Johann Friedrich Adam Graf von Seilern und Aspang (* 1646 in Ladenburg; † 8. Januar 1715 in Wien) war österreichischer Hofkanzler und Reichsgraf. Er gilt als Verfasser der Pragmatischen Sanktion.
Leben Johann Friedrich Seiler kam 1646 in Ladenburg am Neckar als Sohn des Färbermeisters Johann Jacob Seiler (1600–1667) zur Welt. Der Vater war um 1600 in Speyer geboren, lebte nachweislich zwischen 1636 und 1648 in LadenburgBiographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte, Band 3, 2014, S. 2616 und verstarb um 1666 in Heidelberg.Seiler, Johann Jakob
Die Herkunft des Reichsgrafen aus dem Handwerkerstand wurde später verschleiert: Nach Constantin von Wurzbach sollen die Seilern, laut alten Wappenbüchern, zur schwäbischen Ritterschaft des 14. Jahrhunderts, mit Sitzen in Pforzheim, St. Gallen, in der Oberpfalz und in Nürnberg gehört haben. Im Bibliographischen Lexikon des Kaisertums Österreich wird die tatsächliche Herkunft unter Hinweis auf „nur sehr lückenhafte und unzulängliche Nachrichten“ nicht genannt.
Dafür ist dort der weitere Lebensweg genau beschrieben:
Tatsächlich war der adoptierte Neffe aber ein Sohn seiner Halbschwester, Johann Friedrich Kichelier (oder de Keuckelier) (1676–1751). Dessen Urgroßvater war der aus Brügge stammende Arnold de Keukelier (um 1550–1615)Grafen von Seilern und Aspang, der als Hoftapezierer nach Heidelberg gekommen war.GHdA, Adelslexikon, Band XIII, Limburg an der Lahn 2002, S. 278 f.
Am 28. Oktober 1684 erhielt Johann Friedrich Seiler als von Seilern den Ritter-, 1693 den Freiherrn- und am 4. November 1713 den Reichsgrafenstand.Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Er begründete damit das bis heute bestehende Adelsgeschlecht Seilern.
Sowohl in Heidelberg als auch in Wien hatte sein Wirken weitreichende Auswirkungen:
Unter seiner Mitwirkung noch in Heidelberg kam es 1671 zur unglücklichen Verbindung zwischen Kurfürst Karl Ludwigs Tochter Liselotte von der Pfalz mit Herzog Philipp I. von Orléans. Diese Ehe nahm Philipps Bruder Ludwig XIV. 1688 zum Anlass für den Beginn des Pfälzischen Erbfolgekrieges.
1697 wirkte Seilern als dritter kaiserlicher Gesandter am Frieden von Rijswijk mit, der den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, und wurde anschließend Hof- und Staatskanzler.
thumb|Urkunde der Pragmatischen Sanktion von Kaiser Karl VI. (1713) Am 19. April 1713 verlas der Freiherr von Seilern vor den versammelten geheimen Räten in Wien die Pragmatische Sanktion, die er vermutlich auch selbst im Auftrag von Kaiser Karl verfasst hatte und die dessen einziger Tochter Maria Theresia die Thronfolge in den habsburgischen Ländern ermöglichen sollte. Einige Monate später wurde er Graf.
1711 hatte er das Schloss in Aspang-Markt erworben und wurde daher 1713 als von Seilern und Aspang gegraft. Schon ein Jahr nach seinem Tod, 1716, verkaufte es der Neffe und Erbe Johann Friedrich (II.) aber an die ursprüngliche Besitzerfamilie, Grafen von Pergen, zurück. 1724 erwarb er stattdessen die Herrschaften Freistadtl und Luckow-Kralitz in Mähren, aus denen er 1751 einen Primogenitur-Fideikommiss errichtete, der bis 1945 im Besitz der Familie Seilern-Aspang verblieb. Der Sohn Johann Friedrichs (II.), Christian August von Seilern, wurde wiederum Diplomat und Staatsmann.
Literatur
Karl Klaus: Johann Reichsgraf von Seylern: gebürtiger Ladenburger Schöpfer der Pragmatischen Sanktion. In: Unser Land., Heidelberg 2008. Klaus Döpfer: Betrachtungen über das Geburtshaus des Reichsgrafen Johann Friedrich Adam von Seilern in Ladenburg. In: Ladenburger Jahrbuch 2012, Ladenburg 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Graf (HRR) Kategorie:Politiker (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Nobilitierter (HRR) Kategorie:Person (Ladenburg) Kategorie:Geboren 1646 Kategorie:Gestorben 1715 Kategorie:Mann