Der Untermainkai ist eine rechtmainische Uferstraße in den Frankfurter Stadtteilen Altstadt, Innenstadt, Bahnhofsviertel und Gutleutviertel. Er schließt im Osten an den altstädtischen Mainkai an und wird im Westen im Gutleutviertel jenseits der Friedensbrücke von der Speicherstraße in Richtung Westhafen fortgesetzt. Die linksmainische Entsprechung ist der Schaumainkai.

Lage Die Straße beginnt im Osten noch in der Altstadt auf der Höhe der Seckbächer Gasse respektive des ehemaligen Degussa-Areals, das Anfang des 21. Jahrhunderts unter dem Projektnamen Maintor völlig neu entwickelt wurde. Der Verlauf durch die Altstadt endet bereits nach rund 120 Metern an der Kreuzung von Hofstraße, Neuer Mainzer Straße und Untermainbrücke. Es folgt ein rund 200 Meter langes Teilstück durch die Innenstadt bis zur Untermainanlage.

Im anschließenden Bahnhofsviertel ist der Untermainkai die einzige Straße zum Fluss. Sie wird dabei regelmäßig von Mainluststraße, Holbeinsteg, Windmühl- und schließlich der Wiesenhüttenstraße geschnitten, die auch den Übergang in das Gutleutviertel darstellt. Dort gibt es bis zur Friedensbrücke, an der der Übergang von Untermainkai zur Speicherstraße erfolgt, keine weiteren Querstraßen.

Die Straße ist durchgängig dreispurig ausgebaut und spielt insbesondere mittels der Untermain- und der Friedensbrücke in der Verteilung von rechts- und linksmainischem Individualverkehr eine zentrale Rolle. Südlich, unterhalb der dort steil abfallenden ehemaligen Kaimauern, folgt auf fast voller Länge das Nizza, eine über 4 Hektar große Parkanlage. Da der Begriff des Nizzas nicht so verbreitet ist wie der des Untermainkais als Straßenname, wird letztere Bezeichnung auch häufig (fälschlich) synonym für die Parkanlage gebraucht.

Geschichte Reichsstädtische Zeit miniatur|Frankfurt von Südwesten, um 1618 – Weinmarkt, Mainzer Bollwerk (noch ohne Schanze auf der vorgelagerten Maininsel) und die Windmühle sind gut erkennbar(Ausschnitt eines Kupferstichs von Matthäus Merian d. Ä.) Im Mittelalter und der frühen Neuzeit befand sich nur der kurze, heute im Stadtteil Altstadt verlaufende Abschnitt des jetzigen Untermainkais innerhalb der Frankfurter Stadtbefestigung. Auf voller Breite zwischen jetziger Neuer Mainzer Straße und Untermainanlage zog die dort besonders stark ausgeführte Westflanke der Verteidigungsanlagen vom sogenannten Mainzer Bollwerk vom Mainufer nach Norden. Dem Ufer selbst folgte eine hohe Mauer, auf deren Rückseite im Bereich des Untermainkais die Häuser der Alten Mainzer Gasse gebaut waren.

Das mit einer vorgelagerten Schanze teilweise in den Main und direkt vor die Mauer gesetzte Mainzer Bollwerk erlaubte keinen Kai oder Hafen an dieser Stelle. Daher erstreckte sich ein solcher östlich davon, im Bereich des heutigen Mainkais etwa von Höhe des Karmeliterklosters bis hinauf zur Leonhardskirche, der als Weinmarkt genutzt wurde. Dort verzollten und schließlich löschten Schiffe selbst aus damals entfernten Orten wie Straßburg ihre entsprechende Ladung.

Eines der größten Feldgüter vor den Mauern der Stadt war das sich westlich von diesen bis zur Galluswarte und südlich des jetzigen Kettenhofweges bis hinunter zum Main erstreckende Galgenfeld – das Areal des späteren Bahnhofsviertels und von großen Teilen des Gallus sowie kleineren des Gutleutviertels und des Westends. Es trug seinen Namen nach dem ehemaligen Frankfurter Hochgericht, das ungefähr auf Höhe der gegenwärtigen Kreuzung Taunusstraße / Moselstraße zu lokalisieren war. Im 18. Jahrhundert empfand man den Bezug auf den Galgen zunehmend als anstößig und änderte die Bezeichnung in Gallus, wie auch bei der Galgengasse, dem Galgentor und der Galgenwarte.

Wie die ältesten topographischen Darstellungen des Stadtgebietes aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigen, befanden sich bereits damals am späteren Untermainkai vor den Stadtmauern eine Reihe von Sommervillen mit großen Landschaftsgärten. Das Gebiet war vermutlich wegen seiner klimatischen begünstigten Lage besonders beliebt. Nach einer markanten Windmühle war die Gegend damals allerdings nicht als Untermainkai, sondern als An der Windmühle bekannt.

Im 18. Jahrhundert nahmen die Bauunternehmungen der städtischen Oberschicht deutlich zu, über 500 Gesuche dieser Art wurden alleine zwischen 1720 und 1800 verzeichnet. Bis zum Ende des Jahrhunderts dehnte sich die Bebauung, stets dicht an das Ufer gedrängt, dadurch bis etwa zur heutigen Friedensbrücke aus. In der Tiefe entsprach sie ungefähr dem Areal zwischen späterem Untermainkai und der Gutleutstraße.

19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg miniatur|links|Entwicklung des Untermainkais auf Stadtplänen 1811–1895 Nach der Entfestigung des frühen 19. Jahrhunderts, also dem Abbruch fast aller Stadtmauern und -türme, wurde auch der Untermainkai bald nach 1818 als Bauland ausgewiesen. Die Aufschüttung des in der Fluss reichenden Mainzer Bollwerks begründet den Versatz in der Bebauung des Mainufers, der bis heute sichtbar geblieben ist und noch immer den Übergang vom Mainkai zu Untermainkai markiert. In den 1820er Jahren entstanden dort bis hinab zur neuen Untermainanlage, wo das Untermaintor als neues Stadttor errichtet wurde, zunächst zehn klassizistische Häuser.

miniatur|1845: Blick von Höhe des Untermaintors nach Osten in den Untermainkai, die zehn ersten klassizistischen Häuser sind links gut zu erkennen, rechts der „Kleine Main“ und die Mühlinsel(Stahlstich von Wilhelm Lang nach Vorlage von Jakob Fürchtegott Dielmann) miniatur|1850er Jahre: links das Gartenlokal „Mainlust“ am „Kleinen Main“, rechts die Mühlinsel(Stahlstich) Fünf wurden östlich der ebenfalls neu angelegten, nach Norden führenden Neuen Mainzer Straße auf dem Gebiet der Altstadt errichtet und an ältere Gebäude der Alten Mainzer Gasse angebaut. Weitere fünf entstanden westlich der Neuen Mainzer Straße auf dem Gebiet der Untermainanlage. Zu dieser Zeit kam auch erstmals die Bezeichnung für den Untermainkai als Straße auf, obgleich die rein topographische Unterscheidung zwischen Ober- und Untermain schon im Mittelalter bekannt war. Die Bauausführung folgte dem Gesamtplan des damaligen Stadtbaumeisters Johann Georg Christian Hess, dem gesamten Mainufer ein einheitliches klassizistisches Erscheinungsbild zu geben. Ein 1819 von Frankfurter Bürgern geplantes Projekt, auf der Mühleninsel ein Goethedenkmal zu errichten, scheiterte an der erfolglosen Finanzierung.

miniatur|Um 1860 – „Mainlust“ und Insel sind der Aufschüttung und der Verbindungsbahn gewichen, die Grünanlagen des Nizza sind noch nicht angelegt(Fotografie von Carl Friedrich Mylius) Im gesamten 19. Jahrhundert, bis zur Parzellierung des Bahnhofsviertels in den 1880er Jahren, blieb der Uferabschnitt westlich des Untermaintors nicht als Untermainkai, sondern als An der Windmühle bekannt. Dies ging auf eine historische, direkt vor dem Tor am Ufer gelegene Windmühle zurück, die bereits auf einer Stadtansicht von Matthäus Merian d. Ä. aus der Zeit um 1618 zu erkennen ist.

1832 errichtete der Gastwirt Johann Georg Ried an ihrer Stelle das Gartenlokal „Mainlust“, das in den folgenden Jahrzehnten legendären Ruf erlangte und in zahlreichen selbst internationalen Reisebeschreibungen Eingang fand, obwohl es schon 1873 wieder abgerissen wurde. Ein zeitgleich weiter westlich errichteter Ersatzbau, die „Neue Mainlust“, hatte kaum zwei Jahrzehnte Bestand und konnte nicht mehr an den Ruhm des Vorgängerbaus anknüpfen. Noch heute erinnert der Name der Windmühlstraße an die Windmühle und somit auch indirekt die Mainlust, zu lokalisieren waren beide allerdings auf Höhe der heutigen Mainluststraße.

1839–1850 entstanden auf dem ehemaligen Galgen-, nun Gallusfeld westlich der Gallusanlage mit den Westbahnhöfen die Vorgängerbauten des heutigen Hauptbahnhofs. Für die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg wurde an der Stelle der heutigen Friedensbrücke mit der Main-Neckar-Brücke zum ersten Mal überhaupt seit dem Ende der reichsstädtischen Zeit eine neue Mainquerung errichtet. Damit war die spätere und noch heutige Westgrenze des Untermainkais etabliert.

Die Aufschüttung des „Kleinen Mains“ zwischen der Mühlinsel und der Mainlust ermöglichte 1858 die Einrichtung eines tiefer in den Main reichenden Kais zwischen Leonhardskirche und der Windmühlstraße. Doch die fortdauernde Industrialisierung drohte den noch wenige Jahre zuvor gelobten noblen Charakter des klassizistischen Städtebaus an dieser Stelle nachhaltig zu beeinträchtigen. Vom im selben Jahr eingerichteten neuen Winterhafen westlich der damaligen Main-Neckar-Brücke zogen sich ab 1859 die Gleise der städtischen Verbindungsbahn das Mainufer entlang gen Osten, unansehnliche Lagerschuppen folgten.

mini|Anschließender Mainkai mit Blick auf den Saalhof und den Kaiserdom in der Frankfurter Altstadt, Photochromdruck um 1900 Der damals hochbetagte Stadtgärtner Sebastian Rinz, der die Umwandlung der alten Befestigungen in die Wallanlagen geleitet hatte, konnte noch durchsetzen, dass ein Großteil der Lagerschuppen im Bereich des Untermainkais wieder verschwand. Unter seinem Nachfolger Andreas Weber entstand 1860–1880 südlich der Uferstraße mit dem Nizza als Verlängerung der Frankfurter Wallanlagen eine grüne Promenade. Nach dem Bau der Untermainbrücke 1872–1874 und der Mainkanalisierung 1883–1886 hatte der Untermainkai zum Ufer hin überwiegend seine noch heutige Form erhalten.

Bis zur Gründung des Kaiserreichs änderte sich trotz der Wandlung des Ufers stadtseitig praktisch nichts gegenüber dem Zustand des frühen 19. Jahrhunderts. Erst die Errichtung des Hauptbahnhofs bildete den Auftakt für die planmäßige Bebauung des ehemaligen Gallusfeldes, und damit auch der Stadtseite des Untermainkais. Einzelne Häuser waren noch am Übergang von Spätklassizismus zu früher Neorenaissance bereits in den 1870er Jahren entstanden, das Gros wurde zwischen 1880 und 1900 errichtet. Bis zur Windmühlstraße ersetzten sie die bis dato noch vorhandenen Landhäuser und Gärten. Auf dem Gelände des vormaligen Main-Neckar-Bahnhofes fand die Internationale Elektrotechnische Ausstellung 1891 statt.

Der Lage entsprechend handelte sich bei den Neubauten des späten 19. Jahrhunderts um repräsentative großbürgerliche Häuser in den damals gängigen reichen Mischformen des Historismus. Dominierte im östlichen Bereich die Bauweise des geschlossenen Blockrands, war im Westen eher eine offene, großzügige Villenbauweise verbreitet. Vielfach wurden dort auch nur ältere Hausanlagen erweitert. Allerdings zerschnitt die neu eingezogene Wilhelm-Leuschner-Straße sämtliche Gärten und Parks zur Gutleutstraße hin und reduzierte sie mit der nachfolgenden Bebauung erheblich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war die Uferbebauung gegen 1910 vollendet.

Von 1933 bis 1945 wurde die Straße Untermainkai umbenannt in Hermann-Göring-Ufer nach dem Reichsmarschall und Kriegsverbrecher Hermann Göring (1893–1946), einem maßgeblichen Exponenten des Nationalsozialismus.

Nachkriegszeit bis zur Gegenwart miniatur|links|Gegensätze: rechts im Bild die im Kern noch barocke Villa Bonn, in der Mitte das InterContinental Frankfurt aus den 1960er, links das Union Investment-Hochhaus aus den 1970er Jahren Die Schäden des Zweiten Weltkriegs durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main fielen am Untermainkai gemessen am Gesamtzerstörungsgrad und der Nähe zur Altstadt verhältnismäßig gering aus. Von den ersten zehn Häusern blieben mit den Häusern 4 (Hermann-Schlosser-Haus) und 12–15 exakt die Hälfte erhalten. Sie zählen damit heute zu den frühesten und bedeutendsten Beispielen des Frankfurter Klassizismus und den ältesten Bürgerhäusern der Alt- und Innenstadt. Aus städtebaulicher Sicht schwerer wiegt die Nachverdichtung im westlichen Teil vor allem jenseits der Windmühlenstraße.