mini|Jozef Kardinal De Kesel und drei Bischöfe in Chorkleidung (Belgien). V. l. n. r.: Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich, Franco Coppola, apostolischer Nuntius in Belgien, Jozef Kardinal De Kesel und Guy Harpigny, Bischof von Tournai Als Chorkleidung, Chorgewand oder Chortracht werden die Gewänder bezeichnet, die von kirchlichen Amtsträgern und liturgischen Diensten bei der Feier eines Gottesdienstes und bei sogenannten pia exercitia (etwa Prozessionen) getragen wird. Ausgenommen ist die Feier der heiligen Messe, bei der die Zelebranten und die assistierenden Diakone Messgewänder (Kasel bzw. Dalmatik) tragen. Die Chorkleidung kann ergänzt werden durch Insignien des jeweiligen Amtes in der Kirche. So trägt etwa der einer Feier vorstehende Priester eine Stola, bei manchen Feiern zum Ein- und Auszug auch das Birett, zum Chorgewand.
Chorkleidung kann, neben der Albe, nach Maßgabe der jeweiligen Bischofskonferenzen auch von Akolythen, Ministranten und anderen liturgischen Diensten, die Laien sind, getragen werden.Allgemeine Einführung ins Meßbuch AEM, S. 339.
Historisch leitet die Chorkleidung sich von den Gewändern ab, die in den letzten Jahrhunderten des Römischen Reiches in Gebrauch waren. Chorkleidung ist vor allem in der römisch-katholischen, der anglikanischen und der griechisch-orthodoxen Kirche in Gebrauch. Die protestantischen Kirchen haben außer den lutherischen Kirchen die Chorkleidung mit der Reformation aufgegeben.
Chorkleidung in der römisch-katholischen Kirche mini|Römisch-katholische Kanoniker des Domkapitels der St.-Salvator-Kathedrale in Brügge (Belgien) in Chorkleidung mini|Papst Benedikt XVI. in Chorkleidung mit Stola bei seinem Brasilienbesuch im Jahr 2007 mini|Benedikt XVI. mit winterlicher Mozzetta bei seinem Polenbesuch im März 2006
Für die Chorkleidung römisch-katholischer Kleriker wurden zum Teil nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil detaillierte neue Verordnungen getroffen.Ut sive sollicite. Secretaria status seu papalis: Instructio: Circa vestes, titulos et insignia generis Cardinalium, Episcoporum et Praelatorum ordine minorum. In: Acta Apostolicae Sedis 61 (1969) 334-40. (online mit englischer Übersetzung).Per Instructionem. Sacra Congregatio pro clericis litterae circulares: De reformatione vestium choralium. In: Acta Apostolicae Sedis 63 (1971) 314-15 und Notitiae 8 (1972) 36-37 (online mit englischer Übersetzung).Cæremoniale Episcoporum: ex decreto sacrosancti œcumenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Ioannis Pauli pp. II promulgatum. Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1984, Nachdrucke 1985 und 1995 (online mit englischer Übersetzung). Die Chorkleidung besteht hauptsächlich aus: der Soutane oder dem Talar mit oder ohne Soutanenbinde;Instruktion Ut sive sollicite in Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, Bd. 1, Heinrich Rennings und Martin Klöckener (Hrsg.), Butzon & Bercker, 1335, S. 639 ff.Ulrich Nersinger: In: Zenit.org. 19. November 2010, abgerufen am 23. März 2025. falls der Kleriker einer Ordensgemeinschaft angehört, die einen Habit hat, trägt er anstelle der Soutane die Tunika der Ordenstracht. dem Chorhemd (oder dem Rochett, wenn der Träger ein Prälat ist) der Mozetta ggf. dem Birett als Kopfbedeckung
Priester mit päpstlichen Ehrentiteln tragen unter Umständen eine andere Soutane: schwarz mit violetten Borten, Knöpfen und Zingulum, während Ehrenprälaten und Apostolische Protonotare (Protonotarii Apostolici supra numerum) eine violette Soutane mit scharlachroten Borten und Knöpfen sowie ein violettes Zingulum tragen. Die frühere Vorschrift, eine violette Mantelletta und violette Strümpfe mit Schnallenschuhen zu tragen, wurde mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft. Von Ehrenprälaten und Apostolischen Protonotaren wird eine schwarze Soutane mit amarantfarbenen Borten und Knöpfen und dem violetten Zingulum getragen. Apostolische Protonotare der päpstlichen Kurie (Protonotarii Apostolici de numero) tragen dagegen in der Liturgie die violette Soutane eines Bischofs mit einem Rochett und einer violetten Mantelletta.Ut sive sollicite: Pars prima: De Vestimentis: C) Pro Praelatis ordine minoribus. Kanoniker können, wenn das jeweilige Domkapitel dazu die päpstliche Erlaubnis hat, das Rochett tragen, mit einer Mozzetta, deren Farbe durch das jeweilige Kapitel bestimmt wird.
Bischöfe tragen eine violette Soutane mit scharlachroten Borten und ihr Brustkreuz, das an einem grünen und goldenen Band oder einer Kette befestigt ist, eine Mozzetta über dem Rochett und als Kopfbedeckung einen violetten Pileolus (zucchetto) unter dem Birett. Alternativ können Bischöfe auch eine schwarze Soutane mit rotem Besatz (roten Knöpfen, rot verbrämten Knopflöchern) tragen. Prälaten und Äbte einer Territorialabtei, Apostolische Administratoren und Apostolische Vikare dürfen, auch wenn sie nicht die Bischofsweihe haben, die Chorkleidung eines Bischofs tragen.Ut sive sollicite: Pars prima: De Vestimentis: B) Pro Episcopis.
Ein Kardinal trägt eine scharlachrote Soutane mit einem Brustkreuz an rotem und goldenem Band oder Kette, eine rote Mozzetta über dem Rochett und dazu einen roten Pileolus. Die in früheren Zeiten übliche Vorschrift, eine Mantelletta, das rote Zingulum mit Quasten, den Tabarro (einen liturgischen Umhang) und rote Schnallenschuhe zu tragen, wurde aufgehoben.Ut sive sollicite: Pars prima: De Vestimentis: A) Pro S. R. E. Cardinalibus.
Die Chorkleidung des Papstes besteht aus einer weißen Soutane und dem Rochett. Im Sommer trägt der Papst eine rote Mozzetta aus Seide, im Winter eine aus Samt mit weißem Fellsaum oder in der Osterzeit eine weiße Mozzetta aus Damast, ebenfalls mit weißem Fellsaum. Die letzten beiden Varianten wurden von den Päpsten bis zu Paul VI. benutzt und unter Benedikt XVI. wieder eingeführt. Das Brustkreuz des Papstes ist an einer goldenen Kette befestigt.
Der Chormantel (das Pluviale) und die Stola können über der Chorkleidung getragen werden, wenn beispielsweise ein Kleriker über die Spendung der Sakramente wacht (z. B. bei der kirchlichen Eheschließung, wenn diese nicht innerhalb einer Heiligen Messe stattfindet), bei der kirchlichen Begräbnisfeier oder wenn dieser dem Stundengebet vorsteht (z. B. kann der leitende Priester, der bei der Feier der Vesper in einem Seminar präsidiert, das Pluviale und die Stola über der Chorkleidung tragen).
center|80px center|80px center|80px center|80px center|80px center|80px Papst Kardinal Bischof Diakon Apostolischer Protonotarde numeroder päpstlichen Kurie Päpstlicher Ehrenprälatoder ApostolischerProtonotar supra numerum center|432px Chorgewand verschiedener Kanoniker
Chorkleidung in den Ostkirchen mini|Patriarch Alexius II. mit Dmitri Medwedew in Moskau 2008 mini|Bischof Mercurius von Zaraisk, Rektor der russisch-orthodoxen Saint Nicholas Cathedral (New York) im Jahr 2005 mini|Erzbischof Hieronymos II. von Athen mit Präsident Papoulias (links, 2008) mini|Metropolit Wladimir von Sankt Petersburg mit Wladimir Putin im Jahr 2003 Die Chorkleidung in den katholischen Ostkirchen, den orthodoxen Kirchen und den altorientalischen Kirchen ist relativ ähnlich. Über einer inneren Soutane (, Zostikon oder , Podryasnik) wird eine langärmelige, meist schwarze äußere Soutane getragen (, Ryassa, , Exorason). Besonders in der griechischen Tradition wird anstelle des Exorason oft nur eine Weste (, Kontorason) getragen. In der russisch-orthodoxen Kirche tragen verheiratete Kleriker häufig graue Kleidung, während Mönche schwarze Gewänder tragen. Während der Osterzeit wird häufig unter dem Gewand noch eine Albe getragen. Einige russische Metropoliten tragen bei der Feier der Göttlichen Liturgie eine weiße Soutane als Untergewand und darüber eine blaue.
Katholische Ostkirchen und orthodoxe Kirchen In den katholischen Ostkirchen und der Orthodoxie tragen Mönche einen langen schwarzen Umhang, die Mantija (мантия, μανδύας), der die gesamte darunter getragene Kleidung bedeckt. In der griechischen Tradition wird die Mantija nur zu bestimmten liturgischen Anlässen getragen. In der slawischen Kirchentradition tragen alle Mönche und Nonnen ab dem Rang eines Stavrophor („Kreuzträger“) die Mantija bei allen Diensten innerhalb des eigenen Klosters. Die Mantija eines Hegumen (Abtes) ist aus schwarzer Seide, die eines Archimandriten oder Bischofs aus farbiger Seide mit vier quadratischen Feldern, zwei davon im Brust/Hals-Bereich und zwei am Fußende. Die Mantija hat außerdem drei horizontale Streifen, die entweder golden (griechische Tradition) oder rot und weiß (slawische Tradition) sind.
Der zölibatäre Klerus trägt andere Kopfbedeckungen als der verheiratete. Verheiratete Kleriker tragen entweder ein farbiges Kamilavkion oder eine Skufia, während Mönche ein schwarzes Kamilavkion mit zugehörigem Kopfumhang (Epanokalimavkion), zusammen als Klobuk bezeichnet, tragen. Russische Erzbischöfe tragen ein juwelenbesetztes Kreuz an der Stirnseite ihres Klobuk, russische Metropoliten tragen einen weißen Klobuk, ebenfalls mit juwelenbesetztem Kreuz. Viele orthodoxe Patriarchen tragen eine rundliche Kopfbedeckung, das Koukoulion.
Priester, denen ein silbernes, goldenes oder juwelenbesetztes Brustkreuz zuerkannt wurde, tragen dieses zusammen mit ihrer Chorkleidung. Bischöfe tragen anstelle des Brustkreuzes eine Panagia (eine Ikone der Theotókos, der Gottesgebärerin). Erzbischöfe können beides tragen. Alle leitenden Bischöfe und auch einige rangniedere haben das Recht, ein Enkolpion (Brustbild mit der Ikone Christi), Brustkreuz und eine Panagia zu tragen.
Beispiele Innerhalb der verschiedenen autokephalen Kirchen existieren verschiedene Kleidungstraditionen. Die folgenden Bilder zeigen Beispiele von Chorkleidungen der Ostkirchen. center|80px center|80px center|80px center|80px Patriarch(slawisch) Metropolit(slawisch) Bischof(slawisch) Bischof(griechisch)
center|100px center|100px center|100px center|100px center|100px center|100px center|100px Priester imliturgischen Gewandfür die Vesper Priester (in den orthodoxen Kirchen tragen auch die Priester und Priestermönche ein Brustkreuz) Priestermönch in Exorason mit Klobuk Priester in grauem Zostikon und schwarzemKontorason orthodoxer Schima-Mönch Mönch in Exorasonmit Klobuk Lektor in schwarzem Zostikon
Orientalisch-orthodoxe Kirchen mini|Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas (in roter Soutane) und ein Priester (in schwarzer Soutane). center|100px center|100px center|100px scenter|100px center|100px Syrisch-orthodoxerPatriarch Syrisch-orthodoxerBischof Syrisch-orthodoxerPriester Syrisch-orthodoxerPriestermönch Koptischer Priester In der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien tragen Priester eine schwarze Kopfbedeckung (Phiro), ähnlich dem Pileolus der katholischen Kirche. Bei sakramentalen Handlungen tragen die Priester auch ihre Stola, das Epitrachelion.
Chorkleidung in der anglikanischen Kirche mini|Ein anglikanischer Priester in Chorkleidung: Talar, Chorhemd und Pelerine. Auf den Schultern ist die dunkelrote „akademische Gugel“ (academic hood) erkennbar. miniatur|Der anglikanische Bischof von Winchester, Timothy Dakin, mit Chorhemd, roter Zimarra und schwarzer Pelerine (2012)