Die Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten ist eine normalspurige zweigleisige Eisenbahnstrecke in Lothringen und dem Elsass, die bis zum Zweiten Weltkrieg auch strategische Aufgaben hatte. Sie verläuft entlang der deutsch-französischen Grenze teilweise quer durch das Pays de Bitche (deutsch: Bitscher Land). Der Abschnitt Saargemünd–Niederbronn-les-Bains ist stillgelegt und wurde im Abschnitt Bitsch-Lager–Niederbronn demontiert. Die Strecke ist zwischen Béning und Falck-Hargarten elektrifiziert.
Geschichte mini|links|Bahnhof von Bitsch zwischen den Weltkriegen (im Hintergrund die Festung, im Bild vorn die ehemalige Nationalstraße N 62)
Der Abschnitt zwischen Haguenau und Niederbronn wurde am 19. Dezember 1864 eröffnet, am 16. Dezember 1865 von Saargemünd (Sarreguemines) nach Beningen (Béning)Béning-les-Saint-Avold - Sarreguemines Ligne N°34 und am 1. Mai 1866 von Beningen bis Karlingen (Carling) verlängert.Béning-les-Saint-Avold - Carling Ligne N°34 Die Verlängerung von Niederbronn über Bitsch (Bitche) bis Saargemünd ging am 8. Dezember 1869 in BetriebÉtienne Biellmann: Niederbronn-les Bains–Sarreguemines. Ligne N°28., am 1. Mai 1882 wurde der Abschnitt von Karlingen über Falck-Hargarten nach Diedenhofen (Thionville) eröffnet.Carling - Hargarten-Falck Ligne N°34Strecken 12a bis 14e auf elsassbahn.free.fr Die Strecke war bereits vor dem Bau der Bahnstrecke Saarbrücken–Sarreguemines in Betrieb,http://www.memotransfront.uni-saarland.de/saarbruecken_sarreguemines.shtml wurde aber südlich von Bliesbrücken am 24. Juli 1870 mit Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges von einer Abteilung der 7. Ulanen unter Leutnant Karl von Voigt wieder zerstört. Auch östlich von Bitsch wurde im Kriegsverlauf die Strecke unbrauchbar gemacht.Herrman Irle, aus: Beträge zur Landes- und Volkskunde von Elsass-Lothringen, Heft XX, "Die Festung Bitsch", 3. Auflage, 1902, S. 23 und S. 36
Bis zum Kriegsende wurde die Strecke zwischen Beningen (Béning) und Diedenhofen (Thionville) durchgehend mit Zügen befahren. Die Strecke wurde von Anfang an vor allem für militärische Zwecke konzipiert, in Friedenszeiten war die Bedeutung für den Frachtverkehr gegenüber dem Personenverkehr 3:1.Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, 1912 Insbesondere im Tal des Schwarzbachs im Elsass konnten mit der Bahn viele Industriebetriebe bedient werden.
Streckenverlauf Die Bahnstrecke folgt zwischen Haguenau und Saargemünd in weiten Abschnitten der N 62 respektive der D 1062, wie sie aus verwaltungstechnischen Gründen im Elsass heißt. Sie verläuft in Südsüdost–Nordnordwest-Richtung entlang der deutsch-französischen Grenze und verbindet wichtige Bahnen miteinander: in Haguenau wird die Bahnstrecke Vendenheim–Wissembourg gekreuzt in Saargemünd hat sie Anschluss an die Bahnstrecken Saarbrücken-Saargemünd und Saargemünd–Straßburg in Beningen (Béning) kreuzt sie die Forbacher Bahn (Paris–Metz–Saarbrücken) in Falck-Hargarten geht sie in die Bisttalbahn über
Bahnhöfe Saargemünd war und ist zentraler Umsteigebahnhof für die Linien nach Saarbrücken (Saarbahn) sowie die Bahnstrecke Mommenheim–Sarreguemines, nach Saarburg über Saarunion (TER-Linie 18) und nach Straßburg (TER-Linie 20).
Der erste Bahnhof von Haguenau wurde bereits 1855 an der Bahnstrecke Vendenheim–Wissembourg erbaut, 1892 aber durch einen anderen Bau ersetzt und 1944 durch Kampfhandlungen zerstört. Das heutige Gebäude datiert von 1950.
Infrastruktur Die Strecke ist mit verschiedenen Streckenblocksystemen ausgestattet. Der Bloc Automatique kommt von Falck-Hargarten nach Saargemünd zum Einsatz. Der Bloc Manuel wurde im stillgelegten Abschnitt zwischen Saargemünd und Bitsch eingesetzt, ab Niederbronn-les-Bains ist die Strecke mit dem Bloc automatique lumineux (BAL) bis Haguenau ausgestattet.SNCF Réseau — Karte und Übersicht der Zugabstandssysteme Im Sommer 1956 ging die Oberleitung zwischen Béning und Falck-Hargarten in Betrieb.Revue Chemins de fer de l’AFAC, Nr. 393, 1988, Seite 263 Die maximale Neigung beträgt von Hagenau nach Saargemünd 15 ‰, sonst bis zu 10 ‰. Außerdem weisen viele Kurven Radien von minimal 300 m auf.Reinhard Douté: Les 400 profils de lignes voyageurs du réseau ferré français, La Vie du Rail, August 2011, ISBN 978-2-918758-34-1, Band 1, Seiten 73–74 Der Abschnitt Haguenau–Schweighouse-sur-Moder war früher zweigleisig.H. Lartilleux: Géographie des chemins de fer français, Band 1, Éditions Chaix, 1955
Verkehr
Zwischen Niederbronn und Haguenau verkehren als Linie A05 unter der Trägerschaft des TER Grand Est, davor unter Trägerschaft des TER Alsace, bis zu zehn Zugpaare täglich, überwiegend sind sie bis Straßburg durchgebunden. Mit Busunterstützung wird eine regelmäßige Bedienung sichergestellt, wovon die meisten bis Bitsch weiterfahren.
Nur auf der Strecke zwischen Bitsch und Niederbronn ruht seit 1996 der Schienenverkehr komplett. Auf dem Abschnitt wurde die Grenze der beiden ehemaligen Regionen Lothringen und Elsass überquert. Was nach der Demontage mit der Bahnstrecke geschehen soll, ist noch nicht geplant.
Bis Dezember 2011 verkehrten die Züge durchgehend zwischen Bitsch und Béning. Wegen zu geringer Rentabilität und Oberbauschäden wird der Abschnitt Bitsch–Saargemünd seitdem durch Schienenersatzverkehrsbusse bedient. Auf einem Teilabschnitt findet touristischer Verkehr mit Fahrraddraisinen statt. Die Regionalzüge zwischen Saargemünd und Béning werden nach Metz-Ville durchgebunden und als Linie L16 des TER Grand Est geführt (ehemals Linie 17 beim TER Lorraine). Montag bis Freitag verkehren zwischen Béning und Metz sechs bzw. sieben Züge, Samstag zwei Zugpaare und Sonntag eines, die restlichen Fahrten werden durch Busse erbracht.
Auf dem Streckenabschnitt Béning–Falck-Hargarten wird heute kein Personenverkehr mehr durchgeführt.
Fahrzeugeinsatz Für die Züge des TER Lorraine werden die Baureihen X 73500 und X 76500 eingesetzt, beides sind Dieseltriebzüge. Beim TER Alsace kommt ebenfalls die Baureihe X 76500 zum Einsatz sowie Régiolis-Triebzüge der Baureihe B 83500.
Weblinks Bahnhofspläne als Tiff-Datei Kursbuch von 1944: 267e Saargemünd–Beningen–Falck-Hargarten–Metz und 284e Hagenau (Els)–Bitsch–Saargemünd Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann (Hg.): Stätten grenzüberschreitender Erinnerung. Lieux de la mémoire transfrontalière, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Lothringen Kategorie:Bahnstrecke im Elsass Kategorie:Bahnstrecke in Grand Est Kategorie:Bahnstrecke der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen