert und pensioniert.

Dies gab Recke den Freiraum, gemeinsam mit Karl Eduard von Napiersky ab 1827 das Allgemeine Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland und Kurland herauszugeben. Er war Mitbegründer der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst sowie des kurländischen Provinzialmuseums und gab die von 1805 bis 1807 erschienene Zeitschrift Wöchentliche Unterhaltungen für Liebhaber deutscher Lektüre in Rußland heraus.

Mitgliedschaften und Ehrungen Recke war Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und Vereinigungen in ganz Europa. Ehrenbürger der Stadt Mitau Ehrendoktor der Universität Göttingen

Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Gustav Poel (Hrsg.): Bilder aus vergangener Zeit. Nach Mitteilungen aus großenteils ungedruckten Familienpapieren. Theil 1: Bilder aus Piter Poels und seiner Freunde Leben. 1760–1787. Als Manuskript gedruckt. Rauhes Haus, Hamburg 1884.

Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960, 1970, S. 611 Walter Richter: Der Esperance- und ZN-Orden. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch 1974 des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, S. 30–54. Ingrid Bigler-Marschall: Art. Recke, Johann Friedrich von. In: Deutsches Literatur-Lexikon, 3. Aufl., Bd. 12: Plachetka – Rilke. de Gruyter, Berlin 1990.

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Einzelnachweise

Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Person (Gouvernement Kurland) Kategorie:Ehrendoktor der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Träger des Ordens des Heiligen Wladimir Kategorie:Korporierter (Studentenorden) Kategorie:Ehrenbürger in Lettland Kategorie:Staatsrat (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Lexikograf Kategorie:Adliger Kategorie:Geboren 1764 Kategorie:Gestorben 1846 Kategorie:Mann