Heiligengrabe ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.

Geographie Die Gemeinde liegt im Osten der Prignitz, nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer Fläche von 206,31 km² gehört sie zu den flächengrößten Gemeinden Deutschlands.

Gemeindegliederung mini|Rundling Jabel mini|Rundling Glienicke Zur Gemeinde Heiligengrabe gehören folgende Ortsteile, bewohnte Gemeindeteile und Wohnplätze:Dienstleistungsangebot der Landesverwaltung

Blandikow Blesendorf mit dem Wohnplatz Ganzow Blumenthal mit den Gemeindeteilen Dahlhausen und Horst sowie den Wohnplätzen Buchhorst, Siedlung und Waldhof Grabow bei Blumenthal mit dem Wohnplatz Kuckucksmühle Heiligengrabe mit den Wohnplätzen Hoheheide und Techow Herzsprung Jabel mit dem Wohnplatz Friesenhof Königsberg mit den Wohnplätzen Kattenstiegmühle und Wüsten-Barenthin Liebenthal Maulbeerwalde mit dem Wohnplatz Maulbeerwalder Siedlung Papenbruch mit dem Wohnplatz Natteheide Rosenwinkel Wernikow mit dem Wohnplatz Wernikow Ausbau Zaatzke mit dem Gemeindeteil Glienicke sowie dem Wohnplatz Volkwig

Geschichte

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand das Dorf Techow oder Thegow. 1280 wurde Techow erstmals urkundlich erwähnt. 1287 wurde am Rand des Dorfes das Zisterzienserinnenkloster Stift zum Heiligengrabe gegründet. Die Ortschaft behielt bis 1928 den Namen Techow, dann wurde sie in Heiligengrabe umbenannt.

Zu DDR-Zeiten bestand im Ort ein FDJ-Ferienlager.

Nach der Wende wurde in den Gemarkungen Heiligengrabe und Liebenthal das ca. 170 ha große Gewerbegebiet Heigengrabe/Liebenthal in unmittelbarer Nähe zum Autobahndreieck Wittstock/Dosse der BAB 19 und BAB 24 Hamburg-Berlin-Rostock erschlossen.

Am 26. Oktober 2003 wurden die Orte Blandikow, Blesendorf, Blumenthal, Grabow bei Blumenthal, Jabel, Liebenthal, Maulbeerwalde, Papenbruch, Rosenwinkel, Wernikow und Zaatzke nach Heiligengrabe eingemeindet. Am 31. Dezember 2004 kamen Herzsprung und Königsberg, die sich gerichtlich erfolgreich gegen eine Eingemeindung nach Wittstock/Dosse gewehrt haben, hinzu.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 323 1890 285 1910 305 1925 377 1933 843 1939 829 Jahr Einwohner 1946 1 132 1950 1 313 1964 1 088 1971 1 015 1981 994 1985 981 Jahr Einwohner 1990 1 019 1995 934 2000 945 2005 5 087 2010 4 693 2015 4 441 Jahr Einwohner 2020 4 379 2021 4 350 2022 4 350 2023 4 413 2024 4 352 2025 4 302

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingemeindung zahlreicher Orte in den Jahren 2003 und 2004 zurückzuführen.

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Heiligengrabe besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin 9,6 % 2 21,6 % 4 Wählergemeinschaft Heiligengraber Land 36,9 % 6 20,4 % 3 AfD – – 16,0 % 1 Gemeinsam für Bürger – – 11,0 % 2 Bürgerliste Blumenthal-Grabow-Rosenwinkel 20,1 % 3 10,3 % 2 Alternative Wählergruppe Gemeinde Heiligengrabe 11,9 % 2 7,7 % 1 Lebens(t)raum Dorf zwischen Jäglitz und Glinze 8,9 % 1 7,6 % 1 Einzelbewerber Arno Beck – – 2,3 % – Die Linke 6,7 % 1 2,1 % – Bündnis 90/Die Grünen – – 1,0 % – CDU 1 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 14

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 1998–2003: Reinhard Preuß 2003–2007: Egmont HamelowKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 29 2007–2023: Holger Kippenhahn (Wählergemeinschaft Heiligengraber Land) seit 2023: Karl-Friedrich Schült (Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin)

Holger Kippenhahn wurde in der Bürgermeisterwahl 2015 mit 56,3 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Er trat zur Bürgermeisterwahl 2023 nicht mehr an.

Seit dem 1. Juli 2023 ist Karl-Friedrich Schült Bürgermeister der Gemeinde. Er wurde in der Bürgermeisterwahl am 19. März 2023 mit 53,7 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 19. März 2023

Wappen

Flagge Der Gemeinde wurde am 4. Oktober 2006 durch das Ministerium des Innern eine Flagge genehmigt und wie folgt beschrieben:

„Die Flagge ist Rot - Weiß - Rot (1:4:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift .

Städtepartnerschaft Partnergemeinde ist Fahrenbach in Baden-Württemberg.

Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Das Kloster Stift zum Heiligengrabe aus dem 13. Jahrhundert gilt als besterhaltene Klosteranlage in Brandenburg und ist seit 1998 als Denkmal nationaler Bedeutung eingestuft. Es erfuhr unter Kaiser Wilhelm II. besondere Förderung, unter anderem wurde die Grabkapelle neugotisch ausgemalt, und der Kaiser stiftete ein großes farbiges Kirchenfenster. Dieses Kaiser-Fenster stammt vom Kirchenmaler und Mosaizisten August Oetken. Es zeigt die Äbtissin Adolphine von Rohr und den Kaiser bei der Übergabe des vom letzteren neugestifteten prunkvollen Äbtissinnen-Stabes. Die Dorfkirche Wernikow entstand in der Zeit zwischen 1245 und 1253 und gilt damit als eine der ältesten Kirchen in der historischen Prignitz. Im Innern steht unter anderem ein Altarretabel aus der Zeit um 1722. Bei Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2011 wurde ein Weihesiegel aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Der Denkmalpfleger und Bauhistoriker Gordon Thalmann bezeichnet dies als einen „der spektakulärsten Funde der neueren nordostdeutschen Kirchen- und Landesforschung.“, (PDF), Artikel von Gordon Thalmann, veröffentlicht auf der Webseite des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, abgerufen am 13. Januar 2019.. Im Ortsteil Jabel steht eine Dorfkirche im Stil der preußischen Landbauschule mit einer bemerkenswerten Bohlenbinderkonstruktion. Im Ortsteil Blumenthal befindet sich der von 2003 bis 2004 erbaute Aussichtsturm Blumenthal. Er ist der höchste Holzaussichtsturm in Deutschland. In Blumenthal-Horst befindet sich auf dem Gelände des Gutes Burghof der ruinöse Nordflügel und ein polygonaler Treppenturm des um 1534 erbauten Renaissanceschlosses, das seit dem 17. Jahrhundert verfiel. Erhalten ist das 1752 erbaute barocke Gutshaus, das restaurierte Inspektorenhaus sowie Reste des um 1860 entstandenen Landschaftsparks. Im Inneren der 1688 erbauten Gutskapelle befindet sich das Grabmal des im Alter von fünf Jahren verstorbenen Hans Carl Montang von Blumenthal, ein Werk Johann Gottfried Schadows von 1794. Die Gebäude der in den 1950er Jahren errichteten Landwirtschaftsschule werden teilweise vom Gut Burghof genutzt. Der „Förderverein Burgbau im Landschaftspark zu Horst e. V.“ bemüht sich um den Erhalt des aus fünf Jahrhunderten stammenden Ensembles.

Geschichtsdenkmale Gedenktafel für die Opfer des Todesmarsches von KZ-Häftlingen an der Gabelung Dorfstraße/Fretzdorfer Straße im Ortsteil Herzsprung Gedenkstein für antifaschistische Widerstandskämpfer (Sammelgräber für zehn und sieben Häftlinge des KZ Sachsenhausen) auf dem Friedhof im Ortsteil Herzsprung Gedenkstein von 1985 auf dem Friedhof von Herzsprung für drei alliierte Fallschirmspringer, die nach dem Abschuss ihres Flugzeugs in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges von Volkssturmmännern erschossen wurden.

Naturdenkmale Dreibrüdereiche mit einem Brusthöhenumfang von 8,83 m (2016). Eiche an der Alten Schäferei mit einem Brusthöhenumfang von 7,31 m (2016). Eiche am Feld mit einem Brusthöhenumfang von 7,48 m (2016).

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Kronotex, Hersteller von MDF-Platten und Laminatböden Landmaschinenkonzern Claas, Vertriebsgesellschaft und Gebietsersatzteillager

Verkehr Heiligengrabe liegt an der Bundesstraße 189 zwischen Pritzwalk und Wittstock. Auch die Landesstraßen L 144 (Blumenthal–Herzsprung) und L 145 (Kolrep–Wittstock) führen über das Gemeindegebiet. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen sind Pritzwalk und Herzsprung an der A 24 (Hamburg–Berlin).

In Heiligengrabe und Liebenthal hält die Regional-Express-Linie RE 6 (Prignitz-Express, Wittenberge–Berlin-Charlottenburg) der DB Regio Nordost. In den Ortsteilen Rosenwinkel und Blumenthal gibt es Haltepunkte an der Bahnstrecke Pritzwalk–Neustadt (Dosse), die zwei- bis dreimal täglich von der Regionalbahnlinie RB 73 der Hanseatischen Eisenbahn (HANS) bedient wird.

Bildung In Heiligengrabe gibt es drei Grundschulen und eine Oberschule:Liste aller Schulen im Schulporträt Brandenburg

Staatliche Schulen Nadelbach-Grundschule Grundschule Blumenthal

Schulen in freier Trägerschaft Gemeinschaftsschule im Kloster Stift zum Heiligengrabe – Grundschule und Oberschule (anerkannte Ersatzschule)

Sport Im Mai 2008 wurde Heiligengrabe von der Landesregierung Brandenburg als Brandenburgs «Sportlichste Gemeinde» ausgezeichnet, da jeder fünfte Einwohner in einem Sportverein aktiv ist.

Söhne und Töchter der Gemeinde Georg von Blumenthal (1490–1550), Bischof, in Horst geboren Hans Graf von Blumenthal (1722–1788), Offizier, in Horst geboren Friedrich Hermann Lütkemüller (1815–1897), Orgelbauer, in Papenbruch geboren Julius von Pflugk-Harttung (1848–1919), Historiker, in Wernikow geboren Wilhelm Lütgert (1867–1938), Theologe Paul Bismark (1888–1951), Politiker (SPD/SED), Abgeordneter der Volkskammer der DDR, in Blesendorf geboren

Mit Heiligengrabe verbundene Persönlichkeiten Hansjürgen Rosenbauer (* 1941), Journalist, lebt in Zaatzke Egmont Hamelow (* 1963), Politiker, war Amtsdirektor und Bürgermeister von Heiligengrabe

Literatur

Wolfgang Dost: Zwischen Jäglitz und Glinze. Von Blumenthal, Heiligengrabe, Zaatzke und anderen Dörfern. Hrsg. von der Gemeinde Heiligengrabe, Geiger, Horb am Neckar 2014, ISBN 978-3-86595-582-1.

Weblinks

Webseite der Gemeinde Heiligengrabe Eintrag im Kommunalverzeichnis Brandenburg Kloster Stift zum Heiligengrabe

Einzelnachweise StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 und 2004

Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin