Das Council of Relief Agencies Licensed to Operate in Germany (Rat der zur Arbeit in Deutschland zugelassenen Hilfsorganisationen, CRALOG) war eine US-amerikanische Dachorganisation, die ab 1946 die Hilfslieferungen amerikanischer Nichtregierungsorganisationen (NGO) für Deutschland organisierte. Unter dem Dach von CRALOG arbeiteten zumeist religiös orientierte Hilfswerke, die in Deutschland mit nichtstaatlichen Wohlfahrtsverbänden kooperierten, die ihrerseits für die Verteilung der Hilfsgüter sorgten. Aufgrund dieser nur indirekten Beziehung zur deutschen Bevölkerung erlangte CRALOG im Bewusstsein der Menschen nie die symbolische Bedeutung wie die CARE-Pakete, obwohl über CRALOG deutlich mehr Hilfsgüter verteilt wurden als durch CARE.Karl-Ludwig Sommer: HUMANITÄRE AUSLANDSHILFE ALS BRÜCKE ZU ATLANTISCHER PARTNERSCHAFT, S. 11

Zwischen Humanitärer Hilfe und antikommunistischer Propaganda Nahrungsmittel-Hilfslieferungen aus den USA nach Deutschland waren bis Dezember 1945 verboten, da sie „die Politik der Begrenzung des deutschen Lebensstandards auf den der europäischen Nachbarn behindern könnten“.The U.S. Army In The Occupation of Germany 1944–1946 by Earl F. Ziemke Fußnoten zu Kapitel 23, Weiter verwiesen auf: (1) Memo, European Section Theater Group, OPD, for L & LD, sub: Establishment of Civilian Director of Relief, 8 Dec 45, in OPD, ABC 336 (sec. IV) (cases 155- ). (2) OMGUS, Control Office, Hist Br, History of U.S. Military Government in Germany, Public Welfare, 9 Jul 46, in OMGUS 21-3/5.“they might tend to negate the policy of restricting the German standard of living to the average of the surrounding European nations”„Die Sendung von CARE-Paketen an Einzelne blieb bis zum 5. Juni 1946 verboten“. (ebenfalls aus der vorgenannten Quelle) Dabei war die prekäre Lage – auch 1946 noch – durchaus bekannt, wie der Bericht eines Mitarbeiters einer Hilfsorganisationen zeigte:

Erst nachdem Präsident Truman sowohl vom amerikanischen Kongress, als auch von der amerikanischen Öffentlichkeit unter Druck gesetzt wurde, durfte ein Untersuchungsteam des American Council of Voluntary Agencies for Foreign Service nach Deutschland. Im Januar 1946 setzten sich 34 US-Senatoren aufgrund der verzweifelten Nahrungsmittelsituation im besetzten Deutschland dafür ein, dass private US-amerikanische Hilfsorganisationen in Deutschland und Österreich Unterstützungsleistungen erbringen durften.Steven Bela Vardy und T. Hunt Tooley, eds. "Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe" ISBN 0-88033-995-0. Kapitel von Richard Dominic Wiggers, "The United States and the Refusal to Feed German Civilians after World War II" S.282,283 weiter verwiesen auf: Kenneth S. Wherry, United States Senate, Committee on Appropriations, to the President, 4 January 1946, HST/WHOF/B1272“(…) the food situation (…) presents a picture of such frightful horror as to stagger the imagination, evidence which increasingly marks the United States as an accomplice in a terrible crime against humanity.” Deutsche Übersetzung: „(…) Die Nahrungsmittelsituation (…) zeigt ein Bild solch furchtbaren Schreckens, dass es die Vorstellungskraft erschüttert und belegt, dass sich die Vereinigten Staaten mitschuldig an einem schlimmen Verbrechen gegen die Menschlichkeit machen.“ Nach dem Bericht des Untersuchungsteams vom Februar 1946 über die Situation vor Ort, wurde dann am 19. Februar 1946 durch die Truman-Regierung CRALOG als einzige „autorisierte Agentur für die Lieferung humanitärer Hilfsgüter aus den USA nach Deutschland“ anerkanntKarl-Ludwig Sommer: HUMANITÄRE AUSLANDSHILFE ALS BRÜCKE ZU ATLANTISCHER PARTNERSCHAFT, S. 69 – ein Beschluss, auf den die hinter CRALOG stehenden Organisationen schon seit Monaten hingearbeitet hatten.

Kaete O’Connell weist darauf hin, dass Trumans Befürwortung von CRALOG den Übergang von einer strafenden zu einer rehabilitativen Besatzungspolitik einleitete und die Grundlage schuf für ein verbessertes deutsch-amerikanisches Verhältnis. „Die Nahrungsmittelhilfe für Deutschland unterstrich die humanitären Verpflichtungen Amerikas und sorgte für gute Publizität. Sie beeinflusste die öffentliche Meinung an der Heimatfront und im ehemaligen Reich zu einem kritischen Zeitpunkt im frühen Kalten Krieg.“Kaete O’Connell: ‘Washington, D.C., 1946: Humanitarian Food Relief for Occupied Germany’: „Food aid to Germany underscored America’s humanitarian obligations and generated good publicity, swaying public opinion on the home front and in the former Reich at a critical moment in the early Cold War.“ Mit anderen Worten: Es ging bei diesen Hilfslieferungen für Deutschland nie ausschließlich um humanitäre Hilfe, sondern um einen Strategiewechsel in der amerikanischen Politik, durch den auf einen „Rollenwechsel Westdeutschlands vom besiegten Kriegsgegner zum Partner im westlichen Bündnissystem“ hingearbeitet wurde. Aufgabe der humanitären Hilfe, symbolträchtiger repräsentiert durch die CARE-Pakete denn durch die eher anonymen CRALOG-Lieferungen, war es, die Akzeptanz dieses Rollenwechsels zu fördern – beidseits des Atlantiks.Karl-Ludwig Sommer: HUMANITÄRE AUSLANDSHILFE ALS BRÜCKE ZU ATLANTISCHER PARTNERSCHAFT, S. 20

Die erste CRALOG-Lieferung erreichte im April 1946 den Hafen von Bremen und bestand aus 10.727 Tonnen Hilfsgütern.Robert Kreider: CRALOG Sie konnten vorerst nur in der US-amerikanischen Besatzungszone verteilt werden, da die übrigen Gouverneure der westlichen Besatzungszonen in Deutschland erst noch die Verträge zur Erlaubnis von CRALOG-Hilfslieferungen in ihre jeweilige Zonen genehmigen mussten, was – bis auf Berlin – jedoch noch 1946 geschah: Der Gouverneur der britischen Besatzungszone unterschrieb am 12. Juli 1946. Der Gouverneur der französischen Besatzungszone, Jean de Lattre de Tassigny unterschrieb am 30. Juli 1946. Die alliierte Kommandantur, die Berlin regierte, unterzeichnete im April 1947.Enzyklopaedie der Mennoniten

Die Träger von CRALOG CRALOG als Dachorganisation arbeitete in den USA nach einem Dokument in den United Nations Archives (siehe Quellen) mit 11 Organisationen zusammen.Kreider spricht in seinem Bericht von 15 Organisationen, von denen er neun zu „principal shipping agencies“ erklärt. Aus der nachfolgenden Tabelle fehlen in seiner Aufstellung das Committee on Christian Science Wartime Activities of the Mother Church und die War Relief Services – National Catholic Welfare Conference. (Robert Kreider: CRALOG) Partner von CRALOG auf deutscher Seite war das The German Central Committee for the Distribution of Foreign Relief (Deutscher Zentralausschuss für die Verteilung der ausländischen Liebesgaben beim Länderrat (DZVaLL))Die entsprechenden Dokumente befinden sich im Bundesarchiv, Bestand BArch Z 1, in dem vier deutsche Organisationen zusammenarbeiteten. Zunächst erstreckte sich die Zusammenarbeit auf den Zentralausschuss beim Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes, der dann die Zusammenarbeit mit den Zentralausschüssen in den anderen Besatzungszonen und in West-Berlin folgte.

US-amerikanische Hilfsorganisationen Deutsche Partnerorganisationen American Friends Service Committee Caritas Brethren Service Committee Evangelisches Hilfswerk Committee on Christian Science WartimeActivities of the Mother ChurchBei dieser Organisation handelt es sich vermutlich um ein Komitee der von Mary Baker Eddy gegründeten Christian Science. Church World ServiceChurch World Service Records, 1925-1969, Seite 2: History Rotes Kreuz(die jeweiligen Landesorganisationenin den Besatzungszonen) International Resque and Relief Committee Labor League for Human Rights (AF of L)Die Labor League for Human Rights wurde 1938 gegründet und war der Arm der AFL im Kampf gegen den Totalitarismus. (Geert van Goethem: The Amsterdam International. The World of the International Federation of Trade Unions (IFTU), 1913-1945 auf Google-Books). Zu ihrem Führungspersonal zählten George Meany William Green und Matthew Woll. Lutheran World ReliefVergleiche hierzu den Artikel in der englischen WIKIPEDIA: :en:Lutheran World Relief. Mennonite Central Committee National CIO Community Service CommitteeDas 1941 gegründete National CIO Community Service Committee war das Pendant der CIO (Gewerkschaft) zur Labor League for Human Rights der AFL. (Robert H. Zieger: The CIO, 1935-1955 auf Google-Books.) Unitarian Service Committee (USC) Arbeiterwohlfahrt (AWO) War Relief Services –National Catholic Welfare ConferenceZum Hintergrund dieser Organisation siehe den Artikel in der englischen WIKIPEDIA: :en:National Catholic Welfare Council. Es handelt sich bei ihr um die 1919 gegründete Dachorganisation der katholischen Wohlfahrts- und Erziehungsverbände der USA.

CRALOG übte in den USA vorwiegend koordinierende Funktionen aus; für die Aufbringung der Spenden waren die Verbände verantwortlich und verfolgten dabei je eigene Strategien. Während die kleineren Organisationen eher Sachspenden akquirierten (Kleidung und Lebensmittel), stellten die großen kirchlichen Verbände mehr die Geldsammlung in den Vordergrund ihrer Aktivitäten.Karl-Ludwig Sommer: HUMANITÄRE AUSLANDSHILFE ALS BRÜCKE ZU ATLANTISCHER PARTNERSCHAFT, S. 121 Insgesamt waren die Verbände sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht

Das Hilfsgütermanagement in der amerikanischen Besatzungszone Durch den Artikel von Robert Kreider (siehe unten) liegt eine gute Beschreibung der formalen Abläufe beim Hilfsgütermanagement in der amerikanischen Besatzungszone vorSoweit keine anderen Quellen benannt werden, folgt die nachfolgende Darstellung den Ausführungen von Kreider. Zu deren kritischer Beurteilung siehe unten unter Quellen., in der der Hauptsitz des Deutschen Ausschusses (DZVaLL) in Stuttgart angesiedelt war. Der CRALOG-Stab in der amerikanischen Zone bestand aus acht Personen, zwei davon mit Sitz in Berlin, die übrigen in München, Stuttgart, Bremen und Wiesbaden. Ihre Aufgaben waren: Betreuung der Verteilung durch die deutschen Wohlfahrtsverbände, Beratung bei Verteilungsproblemen, Erstellung von Berichten für die CRALOG-Agenturen in den USA, Abgabe von Empfehlungen an die amerikanischen Agenturen in Bezug auf dringend benötigte Lieferungen und Verbindungen halten zwischen den deutschen Behörden und der Militärregierung.

Die von der US-Army kostenlos über den Atlantik gebrachten Hilfsgüter – zu 80 % handelte es sich um Lebensmittel – wurden in Bremen entladen. Von dort aus erfolgte in der Verantwortung des DZVaLL die Lagerung, der Transport und die Verteilung der Hilfsgüter zu den Endempfängern. CRALOG-Versandexperten überwachten dies, und spezielle Wachen begleiteten die Transporte. Nach Kreider gab es so gut wie keine Verluste. Kritischer sah dies Sommer, der feststellte:

In der Regel waren die vier deutschen Organisationen einzeln die Adressaten der Lieferungen aus Bremen und organisierten dann in eigener Regie die Verteilung an die bedürftige Bevölkerung. Die Hilfsgüter wurden kostenlos abgegeben, wobei besonders auf die Versorgung von Ausgebombten, Flüchtlingen, zurückkehrenden Kriegsgefangenen sowie kranken und alten Menschen geachtet wurde. Eher die Ausnahme bildeten Lieferungen direkt an den DZVaLL, die dann für gemeinsame Aktionen zur Verfügung standen, so zum Beispiel in den Jahren 1946–47 für ein Kinderernährungsprogramm in Großstädten der amerikanischen Zone.

Auf Bitten des Office of Military Government for Germany (U.S.) (OMGUS) übernahm CRALOG auch Sonderprojekte, so zum Beispiel die Verteilung von gespendetem Insulin für die Versorgung von Diabetes-Kranken, und wurde auch in Reeducation-Programme zur Neuordnung des demokratischen Lebens in Deutschland eingebunden. Kreider nennt hier Starthilfen für die von den Quäkern initiierten und in der Tradition der Settlement-Bewegung stehenden Nachbarschaftsheime in Darmstadt und in Frankfurt.