Fürstendiener ist eine von Friedrich Schiller abwertend umgeprägte Bezeichnung für einen – seit der Aufklärung in der Regel bürgerlichen – Höfling am Hof eines Fürsten.

Geschichte des Begriffs Fürstendiener bezeichnete zunächst wertfrei einen Vasallen eines Fürsten. Ulrich von Hutten (1488–1523) bezeichnete sich in einem Schreiben an Willibald Pirckheimer (1470–1530) als solcher:

Weimarer Klassik

Im Zuge der Weimarer Klassik, die der Aufklärung folgte, verschob sich die Bedeutung des Begriffs Fürstendiener in eine abwertende Bezeichnung.Werner Besch, Anne Betten, Sprachgeschichte: Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, Band 4, 2004, S. 3080 und 3088

Goethe lässt Metzler im Götz von Berlichingen von 1773 diesen einen Fürstendiener oder Fürstenknecht nennen (V, 5): „Mit dir feigem Kerl! Fürstendiener!“

Auch Goethes eigene Nähe zu Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde bereits zu seiner Zeit kritisierend unter dem Aspekt, er sei ein Fürstendiener, erörtert. Goethe selbst schrieb in einem Brief an Johann Peter Eckermann in Bezug auf diese Frage: „Nun heißt es wieder, ich sei ein Fürstendiener, ein Fürstenknecht ...“.War Goethe ein Fürstendiener? in: Gero von Wilpert, Goethe: Die 101 wichtigsten Fragen, 2007, S. 121f Zu Goethes am 3. Juni 1782 erfolgter Nobilitierung durch den Herzog merkte Johann Gottfried Herder an:zitiert nach: Nicolas Boyle, Goethe: Der Dichter in seiner Zeit, 1995, S. 392

„Ich kann nicht Fürstendiener sein“ sagt der Marquis von Posa in Schillers 1787 fertiggestelltem Drama Don Karlos. Marquis von Posa lehnt es als freier Malteserritter mit diesen Worten ab, in die Dienste des spanischen Königs Philipp II. zu treten.Friedrich Schiller: Don Karlos. 3. Akt, 10. Auftritt

19. Jahrhundert Der Dichter Georg Herwegh war ein typischer Vertreter des Vormärz und ein Gegenpol Goethes, denn er sieht Goethe als Fürstendiener. Der Dichter sieht die neue schriftstellerische Basis im Journalismus und nicht mehr nur die Arbeit bei Hofe, wie es Goethe und Schiller einst taten. So appelliert Herwegh in seinem An die deutschen Dichter an die Dichter, die Fürsten nicht zu fürchten, weil die Poesie unsterblich sei.

Der zur Theatralik neigende Herwegh belegte spektakulär die gewandelte Bedeutung des Begriffs des Fürstendieners. Herwegh erhielt am 19. November 1842 eine Audienz beim preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Statt sich zum Abschied zu verbeugen, fixiert er jedoch den König und zitiert Schiller: „Sire, ich kann nicht Fürstendiener sein.“

In diesem abwertenden Sinne hat sich der Begriff bis heute erhalten. Die Germanistin Marie Haller-Nevermann verfasste zum Schillerjahr 2005 eine Biografie Schillers mit dem Titel Ich kann nicht Fürstendiener sein, in der sie Geisteshaltung und Künstlerpersönlichkeit des „Dichters der Freiheit“ untersucht.

Literatur Stefan Brakensiek: Fürstendiener, Staatsbeamte, Bürger: Amtsführung und Lebenswelt der Ortsbeamten in niederhessischen Kleinstädten 1750–1830. ISBN 3-525-35677-3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999 Hans Meissner: Die Doblhoffs und Baden-Weikersdorf. (Vom Fürstendiener zum Industriemanager). Neue Badener Blätter, Band 4,4. Gesellschaft der Freunde Badens und Städtische Sammlungen – Archiv, Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden, Baden 1993.

Vergleiche auch Hofschranze

Weblinks Peter Brockmeier: Fürstendiener und Menschenfreund, Possenreißer und Dichterfürst. Zum Bild Voltaires in der deutschsprachigen Literaturkritik und Literaturgeschichtsschreibung (PDF; 287 kB)

Einzelnachweise

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